TV-Tipps für die Zeit vom 28.3. bis 3.4.2020

Kino gibts nur im Kino – aber auch im Fernsehen und in den Mediatheken laufen gute Filme.
Unsere Fernseh-Tipps für die nächste Woche von Casa-Programmgruppen-Mitglied Rainer.
Und, damit es sich ein bisschen mehr wie Kino anfühlt (und um das Casablanca zu unterstützen): Einfach eine echte Kinokarte für eine virtuelle Kinovorstellung kaufen – Casa@Home!

 

Aktuell in der arte-Mediathek
Wild
von Nicolette Krebitz

Eine Frau trifft auf dem Weg nach Hause auf einen Wolf.

Nicolette Krebitz‘ Film stellt Sehgewohnheiten auf die Probe – selten gab es einen Film, der so radikal, so ästhetisch und so überraschend die Geschichte einer Emanzipation erzählt. arte warnt, der Film sei nichts für „empfindsame Zuschauer“. Das ist richtig – aber alle, die nicht empfindsam sind, finden hier einen der besten deutschen Kinofilme der letzten Jahre. „Wild“ war auch Thema im der Veranstaltung der CasaAkademie zu „Frauen auf dem Regiestuhl“.

 

Bis 28.4. in der ARD-Mediathek
Wildes Herz von Charly Hübner, Deutschland 2018

Die Doku portraitiert die Band Feine Sahne Fischfilet, die sich in ihren Texten gegen Rassismus, Sexismus und Homomoo Homophobie wendet. Ihr Frontmann Jan „Monchi“ Gorkow war bei uns im Kino zu Gast, unser Saal war proppenvoll.

„Wildes Herz“ war 2018 einer der erfolgreichsten Dokufilme (ca. 500.000 Besucher) und erhielt in seiner Kategorie den Gilde-Filmpreis.

 

Bis 6.4. in der ARD-Mediathek
Härte
von Rosa von Praunheim, Deutschland 2015

Rosa von Praunheim, der Wegbereiter und die Ikone der filmischen Schwulenbewegung war kürzlich mit seinem neuen Film „Darkroom – Tödliche Tropfen“ per Skype bei uns zu Gast, und sein Protagonist Andreas Marquardt stellt „Härte“ 2015 im Rahmen des Symposions ‚Psychoanalyse und Film‘ vor.

„Härte“ basiert auf der Biographie des ehemaligen Kampfsportlers und Zuhälters Andreas Marquardt (der selbst im Film auftritt) und kreist um das Thema sexuelle Gewalt. Der in den nachgestellten Rückblenden in Schwarz-Weiß gedrehte Film tut weh. Mit Hanno Kofler und Luise Heyer agieren Schauspieler, die in zwischen mit Filmpreisen ausgezeichnet wurden.

 

Montag, 30.3.2020 HR 23:55 Uhr
Drive von Nicolas Winding Refn, USA 2011

Dieser coole Thriller ist das US-Debut des dänischen Ausnahme-Talents Nicolas Winding Refn, der in unserer CasaAkademie portraitiert werden sollte. Er wurde in Cannes gezeigt und hatte großen internationalen Erfolg sowohl beim Publikum als auch bei der Kritik. Ryan Gosling ist spätestens mit diesem Film in die Riege der Hollywood-Megastars aufgestiegen.

 

Bis 29.6. in der arte-Mediathek
Das Mädchen Wadjda
von Haifaa Al-Mansour, Saudi-Arabien/Deutschland 2012

Gäbe es Corona nicht, hätten wir Ihnen im März „Die Kandidatin“ zeigen können, den bereits in den Medien mit großem positiven Echo angekündigten neuen Film der saudiarabischen Regisseurin, der leider nach wenigen Tagen zum Opfer des Virus wurde. Ihr mit mehreren internationalen Preisen ausgezeichneter Erstlingsfilm erzählt von einem 11jährigen Mädchen, das gerne ein Fahrrad besitzen und fahren möchte – und natürlich viel über die traditionellen Gesellschaftsverhältnisse und Geschlechterbeziehungen in diesem (uns mittelalterlich anmutenden) Staat. Was auf den ersten Blick ein Kinderfilm zu sein scheint, ist tatsächlich ein wichtiges Plädoyer für die Rechte von Kindern und Frauen.

 

Mittwoch 1.4.2020 SWR 22:00 Uhr
Tatort – Stau
von Dietrich Brüggemann Deutschland 2017

Warum empfehlen wir einen reinen TV-Film und noch dazu einen „Tatort“? Weil er von Dietrich Brüggemann ist, einem der begabten Regisseure, die wir in unserer CasaAkademie-Reihe „Junges deutsches Kino der Gegenwart“ portraitiert haben. Und weil Brüggemann sowohl mit seinem Bären-Gewinner „Kreuzweg“ als auch mit seiner Neonazi-Satire „Heil“ vor einigen Jahren bei uns im Kino zu Besuch war. Und weil er den deutschen Fernsehkrimipreis 2018 bekommen hat – und weil er einfach gut ist. „Stau“ ist kein üblicher wir-suchen-den-Mörder-Tatort, sondern ein berührendes menschliches Drama.

Brüggemanns neuer (und großartiger) Film „Nö“ soll im Herbst ins Kino kommen – er wird im Casablanca zu sehen sein und hoffentlich ist der Regisseur auch wieder persönlich zu Gast!

 

Freitag, 3.4.2020 RBB 0:20 Uhr
Tiger Girl
von Jakob Lass, Deutschland 2017

Auch Jakob Lass gehört zu den Regie-Hoffnungen des innovativen neuen deutschen Films und auch er war schon mal im Casa (mit seinem jüngsten Film „So was von da“) zu Gast. Mit seinem weitgehend improvisiert und mit wenig Geld gedrehten Erstling „Love Steaks“ hatte er 2013 einem sensationellen Arthouse- und Kritiker-Erfolg und gilt seither als wegweisend für das deutsche Impro-Kino. Sein zweiter Film erzählt von der Beziehung zweier junger Frauen und deren Umgang mit Gewalt. Er ist voller Energie und in seiner Darstellung weiblicher Gewalt nicht unumstritten, aber auf jeden Fall diskussionswürdig.

 

Die Kultfilme der Woche
(über die man keine Worte zu verlieren braucht)

Bis 5.4. in der arte-Mediathek
Down by law
von Jim Jarmusch, USA 1986

 

Mittwoch, 1.4.2020 Nitro 20:15 Uhr
Spiel mir das Lied vom Tod
von Sergio Leone Italien/USA 1968