Filme des Jahres: Matthias

Die Filme des Jahres von Theaterleiter Matthias

Meine Filme des Jahres – Top 5

1. In die Sonne schauen
Was für ein Film! Mascha Schilinski will Geschichten erzählen, Geschichte erzählen, traut sich, lose Enden zurückzulassen, arbeitet mit Bildern, Formen und Geräuschen und legt einen Film hin, dem man den gigantischen Aufwand, der dahinter steckt, kaum ansieht. Und: Ein Film übers Sehen, über Fotografie, über Bilder und Blicke. Mascha Schilinski füllt die trockenen Sätze aus Roland Barthes‘ Essay ‚Die helle Kammer‚ in zweieinhalb Stunden Film mit Leben. Dass wohl keinen Film dieses Jahr so viel Publikum vorab verlassen und gleichzeitig selten so viele Menschen einen Film überschwänglich gefeiert haben, formuliert einen Auftrag.

2. Sirat
Ein echtes Kino-Erlebnis – eine Dramaturgie, die einfach mal alle Sehgewohnheiten auf den Kopf stellt, die alles gelernte (bei Filmemacher und Publikum!) über Bord wirft und immer wieder überrascht.

3. Memoir of a Snail
Aus Knetmasse Figuren herzustellen und auf diese Art mit Leben zu füllen, ist eine echte Leistung. Mehr Emotion gab’s dieses Jahr nirgends.

4. One Battle After Another
Hochamt der Paul Thomas Anderson-Ultras. Großes Kino und die beste Verfolgungsjagd der Filmgeschichte.

5. Oslo Stories: Träume
Seit Jahren der erste Berlinale-Gewinner, den ich nicht erst hinterher gesehen habe. Und dabei dachte, dass dieser untypische Berlinale-Film nie im Leben eine Chance hat, zu gewinnen. Hab mich selten so über einen Preisträger gefreut!

Darauf freue ich mich am meisten

Das Casa wird 50 (ich übrigens auch) – viele Blicke zurück ins Jahr 1976, das hoffentlich als Reflexionsfläche für den Blick in die Zukunft dient.

Schönster Moment im Kino

Ein Tag mit 2001 – A Space Odyssey, Lawrence of Arabia und One Battle After Another in der Karlsruher Schauburg in analoger 70mm-Projektion beim TODD AO-Festival – fast 9 Stunden perfektes Kino-Glück.

Größte Enttäuschung

Jedes Jahr bringt auch schlechte Filme – aber am meisten enttäuscht hat Celine Songs Materialists, der so gar nichts von ihrem wunderbaren Erstling Past Lives hatte.

Beste Wiederentdeckung

The Goddes of 1967 in der Retrospektive bei den Internationalen Hofer Filmtagen.
Hatte ich vor fast 25 Jahren im Kino gesehen, seitdem denke ich immer an den Film, wenn ich eine Citroen DS („déesse“, also „Göttin“ – nach wie vor das schönste Auto, das jemals gebaut wurde) auf der Straße sehe.
Ein eigenwilliger aber großartiger Film – war toll, ihn noch mal zu sehen!