TV- und Mediatheken-Tipps für die Zeit vom 12. bis 18. November 2020

Zusammengestellt von Rainer Mesch (Casa-Akademie) und mit Zitaten aus den Kurzkritiken von filmdienst.de!


In den Gängen

von Thomas Stuber, Deutschland 2018
Freitag, 13. November, 20:15 Uhr, Arte

Der hoch gelobte deutsche Berlinalebeitrag 2018 mit Franz Rogowski, Sandra Hüller und Peter Kurth war auch in unserem Kino sehr erfolgreich. Franz Rogowski erhielt hierfür den deutschen Filmpreis für die beste männliche Hauptrolle.

„Ein junger Mann fängt nach seiner Entlassung aus dem Knast als Mitarbeiter in einem Großmarkt an, wo er sich schnell eingewöhnt, weil ihn ein älterer Kollege unter die Fittiche nimmt und er sich überdies in eine Angestellte verliebt. Der leise, feinsinnige Film entfaltet eine subtile Liebesgeschichte mit großem atmosphärischem Zauber, ausgefeilten Alltagsdialogen und einem großen Augenmerk auf die scheinbar banale Arbeitswelt.“


High Life

von Claire Denis, Frankreich/Deutschland/Großbritannien/Polen/USA 2018
Sonntag, 15. November 2020, 21:55 Uhr, Arte

Claire Denis‘ Vorstecher ins Science-Fiction-Genre ist kein Genrefilm im klassischen Sinn:

„In einem Raumschiff auf dem Weg zu einem Schwarzen Loch in den Tiefen des Weltalls nimmt die Wissenschaftlerin Dr. Dibs (Juliette Binoche) unheimliche Experimente an den Besatzungsmitgliedern vor, die als Schwerverbrecher zu der Mission gezwungen wurden. In dem jungen Monte (Robert Pattinson) erwächst ihr jedoch ein Opponent, der sich ihren Methoden nicht beugen will. Philosophisch unterfüttert, verhandelt der Film über die Reise ins Ungewisse die Angst-/Lust-Dialektik angesichts der Auflösung von Körpergrenzen und der Überwindung kultureller Tabus. Dabei verwebt er artifizielle Momente mit körperlichen und setzt dem eher männlich konnotierten Genre eine reizvolle weibliche Perspektive entgegen.“


Cold War – Der Breitengrad der Liebe

von Pawel Pawlikoski, Polen/Großbritannien/Frankreich 2018
Montag, 16. November 2020, 20:15 Uhr, Arte

Dieser mehrfach ausgezeichnete Film begann seinen Siegeszug in Cannes (Beste Regie), war mehrfach oscarnominiert und räumte neben vielen anderen 2018 gleich fünf europäische Filmpreise (für den besten europäischen Film, die beste Regie, das beste Drehbuch, die beste Darstellerin und den besten Schnitt) als auch den Publikumspreis ab.

„In der Nachkriegszeit werden ein polnischer Komponist und eine junge Elevin des „Mazowsze“-Ensembles ein Paar, dessen wechselvolle Geschichte durch die Wirren des Kalten Kriegs hindurch bis weit in die 1960er-Jahre in visuell außergewöhnlich stilisierten Schwarz-weiß-Bildern entfaltet wird. Die melancholische Elegie verwebt Blicke, Gesten und die magische Präsenz der Darsteller mit kulturhistorischen Zitaten zu einem exquisit kadrierten Netz aus Auslassungen und Leerstellen. Ein Melodrama zwischen Existenzialismus, Cool Jazz und Nouvelle Vague, in dem der rigide Staatsapparat und die politische Großwetterlage alle Hoffnungen zunichtemachen.“


Jupiter’s Moon

von Kornell Mundruczo, Ungarn/Deutschland/Frankreich 2017
Montag, 16. November 2020, 21:40 Uhr, Arte

Ein atemberaubender Bilderrausch, den man eigentlich im Kino sehen muss, es sei denn, man hat einen XXX-L Fernseher.

„Beim Grenzübertritt von Serbien nach Ungarn wird ein syrischer Flüchtling von einem Polizisten erschossen. Doch anstatt zu sterben, entwickelt der junge Mann übersinnliche Fähigkeiten und beginnt zu schweben. Als ein zwielichtiger Arzt die Levitationen für seine selbstsüchtigen Zwecke instrumentalisiert und sich in der U-Bahn in Budapest überdies ein Anschlag ereignet, entwickelt sich eine rasante Jagd durch die dystopisch gezeichnete Stadt. Der Film umkreist mit fantastischen und religiösen Motiven sowie vielen Anleihen aus dem Science-Fiction-, Superhelden- und Actionkino die aktuelle politische Gegenwart in Ungarn und Europa.“


Der Staat gegen Fritz Bauer

von Lars Kraume, Deutschland 2015
Dienstag, 17. November 2020, 13:45 Uhr, Arte

Bei der Verleihung des Deutschen Filmpreises 2016 ging dieser Film mit sechs Preisen (bester Spielfilm, bestes Drehbuch, beste Regie, beste männliche Nebenrolle, bestesMaskenbild und beste Filmmusik) als großer Gewinner hervor. Wir haben Lars Kraume in unserer CasaAkademie-Veranstaltung „Junges deutsches Kino“ portraitiert.

„Mitte der 1950er-Jahre erhält der hessische Generalstaatsanwalt Fritz Bauer (1903-1968) einen Hinweis auf den Aufenthalt von Adolf Eichmann. Um den früheren SS-Obersturmbannführer vor Gericht zu stellen, braucht er die Hilfe des israelischen Geheimdiensts, weil seine Bemühungen, die Verantwortlichen des NS-Staats juristisch zu belangen, von allen Seiten hintertrieben werden. Der kammerspielartige Film setzt dem mutigen Juristen glaubwürdig ein Denkmal.“


Ökozid

von Andreas Veiel, Deutschland 2020
Mittwoch, 18. November 2020, 20:15 Uhr, ARD – bis 22.12. in der Mediathek

Der leider ausschließlich fürs Fernsehen gedrehte Spielfilm des vielfach ausgezeichneten Dokumentarfilmers könnte einer der TV-Highlights des Jahres werden.

„Im Jahr 2034 reichen 31 Staaten eine Klage gegen die Bundesrepublik Deutschland ein, um Schadenersatz für die Folgen des Klimawandels zu erstreiten. Der Internationale Gerichtshof muss aufgrund der Plädoyers und Befragungen von Klägern und den Vertretern Deutschlands über die Zuständigkeit dieser Klage entscheiden. Visionäres Gedankenspiel von Andres Veiel als Gerichtsdrama mit ausgezeichneten Darstellern.“


Mein Ein, Mein Alles

von Maiwenn, Frankreich 2015
Mittwoch, 18. November 2020, 20:15 Uhr, Arte

Im Casablanca war dieses aufwühlende Beziehungsdrama u.a. 2017 im Symposion „Psychoanalye und Film“ zu sehen.

„In Rückblenden erzählte amour fou zwischen einer warmherzigen Anwältin und einem charismatischen Restaurant-Besitzer. Mit brillanten sprühenden Dialogen und einer vorwärtsdrängenden, zugleich aber feinfühligen Inszenierung vermögen die herausragenden Hauptdarsteller dem bekannten Sujet einer zunehmend (selbst-)zerstörerischen Liebesgeschichte Momente von großer emotionaler Wucht zu entlocken.“