TV- und Mediatheken-Tipps vom 4. bis 10. März 2021

Zusammengestellt von Rainer Mesch (Casa-Akademie) und mit Zitaten aus den Kurzkritiken von filmdienst.de!


Gutland

von Govinda van Maele, Luxemburg/Belgien/Deutschland 2017
Donnerstag, 4. März 2021, 23:50 Uhr, Arte

Reizvoller Debutfilm aus Luxemburg mit Frederick Lau und Vicky Krieps.

„Ein wortkarger Deutscher flüchtet mit der Beute aus einem Überfall in ein abgelegenes Dorf in Luxemburg. Er verliebt sich in die Tochter des Bürgermeisters und scheint sich in den ländlichen Alltag zu integrieren. Doch dann holt ihn seine Vergangenheit ein, und auch hinter der dörflichen Idylle tun sich Abgründe auf. Der erfrischend mutige Genre-Mix verbindet Elemente des Horrorgenres mit inszenatorischen Elementen des Independent-Kinos.“


Babai

von Visar Morina, Deutschland/Kosovo/Mazedonien/Frankreich 2015
Samstag, 6. März 2021, 23:35 Uhr, 3Sat – bis 15.4. in der 3Sat-Mediathek

Gewinner des Förderpreises deutsches Kino (Filmfest München) für Regie und Drehbuch.

„Ein zehnjähriger Junge aus dem Kosovo folgt in den 1990er-Jahren den Spuren seines Vaters, der sich nach Deutschland absetzte, und macht sich, ganz auf sich allein gestellt, auf eine gefahrvolle Reise quer durch Europa. Das mit viel melancholischem Humor grundierte Drama dreht sich um einen Vater-Sohn-Konflikt, spart aber auch die Tristesse des historischen Zusammenhangs nicht aus. Der auf autobiografischen Erlebnissen beruhende Debütfilm handelt eindringlich von der Erfahrung, niemandem trauen zu können, hält aber zugleich tragikomisch-trotzig den Trost parat, sich nicht unterkriegen zu lassen.“


Nach der Hochzeit

von Susanne Bier, Dänemark 2006
Montag, 8. März 2021, 20:15 Uhr, Arte – bis 14.3. in der Arte-Mediathek

Oscarnominiertes authentisches dänisches Kino.

„Ein Mann, der einst die Heimat verließ und nun in Indien ein Waisenhaus führt, kehrt widerwillig nach Dänemark zurück,um von einem reichen Fabrikanten Geld für seine Schützlinge zu erwirken. Dessen Familie ist mit der Vergangenheit des Helden verbunden; die Begegnung zwingt ihn, sich mit seinem früheren Verhalten, daraus erwachsenen Verantwortungen sowie den Motiven für seine karitative Arbeit in Indien auseinander zu setzen. Überzeugendes soziologisches und emotionales Experiment, routiniert inszeniert und in den Hauptrollen hervorragend gespielt.“


Toni Erdmann

von Maren Ade, Deutschland/Österreich/Rumänien 2016
Montag, 8. März 2021, 22:10 Uhr, One – bis 15.3. in der ARD-Mediathek

Herausragendster deutscher Film des Jahres 2016 (bayerischer, deutscher und europäischer Filmpreis) – in unserem CasaAkademie-Seminar „Frauen auf dem Regiestuhl“ näher vorgestellt.

„Ein alternder Musiklehrer taucht unangemeldet bei seiner Tochter in Bukarest auf, wo diese für eine Unternehmensberatung an Rationalisierungskonzepten für die Ölindustrie arbeitet. Entsetzt von ihrem freudlosen Manager-Dasein, will er sie in der Gestalt eines kauzigen Alter Egos aus der Reserve locken. Eine souverän zwischen Komik, Tragik und surrealen Momenten wandelnde dramatische Komödie um einen Generationenkonflikt, bei dem sich beide Seiten umkreisen, befehden und schließlich doch annähern. Vorzüglich inszeniert und getragen von zwei überragenden Darstellern, entwirft der Film mit großer innerer Wahrhaftigkeit ein vielschichtiges Vater-Tochter-Verhältnis mit zeitkritischen Anklängen. Untergründig kreist er dabei stets auch um die Frage, wie man leben will.“


Grüße aus Fukushima

von Doris Dörrie, Deutschland 2016
Dienstag, 9. März 2021, 0:20 Uhr (d.h. Mittwoch), ZDF – bis 16.3. in der ZDF-Mediathek

Doris Dörrie gehört zu den bekanntesten deutschen „Frauen auf dem Regiestuhl“.

„Eine junge Deutsche will sich mit Auftritten als Clown in der zerstörten japanischen Provinz Fukushima von ihrem eigenen Unglück ablenken. Dabei lernt sie eine einstige Geisha kennen, zu der sie langsam eine Beziehung findet und der sie beim Aufbau ihres zerstörten Hauses in der radioaktiv kontaminierten Zone hilft. Die mit großer Sensibilität ebenso leicht wie poetisch inszenierte Geschichte fügt sich perfekt in die gespenstischen Originalschauplätze ein. Mit stimmigen Bildern und wunderbaren Hauptdarstellerinnen erzählt der liebevoll gestaltete Film eine universell gültige Geschichte vom Leben und vom Abschiednehmen.“


Gravity

von Alfonso Cuaron, USA 2013
Mittwoch, 10. März 2021, 20:15 Uhr, Kabel 1

Mit 7 Oscars (u .a. für beste Regie, Kamera und visuelle Effekte) ausgezeichnetes grandioses Weltraum-Drama mit Sandra Bullock und George Clooney.

„Zwei US-amerikanische Astronauten, ein Mann und eine Frau, die auf Forschungsmission im All unterwegs sind, geraten in einen Trümmer-Regen von Satellitenbruchstücken. Ihr Shuttle wird zerstört, der Rest der Mannschaft getötet. Allein hilflos im Weltraum treibend, müssen sie versuchen zu überleben. Das ins All verlegte Kammerspiel um zwei Figuren spielt zwar mit etwas trivialen Durchhalte- und Opfermythen, bleibt dabei aber nicht stehen, sondern weitet sich dank einer furiosen, höchst eindrucksvoll raumwirksamen Inszenierung zum melancholischen Drama, das dem Motiv der Eroberung des Weltalls jedes Pathos austreibt zugunsten des Szenarios einer fundamentalen Krise.“

Im Anschluss (um 22:05 Uhr) läuft die Reportage „Die besten ScFi-Filme aller Zeiten“, in der Filmexperten zusammen mit einem Ex-Astronauten Science-Fiction-Klassiker analysieren.


Frantz

von Francois Ozon, Frankreich/Deutschland 2016
Mittwoch, 10. März 2021, 20:15 Uhr, Arte

Stilvolles Schwarz-Weiß-Melodram des französischen Multi-Talents Francois Ozon mit einer Paraderolle für Paula Beer,die in Venedig als beste Nachwuchsschauspielerin prämiert wurde.

„Als eine junge Deutsche 1919 am Grab ihres im Krieg gefallenen Verlobten einen trauernden Franzosen entdeckt, führt sie ihn bei den Eltern des Toten ein. Auf ihr Drängen hin malt er ihre aus der Vorkriegszeit resultierende Freundschaft und eine gemeinsam in Paris verbrachte Zeit aus. Die feinen Schilderungen des vor Ort angefeindeten Franzosen wecken bei der Verlobten Gefühle, bis er ein die Verhältnisse umwälzendes Geständnis macht. Mit großer Ruhe und Leichtigkeit entwickelt die Inszenierung eine ebenso schöne wie tieftraurige Geschichte um Schuld, Einsamkeit und heilsame Fiktionen, aber auch um Vergebung und das Vermögen, die Lebensfreude zu entdecken. Fokussiert auf den Schmerz und die Entwicklung einer jungen Frau, der nach einem großen Verlust ein zweiter droht, bricht immer dann Farbe in den Schwarz-Weiß-Film ein, wenn Momente des Glücks und der Kunst auf eine hoffnungsvollere Zukunft deuten.“