TV- und Mediatheken-Tipps vom 15. bis 21. April 2021

Zusammengestellt von Rainer Mesch (Casa-Akademie) und mit Zitaten aus den Kurzkritiken von filmdienst.de!


Border

von Ali Abbasi, Schweden/Dänemark 2018
Donnerstag, 15. April 2021, 23:30 Uhr, WDR – bis 15.5. in der ARD-Mediathek

Ein Unikat aus dem hohen Norden: surreal, verstörend, menschlich…

„Eine durch einen angeblichen Chromosomenfehler als Außenseiterin stigmatisierte schwedische Grenzbeamtin kann Scham, Angst und Wut riechen. Auf diese Weise macht sie Schmuggler ausfindig und bringt die Polizei auf die Spur eines Pädophilen-Rings. An der Grenze begegnet sie aber auch einem wesensverwandten Mann, der ihr ihre gemeinsame Herkunft enthüllt. Das grandiose Drama verwebt sozialen Realismus, Fantasy und skandinavische Mythologie zu einem zwitterhaften Werk, in dem aktuelle gesellschaftliche Debatten um Identität, Ausgrenzung und Rassismus anklingen. Ein im wahrsten Sinne des Wortes grenzüberschreitender Ausnahmefilm.“


Herbert

von Thomas Stuber, Deutschland 2015
Donnerstag, 15. April 2021, 23:50 Uhr RBB – bis 23.4. in der ARD-Mediathek

Großartiges deutsches Schauspielerkino mit Peter Kurth in der Titelrolle.

„Ein ehemaliger Boxer, der sich als Türsteher und Geldeintreiber durchs Leben bringt, erkrankt an einem unheilbaren Nervenleiden. Angesichts seines rapiden Verfalls verspürt der hartgesottene Egomane den Wunsch, sich mit seiner Tochter auszusöhnen und einen Kontakt zu seiner Enkelin zu finden. In beinahe dokumentarischer Manier zeichnet das mutige Drama den Niedergang eines ezdf mediatheinsamen Kolosses nach, der auf dem Weg in den Tod seine Emotionen nicht mehr verdrängen kann. Ein erschütternder Film mit einem überragenden Hauptdarsteller, der in seiner erzählerischen Konsequenz an R.W. Fassbinders Berlin Alexanderplatz heranreicht.“


Die wilden Boys

von Bertrand Mandico, Frankreich 2017
Donnerstag, 15. April 2021, 0:10 Uhr (d.h. Freitag), Arte – bis 13.7. in der Arte-Mediathek

Unser Geheim-Tipp für diese Woche: Halluzinatorisches experimentelles Kino.

„Fünf verwöhnte reiche Sprösslinge werden zu Beginn des 20. Jahrhunderts nach einer Untat von einem mysteriösen Kapitän auf eine seltsame tropische Insel transportiert. Dort erwarten die Delinquenten eine sexualisierte Natur mit bizarrer Vegetation und der zur Frau gewordene Herr der Insel, der die feminine Verwandlung der Jungen vorweggenommen hat. Eine mit großem Einfallsreichtum und Bildgewalt inszenierte erotische Phantasie, die Elemente der Avantgardefilme von Maya Deren und Kenneth Anger mit klassischem Erzählkino zu einem queeren und surrealen Abenteuer mischt.“


Lucky

von John Carroll Lynch, USA 2017
Samstag, 17. April 2021, 0:05 Uhr (d.h. Sonntag), 3Sat

Harry Dean Stantons autobiografisch geprägter letzter Film.

„Vignetten aus dem Leben eines alten Mannes in der Wüste von Arizona, die sich zu einem bewegenden Porträt eines Menschen verdichten, der gelernt hat, mit der Einsamkeit und dem Bewusstsein der Sterblichkeit umzugehen. Ein gänzlich unpathetischer, zu den Wurzeln der Existenz vordringender, wortkarger Film, in dem die Furcht vor dem Tod der gelassenen Akzeptanz täglicher Rituale weicht.“


Die letzten Gigolos

von Stephan Bergmann, Deutschland 2014
Montag, 19. April 2021, 0:20 Uhr (d.h. Dienstag), ZDF – bis 17.5. in der ZDF-Mediathek

Aus heutiger Sicht schon unwirklich wirkende Kreuzfahrt-Flirt-Doku.

„An Bord des Kreuzfahrtschiffs MS Deutschland porträtiert der Dokumentarfilm formal spielerisch und humorvoll zwei etwa 70-jährige Gentleman Hosts, die allein reisenden Frauen als Tänzer, Begleiter und Unterhalter den Aufenthalt an Bord verschönern. Das in attraktiven Kinobildern gedrehte Porträt einer betuchten Generation, die fern vom Alltag mit entspannter Offenheit über das Altern, die Liebe, Sex und Sehnsüchte plaudern. Dabei zeigt der beschwingte Einblick in den Mikrokosmos Kreuzfahrt nebenbei immer wieder auch die riesige Maschinerie, die den Luxus am Laufen hält.“


Erde

von Nikolaus Geyrhalter, Österreich 2019
Montag, 19. April 2021, 22:25 Uhr, 3Sat – bis 18.5. in der 3Sat-Mediathek

Bei der Berlinale mit dem Preis der ökumenischen Jury ausgezeichnetes neues Werk des renommierten österreichischen Dokumentarfilmers.

„Im Vergleich zu Wind, Wetter und Gezeiten werden Jahr für Jahr fast dreimal mehr Sand, Steine und Felsen durch die Maschinen der Menschen bewegt, die mit rabiater Gewalt den Planeten umgraben, ausbeuten, roden oder versiegeln. Mit schneidend scharfen Bildern protokolliert der Dokumentarfilm die Zerstörung der Erde, die rational kaum mehr gerechtfertigt werden kann. Auch die Interviews mit Arbeitern, Ingenieuren und Wissenschaftlern fördern eine fatale Resignation zu Tage, da weder der Einzelne noch die Gesellschaften dieser Dynamik einer sich verselbständigten Ausbeutung Einhalt gebieten können.“


Burn After Reading

von Joel & Ethan Coen, USA 2008
Dienstag, 20. April 2021, 20:15 Uhr, Servus TV