Küss mich! Küss mich, als wär's das letzte Mal.

Ein kurzer Abriss der Geschichte der Brosamerstraße 12

25.09.2010: Eröffnung des großen Saals mit Hans W. Geißendörfer

Nach monatelangen Umbauarbeiten ist es soweit: Mit einem rauschenden Fest wird der große Saal feierlich eingeweiht, auch der kleine Saal im Erdgeschoss ist bespielbar. Stargast des Abends ist der Filmregisseur Hans W. Geißendörfer: "Ich finde es erstaunlich, mit welcher Leidenschaft hier das Kino erkämpft wurde. Im Namen der Regisseure der Deutschen Filmakademie sage ich: Danke ... Wir brauchen Kino mit Courage, und deswegen finde ich den Claim des Casablanca auch so gelungen." Auch Nürnbergs Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly zeigte sich vom großen Saal tief beeindruckt: "Es ist ein kleines Wunder, was hier in der Südstadt geschehen ist, und ich freue mich, dass das Casablanca weiter lebt."

Nach den Festreden gibt es ein umfangreiches buntes Programm: Die Geißendörfer Filme "Jonathan" (1970) und "Schneeland" (2005), die erste Folge der Lindenstraße von 1985 und die aktuelle, natürlich der Klassiker "Casablanca" sowie ein Best of des internationalen Kurzfilmfestivals "FutureShorts". Dazu Musik von den "Chaotic Strings", dem "Duo Frank Wuppinger" und "What about Carson" sowie das Improtheater "Hieronymus Zott".

 

17. Dezember 2009: 200.000 Euro von der Zukunftsstiftung

Die Zukunftsstiftung der Sparkasse Nürnberg für die Stadt Nürnberg finanziert den Ausbau des CASABLANCA Filmkunsttheaters zu einer Spielstätte mit drei Kinosälen, ausgestattet mit moderner Kino- und Bühnentechnik, mit 200.000 Euro. „Damit würdigt die Zukunftsstiftung das bürgerschaftliche Engagement des Vereins, der das Kino betreibt, und der vielen ehrenamtlich Tätigen, die den Betrieb seit der Wiedereröffnung am 18. September gewährleisten“, erläutert Dr. Matthias Everding, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Nürnberg und Vorsitzender des Stiftungsvorstands der Zukunftsstiftung. Das Konzept des CASABLANCA Filmkunsttheaters, in der Nürnberger Südstadt eine Spielstätte für Arthouse-Filme und einen kulturellen Treffpunkt zu schaffen und auf Dauer zu gewährleisten, habe die Zukunftsstiftung überzeugt.

Prof. Helfried Gröbe vom Vorstand des Vereins „Casa – Kunst und Kultur in der Südstadt e.V.“ sieht die Fördergelder im CASABLANCA gut angelegt: „Die Förderung ist ein Signal für die Kultur, für die Südstadt und für das Engagement der vielen Menschen, die den Neustart des traditionsreichen Kinos ermöglicht haben.“

18. September 2009: Das Casablanca lebt!

Die Wiedereröffnung des Casablanca Filmkunsttheaters wird zum vollen Erfolg. Die Besucher drängen sich dicht an dicht und staunen, was ehrenamtliches Engagement vollbringen kann.

Die Kneipe erstrahlt im neuen Glanz, der obere Kinosaal besticht durch neue Kinotechnik, Leinwand und Tonanlage. Als erster Film läuft - was sonst - "Casablanca" mit Humphrey Bogart und Ingrid Bergmann. Im großen Saal spielen Hilde Pohl und Yogo Pausch auf. Tina Geißinger und Helfried Gröbe stellen das Konzept des neuen Filmkunsttheaters vor.

Als Höhepunkt spielen Günter Gloser (SPD-Bundestagsabgeordneter und damaliger Staatsminister im Auswärtigen Amt), Michael Frieser (CSU-MdB und damaliger Fraktionsvorsitzender im Nürnberger Stadtrat) und Hildrud Gödelmann (ehemalige Stadrätin der Grünen und Mitinitiatorin des Agenda 21-Kinos im neuen Casablanca) die Schlussszene aus dem Film "Casablanca" nach.

29. Juni 2009: Erste Mitgliederversammlung

Erste Mitgliederversammlung des Casa - Kunst & Kultur in der Südstadt e.V. Als offizieller Starttermin des neuen Casablanca wird der 18. September beschlossen. Bis dahin sollen die Kneipe und der Kinosaal im ersten Stock im neuen Licht erstrahlen. Über Stuhlpatenschaften soll der große Saal vorangetrieben werden. An den Wochenenden und dann im Sommer über Tag für Tag renovieren Vereinsmitglieder und Freunde des neuen Casablancas die Räumlichkeiten - ehrenamtlich!

März 2009: Das Aus

Die Lage spitzt sich zu. Nach mehreren Verhandlungsrunden und Mediationen haben die Hauseigentümergemeinschaft und die IG Casa mit Wolfram Weber keinen Konsens finden können. Kinostühle und anderes Inventar des Casablanca werden Ende März an Selbstabholer versteigert. Am 30. März gründet sich dann der Verein "Casa e.V. - Kunst & Kultur in der Südstadt". Mit einem Konzept Kinoplus will er einen Neustart des Casablanca wagen. Land in Sicht!

Oktober 2008: Das Ende einer wunderbaren Freundschaft?

Kino-Betreiber Wolfram Weber kündigt an, das Casablanca bis Ende März 2009 schließen zu wollen. Als Programmkinos will er künftig nur noch die Meisengeige und das Metropolis betreiben. Das Ende einer wunderbaren Freundschaft?

Nein, es gründet sich die Interessengemeinschaft (IG) zur Rettung des Casablanca und initiiert eine Spendenaktion, um das Casablanca als Ort für Kunst und Kultur in der Südstadt zu erhalten.

Sommer 1985: Die Hausbemalung

Die Münchner Künstlerin Helma Lichtinger bemalt in wochenlanger Handarbeit die gesamte Fassade der Brosamerstraße 12. Es entstehen Motive aus bekannten Spielfilmen und Porträts aller HausbewohnerInnen. Damit wird das Haus ein ganz besonderes Gebäude in Nürnberg.

Sommer 1977: Die Creperie eröffnet

Im Vorderhaus eröffnet die Creperie „Yechet Mad“. Sie geht zurück auf eine enge Verbindung der Hausbewohner zu FreundInnen in der Bretagne. Die Folge war die Idee, in Nürnberg Original bretonische Crèpes anzubieten.

Bis heute findet diese Idee regen Zuspruch. Nach dem Tod von Dieter Riedel betreibt Anna Maier die Creperie allein - alles Bio.

1977: Das Casablanca läuft und läuft

Das Hinterhofkino in der Südstadt mit dem besonderen Charme wird sehr gut angenommen. In den drei Kinosälen läuft ein anspruchsvolles Programm. Die Kneipe mit dem markanten schwarzen Jugendstilbüffet entwickelt sich zum Treffpunkt der Szene - nicht nur aus der Südstadt.

Rasch gewinnt das Casablanca nach der Meisengeige Kultstatus in Nürnberg.


September 1976: Das Casablanca erblickt das Licht der Welt

Die Gebrüder Wolfram und Eckhardt Weber, die mit der „Meisengeige“ das erste Programmkino in Nürnberg eröffnet hatten, interessieren sich für das geschlossene Theater. Sie planen ein zweites Programmkino für anspruchsvolle Filme jenseits des Mainstreams. Sie bauen die Räume um. Es soll ein großer und ein kleiner Kinosaal im Erdgeschoss sowie ein kleiner Kinosaal über eine steile Wendeltreppe von der Kneipe aus erreichbar, entstehen. Zum Kino soll eine Kneipe gehören - am besten im frankophilen Jugendstil.

Ende Februar 1976: Das "tak" schließt seine Pforten.

Nach dreijähriger Spielzeit stellt das "tak" seinen Betrieb ein. Dabei gehörte es zu den gut besuchten Privattheatern in Deutschland. 50.000 Besucher kamen in den drei Jahren. Kein Wunder, schließlich bracht das "tak" engagiertes Polit-Theater nach Nürnberg und bot internationalen Folklore-Künstlern ein Forum und brachte szenische Lesungen von Heine über Morgenstern bis zu Tucholsky Brecht und Kästner.

Trotz vieler ehrenamtlicher HelferInnen erweist es sich aber als nicht möglich,eine solche Einrichtung ohne öffentliche Zuschüsse zu betreiben. Der Stadtrat hatte schon 1974 einen Zuschussantrag über DM 80.000,-  pro Jahr abgelehnt.

Am 29. Februar 1976 fällt im "tak" nach dem Auftritt einer irisch-schottischen Gruppe zum letzten Mal der Vorhang.

März 1973: Eröffnung des tak

In den ehemaligen Betriebsräumen der Druckerei eröffnet der bekannte Nürnberger Künstler Horst W. Blome das „Theater am Kopernikusplatz“, kurz das „tak“. Als Träger fungiert der „Verein zur Förderung zeitgenössischen Theaters – Nürnberger Volksbühne e.V.“. Das erste Nürnberger Kleintheater mit multikultureller Nutzung nimmt seinen Betrieb auf. Es sollte viele Nachfolger finden.

23.Juni 1972: Als alles anfing

„Für Kinder und Eltern eine große Wohngemeinschaft schaffen.“ So lautet die Devise einer Gruppe von Eltern aus dem Kinderladen „Insel Schütt“. Es ist die Zeit der Wohngemeinschaften, Flower-power war angesagt. "Demokratie wagen" ist das Motto von Bundeskanzler Willy Brandt. In Nürnberg markiert das Dürer Jahr 1971 für die Stadt den kulturellen Aufbruch. Die Nürnberger Rockband "Ihre Kinder" bringt Pop mit deutschen Texten. 1973 eröffnet das Kommunikationszentrum (KOMM) im Künstlerhaus seine Pforten.

Neue Lebensmodelle entstehen, Autoritäten werden infragegestellt, verkrustete Strukturen werden gesprengt. Das gilt auch für die Gruppe der Kinderladen-Eltern. Sie erwerben das Gebäude Brosamerstraße 12 in der Nähe des Kopernikusplatzes in der Nürnberger Südstadt und ziehen dort ein. Im Hinterhaus befinden sich Gewerberäume. Sie wurden zuvor von einer Druckerei benutzt und harren ihrer weiteren Nutzung.