TV- und Mediatheken-Tipps vom 28. Januar bis 3. Februar 2021

Zusammengestellt von Rainer Mesch (Casa-Akademie) und mit Zitaten aus den Kurzkritiken von filmdienst.de!


Cobain

von Nanouk Leopold, Niederlande/Belgien/Deutschland 2017
Donnerstag, 28. Januar 2021, 23:30 Uhr, WDR – bis 4.2. in der Arte-Mediathek

Bedrückende Coming-of-Age-Story der eigenwilligen niederländischen Regisseurin.

„Ein 15-jähriger Junge versucht seine knapp doppelt so alte Mutter aus ihrer Heroin-Abhängigkeit zu befreien und zum Entzug zu bewegen. Doch die erneut schwangere Frau will weder für sich noch für ihn Verantwortung übernehmen. Das im Rotlichtviertel von Rotterdam angesiedelte Jugenddrama fokussiert großteils in Naheinstellungen auf den Heranwachsenden, der sich zwischen kindlicher Sehnsucht und jugendlicher Entschlossenheit selbst überfordert. Der herausragend gespielte Film meidet alle Klischees und skizziert die wortlose Distanzlosigkeit einer außergewöhnlichen Mutter-Kind-Beziehung so komplex wie bisweilen auch recht schmerzhaft.“


El Clan

von Pablo Trapero, Argentinien/Spanien 2015
Samstag, 30. Januar 2021, 23:10 Uhr, 3Sat

Eine politische Geschichte im Gewand eines Mafia-Thrillers. Argentiniens Oscar-Nominierung für den besten fremdsprachigen Film.

„Eine Großfamilie aus einem wohlhabenden Viertel von Buenos Aires führt Anfang der 1980er-Jahre nach außen hin ein unaufgeregtes Leben, während im Keller ihres Hauses reiche Entführungsopfer bangen, ob ihre Familien Lösegeld bezahlen. Als der Patriarch auch vor Mord nicht zurückschreckt, will sein ältester Sohn nicht mehr mitmachen. Das dichte Drama nach einem realen Fall entwirft ein bedrückendes Sittenbild der argentinischen Gesellschaft im Übergang von der Diktatur zur Demokratie. Inszenatorisch verwebt der doppelbödige Film Thriller-Elemente mit einer Vater-Sohn-Tragödie und formuliert einen facettenreichen Kommentar zum wirtschaftlichen wie moralischen Niedergang des argentinischen Bürgertums.“


Weit

von Patrick Allgaier und Gwendolin Weisser, Deutschland 2017
Montag, 1. Februar 2021, 22:35 Uhr, 3Sat – bis 28.2. in der Arte-Mediathek

Sympathischer Überraschungserfolg und Vorreiter der Reisefilm-Welle.

„Die Freiburger Globetrotter Patrick Allgaier und Gwendolin Weisser brechen im Frühjahr 2013 auf, um zu Fuß oder per Anhalter die Welt zu umrunden und diese mit allen Sinnen aufzunehmen. Ihre Erlebnisse und Erfahrungen füllen abwechslungsreich den dokumentarischen Film, der in der Überfülle an Impressionen mitunter zwar wie eine Diashow in Bewegtbildern anmutet, zugleich aber ein ansteckend positives, Mut machendes Bild der Erde und ihrer Bewohner entwirft. Zur Weltoffenheit und Neugier der Reisenden gehört auch, dass sie eigene Vorurteile revidieren und verdeutlichen, dass man selbst nach 100.000 Kilometern immer noch sehr wenig von der Welt gesehen hat.“


In My Room

von Ulrich Köhler, Deutschland 2018
Montag, 1. Februar 2021, 22:00 Uhr, Arte – bis 7.2. in der Arte-Mediathek

Pures Arthouse-Kino der Berliner Schule.

„Ein wenig erfolgreicher Kameramann kehrt von Berlin in die ostwestfälische Provinz zurück, als seine Großmutter im Sterben liegt. Als er dort eines Morgens erwacht, ist die Menschheit verschwunden. Mit Anleihen bei und Varianten von einschlägigen Genre-Vorbildern und psychologischen Tiefenbohrungen entwirft die schillernde Robinsonade eine visuell bestechende postapokalyptische Fantasie, die mit großer filmischer Souveränität eine Studie von Männlichkeit zwischen Depression, Neubeginn, Selbstentwurf und Scheitern entwickelt.“


Girl

von Lukas Dhont, Belgien 2018
Mittwoch, 3. Februar 2021, 20:15 Uhr, Arte – bis 9.2. in der Arte-Mediathek

Für Fans unserer Queer-Film-Reihe. In Cannes als bester Spielfilm mit der Camera d`Or und der Queer Palm ausgezeichnet.

„Ein 15-jähriges Transgender-Mädchen träumt davon, Ballerina zu werden und auch körperlich ganz eine Frau zu sein. Die langwierige Geschlechtsumwandlung, das harte Training an einer renommierten Tanzakademie und die normalen Wirren der Pubertät drohen seine Psyche jedoch immer mehr kollabieren zu lassen. In warmen Farben und weichen Texturen erzählt das hochenergetische Spielfilmdebüt ein berührendes, von der Arbeit und dem Leiden am (falschen) Körper begleitetes Innerlichkeitsdrama.