TV- und Mediatheken-Tipps vom 11. bis 17. Februar 2021

Zusammengestellt von Rainer Mesch (Casa-Akademie) und mit Zitaten aus den Kurzkritiken von filmdienst.de!


Casting

von Nicolas Wackerbarth, Deutschland 2017
Donnerstag, 11. Februar 2021, 23:40 Uhr, RBB – bis 11.5. in der ARD-Mediathek

Zwischen Realität und Groteske – alles was Sie schon immer über Castings wissen wollten.

„Kurz vor Drehbeginn einer Neuverfilmung von Rainer Werner Fassbinders „Die bitteren Tränen der Petra von Kant“ fürs Fernsehen sucht die Regisseurin noch nach der idealen Besetzung. Während sich im Team langsam Nervosität ausbreitet und die sich vorstellenden Schauspielerinnen mit Versagensängsten und Eitelkeiten kämpfen, findet der Anspielpartner im Casting immer mehr Gefallen an seiner Aufgabe. Improvisationskomödie, die durch Spielfreude und ein virtuoses Schauspielerinnen-Ensemble begeistert. Mittels der Fassbinder-Vorlage macht sie die Abhängigkeiten und Macht-Asymmetrien in der Fernsehwelt deutlich, wobei sie geschickt den Unschärfebereich zwischen Fiktion und Leben, Person und Rolle nutzt.“


Making Waves: The Art of Cinematic Sound

von Midge Costin, USA 2019
Freitag, 12. Februar 2021, 21:55 Uhr, Arte – bis 13.3. in der Arte-Mediathek

Doku: Was Cineasten schon immer über das Sounddesign von Filmen wissen wollten.

„In Form einer umfassenden chronologischen Darstellung der Entwicklung des Tons im Film würdigt der Dokumentarfilm einen hochkomplexen und unverzichtbaren, aber selten hervorgehobenen Aspekt der Filmkunst. Neben der informativen und kurzweilig präsentierten Historie kommen zahlreiche Filmschaffende zu Wort, zudem werden einige Meister des Ton-Designs wie Walter Murch, Ben Burtt und Gary Rydstrom vorgestellt. Die versierte und für Laien wie Cinephile gleichermaßen reizvolle Dokumentation ist in ihrem Informationsgehalt vorbildlich und weist nur in der Beschränkung auf US-Beispiele Leerstellen auf.“


Aufschrei der Jugend

von Kathrin Pitterling, Deutschland 2019
Dienstag, 16. Februar 2021, 23:30 Uhr, NDR – bis 7.1.22 in der ARD-Mediathek

Empfehlung einer TV-Doku, die thematisch auch gut in unsere #FilmsForFuture-Reihe gepasst hätte.

„Die Filmemacherin Kathrin Pitterling begleitet seit Anfang 2019 junge Protagonist*innen der Fridays for Future-Bewegung bei Protesten und im Privatleben. Ihre Reportage zeigt, wie vielfältig, schöpferisch, aber auch kräftezehrend das Engagement für den Erhalt des Planeten sein kann. Die Jugendlichen erzählen von ihren Ängsten, Träumen, Erfolgen und Niederlagen. Aus den vielen einzelnen Geschichten ergibt sich so etwas wie ein Porträt einer Generation, die sich mit der soften Ratlosigkeit ihrer abgeklärten Eltern nicht mehr zufrieden geben will.“


Mit Siebzehn

von André Téchiné, Frankreich 2016
Mittwoch, 17. Februar, 20:15 Uhr, Arte

Sensibles Coming-of-Age-Kino von einem Meister der französischen Erzählkunst. Um 0:35 Uhr schließt sich die Doku ‚André Téchiné – Filmregisseur mit Leidenschaft‘ an.

„Eine Landärztin lädt den 17-jährigen Sohn einer schwangeren Bäuerin ein, bei ihr zu wohnen, solange die Mutter im Krankenhaus ist. Das passt ihrem eigenen Sohn anfangs überhaupt nicht, da die Jugendlichen schon in der Schule ständig aneinander geraten. Fortan tragen sie ihren Streit noch heftiger aus, bis sie auf unerwartete Weise entdecken, dass sie sich zueinander hingezogen fühlen. Außergewöhnlich feinfühliges Jugenddrama, nur scheinbar mit leichter Hand, in Wahrheit hochpräzise inszeniert. Mit beeindruckenden Schauspielern entstand ein lebensnahes Abbild jugendlicher Befindlichkeiten und Empfindungen, das in ein ebenso intensives Porträt ihrer Umwelt eingebettet ist.“


Die Geheimnisse des schönen Leo

von Benedikt Schwarzer, Deutschland 2018
Mittwoch, 17. Februar, 23:00 Uhr, WDR

Eine familiäre Politdoku, die der Regisseur bei uns im Kino persönlich vorgestellt hat.

„Der Filmemacher Benedikt Schwarzer will herausfinden, was an den Vorwürfen gegen seinen Großvater Leo Wagner (1919-2006) dran ist, der als CSU-Bundestagsabgeordneter angeblich für die Stasi gearbeitet haben soll. Seine kurzweilige Spurensuche mit der Kamera enthüllt nicht nur eine hochkomplizierte Familiengeschichte, sondern fördert überraschende Details einer höchst ambivalenten Karriere zu Tage, in der sich der Politiker sein ausschweifendes Leben von der DDR finanzieren ließ. Ein brillanter, wenngleich formal eher konventioneller Film über Gier, menschliche Abgründe und die Geister der Bonner Republik.“


Die Erbinnen

von Marcelo Martinessi, Paraguay/Deutschland/Brasilien/etc. 2018
Mittwoch, 17. Februar, 23:00 Uhr, Arte – bis 23.2. in der Arte-Mediathek

Mehrfach ausgezeichnetes Melodram (u.a. Silberner Bär für die Hauptdarstellerin Ana Brun) aus einem uns weitgehend unbekannten südamerikanischen Filmland.

„Die Beziehung zweier seit vielen Jahren als lesbisches Paar in der paraguayischen Hauptstadt Asunción lebender Frauen verändert sich, als die Dominantere der beiden für ein paar Monate ins Gefängnis muss. Ihre stille Partnerin rutscht in dieser Zeit in die Rolle einer Chauffeurin hinein, mit der sie Geld verdient, herumkommt und andere Frauen kennenlernt. Das stille Melodram wirft einen liebevollen Blick auf den Alltag der beiden unterschiedlichen Frauen und beobachtet mit großer Sensibilität und Aufmerksamkeit, welche Veränderungen ein bisschen Emanzipation hervorrufen kann.“