Juni 2024: Christiane Schleindl

Unsere Fragen gehen im Juni an eine Kinomacherinnen-Legende: Christiane Schleindl hat 40 Jahre lang das Profil des Filmhaus Nürnberg geprägt. Nun geht sie in den Ruhestand – wir bedanken uns für die wunderbare Zusammenarbeit!

Was unterscheidet einen guten von einem großartigen Film?

Wenn man sehr müde einen Film anschaut, plötzlich hellwach wird und man sich nach 20 Jahren immer noch an fast jede Stärke und Szene des Films erinnern kann und man dennoch nicht müde wird, ihn sich immer wieder anzuschauen und immer wieder neu zu entdecken und fasziniert wird.

Muss man während des Abspanns sitzenbleiben?

Auf jeden Fall. Ich entdecke jedes Mal Überraschungen und ein Film ist nie das Werk eines oder einer Einzelnen. Auch ist es schön, die MacherInnen der Musik, der Kamera etc. zu entdecken. Manche kennt man auch wieder, oder sieht, was mittlerweile aus Ihnen geworden ist.

Wer war das beste Paar der Filmgeschichte?

Für mich als Cinephile waren es eindeutig hinter der Kamera Agnès Varda und Jacques Demy und vor der Kamera Humphrey Bogart und Lauren Bacall, oder Henry Arnold und Salome Kammer in der ‚Zweiten Heimat‘ von Edgar Reitz.

Welche technische Entwicklung hat das Kino ruiniert?

Eigentlich müßte ich als alte Cineastin sagen: die Digitalisierung, obwohl ich als Vertreterin des Bundesverbandes der kommunalen Kinos viel dafür getan habe, dass sich auch kommunale und unabhängige Kinos die Digitalisierung leisten konnten. Aber eben zusätzlich und nicht ausschließlich.

Zuletzt halte ich es aber mit dem genialen Walter Murch: wir sind im Film und Kino gerade einmal da angekommen, wo die Malerei in der Renaissance stand. Also können wir noch gespannt sein was da noch kommt.

Auf welchen Film freust Du Dich aktuell?

Besonders auf SHAHID von Narges Kalhor. Ein wunderbarer lebendiger und künstlerischer Film. Narges hatte 2009 während des Filmfestivals der Menschenrechte Asyl beantragt, dann Film in München studiert und 2024 für „Shahid“ völlig zurecht den Preis der kommunalen Kinos, den Caligari Filmpreis der Berliner Filmfestspielen gewonnen und dass, obwohl es im internationalen Forum diesmal so wunderbare, empfehlenswerte Filme gab, wie „Mit einem Tiger schlafen“, über die Künstlerin Maria Lassnig, den das Casablanca bald zeigt.

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