Filmtipps

Persönliche Filmtipps aus dem Casa-Team

Die meisten Texte, die Sie auf unserer Seite zu unseren Veranstaltungen und Filmen finden, stammen aus den Presseheften der Filmverleiher.

Sie beschreiben den Inhalt der Filme, weisen auf Preise und Auszeichnungen hin und liefern Informationen zu den Hintergründen und Inhalten.

Aber das reicht uns nicht: Wir wollen unserem Publikum künftig einen Einblick geben in unsere Programmarbeit – warum zeigen wir diesen Film? Warum machen wir diese Veranstaltung? Oft ist der Grund, dass jemand aus unserem Team einen Film auf einem Festival oder einer Verleih-Veranstaltung gesehen hat, dass er ein Fan eines Schauspielers, einer Regisseurin ist oder an einer Thematik besonders interessiert. Sehr oft sind nicht die Filme, die das meiste Publikum versprechen die, die wir auswählen. Und manche Filme sind auch bei uns im Team umstritten.

Für die Filme und Veranstaltungen, die uns aus irgendeinem Grund besonders wichtig sind, gibt es an dieser Stelle persönliche Empfehlungen aus unserem Team – und vielleicht auch mal Pro und Contra!

Ältere Filmtipps finden Sie im Filmtipp-Archiv.

TV- und Mediatheken-Tipps vom 15. bis 21. April 2021

Zusammengestellt von Rainer Mesch (Casa-Akademie) und mit Zitaten aus den Kurzkritiken von filmdienst.de!


Border

von Ali Abbasi, Schweden/Dänemark 2018
Donnerstag, 15. April 2021, 23:30 Uhr, WDR

Ein Unikat aus dem hohen Norden: surreal, verstörend, menschlich…

„Eine durch einen angeblichen Chromosomenfehler als Außenseiterin stigmatisierte schwedische Grenzbeamtin kann Scham, Angst und Wut riechen. Auf diese Weise macht sie Schmuggler ausfindig und bringt die Polizei auf die Spur eines Pädophilen-Rings. An der Grenze begegnet sie aber auch einem wesensverwandten Mann, der ihr ihre gemeinsame Herkunft enthüllt. Das grandiose Drama verwebt sozialen Realismus, Fantasy und skandinavische Mythologie zu einem zwitterhaften Werk, in dem aktuelle gesellschaftliche Debatten um Identität, Ausgrenzung und Rassismus anklingen. Ein im wahrsten Sinne des Wortes grenzüberschreitender Ausnahmefilm.“


Herbert

von Thomas Stuber, Deutschland 2015
Donnerstag, 15. April 2021, 23:50 Uhr RBB

Großartiges deutsches Schauspielerkino mit Peter Kurth in der Titelrolle.

„Ein ehemaliger Boxer, der sich als Türsteher und Geldeintreiber durchs Leben bringt, erkrankt an einem unheilbaren Nervenleiden. Angesichts seines rapiden Verfalls verspürt der hartgesottene Egomane den Wunsch, sich mit seiner Tochter auszusöhnen und einen Kontakt zu seiner Enkelin zu finden. In beinahe dokumentarischer Manier zeichnet das mutige Drama den Niedergang eines einsamen Kolosses nach, der auf dem Weg in den Tod seine Emotionen nicht mehr verdrängen kann. Ein erschütternder Film mit einem überragenden Hauptdarsteller, der in seiner erzählerischen Konsequenz an R.W. Fassbinders Berlin Alexanderplatz heranreicht.“


Die wilden Boys

von Bertrand Mandico, Frankreich 2017
Donnerstag, 15. April 2021, 0:10 Uhr (d.h. Freitag), Arte

Unser Geheim-Tipp für diese Woche: Halluzinatorisches experimentelles Kino

„Fünf verwöhnte reiche Sprösslinge werden zu Beginn des 20. Jahrhunderts nach einer Untat von einem mysteriösen Kapitän auf eine seltsame tropische Insel transportiert. Dort erwarten die Delinquenten eine sexualisierte Natur mit bizarrer Vegetation und der zur Frau gewordene Herr der Insel, der die feminine Verwandlung der Jungen vorweggenommen hat. Eine mit großem Einfallsreichtum und Bildgewalt inszenierte erotische Phantasie, die Elemente der Avantgardefilme von Maya Deren und Kenneth Anger mit klassischem Erzählkino zu einem queeren und surrealen Abenteuer mischt.“


Lucky

von John Carroll Lynch, USA 2017
Samstag, 17. April 2021, 0:05 Uhr (d.h. Sonntag), 3Sat

Harry Dean Stantons autobiografisch geprägter letzter Film.

„Vignetten aus dem Leben eines alten Mannes in der Wüste von Arizona, die sich zu einem bewegenden Porträt eines Menschen verdichten, der gelernt hat, mit der Einsamkeit und dem Bewusstsein der Sterblichkeit umzugehen. Ein gänzlich unpathetischer, zu den Wurzeln der Existenz vordringender, wortkarger Film, in dem die Furcht vor dem Tod der gelassenen Akzeptanz täglicher Rituale weicht.“


Die letzten Gigolos

von Stephan Bergmann, Deutschland 2014
Montag, 19. April 2021, 0:20 Uhr (d.h. Dienstag), ZDF

Aus heutiger Sicht schon unwirklich wirkende Kreuzfahrt-Flirt-Doku.

„An Bord des Kreuzfahrtschiffs MS Deutschland porträtiert der Dokumentarfilm formal spielerisch und humorvoll zwei etwa 70-jährige Gentleman Hosts, die allein reisenden Frauen als Tänzer, Begleiter und Unterhalter den Aufenthalt an Bord verschönern. Das in attraktiven Kinobildern gedrehte Porträt einer betuchten Generation, die fern vom Alltag mit entspannter Offenheit über das Altern, die Liebe, Sex und Sehnsüchte plaudern. Dabei zeigt der beschwingte Einblick in den Mikrokosmos Kreuzfahrt nebenbei immer wieder auch die riesige Maschinerie, die den Luxus am Laufen hält.“


Erde

von Nikolaus Geyrhalter, Österreich 2019
Montag, 19. April 2021, 22:25 Uhr, 3Sat

Bei der Berlinale mit dem Preis der ökumenischen Jury ausgezeichnetes neues Werk des renommierten österreichischen Dokumentarfilmers.

„Im Vergleich zu Wind, Wetter und Gezeiten werden Jahr für Jahr fast dreimal mehr Sand, Steine und Felsen durch die Maschinen der Menschen bewegt, die mit rabiater Gewalt den Planeten umgraben, ausbeuten, roden oder versiegeln. Mit schneidend scharfen Bildern protokolliert der Dokumentarfilm die Zerstörung der Erde, die rational kaum mehr gerechtfertigt werden kann. Auch die Interviews mit Arbeitern, Ingenieuren und Wissenschaftlern fördern eine fatale Resignation zu Tage, da weder der Einzelne noch die Gesellschaften dieser Dynamik einer sich verselbständigten Ausbeutung Einhalt gebieten können.“

14. April 2021


TV- und Mediatheken-Tipps vom 8. bis 14. April 2021

Zusammengestellt von Rainer Mesch (Casa-Akademie) und mit Zitaten aus den Kurzkritiken von filmdienst.de!


Ayka

von Sergej Dwortsewoi, Russland/Deutschland/Polen/Kasachstan/China 2018
Donnerstag, 8. April 2021, 23:30 Uhr, Arte – bis 14.4. in der Arte-Mediathek

Raues russisches Mutter-Kind-Drama – Samal Yeslyamova bekommt in Cannes 2018 den Preis für die beste Hauptdarstellerin.

„Eine illegal unter erbärmlichen Umständen in Moskau lebende kirgisische Immigrantin lässt ihren Sohn nach der Geburt im Krankenhaus zurück. Auf der verzweifelten Suche nach einer Arbeit irrt sie durch die winterliche Stadt, erlebt aber immer nur weitere Ausbeutung und Kälte. Das bedrückende Porträt einer Gesellschaft, die von der Indifferenz der Wohlhabenden und der Verzweiflung der Hungrigen geprägt ist, kreiert eine beklemmend klaustrophobische Atmosphäre. Das beeindruckende Sozialdrama vermittelt hautnah und ohne Rührseligkeit das Schicksal seiner Protagonistin, deren Kraft und Leiden die Hauptdarstellerin eindringlich verkörpert.“


12 Years a Slave

von Steve McQueen, USA/Großbritannien 2013
Samstag, 10. April 2021, 20:15 Uhr, Pro7

Dieses historische Filmdrama gewann den Oscar für den besten Film 2014, das beste adaptierte Drehbuch und die Auszeichnung für die beste Nebendarstellerin.

„Beruhend auf den Memoiren von Solomon Northup, erzählt der Film die Geschichte eines Afroamerikaners, der in den USA des 19. Jahrhunderts als freier Mann in den Nordstaaten lebt, bis er entführt und als Sklave in die Südstaaten verkauft wird. Dort droht er unter der Unterdrückung und Entmenschlichung zu zerbrechen, bis es ihm gelingt, eine Nachricht an seine Familie zu übermitteln, die für seine Befreiung sorgt. Regisseur Steve McQueen fokussiert darauf, was Sklaverei mit Menschen anrichtet. Der emotionalen Wucht des Stoffs steuert er durch vielschichtige Figuren und eine kluge Inszenierung entgegen, die Raum zum Nachdenken jenseits unmittelbarer emotionaler Reaktionen schafft.“


Leb wohl, meine Königin

von Benoit Jacquot, Frankreich/Spanien 2012
Sonntag, 11. April 2021, 0:05 Uhr (d.h. Montag), ARD – bis 19.4. in der ARD-Mediathek

Die Geschichte der französischen Revolution aus der Sicht zweier Frauen.

„Versailles, kurz nach dem Sturm auf die Bastille 1789: Eine junge Frau, Vorleserin der Königin Marie Antoinette, beobachtet die zwischen Ignoranz, Angst und Unverständnis wechselnden Reaktionen der Hofgesellschaft auf die anbrechende Revolution. Da sie der Königin in inniger Liebe zugetan ist, lässt sie sich auf eine gefährliche Maskerade ein, um deren beste Freundin vor dem Volkszorn zu retten. Präzise schildert der Film aus der Perspektive einer Figur, die sich zwischen der Sphäre der Dienstboten und der Pracht der königlichen Gemächer bewegt, den Zerfall eines Herrschaftssystems, wobei er die Verdrängung und Realitätsferne der Mächtigen deutlich macht.“


The Cut

von Fatih Akin, Deutschland/Frankreich/Polen/Türkei/Kanada/Russland/Italien 2014
Montag, 12. April 2021, 23:15 Uhr, NDR – bis 19.4. in der ARD-Mediathek

Unter Kritikern nicht unumstrittenes großes zeitgeschichtliches Gefühlskino.

„Leidensodyssee eines armenischen Schmieds, der 1915 von den Osmanen ermordet werden soll, durch glückliche Umstände überlebt und sich jahrzehntelang und über Kontinente hinweg auf die Suche nach den Überresten seiner Familie macht. Ein fürs breitere Publikum inszeniertes episches Road Movie über den Völkermord an den Armeniern. Bildstark und politisch differenziert greift der Film ein türkisches Tabu-Thema auf und aktualisiert es in Gestalt eines Flüchtlings- und Migrantenschicksals.“


Mein Leben mit Amanda

von Mikhaël Hers, Frankreich 2018
Mittwoch, 14. April 2021, 20:15 Uhr, Arte – bis 20.4. in der Arte-Mediathek

Aktuelles sensibles französisches Gefühls-Kino.

„Ein Mittzwanziger aus Paris führt ein Dasein ohne viele Bindungen und Verpflichtungen, bis seine Schwester bei einem brutalen Gewaltakt getötet wird. Als nächster Angehöriger kümmert er sich fortan um seine siebenjährige Nichte, zögert aus Unsicherheit und Hilflosigkeit aber die Entscheidung heraus, ob er ihr gesetzlicher Vormund werden will. Mit gelassener Detailgenauigkeit entwickelt das Drama sich überlagernde Trauer- und Neufindungsprozesse und gewinnt durch ruhige Beobachtungen und das konzentrierte Spiel der Darsteller eine hohe Authentizität. Der gefühlvolle Film versagt sich jede Überdramatisierung und entfaltet behutsam seine anrührende Wirkung.“


Danke für den Regen

von Julia Dahr, Großbritannien 2016
Mittwoch, 14. April 2021, 0:20 Uhr (d.h. Donnerstag), Arte – bis 13.5. in der Arte-Mediathek

Ungewöhnliche Klimadoku, die gut in unsere „Films-for-future“-Reihe gepasst hätte.

„Ein kenianischer Bauer hält über fünf Jahre hinweg mit der Kamera fest, wie Wetterextreme in Folge des Klimawandels die Existenz seines Dorfs bedrohen. Was vormals ein Dürregebiet war, wird nun immer wieder von verheerenden Regengüssen heimgesucht. Eine ungewöhnliche dokumentarische Annäherung an die Klimaveränderungen, die von ihrem eigensinnigen Protagonisten lebt, der sich mit seinem Ausgeliefertsein nicht abfinden möchte. Abgerundet wird der Film durch Reisen in die norwegische Heimat der Co-Regisseurin sowie zur Pariser Weltklimakonferenz, die ernüchternde Ergebnisse, aber auch neue Perspektiven eröffnet.“

8. April 2021


Aktuell in den Mediatheken

Das Kinoerlebnis ist unersetzlich, aber wenn ihr auf der Suche nach guten Filmen für das Heimkino seid, dann findet ihr hier unsere Empfehlungen aus den Mediatheken:


Homs – ein zerstörter Traum

von Talal Derki, Syrien/Deutschland 2017 – bis 14.4. in der Arte-Mediathek

Vorgängerfilm des oscarnominierten „Of Fathers and Sons“-Regisseurs, der bei uns per Skype im vollbesetzten Kinosaal zur Diskusssion zugeschaltet war.


Ayka

von Sergej Dwortsewoi, Russland/Deutschland/Polen/Kasachstan/China 2018 – bis 14.4. in der Arte-Mediathek

Raues russisches Mutter-Kind-Drama – Samal Yeslyamova bekommt in Cannes 2018 den Preis für die beste Hauptdarstellerin.


Babai

von Visar Morina, Deutschland/Kosovo/Mazedonien/Frankreich 2015 – bis 15.4. in der 3Sat-Mediathek

Gewinner des Förderpreises deutsches Kino (Filmfest München) für Regie und Drehbuch.


Hannah Arendt

von Margarethe von Trotta, Deutschland/Luxemburg/etc. 2012 – am Sonntag, 18.4. um 20:15 Uhr auf ARD Alpha


Leb wohl, meine Königin

von Benoit Jacquot, Frankreich/Spanien 2012 – bis 19.4. in der ARD-Mediathek

Die Geschichte der französischen Revolution aus der Sicht zweier Frauen.


The Cut

von Fatih Akin, Deutschland/Frankreich/Polen/Türkei/Kanada/Russland/Italien 2014 – bis 19.4. in der ARD-Mediathek

Unter Kritikern nicht unumstrittenes großes zeitgeschichtliches Gefühlskino.


Mein Leben mit Amanda

von Mikhaël Hers, Frankreich 2018 – bis 20.4. in der Arte-Mediathek

Aktuelles sensibles französisches Gefühls-Kino.


Brot und Tulpen

von Silvio Soldini, Italien/Schweiz 2000 bis 20.4. in der 3Sat-Mediathek


Die Lügen der Sieger

von Christoph Hochhäusler, Deutschland/Frankreich 2014 – bis 25.4. in der ARD-Mediathek

Ein deutscher Politthriller – inszeniert von einem Regisseur der „Berliner Schule“.


Ein letzter Tango

von German Kral, Deutschland/Argentinien 2015 – bis 30.4. in der Arte-Mediathek

Ein Doku-Film, ein Musik-Film, ein Beziehungs-Film, ein sehenswertes Kleinod…


Das Leben der Boheme

von Aki Kaurismaki, Finnland/Frankreich/Deutschland 1991 – bis 30.4. in der Arte-Mediathek

Ein Klassiker in Schwarz-Weiß.


Casting

von Nicolas Wackerbarth, Deutschland 2017 – bis 11.5. in der ARD-Mediathek

Zwischen Realität und Groteske – alles was Sie schon immer über Castings wissen wollten.


Danke für den Regen

von Julia Dahr, Großbritannien 2016 – bis 13.5. in der Arte-Mediathek

Ungewöhnliche Klimadoku, die gut in unsere „Films-for-future“-Reihe gepasst hätte.


Takeshi Kitano – Japans unangepasster Star

von Yves Montmayeur, Frankreich 2019 – bis 29.5. in der Arte-Mediathek

Aktuelle Doku über den genialen Filmemacher, Fernseh- und Kinostar, Maler und Bildhauer


Vom Lokführer, der die Liebe suchte…

von Veit Helmer, Deutschland/Aserbeidschan 2018 – bis 12.6. in der ARD-Mediathek

Ein skurriles deutsches Filmmärchen völlig ohne Dialoge.


All I Never Wanted

von Leonie Stade, Deutschland 2018 – bis 16.6. in der ARD-Mediathek

Bei uns im Kino mit der Regisseurin rege diskutierte Mockumentary über weibliche Medienwirklichkeit.


Der Trafikant

von Nikolaus Leytner, Österreich/Deutschland 2018 – bis 29.9. in der ARD-Mediathek

Dank der kongenialen Besetzung mit Bruno Ganz als Sigmund Freud ein eindrücklicher Film über politisch schwere Zeiten.


Aufschrei der Jugend

von Kathrin Pitterling, Deutschland 2019 – bis 7.1.2022 in der ARD-Mediathek

Empfehlung einer TV-Doku, die thematisch auch gut in unsere #FilmsForFuture-Reihe gepasst hätte.

16. Dezember 2020