TV- und Mediatheken-Tipps vom 13. bis 19. Mai 2021

Zusammengestellt von Rainer Mesch (Casa-Akademie) und mit Zitaten aus den Kurzkritiken von filmdienst.de!


Der Eid

von Baltasar Kormákur, Island 2016
Freitag, 14. Mai 2021, 22:55 Uhr, 3Sat – bis 12.6. in der 3Sat-Mediathek (jeweils von 22:00 bis 6:00 Uhr)

Ein Musterbeispiel für das starke isländische Kino der letzten Jahre.

„Die gerade erst volljährige Tochter eines isländischen Herzchirurgen verliebt sich in einen Dealer und droht, ins Drogenmilieu abzugleiten. Als die Appelle des Vaters nichts ausrichten und die Behörden keine Handhabe finden, entwickelt der Arzt erstaunliche Kreativität und greift zur Selbstjustiz. Doch die losgetretene Gewaltspirale ist kaum unter Kontrolle zu halten. Spannender Thriller in bester Claude-Chabrol-Tradition, der subtil mit den Erwartungen wie auch mit der moralischen Haltung des Zuschauers spielt, bis sich hinter der gutbürgerlichen Fassade ein sadistisches Gewaltpotenzial auftut.“


Drei Gesichter

von Jafar Panahi, Iran 2018
Sonntag, 16. Mai 2021, 22:10 Uhr, Arte – bis 14.6. in der Arte-Mediathek

Unter widrigen Umständen gedrehtes iranisches Kino mit gesellschaftlichen Bezügen.

„Ein junges Mädchen, das gegen den Willen seiner Familie die Schauspielschule besuchen möchte, wendet sich mit einem verstörenden Handy-Video an die iranische Schauspielerin Behnaz Jafari. Die reist daraufhin gemeinsam mit dem Regisseur Jafar Panahi in die Heimat des Mädchens, um Klarheit über das mysteriöse Video zu erlangen. Auf der Reise in den Norden des Landes kommen die Großstädter mit ländlichen Traditionen, religiösen Überzeugungen und anderen Realitäten in Berührung. Das eigenwillige Road Movie, mit dem der iranische Regisseur erneut an dem ihm auferlegten Berufsverbot vorbeifilmt, richtet den Blick vor allem auf die widerständigen Potenziale von Frauen im Iran.“


The Dark Knight

von Christopher Nolan, USA 2008
Sonntag, 16. Mai 2021, 22:55 Uhr, Pro7

Hochgelobter 2. Teil von Christopher Nolans „Batman“-Triologie mit Heath Ledger als Joker.

„Bruce Wayne alias Batman hofft, dass der neue Staatsanwalt von Gotham die organisierte Kriminalität in der Stadt eindämmen kann, sodass seine Einsätze als maskierter Verbrecherfänger überflüssig werden. Die Syndikate nehmen derweil das Angebot des Schurken Joker an, Batman auszuschalten. Meisterlich inszeniertes Blockbuster-Kino, das zwischen mitreißenden Actionszenen und emotionalem Drama darum kreist, mit welchen Mitteln ein rechtsstaatliches System verteidigt werden darf, ohne selbst seine Legitimität und Integrität verlieren. Dabei wartet der Film mit furioser Musik und bis in die Nebenrollen erstklassig besetzten und eindrücklich konturierten Figuren auf.“


Systemsprenger

von Nora Fingscheidt, Deutschland 2019
Montag, 17. Mai 2021, 20:15 Uhr, ZDF

Das hätte niemand erwartet: ein „kleiner“ deutscher arthouse-Film räumt die wichtigsten Bundesfilmpreise ab, erhält eine Oscar-Nominierung – und findet über 600.000 Zuschauer.

„Ein neunjähriges Mädchen, das schon mehrere psychiatrische Aufenthalte hinter sich hat, verweigert sich so radikal allen Verhaltensnormen, dass es für seine Betreuer schwer wird, überhaupt noch Einrichtungen oder Pflegeeltern zu finden. Die Helfer ahnen, dass hinter den Gewaltausbrüchen frühkindliche Traumata stecken, sind aber überfordert und nehmen die Aggression des Kindes persönlich. Der sorgfältig recherchierte und in den Hauptrollen überragend gespielte Film will weder anklagen noch urteilen, sondern wirbt mit großer Kraft um Verständnis für ein Kind, das mit extremen Ausbrüchen nach Halt und Geborgenheit sucht. Statt auf ein Sozialdrama setzt die Inszenierung auf eine starke affektive Anteilnahme der Zuschauer, die auch psychisch in das chaotische Erleben der Protagonistin involviert werden.“


Bildbuch

von Jean-Luc Godard, Frankreich/Schweiz 2018
Montag, 17. Mai 2021, 23:40 Uhr, Artebis 26.4.2022 in der Arte-Mediathek

Komplexer Experimentalfilm vom nach wie vor umtriebigen „Nouvelle Vague“-Meister.

„Filmessay von Jean-Luc Godard, das mit den avanciertesten filmischen Mitteln assoziativ über die Menschheit und das Kino, den Zustand der Welt und die lebenslange Beschäftigung des Regisseurs mit Bildern reflektiert. Das digital verfremdete Material aus der Filmgeschichte, von Youtube oder simplen Handyaufnahmen wird mit Fragmenten aus Literatur, Film und Kunst zu einem mäandernden Bewusstseinsstrom verschmolzen, der zu vielfältigsten Überlegungen Anlass gibt und auch durch seine stereophonische Gestaltung formal begeistert.“


Freier Fall

von Stephan Lacant, Deutschland 2013
Montag, 17. Mai 2021, 20:15 Uhr, One – bis 28.5. in der ARD-Mediathek

Sensibles deutsches Kino, das sich an das ‚Brokeback Mountain‘-Thema wagt.

„Um seine schwangere Geliebte zu entlasten, zieht ein Bereitschaftspolizist zu seinen Eltern, obwohl dieser Rückschritt die Beziehung belastet. Ablenkung sucht der werdende Vater in einer Fortbildung und einer Affäre mit seinem ungleichen Zimmergenossen, dessen Gefühle bald über den spielerischen homosexuellen Ausbruchsversuch hinausgehen. Bodenständig inszeniert, bleibt die zum Scheitern verdammte Dreiecksgeschichte nah am Weltbild seines kleinbürgerlichen Milieus, besticht aber durch seine präsenten Darsteller (Hanno Kofler und Max Riemelt).“


Ich, Daniel Blake

von Ken Loach, Großbritannien/Frankreich 2016
Mittwoch, 19. Mai 2021, 20:15 Uhr, Arte – bis 25.5. in der Arte-Mediathek

Hut ab vor Ken Loach: mit 80 Jahren inszeniert er diesen grandiosen Film.

„Ein 59-jähriger britischer Zimmermann erleidet kurz vor dem Rentenalter einen leichten Herzinfarkt und ist erstmals in seinem Leben auf staatliche Hilfe angewiesen. Beim Kampf mit Anträgen und Formularen lernt er eine alleinerziehende Mutter kennen, die ähnlich erniedrigende Erfahrungen mit der Bürokratie gemacht hat. Trotz komödiantischer Töne liegt die Stärke der Inszenierung im politischen Zorn, mit dem Regisseur Ken Loach die Herzlosigkeit der verwalteten Welt auf den Deregulierungswahn der Neokonservativen zurückführt.“

Um 21:50 Uhr folgt „Es war einmal…Ich, Daniel Blake“. Die 2020 in England gedrehte Dokumentation beleuchtet die Entstehungsgeschichte und die Hintergründe des Sozialdramas.