Styx

Filmtipp von Rainer (Casa-Programmgruppe)

„Styx“ ist noch einmal am 9. Dezember in der CasaMatinée zu sehen – in Anwesenheit des Regisseurs Wolfgang Fischer, der für den Film den Deutschen Menschenrechts-Filmpreis erhält!

Das seit mehreren Jahren kontrovers diskutierte Problem der Asylgewährung in einem spannenden und berührenden Spielfilm verarbeiten – das geht nicht, oder? Während man im deutschen Kino sich hierzu politisch offenbar nicht  zu positionieren wagt, hat der österreichische Regisseur Wolfgang Fischer bei diesem Thema keine Berührungsängste. Und er lässt seine Geschichte erst einmal mit Mitteln des perfekt inszenierten Spannungskinos beginnen, bevor sich seinem eigentlichen Thema zuwendet: Eine nach Erholung strebende Ärztin gerät während ihres alleine organisierten Segeltörns im südlichen Spanien in einem schweren Sturm.

Völlig erschöpft und mit heilem Boot überlebt sie. Im Gegensatz zu einem sich in ihrer unmittelbaren Nähe befindlichen und mit einer Unmenge von Asylsuchenden hoffnungslos überfüllten Seelenverkäufer, der bald auseinander brechen wird. Was ist zu tun? Reicht das Warten auf ein Schiff des angefunkten Seenotrettungsdienstes aus oder ist hier ihre individuelle Hilfe gefragt, von der ihr dringend abgeraten wird? Bringt sie sich damit nicht selbst in Gefahr oder entzieht sie sich ihrer Verantwortung als Mitmensch, wenn sie nicht zumindest einzelne Personen zu retten versucht?

Der Zuschauer wird mit der Protagonistin in einem Zwiespalt von widersprechenden Gefühlen und Gedanken geworfen und muss sich fragen, inwieweit die Vorgaben der zu Hilfe gerufenen Institutionen tatsächlich für die Betroffenen hilfreich sind. So wie sich jeder individuell fragen muss, wie er selbst zur weiteren Aufnahme zu Flüchtlingen steht und ob  dabei die offiziellen Verlautbarungen der Politik für ihn wegweisend sind. Auf diese Weise ein drängendes Problem unserer Zeit  auf die Frage der individuellen Verantwortung herunter zu brechen und das Ganze in eine spannende Handlung zu packen, das ist große Kino-Kunst. Schade, dass dieser Film bei der letzten Berlinale nicht im Wettbewerb gelaufen ist. Er hat unsere Aufmerksamkeit voll verdient.

Der Film ist aktuell in unserem Programm!

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