Filmtipp-Archiv

TV- und Mediatheken-Tipps vom 20. bis 26. Mai 2021

Zusammengestellt von Rainer Mesch (Casa-Akademie) und mit Zitaten aus den Kurzkritiken von filmdienst.de!


Das schönste Paar

von Sven Taddicken, Deutschland 2018
Donnerstag, 20. Mai 2021, 23:15 Uhr, Arte

Aufwühlendes deutsches Schauspiel-Kino mit Luise Heyer und Maximilian Brückner.

„Zwei Jahre nach einem brutalen Überfall in einer Ferienwohnung auf Mallorca gerät die Beziehung eines bürgerlichen Paares in eine neue Krise, als der Mann einem der damaligen Täter auf die Spur kommt. Während er sich immer mehr in eine Art Zweikampf mit dem jugendlichen Täter verbeißt, will die Frau nicht mehr an das Geschehene rühren. Das subtile Drama lotet die Motive der glänzend gespielten Figuren aus und macht deutlich, wie unterschiedlich mit lange nachwirkenden Traumata umgegangen werden kann.“


The Killing of a Sacred Deer

von Giorgos Lanthimos, Großbritannien/USA 2017
Donnerstag, 20. Mai 2021, 23:55 Uhr, RBB

Irritierende Familienstudie vom Meister des abgründigen Humors.

„Der perfekte Familienentwurf eines erfolgreichen Herzchirurgen gerät aus dem Gleichgewicht, als sich ein 16-jähriger Junge als Relikt der Vergangenheit in sein Leben drängt. Als er sich zu entziehen versucht, ereignen sich übernatürliche Heimsuchungen, und der Teenager stellt dem Arzt ein perfides Ultimatum. Eine unheimliche, zutiefst verstörende und bizarre Allegorie voller Anspielungen auf die griechische Mythen- und die Filmgeschichte. Die mit viel Stilwillen umgesetzte Thriller-Variation reflektiert zudem die moralische Rolle des Familienoberhaupts in einer Situation der Machtlosigkeit.“


Der Geschmack von Rost und Knochen

von Jacques Audiard, Frankreich/Belgien 2012
Sonntag, 23. Mai 2021, 20:15 Uhr, Arte – bis 29.5. in der Arte-Mediathek

Physisch und emotional packendes Melodram mit Matthias Schoenaerts und Marion Cotillard.

„Ein junger Mann reist mit seinem fünfjährigen Sohn von Nordfrankreich an die Côte d’Azur, zieht dort zur Familie seiner Schwester und nimmt einen Job als Türsteher an. Er lernt eine junge Wal-Trainerin kennen, die bei einem durch einen Orka verursachten Unfall beide Unterschenkel verliert. Obwohl der Mann weder Mitleid noch Mitgefühl empfindet, hilft er der jungen Frau ins Leben zurück. Das kraftvolle, mitunter wuchtig entwickelte (Melo-)Drama führt seine Handlungsstränge zu einem emotional aufwühlenden Ende zusammen und besticht durch außergewöhnliche Schauspielerleistungen in den beiden Hauptrollen.“

Um 22:10 Uhr folgt die Doku „Jacques Audiard – der Herzschlag eines Cineasten“.


Er ist wieder da

von David Wendt, Deutschland 2015
Montag, 24. Mai 2021, 22:05 Uhr, Sat 1

Gelungene filmisch eigenständige Umsetzung von Timur Vermes satirischen Bestseller.

„Adolf Hitler erwacht im Jahr 2014 in Deutschland zu neuem Leben. Da man ihn für einen perfekten Imitator und Comedian hält, macht er Karriere im sensationsgierigen, zynisch auf Quote schielenden Fernsehen, während er menschlich-joviales Verständnis für die diffuse Unzufriedenheit von Wutbürgern, Stammtisch-Politikern und Rechtsradikalen zeigt und ihre Politikverdrossenheit für seine Ziele nutzt. Verfilmung des Romans von Timur Vermes auf dem schmalen Grat von Mediensatire, Klamotte und gesellschaftspolitischer Beobachtung. Dabei nutzt der vorzüglich inszenierte und gespielte Film die ikonische Führer-Figur, um in einem Geflecht aus inszenierten und halbdokumentarischen Szenen demokratiefeindlichen Tendenzen nachzuspüren. Ein durchaus mutiger und provokanter Unterhaltungsfilm, der herausfordert und nachdenklich macht.“


Die Einzelteile der Liebe

von Miriam Bliese, Deutschland 2019
Dienstag, 25. Mai 2021, 22:50 Uhr, ARD – bis 1.7. in der ARD-Mediathek

Alternatives deutsches Kino: eine ungewöhnlich inszenierte Beziehungsstudie aus Berlin.

„Stationen der abwechslungsreichen Beziehung eines jungen Berliner Paares über einen Zeitraum von sechs Jahren, die nachvollziehen, warum die beiden in der Gegenwart an sich gescheitert sind. Dabei verzichtet der vorzüglich gespielte Film, der zur Gänze vor dem Haus und in der Wohnung des Paares spielt, auf laute Aus- und Aufbrüche, sondern entdeckt die zunehmende Entfremdung vor allem in Zwischentönen. Eine genaue, kraftvolle und glasklare Studie, die von schöner Lakonik, Sentiment und Selbstironie lebt.“


Shoplifters – Familienbande

von Hirokazu Kore-eda, Japan 2018
Mittwoch, 26. Mai 2021, 20:15 Uhr, Arte – bis 1.6. in der Arte-Mediathek

Mit der Goldenen Palme und zahlreichen internationalen Preisen ausgezeichneter Film über eine sich mit widrigen sozialen Umständen herumschlagende „Familie“.

„Eine am Rande von Tokio wohnende Gruppe von Menschen hält sich mit kargen Einkünften und kleinen Diebstählen über Wasser. Trotz der Enge nehmen sie auch noch ein vernachlässigtes Mädchen bei sich auf, das neben der warmherzigen Gemeinschaft allerdings bald auch die kleinkriminellen Handlungen der Patchwork-Familie kennenlernt. Das mit meisterlicher Beiläufigkeit inszenierte, humorvolle Drama malt mit großer Einfühlsamkeit, aber ohne jeden Armutskitsch das Modell einer auf Zuneigung gründenden Familie aus, die gemeinsam den Härten des Daseins trotzt. Ohne zu moralisieren, sammelt der Film Impressionen eines gegenwärtigen Japan ein, in dem das Verhalten der Figuren kaum Alternativen zu haben scheint.“

Um 22:10 Uhr folgt die Film-Doku „Es war einmal…Shoplifters – Familienbande“. bis 24.7. in der Arte-Mediathek

TV- und Mediatheken-Tipps vom 13. bis 19. Mai 2021

Zusammengestellt von Rainer Mesch (Casa-Akademie) und mit Zitaten aus den Kurzkritiken von filmdienst.de!


Der Eid

von Baltasar Kormákur, Island 2016
Freitag, 14. Mai 2021, 22:55 Uhr, 3Sat – bis 12.6. in der 3Sat-Mediathek (jeweils von 22:00 bis 6:00 Uhr)

Ein Musterbeispiel für das starke isländische Kino der letzten Jahre.

„Die gerade erst volljährige Tochter eines isländischen Herzchirurgen verliebt sich in einen Dealer und droht, ins Drogenmilieu abzugleiten. Als die Appelle des Vaters nichts ausrichten und die Behörden keine Handhabe finden, entwickelt der Arzt erstaunliche Kreativität und greift zur Selbstjustiz. Doch die losgetretene Gewaltspirale ist kaum unter Kontrolle zu halten. Spannender Thriller in bester Claude-Chabrol-Tradition, der subtil mit den Erwartungen wie auch mit der moralischen Haltung des Zuschauers spielt, bis sich hinter der gutbürgerlichen Fassade ein sadistisches Gewaltpotenzial auftut.“


Drei Gesichter

von Jafar Panahi, Iran 2018
Sonntag, 16. Mai 2021, 22:10 Uhr, Arte – bis 14.6. in der Arte-Mediathek

Unter widrigen Umständen gedrehtes iranisches Kino mit gesellschaftlichen Bezügen.

„Ein junges Mädchen, das gegen den Willen seiner Familie die Schauspielschule besuchen möchte, wendet sich mit einem verstörenden Handy-Video an die iranische Schauspielerin Behnaz Jafari. Die reist daraufhin gemeinsam mit dem Regisseur Jafar Panahi in die Heimat des Mädchens, um Klarheit über das mysteriöse Video zu erlangen. Auf der Reise in den Norden des Landes kommen die Großstädter mit ländlichen Traditionen, religiösen Überzeugungen und anderen Realitäten in Berührung. Das eigenwillige Road Movie, mit dem der iranische Regisseur erneut an dem ihm auferlegten Berufsverbot vorbeifilmt, richtet den Blick vor allem auf die widerständigen Potenziale von Frauen im Iran.“


The Dark Knight

von Christopher Nolan, USA 2008
Sonntag, 16. Mai 2021, 22:55 Uhr, Pro7

Hochgelobter 2. Teil von Christopher Nolans „Batman“-Triologie mit Heath Ledger als Joker.

„Bruce Wayne alias Batman hofft, dass der neue Staatsanwalt von Gotham die organisierte Kriminalität in der Stadt eindämmen kann, sodass seine Einsätze als maskierter Verbrecherfänger überflüssig werden. Die Syndikate nehmen derweil das Angebot des Schurken Joker an, Batman auszuschalten. Meisterlich inszeniertes Blockbuster-Kino, das zwischen mitreißenden Actionszenen und emotionalem Drama darum kreist, mit welchen Mitteln ein rechtsstaatliches System verteidigt werden darf, ohne selbst seine Legitimität und Integrität verlieren. Dabei wartet der Film mit furioser Musik und bis in die Nebenrollen erstklassig besetzten und eindrücklich konturierten Figuren auf.“


Systemsprenger

von Nora Fingscheidt, Deutschland 2019
Montag, 17. Mai 2021, 20:15 Uhr, ZDF

Das hätte niemand erwartet: ein „kleiner“ deutscher arthouse-Film räumt die wichtigsten Bundesfilmpreise ab, erhält eine Oscar-Nominierung – und findet über 600.000 Zuschauer.

„Ein neunjähriges Mädchen, das schon mehrere psychiatrische Aufenthalte hinter sich hat, verweigert sich so radikal allen Verhaltensnormen, dass es für seine Betreuer schwer wird, überhaupt noch Einrichtungen oder Pflegeeltern zu finden. Die Helfer ahnen, dass hinter den Gewaltausbrüchen frühkindliche Traumata stecken, sind aber überfordert und nehmen die Aggression des Kindes persönlich. Der sorgfältig recherchierte und in den Hauptrollen überragend gespielte Film will weder anklagen noch urteilen, sondern wirbt mit großer Kraft um Verständnis für ein Kind, das mit extremen Ausbrüchen nach Halt und Geborgenheit sucht. Statt auf ein Sozialdrama setzt die Inszenierung auf eine starke affektive Anteilnahme der Zuschauer, die auch psychisch in das chaotische Erleben der Protagonistin involviert werden.“


Bildbuch

von Jean-Luc Godard, Frankreich/Schweiz 2018
Montag, 17. Mai 2021, 23:40 Uhr, Artebis 26.4.2022 in der Arte-Mediathek

Komplexer Experimentalfilm vom nach wie vor umtriebigen „Nouvelle Vague“-Meister.

„Filmessay von Jean-Luc Godard, das mit den avanciertesten filmischen Mitteln assoziativ über die Menschheit und das Kino, den Zustand der Welt und die lebenslange Beschäftigung des Regisseurs mit Bildern reflektiert. Das digital verfremdete Material aus der Filmgeschichte, von Youtube oder simplen Handyaufnahmen wird mit Fragmenten aus Literatur, Film und Kunst zu einem mäandernden Bewusstseinsstrom verschmolzen, der zu vielfältigsten Überlegungen Anlass gibt und auch durch seine stereophonische Gestaltung formal begeistert.“


Freier Fall

von Stephan Lacant, Deutschland 2013
Montag, 17. Mai 2021, 20:15 Uhr, One – bis 28.5. in der ARD-Mediathek

Sensibles deutsches Kino, das sich an das ‚Brokeback Mountain‘-Thema wagt.

„Um seine schwangere Geliebte zu entlasten, zieht ein Bereitschaftspolizist zu seinen Eltern, obwohl dieser Rückschritt die Beziehung belastet. Ablenkung sucht der werdende Vater in einer Fortbildung und einer Affäre mit seinem ungleichen Zimmergenossen, dessen Gefühle bald über den spielerischen homosexuellen Ausbruchsversuch hinausgehen. Bodenständig inszeniert, bleibt die zum Scheitern verdammte Dreiecksgeschichte nah am Weltbild seines kleinbürgerlichen Milieus, besticht aber durch seine präsenten Darsteller (Hanno Kofler und Max Riemelt).“


Ich, Daniel Blake

von Ken Loach, Großbritannien/Frankreich 2016
Mittwoch, 19. Mai 2021, 20:15 Uhr, Arte – bis 25.5. in der Arte-Mediathek

Hut ab vor Ken Loach: mit 80 Jahren inszeniert er diesen grandiosen Film.

„Ein 59-jähriger britischer Zimmermann erleidet kurz vor dem Rentenalter einen leichten Herzinfarkt und ist erstmals in seinem Leben auf staatliche Hilfe angewiesen. Beim Kampf mit Anträgen und Formularen lernt er eine alleinerziehende Mutter kennen, die ähnlich erniedrigende Erfahrungen mit der Bürokratie gemacht hat. Trotz komödiantischer Töne liegt die Stärke der Inszenierung im politischen Zorn, mit dem Regisseur Ken Loach die Herzlosigkeit der verwalteten Welt auf den Deregulierungswahn der Neokonservativen zurückführt.“

Um 21:50 Uhr folgt „Es war einmal…Ich, Daniel Blake“. Die 2020 in England gedrehte Dokumentation beleuchtet die Entstehungsgeschichte und die Hintergründe des Sozialdramas.

TV- und Mediatheken-Tipps vom 6. bis 12. Mai 2021

Zusammengestellt von Rainer Mesch (Casa-Akademie) und mit Zitaten aus den Kurzkritiken von filmdienst.de!


High-Rise

von Ben Wheatley, Großbritannien 2015
Donnerstag, 6. Mai 2021, 23:30 Uhr, WDR


The Rider

von Chloé Zhao, USA 2017
Donnerstag, 6. Mai 2021, 23:40 Uhr, RBB

Vorgängerfilm der chinesischen Regisseurin, die für ‚Nomadland‘ aktuell zahlreiche Preise (u.a. drei Oscars) bekommen hat.

„Ein junger indianischer Pferdetrainer wird bei einem wilden Ritt aus dem Sattel geworfen und so schwer verletzt, dass er künftig nicht mehr reiten darf. Vor dem Hintergrund des Lebens in einem Indianerreservat in South Dakota beschreibt der Film die geistigen und körperlichen Folgen des verhängnisvollen Sturzes. Die fast dokumentarisch nachgestellten Szenen werden von dem realen Trainer, dem sie zugestoßen sind, und von dessen Familie und Freunden gespielt. Ihre Authentizität wird durch die präzise beobachtende Kamera und eine unprätentiöse, höchst aufmerksame und sensible Inszenierung wirkungsvoll unterstützt. Bei aller Wirklichkeitstreue durchweht ein Hauch von Melancholie und Poesie den Film, was ihm einen eigenen, unverwechselbaren Stil verleiht.“


Elser – Er hätte die Welt verändert

von Oliver Hirschbiegel, Deutschland 2014
Samstag, 8. Mai 2021, 21:45 Uhr, One – bis 15.5. in der ARD-Mediathek

Deutscher Geschichtsunterricht zum Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus (1).

„Nach seinem missglückten Attentat auf Adolf Hitler am 8.11.1939 im Münchner Bürgerbräukeller wird der junge Georg Elser an der Schweizer Grenze verhaftet, von der Gestapo gefoltert, um etwaige Mittäter preiszugeben, und schließlich ins KZ Dachau verfrachtet. Das detailreich recherchierte, brillant gespielte Drama blendet immer wieder in die Lebensgeschichte des zunächst sinnes- und lebensfrohen, dann immer stärker zweifelnden Handwerkers von der Schwäbischen Alb zurück, der durch seine Tat den begonnenen Weltkrieg beenden will. In die exemplarische Biografie des Widerstandskämpfers fließen eindrucksvoll Fragen nach der Verantwortlichkeit des Einzelnen gegenüber politischem Unrecht, aber auch nach Schuld und der Bedeutung des Glaubens ein.“


Brügge sehen … und sterben?

von Martin McDonagh, Großbritannien/USA 2008
Samstag, 8. Mai 2021, 22:15 Uhr, Servus TV


Sophie Scholl – Die letzten Tage

von Marc Rothemund, Deutschland 2005
Sonntag, 9. Mai 2021, 23:50 Uhr, ARD – bis 8.6. in der ARD-Mediathek

Deutscher Geschichtsunterricht zum Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus (2).

„Drama um die fünf letzten Tage der Studentin Sophie Scholl, die 1943 als Mitglied der Widerstandsgruppe Weiße Rose hingerichtet wurde. Der Film begleitet sie von der letzten Flugblatt-Aktion bis zum Tod unterm Fallbeil, wobei der Schwerpunkt auf kammerspielartigen Verhörszenen liegt, in denen Sophie Scholl ihre Überzeugungen vertritt. Erstmals standen für das Drehbuch die originalen Verhörprotokolle zur Verfügung, die neben Briefen und Tagebucheintragungen in die Dialoge eingearbeitet wurden, wodurch ein hoher Grad an Authentizität erreicht wird. Nicht zuletzt durch das großartige Spiel der Darsteller ein erschütterndes Zeitdokument.“


Ewige Jugend

von Paolo Sorrentino, Italien/Frankreich/Schweiz/Großbritannien 2015
Sonntag, 9. Mai 2021, 1:45 Uhr (d.h. Montag), ARD – bis 17.5. in der ARD-Mediathek

Mehrfacher europäischer Filmpreis für eine melancholische Alters-Tragikomödie mit Michael Caine und Harvey Keitel.

„Ein alternder Komponist hat sich mit seiner Tochter und seinem besten Freund in einen Schweizer Wellness-Tempel zurückgezogen. Als er vor der englischen Königin sein berühmtestes Stück dirigieren soll, weigert er sich, auf die Bühne zurückzukehren. In opulenten Bildern fächert der multiperspektivisch erzählte Film die Handlung in erlesenen Schlaglichtern auf das Altern und die Akzeptanz des Vergänglichen auf. In die Schaffens-, Beziehungs- und Lebenskrisen mischen sich irrwitzige (Alb-)Träume und zutiefst menschliche Realitäten, wobei der szenisch mäandernde, barock ausladende Erzählbogen stets souverän die Balance zwischen Genialität, Genie und Kitsch wahrt.“


Waldheims Walzer

von Ruth Beckermann, Österreich 2018
Montag, 10. Mai 2021, 22:30 Uhr, 3Sat – bis 17.5. in der 3Sat-Mediathek

Heikle Vergangenheitsaufarbeitung aus Österreich.

„Die Kandidatur und spätere Wahl des früheren UN-Generalsekretärs Kurt Waldheim zum österreichischen Bundespräsidenten war Mitte der 1980er-Jahre von intensiven Auseinandersetzungen um seine NS-Vergangenheit begleitet. Der Kompilationsfilm rekonstruiert die Affäre entlang von Archivaufnahmen, ORF-Material und eigenen Aufnahmen der Regisseurin Ruth Beckermann. Der glänzende Filmessay zeichnet dabei nicht nur das öffentliche Ringen um eine angemessene historische Erinnerung nach, sondern arbeitet die Abwehr politischer Verantwortung als Folge mangelnder Selbstkritik heraus.“


Goodbye Lenin

von Wolfgang Becker, Deutschland 2002
Montag, 10. Mai 2021, 23:10 Uhr, MDR

Mit zahlreichen Preisen ausgezeichnete deutsche Erfolgs-Komödie (1).

„In den letzten Tagen der DDR fällt die Mutter eines 21-jährigen Ostberliners ins Koma und wacht erst nach der Wiedervereinigung wieder auf. Um fortan ihr schwaches Herz zu schonen, gaukeln ihr der Sohn und seine Schwester vor, dass die DDR noch existiere, was beiden aber zunehmend schwerer fällt. Diese schöne Grundidee führt zu einer tragikomischen Abfolge von Ereignissen, die die DDR trotz aller Makel als verlorene Heimat zeigt. Eine warmherzige melancholische Komödie mit ansprechenden Ideen und hervorragenden darstellerischen Leistungen.“


Toni Erdmann

von Maren Ade, Deutschland/Österreich/Rumänien 2016
Dienstag, 11. Mai 2021, 22:15 Uhr, WDR – bis 18.5. in der ARD-Mediathek

Mit zahlreichen Preisen ausgezeichnete deutsche Erfolgs-Tragikomödie (2).

„Ein alternder Musiklehrer taucht unangemeldet bei seiner Tochter in Bukarest auf, wo diese für eine Unternehmensberatung an Rationalisierungskonzepten für die Ölindustrie arbeitet. Entsetzt von ihrem freudlosen Manager-Dasein, will er sie in der Gestalt eines kauzigen Alter Egos aus der Reserve locken. Eine souverän zwischen Komik, Tragik und surrealen Momenten wandelnde dramatische Komödie um einen Generationenkonflikt, bei dem sich beide Seiten umkreisen, befehden und schließlich doch annähern. Vorzüglich inszeniert und getragen von zwei überragenden Darstellern, entwirft der Film mit großer innerer Wahrhaftigkeit ein vielschichtiges Vater-Tochter-Verhältnis mit zeitkritischen Anklängen. Untergründig kreist er dabei stets auch um die Frage, wie man leben will.“

TV- und Mediatheken-Tipps vom 29. April bis 5. Mai 2021

Zusammengestellt von Rainer Mesch (Casa-Akademie) und mit Zitaten aus den Kurzkritiken von filmdienst.de!


No!

von Pablo Larain, Chile/Frankreich/USA 2012
Donnerstag, 29. April 2021, 23:30 Uhr, WDR

Kluges oscarnominiertes Politkino aus Lateinamerika nach Vorlage von Antonio Skarmeta.

„Vor der Volksabstimmung im Sommer 1988 in Chile streitet die Opposition über die richtige PR-Strategie. Ein junger Marketing-Mann in Santiago de Chile schlägt vor, den Menschen die Angst zu nehmen und Optimismus zu verbreiten. Mit dieser Überzeugung stößt er auf den Widerstand vieler Pinochet-Gegner, die es frivol finden, mit buntem Optimismus in den Kampf gegen die Diktatur zu ziehen. Ein dynamisches Drama mit vielschichtigen Figuren und einer ambitionierten Ästhetik, das umsichtig und klug die jüngere Zeitgeschichte rekonstruiert und davon erzählt, wie die demokratischen Kräfte über ein medial bestens ausgerüstetes Regime triumphieren. Fern eines vorschnell triumphierenden Bürgerrechtsepos à la Hollywood, bleibt hinter allem Humor und aller Situationskomik die Brutalität der Diktatur stets bewusst.“


Die letzten Tage der Emma Blank

von Alex van Warmerdam, Niederlande 2009
Freitag, 30. April 2021, 21:00 Uhr, One – bis 7.5. in der ARD-Mediathek

Alex van Warmerdam – ein Geheimtipp für alle, die schräg-abgründiges Kino mögen.

„In einer abgeschiedenen Villa am Meer lässt sich die Dienerschaft von der schwer kranken Hausherrin schikanieren und erniedrigen. Der Grund für ihre Unterwürfigkeit liegt im Testament begründet: Die Angestellten sind die Erbengemeinschaft der Sterbenden und wollen sich ihren Anteil nicht verscherzen. Eine sarkastische, klug inszenierte Gesellschaftssatire, die mit viel schwarzem Humor die Grenzen der Selbsterniedrigung auslotet und in einen tiefen menschlichen Abgrund blicken lässt. Dabei leitet der Film geschickt die Zuschauersympathien, die zunächst auf Seiten der Ausgebeuteten liegen, später aber auch in die entgegengesetzte Richtung tendieren.“


Rückkehr nach Montauk

von Volker Schlöndorff, Deutschland/Frankreich/Irland 2017
Sonntag, 2. Mai 2021, 23:35 Uhr, ARD – bis 9.5. in der ARD-Mediathek

Volker Schlöndorffs Beziehungs-Alterswerk mit Nina Hoss und Stellan Skarsgard.

„Ein Schriftsteller kommt für ein Wochenende nach New York, um seinen neuen, autobiografisch gefärbten Roman vorzustellen, in dem es um eine vor Jahren gescheiterte Liebe geht. Er besucht seine einstige Geliebte, um seinen Gefühlen für sie nachzuspüren, wobei er während einer Reise mit ihr ans Meer bei Montauk mit unerwarteten Einsichten konfrontiert wird. Eine melancholische, vorzüglich gespielte und inszenierte Annäherung an existenzielle Probleme von Alter und Tod, Selbstzweifel und die Befangenheit in gelebten Rollen. Volker Schlöndorffs sehr persönliche Verbeugung vor Max Frisch bewegt sich souverän auf der unscharfen Grenze von Fiktion und Realität und setzt subtil Leben und Kunst miteinander ins Verhältnis.“


Die schönen Tage

von Marion Vernoux, Frankreich 2013
Mittwoch, 5. Mai 2021, 20:15 Uhr, Arte – bis 18.5. in der Arte-Mediathek

Französisches Gefühlskino mit Fanny Ardant.

„Seit ihre beste Freundin an Krebs starb und sie ihren Beruf als Zahnärztin an den Nagel gehängt hat, steckt eine verheiratete, attraktive und selbstbewusste Frau um die 60 in einer Lebenskrise. Sie lernt den Leiter eines Computerkurses kennen, einen temperamentvollen jungen Mann, der ihr Sohn sein könnte. Aus einem unverfänglichen Seitensprung entwickelt sich eine Affäre auf ungewisse Zeit. Eine charmant-humorvolle Liebesgeschichte, trotz mancher Klischees und einem nicht immer überzeugenden Zusammenspiel weitgehend feinfühlig und liebenswert inszeniert, getragen von oft wunderbar komischen und subtilen Dialogen.“


Beuys

von Andreas Veiel, Deutschland 2017
Mittwoch, 5. Mai 2021, 23:00 Uhr, WDR – bis 13.5. in der ARD-Mediathek

Formal ungewöhnlich gestaltete Künstler-Doku.

„Porträt des Künstlers Joseph Beuys (1921-1986), der mit seinen häufig aus Fett und Filz gestalteten Installationen nicht nur die kulturelle Öffentlichkeit aufwühlte, sondern auch mit seinen politischen Interventionen für Aufsehen sorgte. Beuys’ ikonische Erscheinung und seine Streitbarkeit machten ihn zum begehrten Objekt der Medien, was der materialreiche, in einem langen Konzentrationsprozess entstandene Dokumentarfilm nutzt, um den „ganzen“ Beuys vorzustellen. Die collagenartige Gestaltung erzeugt eine große Unmittelbarkeit, die den historischen Abstand aufhebt und Beuys’ Werk ebenso wie seine Botschaft für die Gegenwart erschließt.“


Einmal bitte alles

von Helena Hufnagel, Deutschland 2017
Mittwoch, 5. Mai 2021, 2:20 Uhr (d.h. Donnerstag), BR

Frisches deutsches Gegenwarts-Kino mit der famosen Luise Heyer.

„Eine 27-jährige Illustratorin hat sich damit arrangiert, dass sie den Sprung ins Erwachsenendasein noch nicht so recht geschafft hat, wird aber von ihrer Umwelt so lange mit Sorgen und Ängsten vor dem dritten Lebensjahrzehnt drangsaliert, bis sie selbst in eine seelische Krise gerät. Dem erfrischenden Spielfilmdebüt gelingen höchst selbstironische Einblicke in die Freuden und Nöte einer „späten“ Generation. Die Inszenierung nimmt dabei ebenso für sich ein wie die glänzende Hauptdarstellerin, die ihrer zwischen kindlichem Trotz und Weltekel schwankenden Figur viele Facetten abgewinnt.“

TV- und Mediatheken-Tipps vom 22. bis 28. April 2021

Zusammengestellt von Rainer Mesch (Casa-Akademie) und mit Zitaten aus den Kurzkritiken von filmdienst.de!


Der glücklichste Tag im Leben des Olli Mäki

von Juho Kuosmanen, Finnland/Schweden/Deutschland 2016
Donnerstag, 22. April 2021, 0:05 Uhr (d.h. Freitag), RBB – bis 30.4. in der ARD-Mediathek

Warmherziges Boxer-Biopic im schönsten Schwarz-Weiß, das für den Fremdsprachen-Oscar nominiert war und als bester Erstlingsfilm den europäischen Filmpreis 2016 bekam.

„Ein talentierter finnischer Boxer soll 1962 zum nationalen Shooting-Star aufgebaut werden und gegen den amtierenden Weltmeister antreten. Dazu verordnet ihm sein Manager eine Rosskur, bestehend aus intensivem Training, Gewichtsverlust und PR-Auftritten, doch der gelernte Bäcker ist frisch verliebt und in Gedanken meist bei seiner Freundin. Ein vorzüglich fotografiertes, zudem umwerfend lebensnah gespieltes Boxerdrama, das die üblichen maskulinen Gewaltexzesse der Sportart zugunsten seines wortkargen Anti-Helden vernachlässigt. Zugleich entwirft die märchenhafte filmische Kostbarkeit mit viel Jazz und lakonischem Humor ein optimistisches Stimmungsbild der Epoche.“


Zana

von Antneta Kastrati, Kosovo/Albanien 2019
Samstag, 24. April 2021, 23:30 Uhr, 3Sat – bis 23.5. in der 3Sat-Mediathek

Publikumspreis beim Go-East-Filmfestival des mittel- und osteuropäischen Films 2020.

„Eine junge Frau aus einem Dorf im Kosovo, die im Krieg ihre kleine Tochter verloren hat, wird nicht wieder schwanger, weshalb ihre Familie die Dienste von Hexen und Wunderheilern in Anspruch nimmt. Als sie sich dieser Behandlung widersetzt, droht ihr Mann, sich eine jüngere Frau zu nehmen. Als sie einlenkt, wird sie zusehends von Albträumen heimgesucht, in denen sich ihre traumatischen Erfahrungen spiegeln. Ein auf autobiografischen Erfahrungen beruhendes Psychodrama über eine Gesellschaft, die zwar ihre gefallenen Märtyrer verehrt, aber keinen Platz für die lebenden Opfer findet. Der Hang zu einer gewissen Symbolik wird dabei durch Einfühlsamkeit und wirkmächtige Bilder aufgefangen.“


Oscar 2021 – Die Academy Awards

Sonntag, 25. April 2021, 2:00 Uhr (d.h Montag), Pro7 – in der Pro7-Mediathek

And the winner is…. ??? – Also ganz ehrlich: Dieses Jahr haben selbst die Casa-Macher*innen keinen klaren Favoriten.


Ummah – Unter Freunden

von Cünet Kaya, Deutschland 2013
Montag, 26. April 2021, 20.15 Uhr, One – bis 26.5. in der ARD-Mediathek

Sympathisches deutsch-türkisches Milieukino mit Frederick Lau und Kida Khodre Ramadan.

„Ein junger, im Einsatz schwer verletzter V-Mann des Verfassungsschutzes wird nach seiner Genesung in einer Wohnung in Berlin-Neukölln einquartiert. Misstrauisch beäugt er seine islamisch geprägte Umgebung, findet aber bald Anschluss. Als sein zynischer, um die eigene Position fürchtender Kontaktmann verlangt, dass er seine neuen Freunde verrät, um von einem Korruptionsskandal abzulenken, schaltet er auf Widerstand. Ein zwischen sympathischer Milieuschilderung und großspuriger „Räuberpistole“ changierendes Drama mit didaktischem Unterton. Außergewöhnlich ist der Film nicht nur in inszenatorischer, sondern auch darstellerischer Hinsicht.


The Cleaners – Im Schatten der Netzwelt

von Hans Block, Deutschland/Brasilien/Niederlande/Italien/USA 2018
Dienstag, 27. April 2021, 21:45 Uhr, Arte – bis 3.5. in der Arte-Mediathek

Einer unserer best besuchtesten Dokumentarfilme des Jahres 2018.

„Investigativer Dokumentarfilm über die Aufgaben der „Content Manager“ in sozialen Netzwerken wie Facebook, die überwiegend von Arbeitern auf den Philippinen ausgeführt werden: In Sekundenschnelle manuell zu entscheiden, welche Inhalte auf Internetplattformen veröffentlicht werden dürfen oder gegen die Richtlinien verstoßen. Ein bemerkenswerter Film, der aus vielfältigen Perspektiven Fragen nach der Kontextualisierung von Bildern, ihrer sozialen Eingebundenheit und den politischen und kommerziellen Interessen der Unternehmen stellt, denen wir unsere Daten anvertrauen. Dabei zeigt er zugleich die Problematik von Institutionen auf, die durch ihre oft willkürliche Zensur Auseinandersetzungen verhindern und Affekte wie Empörung und Hass verstärken.“


The Guilty

von Gustav Möller, Dänemark 2018
Mittwoch, 28. April 2021, 20:15 Uhr, Arte – bis 4.5. in der Arte-Mediathek

Clever konstruiertes Spannungskino aus dem hohen Norden.

„Ein Polizist in der Notrufzentrale von Kopenhagen nimmt den Anruf einer verängstigten Frau entgegen, die offenbar von ihrem Ex-Mann im Auto entführt wurde. Eigenmächtig versucht er, von seinem Telefonplatz aus den Wagen zu finden. Doch je tiefer er sich in diese Angelegenheit verwickeln lässt, desto mehr geraten seine moralischen Gewissheiten ins Wanken. Der auf engstem Raum spielende, höchst konzentrierte Thriller entwickelt seine enorme Spannung allein aus den dramatischen Entwicklungen am Telefon und dem fulminanten Spiel des Hauptdarstellers heraus. Vielschichtig nähert sich der Film dem Thema der Schuld, das auch dem Zuschauer den scheinbar sicheren Boden entzieht.“


„Mir ist es egal, wenn wir als Barbaren in die Geschichte eingehen“

von Radu Jude, Rumänien/Bulgarien/Deutschland/Frankreich/Tschechien 2018
Mittwoch, 28. April 2021, 22:35 Uhr, Arte – bis 4.5. in der Arte-Mediathek

Der vorletzte Geniestreich des eigenwilligen diesjährigen Berlinale-Gewinners.

„Eine resolute Theaterregisseurin will mit einer Volkstheater-Aufführung eine Debatte über Rumäniens Beteiligung am Holocaust unter General Ion Antonescu anstoßen. In Form eines Reenactments soll das Massaker von Odessa im Jahr 1941 in das kollektive Bewusstsein zurückgeholt werden. Reaktionär gesinnte Komparsen und der Widerstand von Entscheidungsträgern machen ihr jedoch die Arbeit schwer. Komplexer, hochdiskursiv aufgebauter Geschichtsaufarbeitungsfilm über den marginalisierten oder schlicht geleugneten Antisemitismus Rumäniens. Die selektive Erinnerungspolitik ist in dem brillanten, vor Materialfülle nur so berstenden Film ebenso Thema wie das Scheitern von politischer Kunst.“


Bayerischer Filmpreis 2020

Mittwoch, 28. April 2021, 22:00 Uhr, BR – bis 28.4.22 in der BR-Mediathek

Im Gegensatz zu den Oscars weiß man beim zweitbedeutendsten deutschen Filmpreis nicht einmal, welche Filme nominiert sind. Ein klassischer Fall von Hinterzimmer-Filmpolitik! Immerhin soll Martina Gedeck den Ehrenpreis bekommen. Das geht schon mal okay.

TV- und Mediatheken-Tipps vom 15. bis 21. April 2021

Zusammengestellt von Rainer Mesch (Casa-Akademie) und mit Zitaten aus den Kurzkritiken von filmdienst.de!


Border

von Ali Abbasi, Schweden/Dänemark 2018
Donnerstag, 15. April 2021, 23:30 Uhr, WDR – bis 15.5. in der ARD-Mediathek

Ein Unikat aus dem hohen Norden: surreal, verstörend, menschlich…

„Eine durch einen angeblichen Chromosomenfehler als Außenseiterin stigmatisierte schwedische Grenzbeamtin kann Scham, Angst und Wut riechen. Auf diese Weise macht sie Schmuggler ausfindig und bringt die Polizei auf die Spur eines Pädophilen-Rings. An der Grenze begegnet sie aber auch einem wesensverwandten Mann, der ihr ihre gemeinsame Herkunft enthüllt. Das grandiose Drama verwebt sozialen Realismus, Fantasy und skandinavische Mythologie zu einem zwitterhaften Werk, in dem aktuelle gesellschaftliche Debatten um Identität, Ausgrenzung und Rassismus anklingen. Ein im wahrsten Sinne des Wortes grenzüberschreitender Ausnahmefilm.“


Herbert

von Thomas Stuber, Deutschland 2015
Donnerstag, 15. April 2021, 23:50 Uhr RBB – bis 23.4. in der ARD-Mediathek

Großartiges deutsches Schauspielerkino mit Peter Kurth in der Titelrolle.

„Ein ehemaliger Boxer, der sich als Türsteher und Geldeintreiber durchs Leben bringt, erkrankt an einem unheilbaren Nervenleiden. Angesichts seines rapiden Verfalls verspürt der hartgesottene Egomane den Wunsch, sich mit seiner Tochter auszusöhnen und einen Kontakt zu seiner Enkelin zu finden. In beinahe dokumentarischer Manier zeichnet das mutige Drama den Niedergang eines ezdf mediatheinsamen Kolosses nach, der auf dem Weg in den Tod seine Emotionen nicht mehr verdrängen kann. Ein erschütternder Film mit einem überragenden Hauptdarsteller, der in seiner erzählerischen Konsequenz an R.W. Fassbinders Berlin Alexanderplatz heranreicht.“


Die wilden Boys

von Bertrand Mandico, Frankreich 2017
Donnerstag, 15. April 2021, 0:10 Uhr (d.h. Freitag), Arte – bis 13.7. in der Arte-Mediathek

Unser Geheim-Tipp für diese Woche: Halluzinatorisches experimentelles Kino.

„Fünf verwöhnte reiche Sprösslinge werden zu Beginn des 20. Jahrhunderts nach einer Untat von einem mysteriösen Kapitän auf eine seltsame tropische Insel transportiert. Dort erwarten die Delinquenten eine sexualisierte Natur mit bizarrer Vegetation und der zur Frau gewordene Herr der Insel, der die feminine Verwandlung der Jungen vorweggenommen hat. Eine mit großem Einfallsreichtum und Bildgewalt inszenierte erotische Phantasie, die Elemente der Avantgardefilme von Maya Deren und Kenneth Anger mit klassischem Erzählkino zu einem queeren und surrealen Abenteuer mischt.“


Lucky

von John Carroll Lynch, USA 2017
Samstag, 17. April 2021, 0:05 Uhr (d.h. Sonntag), 3Sat

Harry Dean Stantons autobiografisch geprägter letzter Film.

„Vignetten aus dem Leben eines alten Mannes in der Wüste von Arizona, die sich zu einem bewegenden Porträt eines Menschen verdichten, der gelernt hat, mit der Einsamkeit und dem Bewusstsein der Sterblichkeit umzugehen. Ein gänzlich unpathetischer, zu den Wurzeln der Existenz vordringender, wortkarger Film, in dem die Furcht vor dem Tod der gelassenen Akzeptanz täglicher Rituale weicht.“


Die letzten Gigolos

von Stephan Bergmann, Deutschland 2014
Montag, 19. April 2021, 0:20 Uhr (d.h. Dienstag), ZDF – bis 17.5. in der ZDF-Mediathek

Aus heutiger Sicht schon unwirklich wirkende Kreuzfahrt-Flirt-Doku.

„An Bord des Kreuzfahrtschiffs MS Deutschland porträtiert der Dokumentarfilm formal spielerisch und humorvoll zwei etwa 70-jährige Gentleman Hosts, die allein reisenden Frauen als Tänzer, Begleiter und Unterhalter den Aufenthalt an Bord verschönern. Das in attraktiven Kinobildern gedrehte Porträt einer betuchten Generation, die fern vom Alltag mit entspannter Offenheit über das Altern, die Liebe, Sex und Sehnsüchte plaudern. Dabei zeigt der beschwingte Einblick in den Mikrokosmos Kreuzfahrt nebenbei immer wieder auch die riesige Maschinerie, die den Luxus am Laufen hält.“


Erde

von Nikolaus Geyrhalter, Österreich 2019
Montag, 19. April 2021, 22:25 Uhr, 3Sat – bis 18.5. in der 3Sat-Mediathek

Bei der Berlinale mit dem Preis der ökumenischen Jury ausgezeichnetes neues Werk des renommierten österreichischen Dokumentarfilmers.

„Im Vergleich zu Wind, Wetter und Gezeiten werden Jahr für Jahr fast dreimal mehr Sand, Steine und Felsen durch die Maschinen der Menschen bewegt, die mit rabiater Gewalt den Planeten umgraben, ausbeuten, roden oder versiegeln. Mit schneidend scharfen Bildern protokolliert der Dokumentarfilm die Zerstörung der Erde, die rational kaum mehr gerechtfertigt werden kann. Auch die Interviews mit Arbeitern, Ingenieuren und Wissenschaftlern fördern eine fatale Resignation zu Tage, da weder der Einzelne noch die Gesellschaften dieser Dynamik einer sich verselbständigten Ausbeutung Einhalt gebieten können.“


Burn After Reading

von Joel & Ethan Coen, USA 2008
Dienstag, 20. April 2021, 20:15 Uhr, Servus TV

TV- und Mediatheken-Tipps vom 8. bis 14. April 2021

Zusammengestellt von Rainer Mesch (Casa-Akademie) und mit Zitaten aus den Kurzkritiken von filmdienst.de!


Ayka

von Sergej Dwortsewoi, Russland/Deutschland/Polen/Kasachstan/China 2018
Donnerstag, 8. April 2021, 23:30 Uhr, Arte – bis 14.4. in der Arte-Mediathek

Raues russisches Mutter-Kind-Drama – Samal Yeslyamova bekommt in Cannes 2018 den Preis für die beste Hauptdarstellerin.

„Eine illegal unter erbärmlichen Umständen in Moskau lebende kirgisische Immigrantin lässt ihren Sohn nach der Geburt im Krankenhaus zurück. Auf der verzweifelten Suche nach einer Arbeit irrt sie durch die winterliche Stadt, erlebt aber immer nur weitere Ausbeutung und Kälte. Das bedrückende Porträt einer Gesellschaft, die von der Indifferenz der Wohlhabenden und der Verzweiflung der Hungrigen geprägt ist, kreiert eine beklemmend klaustrophobische Atmosphäre. Das beeindruckende Sozialdrama vermittelt hautnah und ohne Rührseligkeit das Schicksal seiner Protagonistin, deren Kraft und Leiden die Hauptdarstellerin eindringlich verkörpert.“


12 Years a Slave

von Steve McQueen, USA/Großbritannien 2013
Samstag, 10. April 2021, 20:15 Uhr, Pro7

Dieses historische Filmdrama gewann den Oscar für den besten Film 2014, das beste adaptierte Drehbuch und die Auszeichnung für die beste Nebendarstellerin.

„Beruhend auf den Memoiren von Solomon Northup, erzählt der Film die Geschichte eines Afroamerikaners, der in den USA des 19. Jahrhunderts als freier Mann in den Nordstaaten lebt, bis er entführt und als Sklave in die Südstaaten verkauft wird. Dort droht er unter der Unterdrückung und Entmenschlichung zu zerbrechen, bis es ihm gelingt, eine Nachricht an seine Familie zu übermitteln, die für seine Befreiung sorgt. Regisseur Steve McQueen fokussiert darauf, was Sklaverei mit Menschen anrichtet. Der emotionalen Wucht des Stoffs steuert er durch vielschichtige Figuren und eine kluge Inszenierung entgegen, die Raum zum Nachdenken jenseits unmittelbarer emotionaler Reaktionen schafft.“


Leb wohl, meine Königin

von Benoit Jacquot, Frankreich/Spanien 2012
Sonntag, 11. April 2021, 0:05 Uhr (d.h. Montag), ARD – bis 19.4. in der ARD-Mediathek

Die Geschichte der französischen Revolution aus der Sicht zweier Frauen.

„Versailles, kurz nach dem Sturm auf die Bastille 1789: Eine junge Frau, Vorleserin der Königin Marie Antoinette, beobachtet die zwischen Ignoranz, Angst und Unverständnis wechselnden Reaktionen der Hofgesellschaft auf die anbrechende Revolution. Da sie der Königin in inniger Liebe zugetan ist, lässt sie sich auf eine gefährliche Maskerade ein, um deren beste Freundin vor dem Volkszorn zu retten. Präzise schildert der Film aus der Perspektive einer Figur, die sich zwischen der Sphäre der Dienstboten und der Pracht der königlichen Gemächer bewegt, den Zerfall eines Herrschaftssystems, wobei er die Verdrängung und Realitätsferne der Mächtigen deutlich macht.“


The Cut

von Fatih Akin, Deutschland/Frankreich/Polen/Türkei/Kanada/Russland/Italien 2014
Montag, 12. April 2021, 23:15 Uhr, NDR – bis 19.4. in der ARD-Mediathek

Unter Kritikern nicht unumstrittenes großes zeitgeschichtliches Gefühlskino.

„Leidensodyssee eines armenischen Schmieds, der 1915 von den Osmanen ermordet werden soll, durch glückliche Umstände überlebt und sich jahrzehntelang und über Kontinente hinweg auf die Suche nach den Überresten seiner Familie macht. Ein fürs breitere Publikum inszeniertes episches Road Movie über den Völkermord an den Armeniern. Bildstark und politisch differenziert greift der Film ein türkisches Tabu-Thema auf und aktualisiert es in Gestalt eines Flüchtlings- und Migrantenschicksals.“


Mein Leben mit Amanda

von Mikhaël Hers, Frankreich 2018
Mittwoch, 14. April 2021, 20:15 Uhr, Arte – bis 20.4. in der Arte-Mediathek

Aktuelles sensibles französisches Gefühls-Kino.

„Ein Mittzwanziger aus Paris führt ein Dasein ohne viele Bindungen und Verpflichtungen, bis seine Schwester bei einem brutalen Gewaltakt getötet wird. Als nächster Angehöriger kümmert er sich fortan um seine siebenjährige Nichte, zögert aus Unsicherheit und Hilflosigkeit aber die Entscheidung heraus, ob er ihr gesetzlicher Vormund werden will. Mit gelassener Detailgenauigkeit entwickelt das Drama sich überlagernde Trauer- und Neufindungsprozesse und gewinnt durch ruhige Beobachtungen und das konzentrierte Spiel der Darsteller eine hohe Authentizität. Der gefühlvolle Film versagt sich jede Überdramatisierung und entfaltet behutsam seine anrührende Wirkung.“


Danke für den Regen

von Julia Dahr, Großbritannien 2016
Mittwoch, 14. April 2021, 0:20 Uhr (d.h. Donnerstag), Arte – bis 13.5. in der Arte-Mediathek

Ungewöhnliche Klimadoku, die gut in unsere „Films-for-future“-Reihe gepasst hätte.

„Ein kenianischer Bauer hält über fünf Jahre hinweg mit der Kamera fest, wie Wetterextreme in Folge des Klimawandels die Existenz seines Dorfs bedrohen. Was vormals ein Dürregebiet war, wird nun immer wieder von verheerenden Regengüssen heimgesucht. Eine ungewöhnliche dokumentarische Annäherung an die Klimaveränderungen, die von ihrem eigensinnigen Protagonisten lebt, der sich mit seinem Ausgeliefertsein nicht abfinden möchte. Abgerundet wird der Film durch Reisen in die norwegische Heimat der Co-Regisseurin sowie zur Pariser Weltklimakonferenz, die ernüchternde Ergebnisse, aber auch neue Perspektiven eröffnet.“

TV- und Mediatheken-Tipps vom 1. bis 7. April 2021

Zusammengestellt von Rainer Mesch (Casa-Akademie) und mit Zitaten aus den Kurzkritiken von filmdienst.de!


Ein letzter Tango

von German Kral, Deutschland/Argentinien 2015
Donnerstag, 1. April 2021, 1:10 Uhr (d.h. Freitag), Arte – bis 30.4. in der Arte-Mediathek

Ein Doku-Film, ein Musik-Film, ein Beziehungs-Film, ein sehenswertes Kleinod…

„Sie liebten sich, sich stritten sich, konnten sich gegenseitig nicht mehr ertragen und tanzten doch mehr als 50 Jahre lang gemeinsam: María Nieves (81) und Juan Carlos Copes (84) zählen zu den berühmtesten Tanzpaaren weltweit. Anhand ihrer Liebes- und Lebensgeschichte erzählt der Dokumentarfilm, wie der argentinische Tango den Weg auf die Weltbühne fand, wobei er weniger als gefühlvoller Tanz denn als getanztes Gefühl präsentiert wird. Junge Tänzer erarbeiten musicalartige Tango-Szenen zu Schlüsselmomenten aus Nieves’ und Copes’ Vergangenheit, die sich harmonisch-erhellend in das Porträt zweier einnehmender Persönlichkeiten einfügen.“


Was uns nicht umbringt

von Sandra Nettelbeck, Deutschland 2018
Freitag, 2. April 2021, 21:15 Uhr, ZDF

Mit hochkarätigen Schauspieler*innen besetzte deutsche Tragikomödie.

„Bei einem passionierten, insgeheim aber von den Problemen seiner Patienten manchmal auch überforderten Therapeuten laufen die Fäden eines breitgefächerten Personenreigens zusammen, aus denen das Auf und Ab im Leben der Hamburger Großstädter zum mal melancholisch dunklen, insgesamt aber eher heller gefärbten Netz gewoben ist. Der geschmeidige Ensemblefilm lotet als eine Art Kaleidoskop aus Trauer, Wut, Hoffnung und Zuversicht die Kraft gemeinsamen Redens aus, durch die sich manche Perspektive verrücken lässt. Glänzend besetzt und hervorragend gespielt.“


Boyhood

von Richard Linklater, USA 2014
Freitag, 2. April 2021, 1.10 Uhr (d.h. Samstag), ZDF

Diese mehrfach preisgekrönte (u.a. Silberner Bär der Berlinale) fiktive filmische Langzeitstudie ist sowohl gelungenes Experiment als auch filmisches Unikat.

„In zwölf Drehjahren mit denselben Schauspielern realisierte Richard Linklater einen Spielfilm über Kindheit und Jugend eines Jungen, der mit seiner Schwester und Mutter in Texas aufwächst. Von der Einschulung bis zum College sowie in vielen Gesprächen und Alltagssituationen entfaltet sich die fesselnde Reduktion auf das „gemeine Leben“, höchstens torpediert von den Erfahrungen eines Scheidungskindes. Mit hervorragend geschriebenen und gespielten Familienfiguren greifen der dokumentarische Gestus und der fiktive Inhalt in der Langzeitinszenierung virtuos ineinander und zeigen selten zu beobachtende Bilder des Heranwachsens.“


All is Lost

von J.C. Chandor, USA 2013
Freitag, 2. April 2021, 23:35 Uhr, 3Sat

Eines der besten Robert-Redford-Alterswerke.

„Ein alter Mann segelt mit seiner Yacht im Indischen Ozean. Wer er ist und wohin er will, erfährt man nicht. Stattdessen setzt der in seinen sparsamen Mitteln ganz auf Mann und Boot konzentrierte Film auf die wachsende Identifikation des Publikums mit dem von Naturgewalten heimgesuchten Segler. Ein minimalistischer Film, dessen Freude am dramatischen Detail mehr und mehr existenzieller Kontemplation weicht und damit durchaus allegorische Bezüge zulässt.“


Mörderland

von Alberto Rodriguez, Spanien 2014
Samstag, 3. April 2021, 20:15 Uhr, Tele 5 – bis 10.4. in der Tele 5-Mediathek

Düsterer, mit 10 Goyas ausgezeichneter, Sozialkrimi aus Spanien.

„Zwei Polizisten aus Madrid werden im Spätsommer 1980 in die andalusische Marschlandregion des Fluss Guadalquivir geschickt, um den Mord an zwei Mädchen aufzuklären. Sie geraten in einen Sumpf aus Ignoranz und organisiertem Verbrechen, erkennen aber auch, dass sie selbst mit sich und ihrer Vergangenheit nicht im Reinen sind. Der spannende Polizei-Thriller entwirft ein stimmig-morbides Sittenbild der 1980er-Jahre, vermittelt seine wortkarge Geschichte aber vor allem durch eine atemberaubende Bild- und Tonsprache, die die Handlung in audiovisuelle Stimmungen übersetzt.“


Rocketman

von Dexter Fletcher, USA/Großbritannien 2019
Montag, 5. April 2021, 20:15 Uhr, Pro7

Elton Johns Weg zum Weltstar als magisch-realistisches Musical.

„Beim Treffen einer Selbsthilfegruppe bekennt der Rockmusiker Elton John seine jahrelange Abhängigkeit von Drogen und Sex und rekapituliert sein bisheriges Leben: Aus der freudlosen Kindheit und den ersten Kontakten mit klassischer Musik erwächst über die Begegnung mit dem Songschreiber Bernie Taupin und eine Reihe von Charthits der kometenhafte Aufstieg zum Superstar mit extravagantem Outfit. Rauschende Musical-Biografie über den flamboyanten homosexuellen Rockmusiker mit prächtigen Kostümen und vielen Evergreens, in der Elton Johns Lebensstationen in stilisierte Auftritte aufgelöst werden.“


Fish Tank

von Andrea Arnold, Großbritannien 2019
Mittwoch, 7. April 2021, 20.15 Uhr, Arte – bis 13.4. in der Arte-Mediathek

Ein elektrisierendes britisches Sozialdrama um eine rebellierende Jugendliche.

„Ein souverän inszeniertes Drama über das Ringen einer Heranwachsenden zwischen frühreifer Lolita und hilfsbedürftigem Kind. Eine herausfordernde Coming-of-Age-Studie, die von der enormen Präsenz der Hauptdarstellerin lebt und die aufgelassenen Industriebrachen um die Themse-Mündung zum seelischen Spiegel macht.“

TV- und Mediatheken-Tipps vom 25. bis 31. März 2021

Zusammengestellt von Rainer Mesch (Casa-Akademie) und mit Zitaten aus den Kurzkritiken von filmdienst.de!


Atlas

von David Nawrath, Deutschland 2018
Donnerstag, 25. März 2021, 23:40 Uhr, ARD – bis 31.3. in der Arte-Mediathek

Stimmiges deutsches Vater-Sohn-Drama vor Gentrifizierungshintergrund.

„Ein älterer Möbelpacker, der bei einer Zwangsräumungsfirma arbeitet, trifft nach Jahrzehnten seinen Sohn wieder. Ohne sich ihm zu erkennen zu geben, will er ihn vor den kriminellen Praktiken seiner Firma bewahren, doch gelingt es ihm nicht, den Sohn davon abzuhalten, im Kampf um seine Wohnung seinerseits immer mehr Gewalt ins Auge zu fassen. Das lebensechte und konzentriert entwickelte Drama lotet die Tragik seiner Vater-Sohn-Entfremdung mit psychologischem Feingefühl aus und profitiert von brillanten Darstellern. Vielschichtig und mit Sympathie gelingt auch die Zeichnung eines randständigen sozialen Milieus, ohne dessen deprimierende Seiten zu dramatisieren.“


Marie Curie und das blaue Licht

von Marie Noëlle, Polen/Deutschland/Frankreich 2016
Freitag, 26. März 2021, 20:15 Uhr, Arte – bis 1.4. in der Arte-Mediathek


Django Unchained

von Quentin Tarantino, USA 2012
Freitag, 26. März 2021, 20:15 Uhr, Pro7

Pulp-Maestreo Quentin Tarantino goes Spahettiwestern – Oscar für Christoph Waltz.

„Ein schwarzer Sklave wird von einem weißen Kopfgeldjäger freigekauft. Aus der anfänglichen Zweckgemeinschaft entwickeln sich allmählich ein Schüler-Lehrer-Verhältnis sowie eine Freundschaft. Zusammen wollen sie die Braut des ehemaligen Sklaven, die einem sadistischen Herrn gehört, befreien und Rache nehmen. Rückgreifend auf das Western-Genre, speziell den Italowestern, komponiert Quentin Tarantino eine zitat- und beziehungsreiche Ballade über den Kampf gegen Rassismus und mit Bigotterie verbrämte Grausamkeit, wobei sich exaltierte Gewaltspitzen mit anspielungsreichen Dialogen, rasante Actionszenen mit elegischen Passagen abwechseln.“


Wackersdorf

von Oliver Haffner, Deutschland 2018
Sonntag, 28. März 2021, 0:05 Uhr (d.h. Montag), ARD – bis 4.4. in der ARD-Mediathek

Bestbesuchter deutscher Film 2018 in unserem Kino, ausführlich in der CasaAkademie-Veranstaltung „Rückblick deutscher Film 2018“ gewürdigt.

„Anfang der 1980er-Jahre plant die Bayerische Staatsregierung eine atomare Wiederaufbereitungsanlage in der Oberpfalz. Doch der Landrat von Schwandorf schließt sich nach anfänglicher Begeisterung den Atomgegnern an und setzt sich an die Spitze des ländlichen Widerstandes. Der vielschichtige Film widmet dem oberpfälzer Volkshelden ein differenziertes Porträt, das durch leise Komik, eine sorgsame Ausstattung und wunderbare Schauspieler besticht. Als Beispiel für eine streitbare Zivilgesellschaft, in der sich Engagement, Idealismus und Haltung auszahlen, ist das nuancierte Zeitbild über die 1980er-Jahre auch an die Gegenwart adressiert.“


König Banash und seine Tochter

von Agnes Lisa Wegner, Deutschland/Ghana 2021
Montag, 29. März 2021, 0:00 Uhr (d.h. Dienstag), ZDF

Dokumentarfilmpreisträger der Hofer Filmtage 2021.

„Céphas Bansah betreibt in Ludwigshafen seit Jahrzehnten eine kleine Kfz-Werkstatt. Zugleich ist er König für 200.000 Menschen in seiner Heimat Ghana, initiiert und finanziert dort Hilfsprojekte. Mit seiner Tochter Katharina, einer Künstlerin und Feministin, die die Thronfolge übernehmen soll, geht er wieder einmal auf die Reise zu seinem Volk. Eine geradlinige, freundliche Reportage über die Suche von Vater und Tochter nach Wurzeln und emotionaler Heimat. Die ebenso empathische wie sachliche Berichtsform ist nicht vom Willen zu politischer und soziologischer Analyse geprägt, sondern von Achtung, Zuneigung und mitunter auch Sentimentalität.“


Lieber leben

von Grand Corps Malade, Frankreich 2016
Mittwoch, 31. März 2021, 20:15 Uhr, Arte

Auf einem autobiographischen Roman des Regisseurs basierende Reha-Tragikomödie.

„Nach einem Moment jugendlichen Leichtsinns erwacht ein junger Mann mit gebrochenem Halswirbel im Krankenhaus und kann Arme und Beine nicht mehr bewegen. In einer Reha-Klinik versucht er, mit Hilfe von Physiotherapeuten wieder auf die Beine zu kommen. Das autobiografisch geprägte Regiedebüt des Poetry-Slammers und Musikers Grand Corps Malade zeichnet mit viel Humor das durch die Realität geerdete Bild einer Rehabilitation, die nicht unbedingt nur die körperliche Wiederherstellung anzielt. Dabei öffnet die stimmige Mischung aus Reflexion, Unterhaltung und Gesellschaftskritik den Blick auf die Menschen hinter der Behinderung.“


Das schönste Mädchen der Welt

von Aaron Lehmann, Deutschland 2018
Mittwoch, 31. März 2021, 20:15 Uhr, Vox

Frischer und relativ erfolgreicher deutscher Jugendfilm mit aufstrebenden Darstellern.

„Moderne Adaption des Versdramas Cyrano de Bergerac, in dem der Klassiker in eine pubertierende Schulklasse versetzt wird. Ein Außenseiter leidet unter seiner großen Nase. Als er sich in eine neue Mitschülerin verliebt, wagt er nicht, sich ihr zu offenbaren, sondern schreibt ihr Liebessongs über das Handy eines Anderen. Die temporeiche romantische Komödie glänzt mit viel Schwung, guten Darstellern, pointierten Dialogen und mitreißenden Musicalsequenzen, ohne darüber ihre humanistischen Werte aus dem Blick zu verlieren.“


Takeshi Kitano – Japans unangepasster Star

von Yves Montmayeur, Frankreich 2019
Mittwoch, 31. März 2021, 22:00 Uhr, Arte – bis 29.5. in der Arte-Mediathek

Aktuelle Doku über den genialen Filmemacher, Fernseh- und Kinostar, Maler und Bildhauer: Der japanische Regisseur Takeshi Kitano erfand mit zwei emblematischen Filmen – „Hana-Bi“ und „Kikujiros Sommer“ – eine neue visuelle Sprache, düster, brutal und melancholisch. Der charismatische Comedian wurde in seiner Heimat aber auch durch absurde TV-Shows und politische Satiren zum Superstar. Direkt im Anschluss um 22.55 Uhr läuft „Kikujiros Sommer“ (Japan 1998), Kitanos wohl poetischster Film.

TV- und Mediatheken-Tipps vom 18. bis 24. März 2021

Zusammengestellt von Rainer Mesch (Casa-Akademie) und mit Zitaten aus den Kurzkritiken von filmdienst.de!


Das schönste Paar

von Sven Taddicken, Deutschland 2018
Donnerstag, 18. März 2021, 0:10 Uhr (d.h. Freitag), Arte

Bemerkenswertes deutsches Beziehungs-Kino mit Maximilian Brückner und Luise Heyer.

„Zwei Jahre nach einem brutalen Überfall in einer Ferienwohnung auf Mallorca gerät die Beziehung eines bürgerlichen Paares in eine neue Krise, als der Mann einem der damaligen Täter auf die Spur kommt. Während er sich immer mehr in eine Art Zweikampf mit dem jugendlichen Täter verbeißt, will die Frau nicht mehr an das Geschehene rühren. Das subtile Drama lotet die Motive der glänzend gespielten Figuren aus und macht deutlich, wie unterschiedlich mit lange nachwirkenden Traumata umgegangen werden kann.“


Ich und Du

von Bernardo Bertolucci, Italien 2012
Donnerstag, 18. März 2021, 23:30 Uhr, WDR

Der letzte Film des 2018 verstorbenen bedeutenden italienischen Regisseurs.

„Statt mit seinen Schulkameraden in den Winterurlaub zu fahren, verkriecht sich ein schüchterner 14-Jähriger eine Woche lang im Keller seiner Eltern, wo er zufällig seiner drogensüchtigen Halbschwester begegnet. Nach und nach kommen die beiden ungleichen Geschwister einander näher. Ein im besten Sinn aus der Zeit gefallener Film, in dem Verborgenes bisweilen zaghaft zum Vorschein kommt, nie aber die Grenze des Fantasierten überschritten wird. Was ihn zu einem kleinen cineastischen Meisterwerk macht, ist nicht die Auflösung der Metaphorik, sondern sein atmosphärischer Zauber: Virtuos verwandelt Bernardo Bertolucci das Kellergewölbe eines italienischen Mehrfamilienhauses mit sanft-poetischen Kinobildern in eine surreale Seelenlandschaft.“


Ziemlich beste Freunde

von Eric Toledano, Frankreich 2011
Samstag, 20. März 2021, 22:30 Uhr, MDR – bis 27.3. in der ARD-Mediathek

Schwungvolles und sehr erfolgreiches französisches Wohlfühlkino.

„Ein wohlhabender, an den Rollstuhl gefesselter Franzose adeliger Herkunft engagiert einen jungen Migranten als Pfleger, der so gar nicht in den kultivierten Haushalt passen will. Doch sein Dienstherr will nicht länger wie ein rohes Ei behandelt werden. Charmantes Buddy-Movie mit pfiffigen Dialogen und guten Hauptdarstellern, das zwischen Komik und Sentiment balanciert und dafür plädiert, sozialen und kulturellen Differenzen nicht mit Hass, sondern mit Solidarität zu begegnen.“


The Hate U Give

von George Tillman Jr., USA 2018
Samstag, 20. März 2021, 20:15 Uhr, Pro7

Eine starke, bewegende „black lives matter“- Geschichte aus der US-Gegenwart.

„Ein 16-jähriges afroamerikanisches Mädchen aus einer bürgerlichen Familie wird Zeugin, wie ihr ebenfalls schwarzer Freund bei einem Verkehrsdelikt von einem weißen Polizeioffizier erschossen wird. Der auf einem Bestseller für junge Erwachsene basierende Film bemüht sich nach Kräften, Voreingenommenheiten und Komplikationen, die sich aus der gesellschaftlichen Spaltung des amerikanischen Alltagslebens ergeben, in publikumswirksamem Stil darzustellen.“


Der Trafikant

von Nikolaus Leytner, Österreich/Deutschland 2018
Sonntag, 21. März 2021, 0:50 Uhr (d.h. Montag), SWR – bis 29.9. in der ARD-Mediathek

Dank der kongenialen Besetzung mit Bruno Ganz als Sigmund Freud ein eindrücklicher Film über politisch schwere Zeiten.

„Ein etwas verträumter 17-Jähriger aus dem Salzkammergut wird 1937 nach Wien geschickt, um in einer Trafik als Gehilfe zu arbeiten. Bald erlebt er aus nächster Nähe die Angriffe der Nazi-Anhänger, die seinen antifaschistischen Chef bedrohen, auch vor jüdischen Trafik-Kunden wie dem Psychoanalyse-Begründer Sigmund Freud nicht Halt machen und ihn selbst schließlich zu einer Positionierung zwingen. Verfilmung des gleichnamigen Romans von Robert Seethaler, die dessen Detailgenauigkeit weitgehend übertragen kann.“


Capernaum – Stadt der Hoffnung

von Nadine Labaki, Libanon/Frankreich/USA 2018
Mittwoch, 24. März 2021, 20:15 Uhr, Arte

Mehrfach ausgezeichnetes und oscarnominiertes Sozialdrama, das 2018 in Cannes standing ovations und den Preis der Jury bekam.

„Dokumentarisch anmutender Spielfilm über einen zwölfjährigen Straßenjungen aus einem Armenviertel in Beirut, der bei einer Flüchtlingsfrau aus Äthiopien Unterschlupf findet und sich um deren kleinen Jungen kümmert. Als die Mutter nicht mehr auftaucht, ist er mit dem Kind auf sich gestellt. Mit großer Zugewandtheit, aber relativ nüchtern schildert das auf intensiven Recherchen beruhende Drama den ausweglosen Kampf ums Überleben. Der von einer großen Menschlichkeit getragene Film konfrontiert mit erschütterndem Elend, hält Sentimentalität wie Zynismus aber gleichermaßen auf Distanz. Ein ebenso bewegender wie kluger, weitgehend von Laienschauspielern grandios gespielter Film.“


All I Never Wanted

von Leonie Stade, Deutschland 2018
Mittwoch, 24. März 2021, 0.15 Uhr (d.h. Donnerstag), BR – bis 16.6. in der ARD-Mediathek

Bei uns im Kino mit der Regisseurin rege diskutierte Mockumentary über weibliche Medienwirklichkeit.

„Zwei junge Filmemacherinnen drehen eine Doku über eine 17-jährige Jugendliche, die für eine Model-Karriere ihr Abitur sausen lässt, dabei aber ähnlich viele Kompromisse wie eine ältere Schauspielerin machen muss, die von einer Jüngeren ausgebootet wird. In den elegant ineinander geschachtelten Episoden verwischt die Unterscheidung zwischen Satire und Realsatire, wie sich auch die Grenzen zwischen Fiktion und Dokumentation aufheben. Eine feministische Tragikomödie mit selbstironischen Untertönen, die als Mockumentary ein allumfassendes System der Ausbeutung aufspießt und dabei auch nicht den Anteil der Ausgebeuteten daran vergisst.“