The Lighthouse

Filmtipp von Matthias (Casa-Theaterleiter)

Filmbild The Lighthouse

Filmkunstemesse Leipzig – jeden Tag laufen von morgens bis abends Filme, manche davon muss man sehen, weil man sie nicht einschätzen kann, manche sieht man einfach, weil sie gerade ins Programm passen und zwei, drei Filme gibts in der Woche, die man unter allen Umständen sehen muss. „The Lighthouse“ ist so ein Film. Die Vorschuss-Lorbeeren aus Cannes waren enorm, der beste Film des Festivals angeblich (obwohl er gar nicht im Hauptprogramm lief, sondern in der Quinzaine des Réalisateurs, wo in Cannes oft die besten Filme laufen). Ein Wahnsinn von einem Film, schwarzweiß, nur zwei Männer im Bild, fast quadratisches Bildformat. Ein wahnsinnig toller Trailer. Und dann anstehen vor dem Saal – und der Kollege zwei Plätze vor Dir in der Schlange wird als letzter eingelassen. Saal voll – keine Chance. So ein Mist! Einen Tag später die nächste Chance, dieses Mal auf einer größeren Leinwand in der (ziemlich runtergerockten) Schauburg. Immerhin … Dieses Mal ist der Saal nur halbvoll – und abgesehen davon, dass die Kollegen den Film viel zu leise spielen: Was für ein Erlebnis!

Die Vorstellung von „The Lighthouse“ ist kein normaler Kinobesuch. Von der ersten Minute an zeichnet sich der Wahnsinn ab, die engen, harten Bilder, das Nebelhorn alle paar Minuten, der irre Blick von William Dafoe, die unergründliche Unterwürfigkeit von Robert Pattinson – und doch steigert sich der Film von Minute zu Minute, wird immer extremer. Gewalt ist kaum zu sehen, aber man leidet mit diesen beiden Männern, die Tag für Tag im Sturm, Glas für Glas und Flasche für Flasche Alkohol an ihrer Selbstzerstörung arbeiten. Eine Andeutung jagt die nächste, ein Ereignis folgt aufs nächste, zwei Schauspieler, von denen man Großes erwartet hat, liefern die Vorstellung ihres Lebens ab.

Manche fanden das zu extrem – und das ist mehr als verständlich. Auf „The Lighthouse“ muss man sich einlassen – und es gibt nicht viele Filme, die mit letztlich einfachen Mitteln ein so extrem beeindruckendes Ergebnis erreichen wie es Robert Eggers hier tut. Wäre der Film im Anschluss gleich noch mal gelaufen – ich wäre im Saal sitzen geblieben.

„The Lighthouse“ ist ab dem 28. November im Programm!
Die Kinokneipe wird Grog servieren.