Unsere Fragen gehen im Dezember an Steffi Niederzoll. Ihr Film ‚Sieben Winter in Teheran‘ wird im Dezember mit dem Deutschen Menschenrechts-Filmpreis ausgezeichnet. Wir haben ihn daher am 8. Dezember noch mal im Programm!
Was unterscheidet einen guten von einem großartigen Film?
Ein guter Film unterhält, ein großartiger bleibt im Gedächtnis.
Muss man während des Abspanns sitzenbleiben?
Das hängt vom Film ab. Wenn er mich berührt oder ich die Arbeit der Filmemacher*innen respektieren möchte, bleibe ich sitzen. Oft steckt im Abspann noch ein besonderer Zauber.
Auf welchen Film freust Du Dich aktuell?
Auf ‚Hollywoodgate‘ von Ibrahim Nash‘at. Der lief auf vielen Festivals, auf denen auch mein Film lief, ich konnte ihn aber nie sehen. Im März kommt er endlich ins Kino!
Womit kann man einen Kinoabend verderben?
Wenn ich dringend auf die Toilette muss, der Film aber so spannend ist – und ich natürlich in der Mitte der Reihe sitze. Wenn die Klimaanlage den Saal in eine Eislandschaft verwandelt. Wenn das Notausgangslicht wie ein Leuchtturm alles überstrahlt. Oder wenn Menschen mit Popcorn, Nachos oder Verpackungen rascheln. Es grenzt eigentlich an ein Wunder, wenn ein Kinoabend störungsfrei abläuft!
Dein ungewöhnlichstes Kinoerlebnis?
Während meines Auslandssemesters in Kuba habe ich ‚Die fetten Jahre sind vorbei‘ gesehen. Im Film wird von Revolution gesprochen, die sich darauf bezieht, in Wohnungen einzubrechen und Graffitis auf die Wände zu sprühen. Das Publikum wurde zunehmend unruhig, bis einige laut riefen: „Das soll
Revolution sein?“ In diesem Moment konnte ich meine „deutsche Brille“ absetzen und den Film aus kubanischer Perspektive sehen. Mir wurde klar, wie unterschiedlich Geschichten und Worte je nach kulturellem Kontext wirken. Ein absoluter eye opener.
Foto: Aljaz Fuiz