TV- und Mediatheken-Tipps für die Zeit vom 26. November bis 2. Dezember 2020

Zusammengestellt von Rainer Mesch (Casa-Akademie) und mit Zitaten aus den Kurzkritiken von filmdienst.de!


Nur eine Frau

von Sherry Hormann, Deutschland 2019
Donnerstag, 26. November 2020, 0:15 Uhr (d.h. Freitag), SWR

Engagiertes deutsches Kino. Bayerischer Filmpreis 2020 für die beste Regie.

„Am 7. Februar 2005 wurde in Berlin die Deutschtürkin Hatun Sürücu auf offener Straße von einem ihrer Brüder erschossen, weil sie sich nicht an die engen Regeln ihrer Herkunftswelt hielt. Der in seiner akribischen Recherche fast dokumentarisch anmutende Spielfilm rekonstruiert die Hintergründe des „Ehrenmordes“ und porträtiert eine lebenslustige, enorm starke junge Frau und Mutter, die „wie eine Deutsche“ lebte, was ihre patriarchalische Familie nicht hinnehmen wollte. Das in der Hauptrolle und bis in kleinste Nebenrollen vorzüglich gespielte Drama strahlt eine rohe, kämpferisch-kreative Kraft aus und findet für die wechselnden Emotionen der jungen Frau überzeugende Bilder sowie eine stimmige musikalische Untermalung. Ein gelungener, seinem Thema ebenso engagiert wie sensibel begegnender Film.“


Carol

von Todd Haynes, USA/Großbritannien/Frankreich 2015
Sonntag, 29. November 2020, 23:35 Uhr, ARD

Mehrfach oscarnominiertes klassisches Melodram mit Cate Blanchett und Rooney Mara.

„Eine Liebesgeschichte über Geschlechter- und Klassengrenzen hinweg: Im New York der frühen 1950er-Jahre begegnet eine Kaufhausangestellte einer eleganten älteren Frau aus gehobenen Verhältnissen, die mitten in ihrem Scheidungsprozess steht. Als der gekränkte Ehemann die Liaison seiner Frau benutzt, um vor Gericht das alleinige Sorgerecht zu erwirken, wird die Beziehung der beiden Frauen auf eine harte Probe gestellt. Das künstlerisch herausragende, ebenso elegant wie präzis inszenierte Drama erzählt von einer lesbischen Liebe in einer restriktiven Gesellschaft, wobei sich das Begehren im subtilen Zusammenspiel von Kostüm, Ausstattung, Raum, Objekten, von Blicken und Gesten artikuliert.“


Wilde Maus

von Josef Hader, Österreich 2017
Sonntag, 29. November 2020, 0:35 Uhr (d.h. Montag), SWR

Die erste Hader-Regiearbeit, österreichisch bis in Mark.

„Ein für seine zugespitzten Musikkritiken berüchtigter Redakteur einer Wiener Tageszeitung wird im Zuge von Sparmaßnahmen entlassen und stürzt in eine Midlife-Crisis. Während seine Frau ihn mit dem Wunsch nach einem Kind zusätzlich unter Druck setzt, versucht der geschasste Kritiker seine ohnmächtige Wut mit der Reparatur einer maroden Achterbahn und Racheaktionen gegen seinen früheren Chef zu betäuben. Pointierte Tragikomödie als Regiedebüt des Schauspielers und Kabarettisten Josef Hader, der lustvoll zwischen unterschiedlichen Tonlagen wechselt.“


Gabriel und der Berg

von Fellipe Barbosa, Brasilien/Frankreich 2017
Mittwoch, 2. Dezember 2020, 22:30 Uhr, Arte

Packendes Arthouse-Kino für alle, die in Corona-Zeiten das Reisen vermissen.

„Ein weltbegeisterter junger Brasilianer unternimmt vor seinem Studium eine Reise nach Afrika, wo er sich mit der einheimischen Kultur in Kenia, Tansania, Sansibar und Sambia anfreundet und Abenteuer erlebt. Vor seiner Weiterreise steht zuletzt die Besteigung eines mythischen Bergs in Malawi an. Ein nach einer unglücklich endenden wahren Begebenheit inszeniertes Road Movie, in dem stets die Frage im Raum steht, was das Reisen mit einem macht.“


Kopfplatzen

von Savas Ceviz, Deutschland 2019
Mittwoch, 2. Dezember 2020, 23:00 Uhr, SWR – bis 14.2. in der Mediathek

Über diesen Film diskutierte das Casablanca-Publikum mit Fachexperten.

„Ein pädosexuell veranlagter Mann, der sich von Jungen sexuell angezogen fühlt, kämpft darum, seine Neigung nicht in explizite Handlungen umschlagen zu lassen. Sein Ringen spitzt sich zu, als sich eine alleinerziehende Nachbarin mit einem achtjährigen Sohn in ihn verliebt. Der Film findet für die quälende Situation des Protagonisten eindringliche Bilder, in denen nichts verharmlost, aber auch nicht dämonisiert wird. Das in der Hauptrolle glänzend gespielte Drama skizziert die Tragik des Protagonisten zwischen Verzweiflung und Ohnmacht.“


Ich liebe alles, was ich an Dir hasse

von Nadine Keil, Deutschland 2018
Mittwoch, 2. Dezember 2020, 0:40 Uhr (d.h. Donnerstag), BR – bis 3.3. in der Mediathek

Eine der Entdeckungen der Hofer Filmtage 2018, war leider nie im Kino zu sehen.

„Bei einem Urlaub im sommerlichen Italien entwickelt sich zwischen Zwillingsschwestern und ihren Schwärmen ein Liebeschaos, als sich zwei Wissenschaftler mit einem aphrodisierenden Pulver einschalten. Dieses sorgt bei bloßer Berührung dafür, dass die vier jungen Menschen sich untereinander in die jeweils falschen vergucken. Bewusst märchenhaft angehauchte Liebeskomödie mit Anleihen bei Shakespeares Sommernachtstraum.“