TV- und Mediatheken-Tipps vom 18. bis 24. Februar 2021

Zusammengestellt von Rainer Mesch (Casa-Akademie) und mit Zitaten aus den Kurzkritiken von filmdienst.de!

Weitere Film-Highlights für diese Woche: Berlinale-Filmreihe auf ARTE (17. bis 25. Februar)


Helle Nächte

von Thomas Arslan, Deutschland/Norwegen 2017
Donnerstag, 18. Februar 2021, 23:55 Uhr, RBB – bis 26.2. in der ARD-Mediathek

Deutsches Kino der „Berliner Schule“ – Silberner Bär für Georg Friedrich bei der Berlinale.

„Ein verschlossener Eigenbrötler gerät in eine Krise, als er erkennen muss, dass er nicht jedes Geschehen steuern kann. Um sich seinem 14-jährigen Sohn, der bei der Ex-Frau aufwächst, anzunähern, reist er mit ihm zur Beerdigung seines eigenen Vaters nach Norwegen. Eine beklemmende Vater-Sohn-Geschichte, mittels prägnanter, kontrastreicher Ellipsen als existenzialistisches Road Movie gestaltet. Hinter der zurückhaltend eingesetzten Symbolik offenbaren sich subtil die Gefühlswelten der beiden glänzend gespielten Protagonisten, deren Bereitschaft zum gegenseitigen Kontakt mehr und mehr von destruktiven Gefühlen aufgezehrt wird.“


Nico, 1988

von Susanna Nicchiarelli, Italien/Belgien 2017
Freitag, 19. Februar 2021, 22:45 Uhr, Arte – bis 20.3. in der Arte-Mediathek

Schwermütiges Musikerinnen-Biopic mit einer famosen Darstellung von Trine Dyrholm.

„Ambitionierter Versuch einer Rekonstruktion der letzten Karrierestationen der deutschen Sängerin Christa Päffgen (1938-1988), die in den späten 1950er-Jahren als Fotomodell, Warhol-Muse und unter dem Künstlernamen Nico auch als Sängerin der Kultband The Velvet Underground international reüssierte. Der Glamour ihrer Anfänge überlagerte spätere Versuche mit einer anspruchsvolleren Musik. Schwer drogenabhängig und von allerlei Mythen umgeben, verwandelte sich die Künstlerin in eine kultisch verehrte, aber unnahbare Priesterin der Dunkelheit. Der in der Hauptrolle kraftvoll und überzeugend gespielte Film interpretiert dies nicht als Niedergang, sondern als eine Art emanzipatorischer Selbstfindung.“


Hail, Caesar !

von Joel Coen, USA/Großbritannien 2016
Samstag, 20. Februar 2021, 20:15 Uhr, Arte

Starbesetzter Coen-Streich (u.a. mit George Clooney, Ralph Fiennes, Scarlett Johansson, Frances McDormand und Tilda Swinton), eine Hommage an das US-Kino der 50er Jahre.

„Ein leitender Hollywood-Manager ist Anfang der 1950er-Jahre vor allem als Troubleshooter tätig, um Unheil von seinem Studio abzuwenden. Als der Hauptdarsteller eines prestige-trächtigen Sandalenfilms mit religiösen Anklängen entführt wird, muss er das Problem lösen, bevor die Klatschreporter davon Wind bekommen. Ein mit virtuoser Eleganz und großer Leichtigkeit zwischen Persiflage und Hommage pendelnder Film über die Goldene Ära Hollywoods. Das vergnügliche Schwelgen in Studiokulissen, die kongeniale Besetzung sowie die perfekte Nachbildung klassischer Hollywood-Standards geben der mäandernden Geschichte einen betörenden Widerschein, hinter deren schillernder Oberfläche durchaus auch gesellschafts- und kulturpolitische Missstände aufleuchten.“


Cronofobia

von Francesco Rizzi, Schweiz 2018
Samstag, 20. Februar 2021, 21:50 Uhr, Arte

Gewinner des Max-Ophüls-Festivals für die beste Regie und das beste Drehbuch.

„Ein wurzelloser Einzelgänger beobachtet nachts eine Frau, die schwer unter einem kürzlichen Verlust leidet. Als sie eines Tages in das Auto ihres Verfolgers steigt und ihn sukzessive in ihr Leben einführt, entwickelt sich in schweigendem Einvernehmen eine Form von Vertrautheit zwischen den beiden vereinsamten Menschen. Eine fragmentarische, vielschichtig aufgebaute Studie tiefer Verlorenheit, in der sich aus sorgfältig komponierten Einstellungen und einer kongenialen Bildsprache eine bemerkenswerte Intensität entwickelt. Unter Verzicht auf übermäßige Erklärungen zeigt der Film über die allmähliche Annäherung einen schlüssigen Weg aus den beiderseitigen Traumata auf.“


Land des Honigs

von Ljubomir Stefanov, Nordmazedonien 2019
Mittwoch, 22. Februar 2021, 22.30 Uhr, 3Sat – bis 23.3. in der 3Sat-Mediathek

Oscarnominierte Doku, die wir gerne in unserer Agenda 21-Kinoreihe gezeigt hätten.

„Beobachtender Dokumentarfilm über das archaische Leben der letzten Wildimkerin Nordmazedoniens, die zusammen mit ihrer 86-jährigen Mutter alleine in einem verlassenen Bergdorf lebt. Der Zuzug einer türkischen Großfamilie mitsamt 150 Kühen stellt ihre naturverbundene Lebensweise dann auf eine harte Probe. Ein visuell atemberaubender Dokumentarfilm mit einer einprägsamen Protagonistin, der sanfte Kapitalismuskritik übt und zugleich an ein harmonisch-humanistisches Miteinander zwischen Mensch, Tier und Natur appelliert.“


Nach dem Urteil

von Xavier Legrand, Frankreich 2017
Mittwoch, 24. Februar 2021, 23.15 Uhr, 3Sat

Intensives Sorgerechtsdrama, mehrfach Cesar-prämiert und auf vielen Festivals gezeigt.

„Ein geschiedener Vater erstreitet vor dem Familiengericht das Recht, seinen elfjährigen Sohn jedes zweite Wochenende sehen zu dürfen. Doch aufgrund der Gewalttätigkeit des Mannes ist der Junge so sehr verschreckt, dass die Wochenenden für ihn zur Tortur werden. Noch schlimmer kommt es, weil der Vater seine geschiedene Frau noch immer liebt und sie zurückhaben will – notfalls mit Waffengewalt. Eine spannende und beklemmende Mischung aus Drama und Thriller, die zunächst fast dokumentarisch die Verhandlung vor dem Familiengericht zeigt, um dann die erschreckenden Folgen des Urteils zu beschreiben. Der beeindruckend gespielte Film ist schonungslos in seiner Darstellung psychischer wie physischer Gewalt, enthält aber durchaus Momente der Hoffnung.“