TV- und Mediatheken-Tipps vom 18. bis 24. März 2021

Zusammengestellt von Rainer Mesch (Casa-Akademie) und mit Zitaten aus den Kurzkritiken von filmdienst.de!


Das schönste Paar

von Sven Taddicken, Deutschland 2018
Donnerstag, 18. März 2021, 0:10 Uhr (d.h. Freitag), Arte

Bemerkenswertes deutsches Beziehungs-Kino mit Maximilian Brückner und Luise Heyer.

„Zwei Jahre nach einem brutalen Überfall in einer Ferienwohnung auf Mallorca gerät die Beziehung eines bürgerlichen Paares in eine neue Krise, als der Mann einem der damaligen Täter auf die Spur kommt. Während er sich immer mehr in eine Art Zweikampf mit dem jugendlichen Täter verbeißt, will die Frau nicht mehr an das Geschehene rühren. Das subtile Drama lotet die Motive der glänzend gespielten Figuren aus und macht deutlich, wie unterschiedlich mit lange nachwirkenden Traumata umgegangen werden kann.“


Ich und Du

von Bernardo Bertolucci, Italien 2012
Donnerstag, 18. März 2021, 23:30 Uhr, WDR

Der letzte Film des 2018 verstorbenen bedeutenden italienischen Regisseurs.

„Statt mit seinen Schulkameraden in den Winterurlaub zu fahren, verkriecht sich ein schüchterner 14-Jähriger eine Woche lang im Keller seiner Eltern, wo er zufällig seiner drogensüchtigen Halbschwester begegnet. Nach und nach kommen die beiden ungleichen Geschwister einander näher. Ein im besten Sinn aus der Zeit gefallener Film, in dem Verborgenes bisweilen zaghaft zum Vorschein kommt, nie aber die Grenze des Fantasierten überschritten wird. Was ihn zu einem kleinen cineastischen Meisterwerk macht, ist nicht die Auflösung der Metaphorik, sondern sein atmosphärischer Zauber: Virtuos verwandelt Bernardo Bertolucci das Kellergewölbe eines italienischen Mehrfamilienhauses mit sanft-poetischen Kinobildern in eine surreale Seelenlandschaft.“


Ziemlich beste Freunde

von Eric Toledano, Frankreich 2011
Samstag, 20. März 2021, 22:30 Uhr, MDR – bis 27.3. in der ARD-Mediathek

Schwungvolles und sehr erfolgreiches französisches Wohlfühlkino.

„Ein wohlhabender, an den Rollstuhl gefesselter Franzose adeliger Herkunft engagiert einen jungen Migranten als Pfleger, der so gar nicht in den kultivierten Haushalt passen will. Doch sein Dienstherr will nicht länger wie ein rohes Ei behandelt werden. Charmantes Buddy-Movie mit pfiffigen Dialogen und guten Hauptdarstellern, das zwischen Komik und Sentiment balanciert und dafür plädiert, sozialen und kulturellen Differenzen nicht mit Hass, sondern mit Solidarität zu begegnen.“


The Hate U Give

von George Tillman Jr., USA 2018
Samstag, 20. März 2021, 20:15 Uhr, Pro7

Eine starke, bewegende „black lives matter“- Geschichte aus der US-Gegenwart.

„Ein 16-jähriges afroamerikanisches Mädchen aus einer bürgerlichen Familie wird Zeugin, wie ihr ebenfalls schwarzer Freund bei einem Verkehrsdelikt von einem weißen Polizeioffizier erschossen wird. Der auf einem Bestseller für junge Erwachsene basierende Film bemüht sich nach Kräften, Voreingenommenheiten und Komplikationen, die sich aus der gesellschaftlichen Spaltung des amerikanischen Alltagslebens ergeben, in publikumswirksamem Stil darzustellen.“


Der Trafikant

von Nikolaus Leytner, Österreich/Deutschland 2018
Sonntag, 21. März 2021, 0:50 Uhr (d.h. Montag), SWR – bis 29.9. in der ARD-Mediathek

Dank der kongenialen Besetzung mit Bruno Ganz als Sigmund Freud ein eindrücklicher Film über politisch schwere Zeiten.

„Ein etwas verträumter 17-Jähriger aus dem Salzkammergut wird 1937 nach Wien geschickt, um in einer Trafik als Gehilfe zu arbeiten. Bald erlebt er aus nächster Nähe die Angriffe der Nazi-Anhänger, die seinen antifaschistischen Chef bedrohen, auch vor jüdischen Trafik-Kunden wie dem Psychoanalyse-Begründer Sigmund Freud nicht Halt machen und ihn selbst schließlich zu einer Positionierung zwingen. Verfilmung des gleichnamigen Romans von Robert Seethaler, die dessen Detailgenauigkeit weitgehend übertragen kann.“


Capernaum – Stadt der Hoffnung

von Nadine Labaki, Libanon/Frankreich/USA 2018
Mittwoch, 24. März 2021, 20:15 Uhr, Arte

Mehrfach ausgezeichnetes und oscarnominiertes Sozialdrama, das 2018 in Cannes standing ovations und den Preis der Jury bekam.

„Dokumentarisch anmutender Spielfilm über einen zwölfjährigen Straßenjungen aus einem Armenviertel in Beirut, der bei einer Flüchtlingsfrau aus Äthiopien Unterschlupf findet und sich um deren kleinen Jungen kümmert. Als die Mutter nicht mehr auftaucht, ist er mit dem Kind auf sich gestellt. Mit großer Zugewandtheit, aber relativ nüchtern schildert das auf intensiven Recherchen beruhende Drama den ausweglosen Kampf ums Überleben. Der von einer großen Menschlichkeit getragene Film konfrontiert mit erschütterndem Elend, hält Sentimentalität wie Zynismus aber gleichermaßen auf Distanz. Ein ebenso bewegender wie kluger, weitgehend von Laienschauspielern grandios gespielter Film.“


All I Never Wanted

von Leonie Stade, Deutschland 2018
Mittwoch, 24. März 2021, 0.15 Uhr (d.h. Donnerstag), BR – bis 16.6. in der ARD-Mediathek

Bei uns im Kino mit der Regisseurin rege diskutierte Mockumentary über weibliche Medienwirklichkeit.

„Zwei junge Filmemacherinnen drehen eine Doku über eine 17-jährige Jugendliche, die für eine Model-Karriere ihr Abitur sausen lässt, dabei aber ähnlich viele Kompromisse wie eine ältere Schauspielerin machen muss, die von einer Jüngeren ausgebootet wird. In den elegant ineinander geschachtelten Episoden verwischt die Unterscheidung zwischen Satire und Realsatire, wie sich auch die Grenzen zwischen Fiktion und Dokumentation aufheben. Eine feministische Tragikomödie mit selbstironischen Untertönen, die als Mockumentary ein allumfassendes System der Ausbeutung aufspießt und dabei auch nicht den Anteil der Ausgebeuteten daran vergisst.“