TV- und Mediatheken-Tipps vom 3. bis 9. Dezember 2020

Zusammengestellt von Rainer Mesch (Casa-Akademie) und mit Zitaten aus den Kurzkritiken von filmdienst.de!


Transit

von Christian Petzold, Deutschland/Frankreich 2018
Donnerstag, 3. Dezember 2020, 2:10 Uhr (d.h. Freitag), Arte

Christian Petzold gehört seit Jahren zu den international renommierten deutschen Regisseur*innen.

„Freie Adaption von Anna Seghers‘ gleichnamigem Roman (1944) um das Schicksal von Flüchtlingen vor dem NS-Regime, die in Marseille auf eine Schiffspassage nach Übersee hoffen, bevor die Deutschen in der Stadt einmarschieren. Regisseur Christian Petzold spielt hintersinnig mit den Zeitebenen, indem er die Adaption, was Dialoge und Handlung angeht, zwar in den 1940er-Jahren ansiedelt, jedoch gegenwärtige Kostüme und Schauplätze einsetzt. Die Geschichte um einen jungen Deutschen, der die Identität eines toten Schriftstellers annimmt, um dessen Transit-Visum nutzen zu können, und sich beim Warten in Marseille in dessen Frau verliebt, entwickelt so vielfältige Bezüge: Zu Seghers‘ Text, zum Werk von Christian Petzold, dessen Motive sich in dem Stoff wiederfinden, und zur gegenwärtigen Situation in Europa in Zeiten der Flüchtlingskrise. Eine ebenso kluge wie dank guter Darsteller ergreifende Aktualisierung des historischen Stoffs.“


Goliath 96

von Marcus Richardt, Deutschland 2018
Freitag, 4. Dezember 2020, 20:15 Uhr, Arte – bis 10.12. in der Mediathek

Casa-Kinogänger kennen dieses Thema aus dem Film „1000 Arten den Regen zu beschreiben“ – hier mit Katja Riemann als Mutter.

„Eine alleinerziehende Mutter hat den Kontakt zu ihrem Sohn verloren, der sich in seinem Zimmer verbarrikadiert. Durch einen Online-Chat in einem Forum über Drachenbauen will sie sich ihm unter falscher Identität wieder annähern. Das kammerspielartige Mutter-Sohn-Drama arbeitet in konzentrierter Form heraus, welche Dynamik Beziehungen im Internet entwickeln, bei der Identität des Gegenübers im Vagen bleibt.“


Ein Gauner & Gentleman

von David Lowery, USA 2018
Sonntag, 6. Dezember 2020, 0:35 Uhr (d.h. Montag), SWR

Robert Redfords melancholischer Abschiedsfilm beruht auf wahren Begebenheiten.

„Die Geschichte eines alten Ganoven im ländlichen Texas der 1980er-Jahre, der nonchalant und nicht ohne Mitgefühl für seine Opfer Banken ausraubt und 17 Mal aus Gefängnissen ausgebrochen ist. In seinem angeblich letzten Film entwirft der US-Schauspieler Robert Redford das facettenreiche Porträt eines charismatischen Gauners, dem sogar die von ihm Bestohlenen zugestehen, dass er immer ein Gentleman gewesen sei. Ein zwischen hintersinniger Komik und lyrisch akzentuiertem Realismus schwebendes Alterswerk, das sehr gelungen den Redford-Mythos vom Sundance Kid in einer seinem Alter und der Zeit angepassten Form wiederbelebt.“


Gute Manieren

von Marco Dutra und Juliana Rojas, Brasilien/Frankreich 2017
Mittwoch, 9. Dezember 2020, 23:20 Uhr, Arte – bis 7.1. in der Mediathek

Unser besonderer Tipp für diese Woche: Faszinierendes Stilmix-Kino aus Brasilien, eine gekonnte Mischung aus Märchen-, Horror- und Liebesfilm samt Sozialdrama.

„Für eine schwarze Hausangestellte entpuppt sich eine neue Arbeitsstelle bei einer schwangeren weißen Frau als zweifache Grenzüberschreitung. Zwischen ihr und ihrer Arbeitgeberin entwickelt sich eine Liebesgeschichte. Und das in ihrem Bauch heranwachsende Baby entpuppt sich als Mischwesen aus halb Mensch, halb Bestie. Mit hypnotischen Lichtstimmungen und schwirrenden Chor- und Harfenklängen verbindet die lesbische Liebesgeschichte folkloristische Traditionen aus Brasilien und Elemente aus populären US-amerikanischen Horrorfilmen zur provokanten Kritik an Klassenverhältnissen und Rassismus.“