Special: Schocken – Ein deutsches Leben
Sondervorstellung zum 100. Jahrestag der Eröffnung des Schocken-Kaufhauses.
Mit Filmgespräch mit Regisseurin Naomi Schory (in deutscher Sprache – live zugeschaltet).
Moderation: Dr. Alexander Schmidt (Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände)

Vorher ab 9:30: Stadttour mit Dr. Alexander Schmidt vom Karl-Bröger-Eck über den Aufseßplatz (Standort Schocken) zum Casablanca-Kino.
Vom Schocken-Kaufhaus ist nichts mehr zu sehen – dort befindet sich heute eine große Baugrube, der „Lago di Aufseß“. Die Tour mit Alexander Schmidt startet am Karl-Bröger-Eck, einem modernen Gebäude in der Nachfolge des Schocken und zeigt dann vor Ort, genau hundert Jahre nach der Eröffnung des Schocken, Bilder vom Kaufhaus und seiner wechselvollen Geschichte.
Im Anschluss geht es zum Casablanca-Kino mit einem Filmprogramm zum Schocken.

Die Tour ist kostenlos, eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Treffpunkt Karl-Bröger-Straße 9. Für das Filmprogramm müssen vorab Karten beim Casablanca-Kino erworben.


Der jüdische Unternehmer Salman Schocken gründet in Zwickau 1904 eine Kaufhauskette mit einer bahnbrechenden Geschäftsidee: Er will den Lebensstil der „kleinen Leute“ mit modernem Design revolutionieren – und verbindet modernes Management mit sozialen Leistungen für seine Angestellten. Erich Mendelsohn baut für ihn Gebäude in Nürnberg, Stuttgart und Chemnitz. Bald gehören 22 Kaufhäuser und 6.000 Mitarbeiter zu Schockens Imperium. Den wirtschaftlichen Erfolg nutzt Schocken, um einer humanistischen Vision zu folgen, die die Kultur in den Mittelpunkt der menschlichen Entwicklung stellt – und jüdischen Menschen eine kulturelle Heimat gibt. Als Autodidakt wird er zum profilierten Literaturkenner und Buchsammler. 1929 gründet er das „Schocken-Institut zur Erforschung der hebräischen Poesie“, 1931 in Berlin den Schocken Verlag, in dem u.a. das Werk Franz Kafkas erscheint. Als Mäzen fördert er zahlreiche jüdische Schriftsteller und Gelehrte. Die Nazis entreissen ihm erst seine Warenhäuser, dann den Verlag. Er entscheidet sich für Eretz Israel, das jüdische Palästina, und kauft die liberale Tageszeitung Haaretz, die heute von seinem Enkel Amos weitergeführt wird.

Unternehmer, Intellektueller, Büchermensch, Verleger, Mäzen, Ästhet – in ihrem Film „Schocken – Ein deutsches Leben“ spürt Noemi Schory dem Leben und Werk einer der visionärsten und kulturell engagiertesten Unternehmer-Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts nach. Exklusive Archivaufnahmen illustrieren eine historische Reise von Zwickau über Chemnitz, Crimmitschau und Berlin bis nach Jerusalem; Zeitzeugen und Schocken-Kenner berichten über die Bedeutung des Entrepreneurs für die jüdische Kulturgeschichte. Ein vielschichtiger Porträtfilm, der eine Brücke von frühen 20. Jahrhundert bis in die Gegenwart schlägt.




Sonntag, 11. Oktober 2026
19:00

Casablanca

IL/DE 2021 | R: Noemi Schory | 82 Min. | z.T. OmU