TV- und Mediatheken-Tipps vom 20. bis 26. Mai 2021

Zusammengestellt von Rainer Mesch (Casa-Akademie) und mit Zitaten aus den Kurzkritiken von filmdienst.de!


Das schönste Paar

von Sven Taddicken, Deutschland 2018
Donnerstag, 20. Mai 2021, 23:15 Uhr, Arte

Aufwühlendes deutsches Schauspiel-Kino mit Luise Heyer und Maximilian Brückner.

„Zwei Jahre nach einem brutalen Überfall in einer Ferienwohnung auf Mallorca gerät die Beziehung eines bürgerlichen Paares in eine neue Krise, als der Mann einem der damaligen Täter auf die Spur kommt. Während er sich immer mehr in eine Art Zweikampf mit dem jugendlichen Täter verbeißt, will die Frau nicht mehr an das Geschehene rühren. Das subtile Drama lotet die Motive der glänzend gespielten Figuren aus und macht deutlich, wie unterschiedlich mit lange nachwirkenden Traumata umgegangen werden kann.“


The Killing of a Sacred Deer

von Giorgos Lanthimos, Großbritannien/USA 2017
Donnerstag, 20. Mai 2021, 23:55 Uhr, RBB

Irritierende Familienstudie vom Meister des abgründigen Humors.

„Der perfekte Familienentwurf eines erfolgreichen Herzchirurgen gerät aus dem Gleichgewicht, als sich ein 16-jähriger Junge als Relikt der Vergangenheit in sein Leben drängt. Als er sich zu entziehen versucht, ereignen sich übernatürliche Heimsuchungen, und der Teenager stellt dem Arzt ein perfides Ultimatum. Eine unheimliche, zutiefst verstörende und bizarre Allegorie voller Anspielungen auf die griechische Mythen- und die Filmgeschichte. Die mit viel Stilwillen umgesetzte Thriller-Variation reflektiert zudem die moralische Rolle des Familienoberhaupts in einer Situation der Machtlosigkeit.“


Der Geschmack von Rost und Knochen

von Jacques Audiard, Frankreich/Belgien 2012
Sonntag, 23. Mai 2021, 20:15 Uhr, Arte – bis 29.5. in der Arte-Mediathek

Physisch und emotional packendes Melodram mit Matthias Schoenaerts und Marion Cotillard.

„Ein junger Mann reist mit seinem fünfjährigen Sohn von Nordfrankreich an die Côte d’Azur, zieht dort zur Familie seiner Schwester und nimmt einen Job als Türsteher an. Er lernt eine junge Wal-Trainerin kennen, die bei einem durch einen Orka verursachten Unfall beide Unterschenkel verliert. Obwohl der Mann weder Mitleid noch Mitgefühl empfindet, hilft er der jungen Frau ins Leben zurück. Das kraftvolle, mitunter wuchtig entwickelte (Melo-)Drama führt seine Handlungsstränge zu einem emotional aufwühlenden Ende zusammen und besticht durch außergewöhnliche Schauspielerleistungen in den beiden Hauptrollen.“

Um 22:10 Uhr folgt die Doku „Jacques Audiard – der Herzschlag eines Cineasten“.


Er ist wieder da

von David Wendt, Deutschland 2015
Montag, 24. Mai 2021, 22:05 Uhr, Sat 1

Gelungene filmisch eigenständige Umsetzung von Timur Vermes satirischen Bestseller.

„Adolf Hitler erwacht im Jahr 2014 in Deutschland zu neuem Leben. Da man ihn für einen perfekten Imitator und Comedian hält, macht er Karriere im sensationsgierigen, zynisch auf Quote schielenden Fernsehen, während er menschlich-joviales Verständnis für die diffuse Unzufriedenheit von Wutbürgern, Stammtisch-Politikern und Rechtsradikalen zeigt und ihre Politikverdrossenheit für seine Ziele nutzt. Verfilmung des Romans von Timur Vermes auf dem schmalen Grat von Mediensatire, Klamotte und gesellschaftspolitischer Beobachtung. Dabei nutzt der vorzüglich inszenierte und gespielte Film die ikonische Führer-Figur, um in einem Geflecht aus inszenierten und halbdokumentarischen Szenen demokratiefeindlichen Tendenzen nachzuspüren. Ein durchaus mutiger und provokanter Unterhaltungsfilm, der herausfordert und nachdenklich macht.“


Die Einzelteile der Liebe

von Miriam Bliese, Deutschland 2019
Dienstag, 25. Mai 2021, 22:50 Uhr, ARD – bis 1.7. in der ARD-Mediathek

Alternatives deutsches Kino: eine ungewöhnlich inszenierte Beziehungsstudie aus Berlin.

„Stationen der abwechslungsreichen Beziehung eines jungen Berliner Paares über einen Zeitraum von sechs Jahren, die nachvollziehen, warum die beiden in der Gegenwart an sich gescheitert sind. Dabei verzichtet der vorzüglich gespielte Film, der zur Gänze vor dem Haus und in der Wohnung des Paares spielt, auf laute Aus- und Aufbrüche, sondern entdeckt die zunehmende Entfremdung vor allem in Zwischentönen. Eine genaue, kraftvolle und glasklare Studie, die von schöner Lakonik, Sentiment und Selbstironie lebt.“


Shoplifters – Familienbande

von Hirokazu Kore-eda, Japan 2018
Mittwoch, 26. Mai 2021, 20:15 Uhr, Arte – bis 1.6. in der Arte-Mediathek

Mit der Goldenen Palme und zahlreichen internationalen Preisen ausgezeichneter Film über eine sich mit widrigen sozialen Umständen herumschlagende „Familie“.

„Eine am Rande von Tokio wohnende Gruppe von Menschen hält sich mit kargen Einkünften und kleinen Diebstählen über Wasser. Trotz der Enge nehmen sie auch noch ein vernachlässigtes Mädchen bei sich auf, das neben der warmherzigen Gemeinschaft allerdings bald auch die kleinkriminellen Handlungen der Patchwork-Familie kennenlernt. Das mit meisterlicher Beiläufigkeit inszenierte, humorvolle Drama malt mit großer Einfühlsamkeit, aber ohne jeden Armutskitsch das Modell einer auf Zuneigung gründenden Familie aus, die gemeinsam den Härten des Daseins trotzt. Ohne zu moralisieren, sammelt der Film Impressionen eines gegenwärtigen Japan ein, in dem das Verhalten der Figuren kaum Alternativen zu haben scheint.“

Um 22:10 Uhr folgt die Film-Doku „Es war einmal…Shoplifters – Familienbande“. bis 24.7. in der Arte-Mediathek