TV- und Mediatheken-Tipps vom 24. bis 30. Dezember 2020

Zusammengestellt von Rainer Mesch (Casa-Akademie) und mit Zitaten aus den Kurzkritiken von filmdienst.de!


Das Kabinett des Dr. Parnassus

von Terry Gilliam, Großbritannien/Kanada/Frankreich 2009
Donnerstag, 24. Dezember 2020, 22:10 Uhr, Tele 5 – bis 24.1. in der Tele 5-Mediathek

Ein Terry-Gilliam-Film (der letzte von Heath Ledger) zum Heiligabend, das lässt auf einen Monty Python-Streich zum Dreikönigstag hoffen…

„Ein mit besonderen Imaginationskräften ausgestatteter Gaukler muss eine Wette mit einem teuflischen Widersacher gewinnen, um seine Tochter zu retten. Mit im Spiel ist ein geheimnisvoller Fremder, der sich als unerwarteter Joker entpuppt. Burlesk-surreales Epos um Schönheit sowie Tücken menschlicher Willens- und Gestaltungsfreiheit im Spannungsfeld von Gut und Böse, Traum und Realität. Der dramaturgisch mäandernde Film entfaltet sich als facetten- und beziehungsreiches Kaleidoskop, dessen fantasievolle Bildgewalt ebenso für sich einnimmt wie sein spielfreudiges Ensemble.“


Werk ohne Autor

von Florian Henckel von Donnersmarck, Deutschland 2018
Montag, 28. Dezember 2020, 20:15 Uhr, ARD – bis 4.1. in der ARD-Mediathek

Der nicht wirklich gelungene Versuch eines großen deutschen Arthouse-Mainstream-Films. Über 3 Stunden lang, prominent besetzt (u.a. Tom Schilling, Sebastian Koch, Paula Baer), für den besten fremdsprachigen Film oscarnominiert, von manchen Kritikern hoch gelobt, von anderen sehr böse verrissen. Doch so schlecht wie nachfolgend beschrieben ist er auch nicht:

„Ein junger Maler flieht kurz vor dem Mauerbau aus der DDR in die Bundesrepublik und verliebt sich in eine Studentin, deren Vater jedoch seine Kindheitstraumata aus der NS-Zeit befeuert, da dieser als Euthanasie-Arzt für den Tod der geliebten Tante verantwortlich war. Das mit gewaltigem Aufwand und viel deutscher Schauspiel-Prominenz in Szene gesetzte Künstlerdrama frei nach der Biografie von Gerhard Richter schlägt einen großen historischen Bogen durch drei Jahrzehnte deutscher (Unheils-)Geschichte. Mit der Emphase großer Hollywood-Epen versucht das kulissenhafte Drama, eine romantisch verklärte Wahrheit der Kunst gegen die NS-Ideologie in Stellung zu bringen. Doch mehr als eine peinlich-brave Soap Opera als klischeehafter Nachkriegs-Geschichtsbogen kommt dabei nicht heraus.“


Brooklyn – Eine Liebe zwischen zwei Welten

von John Crowley, Irland/Großbritannien/Kanada 2015
Montag, 28. Dezember 2020, 23:35 Uhr, ARD

Herzerwärmendes wie intelligentes Gefühlskino mit einer Prise Melancholie und Saoirse Ronan als herausragende Hauptdarstellerin.

„Eine schüchterne Irin wandert in den 1950er-Jahren nach New York aus, wo sie eine Anstellung in einem Modegeschäft findet. Ihre Einsamkeit und die Last der Fremde verflüchtigen sich, als ihr ein Italoamerikaner zeigt, wie eng der Horizont ihrer Heimat war. Doch dann ruft sie eine familiäre Tragödie nach Irland zurück, wo ihr ein anderer Mann den Hof macht. Die Verfilmung eines Romans von Colm Tóibín skizziert mit feinen, unaufdringlichen Strichen ein Einwandererschicksal, in dem Entfremdung und Heimatwerdung eng an die Figuren gebunden sind. Die Entwicklung der beeindruckend gespielten Protagonistin wird subtil und eindrücklich zugleich darstellt.“


Die Reise mit Vater

von Anca Miruna Lazarescu, Deutschland 2016
Montag, 28. Dezember 2020, 1:10 Uhr (d.h. Dienstag), Arte – bis 3.1. in der Arte-Mediathek

Die rumänischstämmige Regisseurin verarbeitet in dieser Tragikomödie Erlebnisse ihrer eigenen Eltern und bekommt für ihren Debütfilm auf dem Münchner Filmfest viel Applaus.

„Nach dem Einmarsch der Sowjets in der CSSR 1968 stranden zwei Donauschwaben aus Rumänien und ihr schwerkranker Vater, die in der DDR auf medizinische Hilfe hofften, in einem bundesdeutschen Auffanglager. Dabei verliebt sich der ältere Bruder in eine Münchner Studentin, die unentwegt von der Revolution palavert. Das behutsame Road Movie entwickelt mit ruhiger Hand eine tragikomische Geschichte über die Spannung zwischen Freiheit und Verantwortung, Idealen und Ideologie, wobei der inszenatorische Fokus mehr auf den Gesichtern als auf den Landschaften liegt.“


Black Swan

von Darren Aronofsky, USA 2010
Dienstag, 29. Dezember 2020, 22:35 Uhr, Sixx

Darren Aronofsky zählt mit seinen wenigen Filmen zu den „jungen Wilden“ und interessantesten Regisseuren Hollywoods. „Black Swan“ war für den Oscar und den Golden Globe nominiert, die fulminant spielende Natalie Portmann wurde mit Preisen überhäuft.

„Tschaikowskis Ballett Schwanensee wird zum Auslöser für die Geschichte einer jungen, zerbrechlichen Tänzerin, deren ungeweckte Sexualität von einem herrschsüchtigen Impresario brutal dazu genutzt wird, sie für die schwierige Doppelrolle des Balletts zu präparieren. Dies mündet in eine selbstzerstörerische Metamorphose der verletzlichen Hauptfigur. Der zwischen Psychodrama und Genre changierende Film wirft alle Grenzen der Konvention über Bord, wobei sich traditionelle Kunst und Horror-Trash zu einem hemmungslos-drastischen, nicht immer geschmackvollen, stets aber effektsicheren Amalgam von hoher Dramatik verbinden.“