Queerfilmfestival

Das Festival

In den letzten Jahren war ein queeres Filmfestival, das gleichzeitig im Casablanca und im Cinecitta stattfand, ein fester Teil des Programms. Dieses Jahr gibts ein neues Festival – trotz Corona und sogar viel größer und umfassender als bisher: Wo wir bisher selbst Filme organisierten, können wir dieses Jahr auf die Arbeit der Edition Salzgeber aufbauen, die seit vielen Jahren die Queerfilmnacht organisiert (im Casablanca immer am 2. Montag im Monat um 20:30 Uhr).

2019 wurde daraus erstmals ein Festival in mehreren Städten – und dieses Jahr nun ein bundesweites Festival, das parallel in vielen Kinos in ganz Deutschland und Österreich stattfindet.

Der Plan, während der Festivalwoche Gäste zwischen den Kinos hin und her reisen zu lassen, ist dieses Jahr nicht realisiertbar, aber das Festival findet statt!

Unser diesjähriges Motto دنیا مال ماست oder „Uns gehört die Welt!“ verdanken wir Banafshe aus unserem Eröffnungsfilm „Futur Drei“. Wir verbinden damit Lebenslust, Lebenshunger und einen hohen Anspruch an unser Selbstverständnis und unsere Selbstverantwortung.

Das queere Filmschaffen hat unsere Emanzipationsgeschichte begleitet und im Idealfall auch vorangetrieben. Dies sind auch die Leitlinien unseres diesjährigen Programms: Nichts ist perfekt, vieles bleibt zu tun, aber es liegt an uns, neugierig und offen zu sein und unsere Welt zu gestalten.

Unser Hauptprogramm umfasst 18 Filme. 12 davon sind exklusiv im Kino zu sehen, weitere 6 Filme – inklusive eines Kurzfilmprogramms, das im Casablanca zusätzlich auf die Leinwand kommt – zeigen wir als Online-Premieren: Hierfür bitte auf die Festival-Webseite schauen! Mit dabei sind Highlights aus Cannes, Venedig, von Sundance und der Berlinale. Mit wenigen Ausnahmen laufen die Filme als deutsche Erstaufführungen.

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Als Eröffnungsfilm ist mit dem Teddy-Gewinner „Futur Drei“ eine postmigrantische Coming-of-Age- und Liebesgeschichte aus Hildesheim zu sehen, die zugleich aktivistisches Popcornkino ist. In dem queeren Liebesfilm „Port Authority“ verliert Nachwuchsstar Fionn Whitehead sein Herz in der New Yorker Ballroom-Community.

Im Heimatfilm „Neubau“ (Max Ophüls Preis 2020) stellt sich ein junger queerer Mann in der Uckermark die Frage, wo und wie er leben möchte. Aus Cannes kommt das russische Soldatinnen-Drama „Bohnenstange“, das von der Kritik frenetisch gefeiert und mit dem Regiepreis der Sektion „Un Certain Regard“ ausgezeichnet wurde.

Shootingstar Roosa Söderholm und die Sängerin Maria Ylipää glänzen im finnischen Film „Baby Jane“ als leidenschaftliches Paar. Das schwedische Liebesdrama „Are We Lost Forever“ erzählt vom drastischen Ende einer schwulen Beziehung.

„Im Stillen laut“ porträtiert die beiden 81-jährigen Künstlerinnen Erika Stürmer-Alex und Christine Müller-Stosch, die seit Jahrzehnten auf einem Hof in Brandenburg zusammenleben und -arbeiten.

Die US-amerikanische Transgender-Komödie „Adam“ war bereits in Sundance ein Publikumshit. Im südafrikanischen Drama „Moffie“ kämpft ein schwuler Wehrdienstleistender im Jahr 1981 gegen die unmenschlichen Repressionen und die toxische Männlichkeit des Apartheid-Regimes.

Der dänische Film „Eine total normale Familie“ beginnt mit dem Trans-Outing eines Familienvaters. In dem vielschichtigen Drama „Minjan“ wird ein schwuler Teenager aus einer jüdisch-russischen Einwandererfamilie im New York der späten 1980er erwachsen. Der erotische Gefängnisfilm „Der Prinz“ spielt im Chile des Jahres 1970 am Vorabend der Präsidentschaft Salvador Allendes und erhielt in Venedig den Queeren Löwen.

Die musikalische Liebeskomödie „Benjamin“ des britischen Star-Comedians Simon Amstell bringt Colin Morgan und Phénix Brossard zueinander. Kultregisseur Yann Gonzalez hat für uns den französischen Kunstporno „Gleichung mit einem Unbekannten“ (1980) wiederentdeckt. Ein „Herz aus Dynamit“ bilden zwei Freundinnen in Guatemala City, die erst Opfer eines Verbrechens werden und dann gemeinsam Rachepläne schmieden.

Im belgisch-französischen Drama „Lola und das Meer“ unternehmen eine junge trans Frau und ihr Vater zusammen einen Roadtrip. „Die Starken“ sind ein angehender Architekturstudent und ein Hafenarbeiter, die sich an der rauen Küste Süd-Chiles ineinander verlieben. Das Kurzfilm-Programm unserer Freund_innen von XPOSED versammelt einen bunten Strauß nicht-heterosexueller Miniaturen.

Zu fast jeder queeren Biografie gehört es, die Heimat zu verlassen und an einem neuen Ort von vorne anzufangen. Für diesen „neuen Ort“ steht New York wie keine andere Stadt. Gleich drei Filme des Hauptprogramms („Adam“, „Minjan“ und „Port Authority“) spielen in jener Stadt, die schon immer Fluchtpunkt für queere Sehnsüchte, Befreiungen und Selbstfindungen war und vielleicht noch immer ist. In unserer Retrospektive feiern wir 35 Jahre New Yorker Filmgeschichte mit 12 weiteren queeren Filmen.

„Buddies“ von Arthur J. Bressan Jr. zeigt uns New York im Jahr 1985 als Ort, der von HIV/Aids heimgesucht wird. Als erster Spielfilm überhaupt thematisierte „Buddies“ die Epidemie – und gilt heute als ein Meilenstein des schwulen Kinos. Der Film läuft bei uns in restaurierter Fassung.

In den folgenden Jahrzehnten ist New York mal Projektionsfläche für die eigenen Träume, die sich endlich erfüllen sollen, wie im lesbischen Coming-of-Age-Film „Jamie und Jessie sind nicht zusammen“ (2011) von Wendy Jo Carlton; mal ist es ein Ort, den die Figuren hinter sich lassen wollen, um schmerzhafte Erfahrungen zu verdrängen, wie im berührenden lesbischen Drama „Becks“ (2017) von Elizabeth Rohrbaugh und Daniel Powell.

Raus aus der Stadt und auf die New Yorker Insel Long Island geht es in Richard Kwietniowskis Tragikomödie „Liebestod auf Long Island“ (1997), in der ein alternder Schriftsteller (John Hurt) einem attraktiven Jungschauspieler (Jason Priestley) verfällt. Jacob Chase schickt uns in „The Four-Faced Liar“ (2010) in eine hippe Wohngemeinschaft im West Village und in die titelgebende Lieblingskneipe der Hauptfiguren, in der sich bald ein queeres Liebeschaos entwickelt.

Étienne Faure zieht uns in „Bizarre“ (2015) in die sexuelle Erweckungsgeschichte eines jungen Franzosen und in die berühmt-berüchtigte queere Burlesque-Bar gleichen Namens in Brooklyn. Und auch in „Concussion“ (2013) von Stacie Passon ist New York der Ort, an dem Fantasien ausgelebt werden können: wenn eine brave Vorstadt-Mutter beginnt, in einem Apartment in Manhattan Sexdienste für Frauen anzubieten.

Alan Brown lässt in „Five Dances“ (2013) einen jungen Studenten aus der Provinz anreisen, um sich einer verwegenen Tanzgruppe anzuschließen. Und in Damon Cardasis‘ „Saturday Church“ (2017) wird eine Gemeinschaft von trans Sexworkerinnen, die sich einmal pro Woche in einer Kirche in der Bronx treffen, für einen queeren Teenager zum Safe Space.

Regisseur Ira Sachs erzählt in „Keep the Lights On“ (2012) voller Zärtlichkeit und doch kompromisslos von der intensiven Liebesbeziehung zweier schwuler Männer. Vier Jahre später schildert er in „Little Men“ (2016) mit großem Feingefühl die innige Freundschaft zwischen zwei Jungen in Brooklyn – und thematisiert dabei zugleich die Gefahren der Gentrifizierung, die die ehemals vielgestaltige migrantische Nachbarschaft Brooklyns zunehmend uniformiert.

Für die Liebe zum Camp, die nirgends inniger zelebriert wurde und wird als in New York, steht schließlich „Die Florence Foster Jenkins Story“ (2016) von Ralf Pleger. Das liebevolle Porträt über die selbsternannte Operndiva führt uns zurück ins Jahr 1944, in dem Foster Jenkins mit ihrem legendär schrägen Auftritt in der Carnegie Hall alle Verkaufsrekorde bricht.

Es wird aufregend und bunt. Wir freuen uns auf Euch!

Praktische Informationen

Das Festival findet unter Einhaltung der nötigen Hygiene-Regeln statt. Wir empfehlen den Online-Kartenvorverkauf. Restkarten sind an der Abendkasse erhältlich.

Eintritt: Es gelten die normalen Eintrittspreise und Ermäßigungen des Casablanca.
Ein Festivalticket können wir leider wegen der sehr beschränkten Sitzplatz-Kapazität nicht anbieten.

Festival-Webseite & Online-Programm

Mehr Infos zu allen Filmen des Festivals, auch zu den Online-Zusatzangeboten gibs auf http://queerfilmfestival.net/.