TV- und Mediatheken-Tipps vom 22. bis 28. April 2021

Zusammengestellt von Rainer Mesch (Casa-Akademie) und mit Zitaten aus den Kurzkritiken von filmdienst.de!


Der glücklichste Tag im Leben des Olli Mäki

von Juho Kuosmanen, Finnland/Schweden/Deutschland 2016
Donnerstag, 22. April 2021, 0:05 Uhr (d.h. Freitag), RBB – bis 30.4. in der ARD-Mediathek

Warmherziges Boxer-Biopic im schönsten Schwarz-Weiß, das für den Fremdsprachen-Oscar nominiert war und als bester Erstlingsfilm den europäischen Filmpreis 2016 bekam.

„Ein talentierter finnischer Boxer soll 1962 zum nationalen Shooting-Star aufgebaut werden und gegen den amtierenden Weltmeister antreten. Dazu verordnet ihm sein Manager eine Rosskur, bestehend aus intensivem Training, Gewichtsverlust und PR-Auftritten, doch der gelernte Bäcker ist frisch verliebt und in Gedanken meist bei seiner Freundin. Ein vorzüglich fotografiertes, zudem umwerfend lebensnah gespieltes Boxerdrama, das die üblichen maskulinen Gewaltexzesse der Sportart zugunsten seines wortkargen Anti-Helden vernachlässigt. Zugleich entwirft die märchenhafte filmische Kostbarkeit mit viel Jazz und lakonischem Humor ein optimistisches Stimmungsbild der Epoche.“


Zana

von Antneta Kastrati, Kosovo/Albanien 2019
Samstag, 24. April 2021, 23:30 Uhr, 3Sat – bis 23.5. in der 3Sat-Mediathek

Publikumspreis beim Go-East-Filmfestival des mittel- und osteuropäischen Films 2020.

„Eine junge Frau aus einem Dorf im Kosovo, die im Krieg ihre kleine Tochter verloren hat, wird nicht wieder schwanger, weshalb ihre Familie die Dienste von Hexen und Wunderheilern in Anspruch nimmt. Als sie sich dieser Behandlung widersetzt, droht ihr Mann, sich eine jüngere Frau zu nehmen. Als sie einlenkt, wird sie zusehends von Albträumen heimgesucht, in denen sich ihre traumatischen Erfahrungen spiegeln. Ein auf autobiografischen Erfahrungen beruhendes Psychodrama über eine Gesellschaft, die zwar ihre gefallenen Märtyrer verehrt, aber keinen Platz für die lebenden Opfer findet. Der Hang zu einer gewissen Symbolik wird dabei durch Einfühlsamkeit und wirkmächtige Bilder aufgefangen.“


Oscar 2021 – Die Academy Awards

Sonntag, 25. April 2021, 2:00 Uhr (d.h Montag), Pro7 – in der Pro7-Mediathek

And the winner is…. ??? – Also ganz ehrlich: Dieses Jahr haben selbst die Casa-Macher*innen keinen klaren Favoriten.


Ummah – Unter Freunden

von Cünet Kaya, Deutschland 2013
Montag, 26. April 2021, 20.15 Uhr, One – bis 26.5. in der ARD-Mediathek

Sympathisches deutsch-türkisches Milieukino mit Frederick Lau und Kida Khodre Ramadan.

„Ein junger, im Einsatz schwer verletzter V-Mann des Verfassungsschutzes wird nach seiner Genesung in einer Wohnung in Berlin-Neukölln einquartiert. Misstrauisch beäugt er seine islamisch geprägte Umgebung, findet aber bald Anschluss. Als sein zynischer, um die eigene Position fürchtender Kontaktmann verlangt, dass er seine neuen Freunde verrät, um von einem Korruptionsskandal abzulenken, schaltet er auf Widerstand. Ein zwischen sympathischer Milieuschilderung und großspuriger „Räuberpistole“ changierendes Drama mit didaktischem Unterton. Außergewöhnlich ist der Film nicht nur in inszenatorischer, sondern auch darstellerischer Hinsicht.


The Cleaners – Im Schatten der Netzwelt

von Hans Block, Deutschland/Brasilien/Niederlande/Italien/USA 2018
Dienstag, 27. April 2021, 21:45 Uhr, Arte – bis 3.5. in der Arte-Mediathek

Einer unserer best besuchtesten Dokumentarfilme des Jahres 2018.

„Investigativer Dokumentarfilm über die Aufgaben der „Content Manager“ in sozialen Netzwerken wie Facebook, die überwiegend von Arbeitern auf den Philippinen ausgeführt werden: In Sekundenschnelle manuell zu entscheiden, welche Inhalte auf Internetplattformen veröffentlicht werden dürfen oder gegen die Richtlinien verstoßen. Ein bemerkenswerter Film, der aus vielfältigen Perspektiven Fragen nach der Kontextualisierung von Bildern, ihrer sozialen Eingebundenheit und den politischen und kommerziellen Interessen der Unternehmen stellt, denen wir unsere Daten anvertrauen. Dabei zeigt er zugleich die Problematik von Institutionen auf, die durch ihre oft willkürliche Zensur Auseinandersetzungen verhindern und Affekte wie Empörung und Hass verstärken.“


The Guilty

von Gustav Möller, Dänemark 2018
Mittwoch, 28. April 2021, 20:15 Uhr, Arte – bis 4.5. in der Arte-Mediathek

Clever konstruiertes Spannungskino aus dem hohen Norden.

„Ein Polizist in der Notrufzentrale von Kopenhagen nimmt den Anruf einer verängstigten Frau entgegen, die offenbar von ihrem Ex-Mann im Auto entführt wurde. Eigenmächtig versucht er, von seinem Telefonplatz aus den Wagen zu finden. Doch je tiefer er sich in diese Angelegenheit verwickeln lässt, desto mehr geraten seine moralischen Gewissheiten ins Wanken. Der auf engstem Raum spielende, höchst konzentrierte Thriller entwickelt seine enorme Spannung allein aus den dramatischen Entwicklungen am Telefon und dem fulminanten Spiel des Hauptdarstellers heraus. Vielschichtig nähert sich der Film dem Thema der Schuld, das auch dem Zuschauer den scheinbar sicheren Boden entzieht.“


„Mir ist es egal, wenn wir als Barbaren in die Geschichte eingehen“

von Radu Jude, Rumänien/Bulgarien/Deutschland/Frankreich/Tschechien 2018
Mittwoch, 28. April 2021, 22:35 Uhr, Arte – bis 4.5. in der Arte-Mediathek

Der vorletzte Geniestreich des eigenwilligen diesjährigen Berlinale-Gewinners.

„Eine resolute Theaterregisseurin will mit einer Volkstheater-Aufführung eine Debatte über Rumäniens Beteiligung am Holocaust unter General Ion Antonescu anstoßen. In Form eines Reenactments soll das Massaker von Odessa im Jahr 1941 in das kollektive Bewusstsein zurückgeholt werden. Reaktionär gesinnte Komparsen und der Widerstand von Entscheidungsträgern machen ihr jedoch die Arbeit schwer. Komplexer, hochdiskursiv aufgebauter Geschichtsaufarbeitungsfilm über den marginalisierten oder schlicht geleugneten Antisemitismus Rumäniens. Die selektive Erinnerungspolitik ist in dem brillanten, vor Materialfülle nur so berstenden Film ebenso Thema wie das Scheitern von politischer Kunst.“


Bayerischer Filmpreis 2020

Mittwoch, 28. April 2021, 22:00 Uhr, BR – bis 28.4.22 in der BR-Mediathek

Im Gegensatz zu den Oscars weiß man beim zweitbedeutendsten deutschen Filmpreis nicht einmal, welche Filme nominiert sind. Ein klassischer Fall von Hinterzimmer-Filmpolitik! Immerhin soll Martina Gedeck den Ehrenpreis bekommen. Das geht schon mal okay.