TV- und Mediatheken-Tipps für die Zeit vom 19. bis 25. November 2020

Zusammengestellt von Rainer Mesch (Casa-Akademie) und mit Zitaten aus den Kurzkritiken von filmdienst.de!


Winter’s Bone

von Debra Granik, USA 2010
Sonntag, 22. November 2020, 0.35 Uhr (d.h. Montag), SWR

Mit diesem oscarnominierten Indie-Film startete Jennifer Lawrence ihre Karriere.

„Ein Mädchen lebt mit seinen Geschwistern und seiner psychisch kranken Mutter in sozial desolaten Verhältnissen im Hinterland Missouris. Als der Vater ihr Anwesen verpfändet und verschwindet, steht die Existenz der Familie auf dem Spiel. Die Tochter macht sich deshalb auf, den Vater zu suchen. Der Film zeichnet dank dokumentarisch anmutender Exkurse, authentischer Schauplätze und eines um viele Laiendarsteller ergänzten Ensembles ein glaubwürdiges Bild des White Trash-Milieus, wobei er die Protagonisten nicht vorführt, sondern sich auf ihre Lebenswelt einlässt. Der ungeschönte Blick wird von leisem Humor und einer Tier- und Dingsymbolik aufgefangen und von einer kraftvoll-melancholischen Filmmusik illustriert.“


Philomena

von Stephen Frears, USA/Großbritannien/Frankreich 2013
Sonntag, 22. November 2020, 0.50 Uhr (d.h. Montag), ARD – bis 30.11. in der Mediathek

Mehrfach oscarnominiert und in Venedig ausgezeichnet, mit einer Paraderolle für Judi Dench.

„Eine alte Frau sucht ein halbes Jahrhundert, nachdem ihr in einem irischen Kloster ihr uneheliches Baby weggenommen wurde, gemeinsam mit einem zynischen Journalisten ihren Sohn. Das nach einer historischen Begebenheit inszenierte Drama ist eine ergreifende Mischung aus komischem Road Movie, detektivischer Recherche und wütender Anklage. Geschickt balanciert die Inszenierung die unterschiedlichen Töne aus, wobei die Komik des Films aus der Gegensätzlichkeit der Hauptfiguren resultiert, die sich mit lakonischen Dialogen bekämpfen.“


GOTT von Ferdinand von Schirach

von Lars Kraume, Deutschland 2020
Montag, 23. November 2020, 20.15 Uhr, ARD – in der Mediathek

Oh je, schon wieder eine Empfehlung für einen Fernsehfilm. Aber der vielfach ausgezeichnete Lars Kraume gehört nun mal zu den führenden deutschen Spielfilm- und TV-Regisseuren und arbeitet hier mit einer erstklassigen Schauspieler*innenriege (u.a. Barbara Auer, Lars Eidinger, Matthias Habich, Ulrich Matthes, Anna Maria Mühe, Christiane Paul)

„In der Sitzung eines fiktiven Ethikrats wird über den Fall eines gesunden alten Mannes verhandelt, der sich einen ärztlich assistierten Suizid wünscht. Rechtliche, medizinische und theologische Sachverständige versuchen dabei, den Ethikrat von ihren Haltungen zu überzeugen, die Entscheidung gibt der Film wie das zugrundeliegende Theaterstück aber ans Publikum weiter. Thesenhaft aufgebautes Drama von Ferdinand von Schirach, das dem umstrittenen Stil seines Bühnenstücks/Fernsehfilms „Terror – Ihr Urteil“ folgt.“


Die letzte Sau

von Aron Lehmann, Deutschland 2016
Dienstag, 24. November 2020, 0.35 Uhr (d.h. Mittwoch), Arte – bis 30.11. in der Mediathek

Ein schräges kleines Road-Movie made in Germany.

„Ein schwäbischer Bauer begibt sich nach einer Reihe schwerer Schicksalsschläge mit dem letzten ihm verbliebenen Schwein per Moped auf eine Reise in den Osten Deutschlands, was ihm turbulente Begegnungen mit Leidensgenossen beschert, die ebenfalls unter die Räder der Globalisierung geraten sind. Wider Willen mutiert er zum Rebellen gegen die Übermacht der Agrarkonzerne, wobei die Provinzsatire mit den Mitteln der märchenhaften Komödie, grobem Humor und jeder Menge absurd ins Leere laufender Situationskomik nicht geizt. Eine unterhaltsame Posse zwischen Heimatfilm und Road Movie, in der meist der Zufall die nächste subversive Sabotage-Aktion diktiert.“


4 Könige

von Theresa von Eltz, Deutschland 2015
Mittwoch, 25. November 2020, 20.15 Uhr, Arte – bis 1.12. in der Mediathek

Deutscher Filmpreis in Bronze 2016 und Visitenkarte talentierter Jungschauspieler wie
Jella Haase, Jannis Niewöhner und Paula Beer.

„Vier Jugendliche verbringen Weihnachten in der Psychiatrie. Ihre Zwangsgemeinschaft beruht auf Freiwilligkeit, da sie jederzeit gehen können, da aber niemand auf sie wartet, reiben sie sich unter Anleitung eines schroffen Psychiaters aneinander. Die emotionsgeladenen Feiertage entwickeln eine höchst eigenwillige Dynamik. In dem ganz aus Sicht der Jugendlichen geschilderten Drama kommen Eltern als seelisch verkrüppelte Erwachsene nicht gut weg, während die Inszenierung den kantigen Protagonisten viel Raum und Zeit widmet und zum genauen Hinschauen und Hinhören einlädt. Getragen wird der fein austarierte, mit kleinen humoristischen Anwandlungen und einem dezenten Hoffnungsschimmer versehene Film von den talentierten jungen Darstellern.“


Schwimmen

von Luzie Loose, Deutschland 2018
Mittwoch, 25. November 2020, 22 Uhr, SWR – bis 14.2. in der Mediathek

Der Gewinner des 2018 erstmals vergebenen Heinz-Badewitz-Preises der Hofer Filmtage.

„Nach der Trennung ihrer Eltern zieht eine 15-Jährige mit ihrer Mutter nach Berlin-Neukölln, wo sie sich mit einem erheblich ruppigeren Umfeld arrangieren muss. Als sie nach dem Schwimmunterricht in sexistischer Absicht fotografiert wird, steht ihr eine selbstbewusste Außenseiterin bei. Zusammen zahlen sie es den Klassenkameraden bald zurück. Der Debütfilm packt mit Pubertät, Mobbing, Drogen, Social Media und zerrütteten Familien ziemlich viele Themen an… Formal überzeugt der Film durch den versierten Einsatz unterschiedlicher Bildmedien.“