Casa-Blog

Der Casablanca-Blog

Das Casablanca ist anders als andere Kinos. Das weiß unser Publikum – und in diesem Blog wollen wir ab und zu Einblick in die Hintergründe geben!

Kino leuchtet. Für Dich.

GrafikDas Casablanca ist bei der bundesweiten Aktion dabei!
Am Sonntag, 28. Februar beleuchten wir ab 19 Uhr unsere Fassade. Kommt in die Südstadt (natürlich immer schön mit Abstand) und macht Fotos, die Ihr dann in den sozialen Medien teilt: Unter dem Hashtag #kinoliebe wollen wir ein Zeichen setzen, damit die Kulturorte nicht vergessen werden.

Für die Kinos sind es harte Zeiten. Im vergangenen Jahr durften sie nur in 7 Monaten öffnen, teilweise mit deutlichen Einschränkungen. Die Besucherzahlen brachen um bis zu 70 Prozent ein.
Auch wenn diverse Hilfsprogramme dafür sorgen, dass die meisten der Filmtheater überleben werden, wandelt sich gleichzeitig der Markt: Streaming-Anbieter gewinnen an Bedeutung, andere Teile der Branche wie Produktionsfirmen, Verleiher und Dienstleister geraten durch die Krise massiv unter Druck.

Die aktuellen Corona-Inzidenzzahlen geben wenig Anlass für Hoffnung auf eine baldige Normalisierung.
Daher veranstalten am kommenden Sonntag, 28. Februar Kinos in ganz Deutschland einen Aktionstag, um auf ihre Situation aufmerksam zu machen und strahlen ihre Gebäude an: „Kino leuchtet. Für Dich.“
Die Idee: Die Kinos sollen sichtbar sein – und auch wenn ihre Fans aktuell nicht in die Säle dürfen, können sie doch Bilder der Gebäude machen und mit dem Hashtag #kinoliebe in den sozialen Medien teilen.

Ab 19 Uhr wird die Fassade des Casablanca hell erleuchtet. Mitarbeiter/innen und Ehrenamtliche des Vereins werden vor Ort sein, natürlich unter Einhaltung der Abstandsregeln.
Auch andere Kinos in Nürnberg und der Region beteiligen sich, so das Mobile Kino Nürnberg und die Kinos der Familie Weber.

Am Vorabend der für die Fachwelt virtuell stattfindenen Berlinale lenken die Kinos damit den Blick auf die immer noch geschlossenen Kulturorte und appellieren an die Politik nach vier Monaten eine transparente, evidenzbasierte und verlässliche Wiedereröffnungsperspektive zu erhalten. Bei der nächsten Bund-Länder-Konferenz am kommenden Mittwoch muss es darum gehen, dass Kinos als Kultureinrichtungen einen vernünftigen Platz in einem Stufenplan bekommen. Aktuelle Studien wie z.B. der TU Berlin zeigen, dass Kinos mit erprobten Hygienekonzepten sehr sichere Orte sind.

Und die Rückmeldungen der Kinogäste zeigen täglich, dass Kino mehr ist als ein Freizeitvergnügen: Für viele Menschen ist das gemeinsame Sehen von Filmen an einem öffentlichen Ort weit mehr als das – eine Passion, ein Ort zum Abschalten, für viele sogar ein Lebensinhalt.

„Die Filmtheater wollen ihren Beitrag zur Bewältigung der Pandemie leisten”, erklärt der Vorsitzende der AG Kino/Gilde Christian Bräuer. “Gemeinsam Kultur zu erleben, ohne sich zu nahe zu kommen, ist ein solcher Beitrag. Wir sind bereit unsere Türen zu öffnen und das kulturelle Leben in der Nachbarschaft mit tollen Filmen und vielfältigen Programmen wieder zu bereichern. Die Politik hat es jetzt in der Hand, gemeinsam mit den Kulturorten mit einer weitsichtigen Öffnungsstrategie ein Zeichen der Hoffnung zu setzen.”

Beim Aktionstag geht es auch darum, den zahllosen Unterstützerinnen und Unterstützern zu danken, die dafür sorgen, dass das Casablanca aktuell nicht ums Überleben kämpfen muss.
Der Verein Casa e.V., der das Kino betreibt, hat in den Krisenmonaten mehr neue Mitglieder gewonnen als jemals zuvor – ihre Zahl ist auf fast 1400 angewachsen.
Zahlreiche Spenden und Gutscheinverkäufe sichern neben den erheblichen staatlichen Hilfen und großzügigen Mietreduzierungen das Bestehen des Kinos.
Der Vorsitzende des Vereins, Gerhard „Black“ Schwarz, stellt fest: „Die Solidarität unserer Freunde und Mitglieder ist unglaublich. Das Kino ist 125 Jahre geworden, das Casablanca wird im Herbst 45, unser Kino mit Courage wird 12 Jahre alt – und ich bin zuversichtlich, dass noch viele folgen werden.“

Hinter den Kulissen nutzt das Team des Casablanca die Schließungszeit für Renovierungen und Verbesserungen.
„Sobald es wieder möglich ist, sind wir zurück – auch wenn die Kino-Welt sich bis dahin ändern wird. Noch mehr als früher wird es notwendig sein, nicht nur Filme zu zeigen, sondern ein kleines Haus wie das Casablanca zu einem besonderen Ort mit einzigartiger Atmosphäre zu machen“, so Theaterleiter Matthias Damm.

Um das sicherzustellen, wurden und werden aktuell zahlreiche kleine und größere Verbesserungen durchgeführt.
So wurden in allen Sälen Klimaanlagen eingebaut, um auch im Sommer einen angenehmen Filmgenuss zu ermöglichen.
Alle Türen zu den Sälen werden durch Schallschutztüren ausgetauscht und auch ein Teil der Kinotechnik wird erneuert.
Eine mobile Bühne erweitert das Spektrum an Veranstaltungen, neue Mikrofontechnik verbessert die Qualität bei Filmgesprächen und Diskussionen.

Dazu kommen zahlreiche Verbesserungen im Foyer und Außenbereich: Der alte Kassentresen wurde restauriert. Im Außenbereich lädt ein eleganter Bar-Tresen auf ein Getränk nach dem Film ein, dazu kommen neue Tische und Stühle – alles in warmer Holz-Optik. Zahlreiche Details wurden verschönert, oft mit tatkräftiger Hilfe der Minijobber/innen des Casablanca, die damit die Möglichkeit haben, die teilweise Weiterbezahlung aufzustocken, die der Verein ihnen freiwillig anbietet.

Ermöglicht werden diese Investitionen durch das „Zukunftsprogramm Kino“ der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien (BKM), das allen Kinos offen steht, die mit Programmpreisen auf Bundes- oder Landesebene ausgezeichnet wurden. Die Förderquote wurde während der Corona-Pandemie von 40 auf 80 Prozent der Investitionen angehoben. Insgesamt investiert das Casablanca 2020 und 2021 einen sechsstelligen Betrag, wobei der Eigenanteil aufgebracht werden konnte, ohne aktuelle Unterstützungen oder Spenden verwenden zu müssen.

„Wir haben lange für eine Unterstützung der Bundesregierung zur Verbesserung der kleinen Kinos gekämpft, die mit ihrem aufwändig kuratierten Programm Vielfalt bieten“, so Theaterleiter Matthias Damm. „Auch wenn es ein schwacher Trost ist: Immerhin können wir die Schließung des Casablanca dafür nutzen, es so schön und komfortabel zu machen wie noch nie. Ich bin mir sicher, dass wir nach dem Ende der Pandemie an das Jahr 2019 anschließen können, das bisher unser Rekordjahr war.“

Und so sah unsere Fassade aus – vielen Dank an die Kolleg/innen vom Mobilen Kino für die Lichttechnik!

25. Februar 2021


FFMOP 2021: Unsere Favoriten aus Saarbrücken

Das Filmfestival Max Ophüls Preis in Saarbrücken steht zu Unrecht im Schatten der bekannteren deutschen Festivals in Berlin, Hof und München. Aus Pandemie-Gründen konnte das diesjährige Festival nur online stattfinden, was aber den Vorteil hatte, dass gleich drei Mitarbeiter*innen des Casablancas die dortigen Filme sichten konnten. Sie stellen hier ihre Festivalfavoriten vor.


Das Filmfestival Max Ophüls Preis (kurz FFMOP) wurde 1980 gegründet und versteht sich als Forum für den gesamten deutschsprachigen Nachwuchsfilm, d.h. hier werden auch Filme aus Österreich und der Schweiz (ggf. mit Untertiteln) gezeigt. Es findet jährlich Ende Januar statt.
In den Sparten Spielfilm, Dokumentarfilm, mittellanger Film und Kurzfilm werden zahlreiche Preise vergeben. Ebenso gibt es einen Publikumspreis, Darstellerpreise und einen Ehrenpreis, der dieses Jahr an Wim Wenders ging. Zahlreiche Regisseur*innen und Schauspieler*innen wurden in Saarbrücken „entdeckt“ und sind mit ihren dort prämierten Debutfilmen einem größeren Publikum bekannt geworden.
Saarbrücken ist wie Hof ein Festival „zum Anfassen“. Die Besucherzahlen sind in den letzten Jahren, insbesondere durch die Beliebtheit bei der Saarbrücker Bevölkerung, enorm angewachsen. Selbst an Wochentagen sind in vielen Nachmittagsvorstellungen die großen Kinosäle voll belegt. Die junge Filmemacher*innen brennen darauf, mit dem Publikum ins Gespräch zu kommen – was normalerweise durch die räumliche Nähe auch problemlos möglich ist. Dieses Jahr gab es zu jedem Wettbewerbsfilm ein aufgezeichnetes Filmgespräch und vereinzelt auch interaktive Diskussionen mit dem Publikum.

Die Favoriten unseres CasaAkademie-Leiters Rainer Mesch

Borga
Von York-Fabian Raabe
‚Borga’ war neben ‚Fuchs im Bau’ der Hauptgewinner des diesjährigen Festivals und wurde in den Kategorien Bester Spielfilm, Publikumspreis, Preis für den gesellschaftlich relevanten Film und Preis der ökumenischen Jury ausgezeichnet. Sein charismatischer Hauptdarsteller Eugene Boateng erhielt einen Sonderpreis. Borga sind Ghanaer, die es im Ausland zu vermeintlichen Wohlstand gebracht haben und wieder in ihr Heimatdorf zurückkehren. Der Film erzählt erstmals eine Geschichte aus afrikanischer Perspektive und handelt von zwei Brüdern, die einen unterschiedlichen Lebensweg gehen. Er ist erzählerisch dicht, schreckt nicht vor unschönen Wahrheiten zurück, bleibt jedoch hoffnungsvoll. Ein Film für die große Leinwand. Infolge des Preisregens können wir uns sicher auf einen Kinostart freuen, sobald dies wieder möglich ist.

Die Vergesslichkeit der Eichhörnchen
Von Nadine Heinze und Marc Dietschreit
Das Thema „osteuropäische Pflegekraft betreut rund um die Uhr dementen deutschen Senior“ in einen unterhaltsamen, aber nicht oberflächlichen Publikumsfilm zu verwandeln, ist keine leichte Aufgabe. Noch dazu, wenn der alte Herr die Pflegerin für seine verstorbene Ehefrau hält und diese das Spiel mitspielt. Dieser Film schlägt nicht nur von der Handlung her unerwartete Kapriolen, sondern besticht in seiner Mischung aus Tragikomödie, Familiendrama, Sozialrealismus und – ja auch einem Schuss filmischen Märchens. Günther Maria Halmer und Emilia Schüle nehmen mit ihren Figuren für sich ein und auch die Nebenrollen sind gut besetzt. Ein Kinoverleih steht bereits fest.

Wir Alle. Das Dorf.
Von Antonia Traulsen und Claire Roggan
Diese sehr sehenswerte Langzeit-Doku ist eigentlich eine Fernsehproduktion des NDR, würde aber hervorragend in unsere Agenda-Filmreihe passen. Mitten im Wendland will eine Gruppe gesellschaftlich engagierter Menschen ein eigenes Dorf gründen, in dem junge Familien, Senioren, aber auch Geflüchtete leben sollen. Der Film portraitiert einige von ihnen auf Augenhöhe, erzählt von Rückschlägen und Fortschritten, vom Widerstand der Anwohner und von Reflektionsprozessen der Dorfgründer. Ein sympathisches Sozialexperiment, von dem man gerne wüsste, wie es grundsätzlich und mit den gezeigten Protagonist*innen weitergeht. Er bietet wichtige gesellschaftliche und persönliche Denkanstösse, die über das gezeigte Projekt hinausgehen. Ihm wäre ein mutiger Kino-Verleih zu wünschen, wir wären dabei.

Die Favoriten unserer Programmkoordinatorin Laura Oehme

Der österreichische Film ‚Fuchs im Bau’ basiert auf den tatsächlichen Erfahrungen eines Gefängnislehrers mit unkonventionellen Unterrichtsmethoden. Im Film, für den Arman T. Riahi u.a. mit dem Preis für Beste Regie und dem Fritz-Raff-Drehbuchpreis ausgezeichnet wurde, soll Hannes Fuchs (Aleksandar Petrović) die eigenwillige Pädagogin Elisabeth Berger (Maria Hofstätter) in einer Wiener Gefängnisschule ablösen. Doch diese hat andere Pläne und die Ereignisse um einer der Schülerinnen überschlagen sich. Das Klassenzimmer ist zu einem Raum in dem die straffällig gewordenen Jugendlichen „frei“ sein können und ebenso soziale Tabuthemen verhandelt werden – und das „ohne angestrengte Suspense, aber voller gefährlicher Stillen“ (aus der Begründung der Jury).

‚Dear Future Children’ von Franz Böhm ist ein absolut sehenswerter Dokumentarfilm, der drei junge Aktivistinnen aus drei Kontinenten und mit drei unterschiedlichen Anliegen vorstellt: Rayen aus Chile (soziale Gerechtigkeit), Hilda aus Uganda (Klimawandel) und “Pepper” aus Hongkong (Demokratiebewegung). Der Film ergründet eindrucksvoll warum die jungen Frauen entgegen aller Hoffnungslosigkeit bereit sind weitreichende persönliche Risiken in Kauf zu nehmen und gewann dafür in Saarbrücken den Publikumspreis in der Kategorie Dokumentarfilm.

Bei ‚The Case You’ handelt es sich um das eindrückliche Langfilmdebüt von Alison Kuhn, welches den wahren Fall eines groben Machtmissbrauchs in der Film- und Fernsehbranche aus Sicht der Betroffenen beleuchtet. Fünf Frauen berichten von einer traumatisierenden Casting-Erfahrung; die reduzierten filmischen Mittel (Theatersaal als Drehort; minimalistischer Soundtrack; kleines Film-Team) unterstreichen die individuelle aber auch universelle Tragweite derartiger Übergriffe im Kontext der aktuellen MeToo-Debatte. Der Film wurde in Saarbrücken mit dem Preis für Beste Musik in einem Dokumentarfilm ausgezeichnet.

Die Favoriten unseres Theaterleiters Matthias Damm

Der Eröffnungsfilm ‚A Black Jesus‘ ist ein Glücksfall von einem Dokumentarfilm. Eine gute Idee, gute Protagonisten und gute Umsetzung – da nimmt man dem Film auch nicht krumm, dass sicher im Detail einiges mehr inszeniert ist als behauptet wird. Die Idee: Im Dorf Siculiana auf Sizilien wird eine schwarze Jesus-Statue verehrt – die Prozession zu Ostern, bei der die Statue von Männern aus dem Dorf durch die Straßen getragen wird, ist der Höhepunkt des Jahres. Regisseur Lucas Lucchesi stammt aus Siculiana – und hat auch miterlebt, wie die beschauliche Welt seines Dorfes zum Schauplatz der Weltpolitik wird, seit an den Stränden Flüchtlinge aus Nordafrika ankommen und das Dorf zum Opfer der italienischen Flüchtlingspolitik wird, die offenkundig nicht helfen will, sondern die Unterbringung der Flüchtlinge im damit völlig überforderten Dorf nutzt, um die Lage zuzuspitzen. Lucchesi erzählt die Geschichte des schwarzen (also: aus schwarzem Holz geschnitzten) Jesus und gleichzeitig die der schwarzen (und streng gläubigen) Flüchtlinge, deren Traum es wird, zum Teil des Rituals zu werden und den schwarzen Jesus tragen zu dürfen. Der Traum wird wahr – und es kommt zu Begegnungen zwischen Flüchtlingen, Wohlwollenden im Dorf (wie dem engagierten Italienisch-Lehrer und dem für die Prozession verantwortlichen Priester) und den weniger wohlwollenden Überforderten. Der schwarze Jesus löst keines der Probleme – aber Lucchesis Film zeigt meisterhaft ihre Komplexität, heruntergebrochen auf die einfachen Mechanismen eines, seines Dorfes.

Filmemachen ist Experimentieren, Ausprobieren, Visualisieren von Ideen. Man merkt einem Film an, wenn er von Tatendrang und Schaffenswillen getrieben ist und nicht von den Vorgaben der Förderer und Fernseh-Redaktionen. Wie großartig das gelingen kann, hat für mich schon lange kein Film mehr so gut gezeigt wie ‚Die Sonne brennt‘ von Joséphine Demerliac, die damit ihr Spielfilmdebüt vorlegt. Ihre Protagonistin ist Zou (die im Abspann nur so heißt, tatsächlich aber die Regisseurin selbst ist), eine junge Frau aus Frankreich, die sich durch einen heißen Sommer in Berlin treiben lässt, in komplizierten Gefühlen zwei Männern gegenüber steht und den Unbillen der Generation Praktikum ausgesetzt ist. Viel Handlung gibt es nicht in diesem nur 75 Minuten kurzen Film, aber eine Abfolge aus Szenen, die alle echt wirken, mit großartigen Dialogen und toller Musik. Ein Film, der das Gefühl erzeugt, dass man seiner Protagonistin ganz nah gekommen ist.

Wer hätte das gedacht – Väter erkennt man offenbar vor allem an ihrem Niesen. Das ist nicht die wichtigste Erkenntnis aus ‚Väter Unser‘ von Sophie Linnenbaum, aber sie illustriert, was dieser Film kann: Sechs sehr unterschiedliche Menschen (offenbar aus einer großen Zahl von Personen ausgewählt, die in umfangreichen Vorrecherchen befragt wurden) erzählen Geschichten über ihre Väter. Formell denkbar unspektakulär umgesetzt sitzen sie vor schwarzen Hintergründen und erzählen ihre bewegenden, bedrückenden, witzigen oder traurigen Geschichten. Sophie Linnenbaum (die übrigens aus Nürnberg stammt) schafft es, ohne es jemals in Worte fassen zu müssen ein Bild dessen zu entwerfen, was Väter sein können, sollten und müssen. Ein Film, der Gedanken in Gang bringt – dem eigenen Vater gegenüber und auch über die eigene Rolle als Vater.

11. Februar 2021


Kampf um die Tonspur

Unser November-Flyer war fertig geplant, gelayoutet und auch schon gedruckt. Das darin enthaltene Programm ist nun leider hinfällig, aber unser Publikum soll doch wenigstens in den Genuss des redaktionellen Beitrags über verschiedene Sprachfassungen im Kino kommen. Viel Spaß!


BildDer berühmteste Übersetzungsfehler der Filmgeschichte ist vermutlich der legendäre Satz aus ‚Casablanca‘: Humphrey Bogarts lockerer Trinkspruch ‚Here‘s looking at you, kid‘ wurde zum anzüglichen ‚Ich schau Dir in die Augen, Kleines!‘. Die Fassung des Films, die bis in die 70er Jahre in Deutschland zu sehen war, war gar komplett entstellt – weil man den Nachkriegs-Deutschen den politischen Gehalt des
Films nicht zumuten wollte, wurde aus dem Widerstandskämpfer Victor László der Atomphysiker Victor Larsen und der politische Plot zu einer Agenten-Scharade.

Natürlich kann man den Synchronfassungen aktueller Filme so etwas nicht vorwerfen – aber dennoch: Jede Synchronisation verändert einen Film. Die originalen Stimmen der Schauspielerinnen und Schauspieler fehlen, oft geht auch viel Atmosphärisches verloren, Anspielungen und Witze funktionieren nicht mehr und vielen kleinen Verleihern fehlt schlicht das Geld, hochwertige Synchronfassungen zu finanzieren.

Für Cineasten gibts daher keine Alternative zu Originalfassungen, sie hören Dialoge in fremden Sprachen und lesen Untertitel – und die Zahl derer, die dem Original den Vorzug geben steigt in dem Maße, in dem die jüngeren Kinogänger*innen mit Medien wie BluRays und Streaming-Diensten aufwachsen, die immer die bequeme Wahl der Sprachfassung ermöglichen. Andere fühlen sich von den Untertiteln abgelenkt
und ziehen die ‚bequemere‘ Synchronfassung vor.

Für die Kinos macht die Digitalisierung die Sache heute denkbar einfach: Fast immer gibt es die freie Auswahl der verschiedenen Fassungen. Daher gilt im Casablanca immer die Devise: Alle Filme kommen auch im Original (ggf. mit Untertiteln) auf die Leinwand. Manchmal nur in einzelnen Vorstellungen, manchmal auch täglich – viele kleinere Produktionen werden auch überhaupt nicht synchronisiert. Oft
ist es so auch viel leichter, Filme großer Verleiher zeigen zu dürfen. Und manchmal entscheiden wir uns auch für das Original ohne Untertitel – zumindest wenn die Originalsprache Englisch ist.

Dass wir mit jeder dieser Entscheidungen einen Teil des Publikums enttäuschen, einem anderen aber eine Freude bereiten, ist uns klar – wir bitten um Verständnis für die jeweils andere Position. Und Angst muss man vor dem „OmU“-Kennzeichen im Programm nicht haben!

13. November 2020


Gastbeitrag: Black Lives Matter – Medien als Spiegel unserer Gesellschaft

Vielen Dank an die Black Community Foundation NBG, die diesen Gastbeitrag zu unserem Monatsflyer im August beigesteuert hat. Wir freuen uns Vertreter*innen des Kollektivs am 20. August als Moderator*innen des Kurzfilmprogramms ‚Black Life‘ im Casa begrüßen zu dürfen!

Wir sind das Kollektiv „Black Community Foundation NBG“, das durch die Organisation der Black-Lives-Matter-Demos in Franken entstanden ist und nun eine intersektionale Organisation aufbaut. Wir finden, dass es für alle an der Zeit ist, aktiv gegen Rassismus vorzugehen.

Silent_1
Silent Demo am 6.6.20 (Foto: Darun Hamid)

Kolonialrassistische Denk- und Handlungsmuster verwurzelten sich seit Jahrhunderten in Deutschland und prägen heute noch unsere Selbst- und Fremdwahrnehmung von Gesellschaften und Kulturen. Das spiegeln auch heutige Medien, insbesondere der Film, wider.
Ein wiederkehrendes Motiv ist der „White Savior Complex“: Ein weißer Gutmensch rettet die hilflosen, rassifizier- ten Anderen und gewinnt den Kampf gegen Rassismus, der als Kampf guter Weißer gegen schlechte Weiße dargestellt wird.
Zum Beispiel rettet im Film ‚The Help‘ eine weiße Protagonistin schwarze Menschen, die sich selbst nicht helfen können, da sie schwächer und minderwertiger als die Protagonistin sind. Solche Filme stellen sich nicht aktiv aktuellem oder historischem Rassismus. Stattdessen wird eine Geschichte erzählt, die weiße Menschen als Held*in- nen darstellt, obwohl diese Zuschauer*innen oder sogar Täter*innen der Unterdrückung waren.
Nicht umsonst hat Ablene Cooper – eine der schwarzen Frauen von denen die Verfilmung des Buches ‚The Help‘ handelt – die Autorin des Buches für falsches und beleidigendes Storytelling verklagt.
Die Verharmlosung von Rassismus durch weiße Ret- ter*innen ist realitätsfern und verhindert selbstkritisches Denken. Auch wenn die Intention vieler Filmemacher*innen und Filmeschauer*innen vermeintlich positiv ist. Filme wie ‚The Help‘, ‚Green Book‘, ‚Gran Turino‘, ‚Hidden Figures‘ und ‚La La Land‘ sind nur einige Beispiele für den „White Savior Complex“ im zeitgenössischen Film. Anti-rassistische Filme sind hingegen ‚BlacKkKlansman‘, ‚Moonlight‘, ‚Selma‘, ‚Get Out‘, ‚13th‘, ‚Just Mercy’ uvm.

Silent_2
Silent Demo am 6.6.20 (Foto: Darun Hamid)

Niemand wird als Rassist*in geboren. Anti-rassistisches Denken ist ein lebenslanger Prozess, der für eine bessere Zukunft, in der jeder Mensch frei ist, essenziell ist.
Wir sind das Kollektiv „Black Community Foundation NBG“, das durch die Organisation der Black-Live-Matter- Demos in Franken entstanden ist und nun eine intersektio- nale Organisation aufbaut. Wir finden, dass es für alle an der Zeit ist aktiv gegen Rassismus vorzugehen.

Für mehr anti-rassistisches Wissen schaut hier vorbei:
dailyblacktivism.carrd.com | www.nein-zu-rassismus-nbg.de | instagram: @bcf.nuernberg | facebook: Nein zu Rassismus – Nürnberg

 

7. August 2020


Studiengang ‚Literarisches Schreiben‘ zu Gast im Casablanca

Erinnern Sie sich noch an die Zeit bevor COVID-19 unseren Alltag fest im Griff hatte, das Casablanca (und alle anderen Kinos weltweit) zur vorübergehenden Schließung zwang und Mund-Nasen-Schutzmasken noch nicht zum alltäglichen Standardrepertoire gehörten? Es ist noch gar nicht so lange her: Anfang Februar kam eine Gruppe Studierender der Faber-Castell Akademie zu uns ins Kino und führte ein Interview für einen Probeartikel im Bereich „Kulturjournalismus“. Peter Ketenidis, einen der angehenden Journalist*innen, hat uns seinen daraus entstandenen Artikel dankenswerterweise zur Veröffentlichung an dieser Stelle zur Verfügung gestellt und ruft so die Erinnerung an eine Zeit vor COVID-19 wach:

Jenseits ihrer bekannten Sehenswürdigkeiten haben Großstädte immer auch ganz eigene, eher verborgene, magische Orte. Jeder Reiseführer fahndet nach ihnen, doch worin ihr besonderer Reiz liegt, dass können oft nur die mit dem gleichen Lokalkolorit benennen.

Das Casablanca in Nürnberg ist ganz sicher so ein Ort. Die Älteren werden sich daran erinnern, als es noch ein ganz „normales“ Kino war, zu einer Zeit in der noch kein Handy während der Vorführung klingelte. Als dann die Multiplex Kinos kamen, wurde es stiller rund um den verglasten Hinterhof mit seinen liebenswerten Jugendstilanleihen.

Das war uns Anlass genug einmal nachzusehen, was denn aus dieser Nürnberger Institution geworden ist. Und so standen wir also in dem besagten Hinterhof, der ganz wie früher gleichermaßen als eine Art Vorzimmer für die angrenzende Kneipe, wie auch für die Kinokasse dient.

Sentimentale Gefühle wurden schnell verscheucht, als Frau Laura Oehme erschien und zu einem Rundgang durch das Kino einlud. Sie führt den Titel einer Programmkoordinatorin, doch es wurde schnell klar, dass die Zuständigkeiten eine größere Bandbreite haben in einem Verein, der gerade einmal zwei hauptamtliche Mitglieder hat. Ein Verein ist nämlich das Casablanca unterdessen geworden und zwar einer mit immerhin 1.100 (!) Mitgliedern. Das erfahren wir unter sehr beengten Platzverhältnissen, im Vorführraum nämlich, der mittlerweile auch hier mehr einem Serverraum gleicht. Raumfüllend steht ein 19 Zoll Schrank mit 42 Höheneinheiten darin und auch das Surren der Computer gleicht eher dem eines Rechenzentrums. Moderne Filme werden heute als Festplatte angeliefert lässt uns Frau Oehme wissen, beinahe mit einem tröstenden Unterton verweist sie aber auf das alte Vorführgerät im Eck, dass soviel mehr unseren Vorstellungen eines Kinoprojektors entspricht. Sogar die alten 35mm Filmrollen liegen noch herum und in ganz besonderen Fällen kommen sie auch noch zum Einsatz.

Dann klettern wir wieder aus diesem Zimmerchen, Frau Oehme macht noch auf das Tablet vor der Tür aufmerksam, es ermöglicht dem Vorführer etwa bei einer Podiumsdiskussion, oder bei Wortbeiträgen, die es hier auch vermehrt gibt, einen Film punktgenau zu starten. Überhaupt hat der größte Saal des Hauses mit seinen 90 Sitzplätzen gerade eine technische Runderneuerung hinter sich. Die Schönheitsreparaturen stehen noch an, sagt Frau Oehme und bittet uns diskret zum Ausgang, denn die nächste Vorstellung beginnt in wenigen Minuten.

Wir folgen ihr auf die Straße hinaus und ums Eck in Richtung Kopernikusplatz, wo der Verein Büroräume angemietet hat. Auch dieses Wort ist vielleicht etwas zu sehr an die Geschäftswelt angelehnt. Es finden sich darin die Requisiten so ziemlich aller Tätigkeiten menschlicher Kommunikation. Auf den Tischen steht noch der Namenszug „Peter Wohlleben“, dessen Film über das geheime Leben der Bäume gerade gezeigt und wird und der auch persönlich zu anschließender Diskussion vor Ort war. Im Eck steht ein Flipchart, mit der Aufschrift „CASA 2020“ und harrt wohl schon seit geraumer Zeit weiterer Planungen.

Frau Oehme ist nun aber ganz in ihrem Element! Von den Schwierigkeiten der Anfänge vor etwa 11 Jahren spricht sie und wie eine Gruppe von Menschen zusammenfand, die absolut keine Ahnung von einem geregelten Kinobetrieb hatte, sich aber einig darin war, dass das Casablanca nicht sterben darf. Unmerklich beschleunigt sich ihr Vortrag dabei, bis man Mühe hat mit den Notizen hinterherzukommen.

Die Hürden der Anfänge sind nun so vollständig überwunden, dass für den Abend der 50.000. Besucher innerhalb eines Jahres erwartet wird, ein Umstand, der vielleicht zu einer besonderen Würdigung führt, so genau hatte man das gegen 17.00 Uhr noch nicht geplant. Man kann es bis in diese kleinen Details hinein wahrnehmen: es sind Kino-Enthusiasten, die dem Casablanca zu neuem Leben verholfen haben, keine Betriebswirtschaftler. Dazu gehören ebenso die zahlreichen ehrenamtlichen Mitglieder des Kassenteams, wie die vielen stillen, aber zahlenden Mitglieder.

Ihr erstes und wichtigstes Ziel, das Casablanca am Leben zu erhalten ist ihnen unbestreitbar gelungen, so allgemach bildete sich dabei aber auch ein Profil heraus, dass den Betrieb so unverwechselbar machte wie sein Intereuer: es wird viel Wert darauf gelegt nach den Filmen immer wieder Raum für Diskussionen, Besprechungen, weiterführende Hintergrundinformationen zu bieten. Das ist wohltuenden anders, als anonyme Posts in den sozialen Medien.

Nachdem uns das Flipchart keine Details zur Jahresplanung verraten hat, fragten wir gegen Ende Frau Oehme ganz direkt, mit welchen Vorhaben sie in das neue Jahr startet. Und das schien eine Frage so ganz nach ihrem Geschmack zu sein: wir hörten eine unsortierte Fülle von großen und kleinen Dingen, Kooperationen mit anderen Kino- und Kulturvereinen, vom Thema Nachhaltigkeit und den ganz pragmatischen Anforderungen dafür. Weitere Fahrradständer vor dem Kino zum Beispiel und den ausschließlichen Einsatz von LED-Lampen. Und ganz zum Schluss den Punkt mit der höchsten Priorität: Das Casablanca muss überleben!

Wer neugierig geworden ist auf dieses besondere Kinoformat, dem empfehlen wir einen Besuch am kommenden Samstag, den 8. Februar, da wird der Film „Butenland“ gezeigt. Mit vor Ort werden dann der Regisseur Marc Pierschel und die Protagonisten Jan Gerdes und Karin Mück sein.

Peter Ketenidis

Monatsflyer Februar 2020

Damals ahnten wir noch nicht, dass wir rund einen Monat später den Kinobetrieb für drei Monate aussetzen müssen und das Casablanca zum ersten Mal seit seiner Wiedereröffnung im Jahr 2009 wieder um seine Existenz bangen muss. Dank unseren zahlreichen Mitgliedern, mehr als 150 neuen (!) Mitgliedern, zahlreichen Spendenden und Gutschein-Käufer*innen sowie unseren sehr solidarischen Vermieter*innen haben wir es vorerst durch die Krise geschafft. Dafür können und wollen wir uns nicht oft genug bedanken! Daher auch an dieser Stelle noch einmal ein herzliches Dankeschön an alle Unterstützer*innen des Casablanca!

LO

6. Juli 2020


Der Neustart: Ab 17. Juni geht’s weiter!

Hier endlich die langersehnte Nachricht: Am 17. Juni werden wir die Türen des Casablanca wieder für unser Publikum öffnen.

Noch kennen wir nicht die finalen Regeln, die für den Kinobetrieb gelten werden. Natürlich werden wir alle Vorgaben einhalten und haben uns auf alle Eventualitäten vorbereitet – ein ausführliches Hygienekonzept wird rechtzeitig veröffentlicht. Da die Vorgaben auch auf den Modus von Karten-Vorverkauf und Reservierung Einfluss haben, starten wir das Ticketing für alle Vorstellungen erst am Montag, 15. Juni.

Update:
Die bayerischen Vorgaben für ein Kino-Hygienekonzept wurden am Montag Abend endlich veröffentlicht – also erst nachdem der Kinobetrieb bereits wieder erlaubt war. Es ist hier abzurufen.

Wir arbeiten gerade mit Hochdruck an der Erarbeitung eines fürs Casablanca betreffenden Konzepts, das alle Vorgaben einhalten wird. Folgendes vorab, da es für die Kinogäste besonders relevant ist:

  • Wir werden zunächst alle drei Kinosäle für einen täglichen Betrieb öffnen, nicht aber die Kinokneipe. Diese verkauft zunächst nur Getränke und Snacks zur Mitnahme ins Kino. Update: Voraussichtlich ab dem 2. Juli öffnet auch die Kneipe wieder, allerdings mit einem deutlich veränderten Betriebskonzept. Weitere Informationen folgen!
  • Wir verkaufen ausschließlich platzgenaue Tickets. Bitte nutzen Sie wann immer möglich die Möglichkeit zur Online-Buchung. Dabei werden die notwendigen Abstände automatisch eingehalten – bitte seien Sie so fair und buchen insbesondere in den kleinen Sälen zunächst Plätze am Rand, um eine möglichst große Besucherzahl zu ermöglichen.
  • Es dürfen nach den gerade gelockerten Bestimmungen maximal 10 Personen als Gruppe teilnehmen, ohne untereinander Abstände einhalten zu müssen – unabhängig davon, ob sie in einem Haushalt wohnen. Bitte kaufen Sie Tickets für eine Gruppe gemeinsam!
  • Aus technischen Gründen ist derzeit keine Online-Reservierung möglich. Sie können weiterhin reservieren (insbesondere um während der Schließung gekaufte Gutscheine und Guthabenkarten einlösen zu können). Bitte machen Sie das aktuell per E-Mail oder telefonisch, wobei wir aktuell keinen Anrufbeantworter nutzen. Unsere Kasse ist während der Öffnungszeiten erreichbar: 0911-454824
  • Es besteht beim Aufenthalt im Haus Maskenpflicht. Die Maske darf aber zum Konsum von Getränken und Snacks abgenommen werden. Update: Ab 1. Juli entfällt die Maskenpflicht am Sitzplatz. Beim Bewegen im Haus besteht sie aber weiterhin!
  • Manche Abläufe mussten wir etwas anpassen. Insbesondere gibt es im Haus Einbahnstraßenregelungen – die kleinen Kinosäle dürfen nur durch die Notausgänge verlassen werden. Bitte helfen Sie mit, durch Einhalten eines Abstand von mindestens 1,5 Metern das Risiko zu minimieren.

Am 17.6. findet um 20:00 Uhr eine Sondervorstellung des Films Queen & Slim statt – wir haben uns bewusst für diesen Film entschieden, der in Zeiten von Rassismus und Polizeigewalt der Film der Stunde ist – „Kino mit Courage“ eben. In den kommenden Wochen folgt dann die neue Staffel der Reihe „Black Lives in America„.

Ab dem 18. Juni gehts dann mit einem einigermaßen regulären Programm los – die vielen Filme, die in den letzten Wochen auf Sie gewartet haben, finden Sie auf unserer Startseite. Immerhin: Es gab wohl noch nie einen Kino-Sommer, der so voll mit absolut großartigen Filmen war wie dieser!

Wir wurden in den letzten Wochen oft gefragt, ob das Casablanca die Krise überstehen wird. Zur Beruhigung: Es wird – was nicht zuletzt an der speziellen Struktur liegt, die ein von einem Verein betriebenes Kino mit vielen Unterstützerinnen und Unterstützern hat. An alle, die uns in den letzten drei Monaten mit Spenden, neuen Mitgliedschaften, durch ihre Mitarbeit, durch Gutscheinkäufe oder auch durch aufmunternde Worte durch die Krise getragen haben: Herzlichen Dank!

Wenn Sie sich im Detail dafür interessieren, was in den letzten Wochen passiert ist und wie die Zukunft aussieht, finden Sie alle Informationen in diesem Text, den wir vor einigen Tagen schon als Newsletter verteilt haben:

Newsletter 2020-05-29

Die Krise ist natürlich nicht vorbei – das Kinomachen mit so großen Einschränkungen wird in den nächsten Monaten eine große Herausforderung sein. Aber im Moment herrscht Aufbruchsstimmung: Wir hoffen, dass Sie sich genau sehr auf Ihr Kino freuen wie wir!

11. Juni 2020


Wann macht das Casablanca wieder auf? (Update 26. Mai)

Die am häufigsten gestellte Frage der letzten Tage: Wann gehts wieder los mit dem Kino?

Die Antwort: Wir wissen es (noch) nicht. Aber es wird bald so weit sein …

Bisher ist für Bayern der Betrieb von Kinos generell untersagt (mit Ausnahme von Open-Air-Veranstaltungen und Autokinos, die genehmigt werden können). Ab dem 15.6. dürfen Kinos, Theater und ähnliche Orte wieder öffnen.

Das ist ein Montag – wir diskutieren gerade unser Konzept, aber es ist nicht unwahrscheinlich, dass ab der Spielwoche ab 18. Juni das Casablanca wieder geöffnet sein wird!

Bauarbeiten im Casablanca-HofIm Moment bereiten wir das Kino intensiv auf einen Neustart vor – einerseits mit vielen Bau- und Verschönerungsmaßnahmen, die teilweise ohnehin geplant waren, teilweise spontan gestartet wurden, um die Schließzeit zu überbrücken. Im Moment ist das Casa eine Baustelle – in einigen Wochen wird es schöner sein als je zuvor.

Andererseits arbeiten wir an Konzepten und Abläufen, mit denen wir die Einschränkungen und Vorgaben werden einhalten können, die bei einem Neustart gefordert werden.

Insbesondere arbeiten wir auch an Ideen, wie wir das weiter machen können, was das Programm des Casablanca ausmacht – nicht nur Filme abzuspielen (das wird wohl in Kürze wieder möglich sein, wenn auch vermutlich mit weniger Platzkapazität und anderen Einschränkungen als gewohnt), sondern auch Veranstaltungen, Reihen, Kooperationen und vieles mehr. Hier wird es keine generelle Lösung geben – manches wird erst mal nicht stattfinden können, anderes wird anders sein als gewohnt, einiges sicher auch schon bald wieder fast wie gewohnt starten.

Darüber, wann genau es wieder losgeht und mit welchem Programm, informieren wir so früh wie möglich – wenn Sie sofort informiert werden wollen, folgen Sie uns einfach in über unsere Social Media-Kanäle oder abonnieren unseren Newsletter!

26. Mai 2020


Corona-Tagebuch (11)

Was macht man so den ganzen Tag in einem geschlossenen Kino? Aktuell gibts ziemlich viel in Sachen PR zu tun: Wir haben in der letzten Woche diverse Interviews gegeben – und heute Abend kommt das Casa sogar ins Fernsehen: Um 21:00 und 23:00 Uhr läuft im Franken Fernsehen die Sendung „Kunst im Kontext„, die vor einigen Tagen im Casa aufgezeichnet wurde! Den Mediatheken-Link reichen wir nach …

Und auch im Radioprogramm von Bayern 2 waren wir zu hören – wer’s verpasst hat, hier kann man den Beitrag nachhören!

15. Mai 2020


#supportyourlocalcinema – aber wie? (Update)

Derzeit sind die sozialen Medien voll von Ideen, wie man lokale Kinos, Kulturorte, Geschäfte und vieles anderes unterstützen kann. Alle kleinen und großen Anbieter, deren Markt gerade völlig stillsteht, haben gerade massive Probleme und suchen verständlicherweise nach Wegen, doch ein paar Einnahmen zu generieren.

Hier ein kleiner Überblick über Ideen, die aktuell unterwegs sind – und Einschätzungen darüber, ob sie das lokale Kino wirklich unterstützen, ziemlich subjektiv vielleicht aus Sicht des Casablanca: Es mag sein, dass andere Kinos das ganz anders sehen …
Einige Fachbegriffe sind kursiv geschrieben – zu ihnen lässt sich eine Erklärung einblenden:

„On Demand“-Angebote

Viele große und kleine Filmverleiher ziehen bei Filmen, die eigentlich jetzt oder in den nächsten Wochen hätten ins Kino kommen sollen die Reißleine und stellen sie online verfügbar – entweder auf den großen SVoD-Kanälen (also Abo-Modellen) wie Netflix oder Amazon Prime oder als TVoD-Angebote, also per Bezahlung pro Stream.

Vorab: So sehr wir als Kinos sonst drauf bestehen, dass die Regeln unsere Branche über die Auswertungsfenster eingehalten werden, so sehr verstehen wir das Dilemma, dass Verleiher jetzt auf die Einnahmen verzichten müssen, die im Zuge der Kinoauswertung nun eingeplant haben.

Generell ist es natürlich schön, wenn man mit dem eigenen Konsumverhalten nicht nur die Branchenriesen unterstützt, sondern auch mal einen Film eines kleinen Verleihs online schaut und bezahlt.

„On Demand“ mit Beteiligung der Kinos

Manche Verleiher sind mit Angeboten an den Start gegangen, bei denen die Kinobetreiber an den Umsätzen, die jetzt online erzielt werden, mit den Kinobetreibern geteilt werden – sicher oft aus Solidarität, aber natürlich auch in der Hoffnung, dass die Kinobetreiber diese Aktionen über ihre Kanäle mit bewerben.

Für die Kinobetreiber ist es gar nicht leicht, sich hierzu zu positionieren, schon weil die Konditionen sehr unterschiedlich sind:

Manchmal werden die Umsätze unter allen beteiligten Kinos aufgeteilt, wie zum Beispiel beim oft genannten Angebot von Grandfilm – hier geht ein durchaus fairer Anteil an eine definierte Zahl von Kinos, allerdings unabhängig davon, wie sehr ein Kino die Sache bewirbt – das führt zum Problem, dass ein Kino, das sich richtig reinhängt, trotzdem pro gekauftem Film nur einen kleinen Betrag bekommt, das Publikum aber womöglich zu Unrecht davon ausgeht, „sein“ Kino zu unterstützen.

Im ebenfalls viel diskutierten Fall der „Känguru-Chroniken“ sollen 15 Prozent der Umsätze an einen „Hilfsfonds“ überwiesen, der den Kinos zugute kommen soll – immerhin sollen die Kinos sich hier nicht an der Werbung beteiligen.

Manchmal sind schon die Konditionen so undurchsichtig, dass es schwer fällt, sich zu beteiligen – wie in einem Fall, der gerade mal „25 Prozent des Gewinns“ an die Kinos ausgespielt werden, aber erst mal ein hoher fünfstelliger Kostenblock des Verleihs bedient wird – aller Voraussicht nach wird da kaum was bei den Kinos ankommen.

Es gibt auch einige echt faire Angebote – zum Beispiel von Interfilm, mit denen wir schon lange zusammenarbeiten, zum Beispiel bei Shorts Attack. Es wird einigen Tagen eine virtuelle Ausgabe von Shorts Attack geben, die online gekauft werden kann – und bei diesem Modell geht fair und transparent der gesamte Betrag (!) nur abzüglich der Kosten für den Dienstleister, der die Technik bereitstellt an uns.

Auch mit der Edition Salzgeber präsentieren wir in Zukunft einige Filme als solidarische Online-Starts, ggf. kommen noch andere Verleiher hinzu.

Update: Unsere Faustregel: Wir erwarten, dass die Einnahmen fair und transparent aufgeteilt werden – bei allem, was wir über unsere Kanäle anbieten, können Sie sicher sein, dass das der Fall ist. „Fair“ bedeutet hier: Die Umsätze abzüglich des Anteils, der an den technischen Dienstleister (also z.B. Vimeo) müssen mindestens halbe/halbe zwischen Kino und Verleih geteilt werden. Und es soll so sein, dass die Umsätze über „unsere“ Gäste gezielt uns zugute kommen und nicht in einer Mischkalkulation zwischen allen Kinos aufgeteilt werden.

#hilfdeinemkino

Viel beachtet wird auch die Aktion #hilfdeinemkino von Werbe Weischer. Hier kann man online Werbung schauen und unterstützt dann ein auszuwählendes Kino. Klingt gut – ist aber vor allem eine Aktion eines Werbemittlers, der seine Werbekunden bei der Stange halten muss. Die Kinos, die auf der Seite auszuwählen sind, sind nicht zwingend Kunden bei Werbe Weischer (das Casa ist es zum Beispiel nicht) und es wurde den Kinos nicht kommuniziert, wie viel Geld sie bei dieser Aktion erhalten. Insofern: Irgendwie schon ok, aber es fällt schwer, das anzupreisen – man sollte sich jedenfalls nicht die Hoffnung machen, „sein“ Kino in großem Maße zu unterstützen.

Update: Inzwischen wurde bekannt, wie hoch der Betrag ist, der an das Kino geht. Es ist etwas mehr als 1 Cent pro angesehenem Video-Clip (wobei für die Eigenwerbungs-Clips („Leuchtspuren“) nichts bezahlt wird. Das finden wir nicht fair und haben Werbe Weischer aufgefordert, uns von deren Seite zu nehmen (was auch passiert ist).

Update: „Kino on Demand“

Ein ebenfalls viel beachteter Anbieter ist die Firma „Kino on Demand“. Sie bietet Streams im als TVoD-Angebote an, mit einem Fokus auf den Arthouse-Sektor, für ca. 5 EUR pro Film. Früher lief das so, dass die Kinos mit einem (niedrigen) prozentualen Anteil beteiligt wurden, inzwischen sind die Kinos nur noch dadurch beteiligt, dass die Kunden nach dem ersten und dann nach jedem fünften gekauften Film einen 5-EUR-Gutschein für das gewählte Kino erhalten. Nur bei einigen wenigen und deutlich teureren Filmen („Deutschlandpremieren“) werden Kinos prozentual beteiligt.

„Kino on Demand“ formuliert das sehr missverständlich – viele Kunden verstehen das Modell so, dass die Kinos bei jedem Sehen einen Anteil des Geldes erhalten – tatsächlich wird aber maximal 1 EUR pro gesehenem Film in Form von Gutscheinen bezahlt, es ist natürlich in der Realität noch deutlich weniger, denn die Kinos sehen also außer bei den „Deutschlandpremieren“ erst dann Geld, wenn diese Gutscheine auch eingelöst werden.

„Kino on Demand“ hat die missverständlichen Formulierungen in den letzten Tagen nach deutlichen Protesten vieler Kinos (auch des Casablanca) und der AG Kino etwas verbessert.

Man könnte nun sagen „Aber die Kinos können doch selbst entscheiden, ob sie da dabei sein wollen“ – wenn es denn so wäre: „Kino on Demand“ führt auf seiner Seite viele Kinos auf, mit denen gar keine Vereinbarung für eine Zusammenarbeit besteht. Wie es dazu kommt, ist derzeit noch in Klärung – Tatsache ist aber, dass das Casablanca und viele andere Kinos in Vergangenheit als Partner-Kinos gelistet wurden. Da die Liste der Kinos nur für angemeldete Kunden zu sehen ist, war uns das anfangs nicht aufgefallen. Inzwischen wurden wir gelöscht – wir wollen kein Teil dieses Modells sein, das wir nicht für fair halten.

Leider haben ca. 25 Leute sich wohl im guten Glauben, uns damit etwas Gute zu tun, bei Kino-on-Demand registriert und Gutscheine fürs Casablanca erhalten. Wir haben Kino on Demand aufgefordert, diese Menschen anzuschreiben mit der Bitte, uns zu kontaktieren. Sollten Sie betroffen sein, melden Sie sich bitte per Email an info@casablanca-nuernberg.de bei uns und schicken uns den Gutschein weiter – wir lösen ihn ein und schicken Ihnen stattdessen eine Freikarte für eine beliebige Vorstellung und einen Getränkegutschein!

Direkte Unterstützung an ein Kino

Wie unterstützt man „sein“ Kino am besten? Fürs Casablanca gibt es da folgende Methoden:

Ganz ohne Geld:

Folgt uns in den sozialen Medien, gebt uns gute Bewertungen bei Google, Facebook & Co, beteiligt Euch an unseren Aktionen und teilt unsere Beiträge, werbt für uns in Eurem Freundeskreis – so tragt Ihr unsere Informationen in Eure Freundeskreise und schenkt uns Eure Reichweite.

Per Spende:

Das ist natürlich die lukrativste Unterstützung für uns, keine Frage – wenn Ihr es Euch leisten könnt oder wollt (und Ihr müsst Euch bestimmt nicht entschuldigen, wenn Ihr in der aktuellen Situation jeden Euro zweimal umdreht!) hilft uns jeder Euro sehr. Der Casa e.V. ist gemeinnützig – Eure Spende ist steuerlich absetzbar!

Für Spenden ab 30 Euro erhaltet Ihr wenn Ihr wollt, eine individuelle Grußbotschaft, die wir auf unsere Programmanzeiger stecken …

Ihr könnt spenden:

 

Mit einer Mitgliedschaft im Casa e.V.

Der Verein, der unser Kino betreibt, hat aktuell fast 1.200 Mitglieder – und täglich werden es mehr. Mit einer Mitgliedschaft werdet Ihr zu einem kleinen Teil Eures Kinos! Aktuell müsst Ihr im ersten Jahr nur die Hälfte des Mitgliedsbeitrages zahlen.

Mit einem Gutscheinkauf.

Mit jedem Gutschein, den Ihr kauft, gebt Ihr uns einen kleinen gebührenfreien Kredit – Geld, das wir jetzt dringend brauchen, auch wenn wir es natürlich später in Form eines Kino- oder Kneipenbesuchs zurückgeben. Es gibt verschiedene Möglichkeiten – mehr Infos hier!

Und die Nachbarn?

Und, Blick über den Tellerrand: Schaut auch mal bei unseren Kolleginnen und Kollegen vorbei – das Casablanca ist nur eines von vielen tollen kleinen inhabergeführten Kinos in der Region, da gibts auch das Babylon in Fürth, das Lamm in Erlangen, das Mobile Kino mit seinen Open Air-Programmen, das Fremdsprachenkino Roxy oder die tollen Kollegen in Bamberg und Würzburg!

8. Mai 2020


Corona-Tagebuch (10)

Wir üben schon mal den korrekten Umgang mit den Schutzmasken – unsere Foyer-Mitarbeiter machen es vor, allerdings haben sie das mit dem Mindestabstand noch nicht so ganz verinnerlicht …

Laurel&Hardy-Büsten mit Mundschutz

23. April 2020