TV- und Mediatheken-Tipps vom 29. April bis 5. Mai 2021

Zusammengestellt von Rainer Mesch (Casa-Akademie) und mit Zitaten aus den Kurzkritiken von filmdienst.de!


No!

von Pablo Larain, Chile/Frankreich/USA 2012
Donnerstag, 29. April 2021, 23:30 Uhr, WDR

Kluges oscarnominiertes Politkino aus Lateinamerika nach Vorlage von Antonio Skarmeta.

„Vor der Volksabstimmung im Sommer 1988 in Chile streitet die Opposition über die richtige PR-Strategie. Ein junger Marketing-Mann in Santiago de Chile schlägt vor, den Menschen die Angst zu nehmen und Optimismus zu verbreiten. Mit dieser Überzeugung stößt er auf den Widerstand vieler Pinochet-Gegner, die es frivol finden, mit buntem Optimismus in den Kampf gegen die Diktatur zu ziehen. Ein dynamisches Drama mit vielschichtigen Figuren und einer ambitionierten Ästhetik, das umsichtig und klug die jüngere Zeitgeschichte rekonstruiert und davon erzählt, wie die demokratischen Kräfte über ein medial bestens ausgerüstetes Regime triumphieren. Fern eines vorschnell triumphierenden Bürgerrechtsepos à la Hollywood, bleibt hinter allem Humor und aller Situationskomik die Brutalität der Diktatur stets bewusst.“


Die letzten Tage der Emma Blank

von Alex van Warmerdam, Niederlande 2009
Freitag, 30. April 2021, 21:00 Uhr, One – bis 7.5. in der ARD-Mediathek

Alex van Warmerdam – ein Geheimtipp für alle, die schräg-abgründiges Kino mögen.

„In einer abgeschiedenen Villa am Meer lässt sich die Dienerschaft von der schwer kranken Hausherrin schikanieren und erniedrigen. Der Grund für ihre Unterwürfigkeit liegt im Testament begründet: Die Angestellten sind die Erbengemeinschaft der Sterbenden und wollen sich ihren Anteil nicht verscherzen. Eine sarkastische, klug inszenierte Gesellschaftssatire, die mit viel schwarzem Humor die Grenzen der Selbsterniedrigung auslotet und in einen tiefen menschlichen Abgrund blicken lässt. Dabei leitet der Film geschickt die Zuschauersympathien, die zunächst auf Seiten der Ausgebeuteten liegen, später aber auch in die entgegengesetzte Richtung tendieren.“


Rückkehr nach Montauk

von Volker Schlöndorff, Deutschland/Frankreich/Irland 2017
Sonntag, 2. Mai 2021, 23:35 Uhr, ARD – bis 9.5. in der ARD-Mediathek

Volker Schlöndorffs Beziehungs-Alterswerk mit Nina Hoss und Stellan Skarsgard.

„Ein Schriftsteller kommt für ein Wochenende nach New York, um seinen neuen, autobiografisch gefärbten Roman vorzustellen, in dem es um eine vor Jahren gescheiterte Liebe geht. Er besucht seine einstige Geliebte, um seinen Gefühlen für sie nachzuspüren, wobei er während einer Reise mit ihr ans Meer bei Montauk mit unerwarteten Einsichten konfrontiert wird. Eine melancholische, vorzüglich gespielte und inszenierte Annäherung an existenzielle Probleme von Alter und Tod, Selbstzweifel und die Befangenheit in gelebten Rollen. Volker Schlöndorffs sehr persönliche Verbeugung vor Max Frisch bewegt sich souverän auf der unscharfen Grenze von Fiktion und Realität und setzt subtil Leben und Kunst miteinander ins Verhältnis.“


Die schönen Tage

von Marion Vernoux, Frankreich 2013
Mittwoch, 5. Mai 2021, 20:15 Uhr, Arte – bis 18.5. in der Arte-Mediathek

Französisches Gefühlskino mit Fanny Ardant.

„Seit ihre beste Freundin an Krebs starb und sie ihren Beruf als Zahnärztin an den Nagel gehängt hat, steckt eine verheiratete, attraktive und selbstbewusste Frau um die 60 in einer Lebenskrise. Sie lernt den Leiter eines Computerkurses kennen, einen temperamentvollen jungen Mann, der ihr Sohn sein könnte. Aus einem unverfänglichen Seitensprung entwickelt sich eine Affäre auf ungewisse Zeit. Eine charmant-humorvolle Liebesgeschichte, trotz mancher Klischees und einem nicht immer überzeugenden Zusammenspiel weitgehend feinfühlig und liebenswert inszeniert, getragen von oft wunderbar komischen und subtilen Dialogen.“


Beuys

von Andreas Veiel, Deutschland 2017
Mittwoch, 5. Mai 2021, 23:00 Uhr, WDR – bis 13.5. in der ARD-Mediathek

Formal ungewöhnlich gestaltete Künstler-Doku.

„Porträt des Künstlers Joseph Beuys (1921-1986), der mit seinen häufig aus Fett und Filz gestalteten Installationen nicht nur die kulturelle Öffentlichkeit aufwühlte, sondern auch mit seinen politischen Interventionen für Aufsehen sorgte. Beuys’ ikonische Erscheinung und seine Streitbarkeit machten ihn zum begehrten Objekt der Medien, was der materialreiche, in einem langen Konzentrationsprozess entstandene Dokumentarfilm nutzt, um den „ganzen“ Beuys vorzustellen. Die collagenartige Gestaltung erzeugt eine große Unmittelbarkeit, die den historischen Abstand aufhebt und Beuys’ Werk ebenso wie seine Botschaft für die Gegenwart erschließt.“


Einmal bitte alles

von Helena Hufnagel, Deutschland 2017
Mittwoch, 5. Mai 2021, 2:20 Uhr (d.h. Donnerstag), BR

Frisches deutsches Gegenwarts-Kino mit der famosen Luise Heyer.

„Eine 27-jährige Illustratorin hat sich damit arrangiert, dass sie den Sprung ins Erwachsenendasein noch nicht so recht geschafft hat, wird aber von ihrer Umwelt so lange mit Sorgen und Ängsten vor dem dritten Lebensjahrzehnt drangsaliert, bis sie selbst in eine seelische Krise gerät. Dem erfrischenden Spielfilmdebüt gelingen höchst selbstironische Einblicke in die Freuden und Nöte einer „späten“ Generation. Die Inszenierung nimmt dabei ebenso für sich ein wie die glänzende Hauptdarstellerin, die ihrer zwischen kindlichem Trotz und Weltekel schwankenden Figur viele Facetten abgewinnt.“