Filmtipp-Archiv

TV- und Mediatheken-Tipps vom 21. bis 27. Januar 2021

Zusammengestellt von Rainer Mesch (Casa-Akademie) und mit Zitaten aus den Kurzkritiken von filmdienst.de!


Contagion

von Steven Soderbergh, USA/Vereinigte Arabische Emirate 2011
Sonntag, 24. Januar 2021, 23:15 Uhr, Sat 1

Unbedingt ansehen ! Dieser 10 Jahre alte Film nimmt unsere Pandemie in derart detaillierter Vorausschauung vorweg, dass man sich sehnlichst ein anderes Filmende wünscht….

„Eine Virus-Epidemie breitet sich mit rasender Geschwindigkeit über den Globus aus. Der Film beschreibt den Verlauf der Seuche, deren gesellschaftlichen und menschlichen Folgen sowie die Bemühungen von Wissenschaftlern, das Virus unter Kontrolle zu bringen. Attraktiv mit einem Star-Ensemble besetzt, dabei aber kühl und distanziert erzählt, setzt der Thriller nicht auf die Mechanismen eines Katastrophenspektakels oder auf drastischen Körperhorror, sondern schockiert durch die Glaubwürdigkeit und wissenschaftliche Akkuratesse des geschilderten Szenarios.“


Sicario

von Denis Villeneuve, USA 2015
Montag, 25. Januar 2021, 22:15 Uhr, ZDF

Nervenzehrender Spitzenthriller des vielseitigen kanadischen Regisseurs Denis Villeneuve.

„Eine junge FBI-Agentin schließt sich einer undurchsichtigen Task-Force an, die für die US-Regierung als Teil des sogenannten Drogenkriegs verdeckte Operationen in Mexiko durchführt. Sie will die Drahtzieher des Sonora-Kartells dingfest machen, doch gleich ihr erster Einsatz in der Grenzstadt Juárez mündet in einer mörderischen Schießerei. Angesichts des ethisch wie juristisch mehr als fragwürdigen Umfelds gerät sie in immer größere Verwirrung. Komplexes, visuell großartiges Thriller-Drama, das sich bravourös der Erkundung moralischer Grauzonen in der Verbrechensbekämpfung stellt.“


The Euphoria of Being

von Réka Szabó, Ungarn 2019
Montag, 25. Januar 2021, 22:25 Uhr, 3Sat

Ein vielgelobter Höhepunkt des diesjährigen DokFilmFestes München.

„Doku über die Entstehung einer Tanzperformance, in der die 90-jährige Tänzerin Éva Fahidi im getanzten Dialog mit einer Modern-Dance-Tänzerin über ihr Leben erzählt, das zutiefst davon geprägt ist, dass sie als einzige ihrer Familie das KZ Auschwitz überlebte. In der einzustudierenden Performance soll sich all das spiegeln: Erinnerung und Schmerz, das Trauma und der Versuch einer tänzerischen Trauma-Bearbeitung. Ein schwieriger, schmerzhafter Prozess, der aber auch wunderbare Momente bereithält, in denen Fahidi ihre Euphorie da zu sein aufstrahlen lässt.“


Die Lügen der Sieger

von Christoph Hochhäusler, Deutschland/Frankreich 2014
Montag, 25. Januar 2021, 20:15 Uhr, One – bis 25.4. in der ARD-Mediathek

Ein deutscher Politthriller – inszeniert von einem Regisseur der „Berliner Schule“.

„Der Star-Reporter eines politischen Nachrichtenmagazins, der bei Recherchen über Unregelmäßigkeiten bei der Bundeswehr feststeckt, kommt gemeinsam mit einer Praktikantin einem Giftmüll-Skandal auf die Spur. Ambitionierter investigativer Paranoia-Thriller, der die vertrauten Erzählmuster des Genres durch die Dramaturgie einer „musikalischen Montage“ bis an ihre Grenzen führt. Damit artikuliert der Film das Unbehagen an einer perfiden Verschränkung von Politik, Medien und Öffentlichkeit im digitalen Zeitalter, was zu einer nachhaltigen Verunsicherung führt.“


Styx

von Wolfgang Fischer, Deutschland/Österreich 2018
Mittwoch, 27. Januar 2021, 20:15 Uhr, Arte – bis 5.2. in der Arte-Mediathek

Bei unserer CasaAkademie-Veranstaltung „Rückblick deutscher Film 2018“ als überzeugendster Film jenes Jahres ausführlich gewürdigt.

„Auf einem Segeltörn von Gibraltar Richtung Südatlantik trifft eine deutsche Ärztin mit ihrer Yacht auf ein havariertes Flüchtlingsschiff. Die alarmierte Seenothilfe fühlt sich jedoch so wenig verantwortlich wie ein Containerschiff. Das sich in der Folge abspielende menschliche Drama entspinnt sich als Thriller, der vor dem Hintergrund des offenen Meeres auf den europäischen Diskurs um die Seenotrettung afrikanischer Flüchtlinge zielt.“


Whale Rider

von Niki Caro, Neuseeland/Deutschland 2015
Mittwoch, 27. Januar 2021, 21:50 Uhr, Arte – bis 25.2. in der Arte-Mediathek

Einfach ein wunderschöner Film…

„Der traditionsbewusste Führer eines Maori-Stammes auf Neuseeland kann nicht akzeptieren, dass ihm seine Tochter nur eine Enkelin statt eines Nachfolgers schenkte. Das inzwischen zwölfjährige Mädchen versucht alles, ihn von seiner Haltung abzubringen. Als Wale, die heiligen Tiere der Maori, an den Strand gespült werden, sieht der Stamm großes Unheil kommen, das Mädchen aber seine Chance. Eine betörend schöne, in traumhaften Bildern eingefangene Geschichte, die sowohl die Lebendigkeit von Traditionen und Legenden als auch die zunehmend prägende aktuelle Lebenswirklichkeit sowie die emanzipatorischen Bestrebungen der nachwachsenden Maori- Generationen überzeugend darstellt.“

TV- und Mediatheken-Tipps vom 14. bis 20. Januar 2021

Zusammengestellt von Rainer Mesch (Casa-Akademie) und mit Zitaten aus den Kurzkritiken von filmdienst.de!


Thelma

von Joachim Trier, Norwegen/Frankreich/Dänemark/Schweden 2017
Donnerstag, 14. Januar 2021, 23:30 Uhr, WDR

Ein romantischer Fantasy-Thriller mit Horrorelementen des in Insiderkreisen hochgehandelten norwegischen Regisseurs Joachim Trier.

„Eine junge, schüchterne Frau nimmt in Oslo ein Biologiestudium auf, wo sie von ihren streng religiösen, ihr aber sehr zugewandten Eltern ständig angerufen wird. Als sie sich der elterlichen Kontrolle entzieht, studentische Freiheiten genießt und in eine Kommilitonin verliebt, erleidet sie einen epileptischen Anfall, dessen Ursachen sich medizinisch nicht aufklären lassen. Das durchgängig aus der Perspektive der überforderten Protagonistin erzählte Drama spielt mit filmgeschichtlichen Anleihen und Elementen aus dem Horrorgenre, handelt mit großer Ernsthaftigkeit aber auch von Einsamkeit und unbestimmten Ängsten.“


Arrival

von Denis Villeneuve, USA 2016
Samstag, 16. Januar 2021, 20:15 Uhr, Vox

Oscar-nominierter science-fiction des vielseitigen kanadischen Regisseurs Denis Villeneuve.

„Nach der Landung von zwölf ellipsenförmigen Alien-Raumschiffen an unterschiedlichen Orten der Erde scheitern erste Versuche, die Signale der fremden Wesen zu entschlüsseln. Die US-Regierung schickt ein Team um eine Sprachwissenschaftlerin und einen Physiker nach Montana, um Kontakt zu den Außerirdischen herzustellen und deren Absichten in Erfahrung zu bringen. Der mit großer Behutsamkeit inszenierte Science-Fiction-Film konzentriert sich ganz auf die Figurenpsychologie und erkundet stilistisch elegant erkenntnistheoretische Fragen. Inszeniert nah an der Figur der Linguistin, lösen sich Handlung und Psychologie zuweilen in der Entschleunigung auf, und doch bleibt stets genügend Raum, um das zentrale Geheimnis um Sprache, Zeit und Weltwahrnehmung zu wahren.“


Lost Highway

von David Lynch, Frankreich/USA 1996
Samstag, 16. Januar 2021, 22:10 Uhr, 3Sat

Man muss nicht alle David-Lynch-Filme verstehen, urteilte Siegfried König in einem Regie-Portrait in der CasaAkademie, aber man sollte sie gesehen haben…

„Ein von Eifersucht zerfressener Jazzsaxophonist soll seine Frau grausam ermordet haben. Er wird verurteilt und ins Gefängnis gesteckt, wo ihn unerträgliche Kopfschmerzen plagen. Eines Morgens sitzt an seiner Stelle ein junger Mechaniker in der Zelle. Auf freien Fuß gesetzt, beginnt dieser eine Affäre mit der Geliebten eines Kunden, die der Frau des Musikers aufs Haar gleicht. Verstörende, äußerst komplexe Reise ins Unheimliche, die mit den Mitteln der Verrätselung und des Horrorfilms den Zuschauer in Bann schlägt. Ein filmisches Meisterwerk, das über viele Fragen der Gegenwart zur Auseinandersetzung zwingt.“


Victoria

von Sebastian Schipper, Deutschland 2015
Montag, 18. Januar 2021, 20:15 Uhr, One – bis 25.1. in der ARD-Mediathek

Famos in einer einzigen Einstellung gedreht, gab es für diesen Film mehrere deutsche Filmpreise (für Regie, die beiden Hauptdarsteller, beste Kamera und Filmmusik) sowie einen Berliner Bären für den norwegischen Kameramann Sturla Brandth Grøvlen.

„Eine junge Spanierin lernt in einem Berliner Club vier proletarische Kleingangster kennen, die in dieser Nacht eine Schuld begleichen wollen. Als einer von ihnen ausfällt, springt sie für ihn ein. Ein radikales auratisches Drama auf Augenhöhe mit Jean-Luc Godards „Außer Atem“, in dem sich die innerlich zerrissene Protagonistin neu entdeckt. Dabei lebt der in einer einzigen Einstellung gedrehte Film von seiner enormen Konzentration sowie von der Intensität der Darsteller. Der Taumel des Geschehens, in dem jederzeit alles möglich ist, überträgt sich auf den Zuschauer, der mit den Protagonisten planlos und doch zugleich hellwach durch die Nacht driftet.“


Soy Nero

von Rafi Pitts, Deutschland/Frankreich/Mexiko/USA 2016
Dienstag, 19. Januar 2021, 0:10 Uhr (d.h. Mittwoch), Arte – bis 25.1. in der Arte-Mediathek

Rafi Pitts zählt zu den renommiertesten Vertretern des aktuellen iranischen Kinos, seine Filme wurden mit einer Vielzahl an internationalen Festivalpreisen bedacht.

„Einem mexikanischen Jugendlichen gelingt nach etlichen gescheiterten Versuchen die Flucht in die USA. In Los Angeles hofft er auf die Hilfe seines Bruders, der in einer protzigen Villa wohnt, doch sein Traum von besseren Leben zerplatzt. Um eine Greencard zu erhalten, meldet er sich für zwei Jahre zum Militärdienst und findet sich unversehens im Afghanistan-Krieg wieder. Die episodenhafte Mischung aus Drama, Satire und Kriegsfilm rückt das Glücksbegehren eines Migranten ins Zentrum. Die thematische und stilistische Unterschiedlichkeit der drei Episoden macht den besonderen Reiz des ebenso humorvollen wie brisanten Films aus.“


Children of Men

von Alfonso Cuaron, USA/Großbritannien 2016
Mittwoch, 20. Januar 2021, 23:15 Uhr, ZDF neo

Dystopischer Science-Fiction-Thriller des mexikanischen Regisseurs und späteren Oscar-Preisträgers Alfonso Cuaron („Gravitiy“, „Roma“).

„In nicht allzu ferner Zukunft ist die Menschheit unfruchtbar geworden. Ein Angestellter wird von seiner Ex-Frau in die Aktionen einer Untergrundorganisation verwickelt und soll die letzte schwangere Frau, eine farbige Immigrantin, sowohl vor Terroristen als auch vor Polizei und Militär schützen. Das eindrucksvolle pessimistische Zukunftsgemälde entwirft mit vielschichtigen Figuren eine düstere Version der Weihnachtsgeschichte und verbindet sie mit den Eigenschaften eines packenden, geradlinig erzählten Genrethrillers.“

TV- und Mediatheken-Tipps vom 7. bis 13. Januar 2021

Zusammengestellt von Rainer Mesch (Casa-Akademie) und mit Zitaten aus den Kurzkritiken von filmdienst.de!


The Killing of a Sacred Deer

von Giorgos Lanthimos, Irland/Großbritannien 2017
Donnerstag, 7. Januar 2021, 23:45 Uhr, RBB

Starbesetztes Drama (Colin Farrell, Nicole Kidman und Jungstar Barry Koeghan) vom Meister des abgründigen Humors und Wegbereiter des neuen griechischen Kinos.

„Der perfekte Familienentwurf eines erfolgreichen Herzchirurgen gerät aus dem Gleichgewicht, als sich ein 16-jähriger Junge als Relikt der Vergangenheit in sein Leben drängt. Als er sich zu entziehen versucht, ereignen sich übernatürliche Heimsuchungen, und der Teenager stellt dem Arzt ein perfides Ultimatum. Eine unheimliche, zutiefst verstörende und bizarre Allegorie voller Anspielungen auf die griechische Mythen- und die Filmgeschichte. Die mit viel Stilwillen umgesetzte Thriller-Variation reflektiert zudem die moralische Rolle des Familienoberhaupts in einer Situation der Machtlosigkeit.“


Das Geheimnis Georges Méliès

Samstag, 9. Januar 2021, 23:50 Uhr, Arte – bis 9.3. in der Arte-Mediathek

Eine französische Doku über Georg Méliès, der als Regisseur, Schauspieler und Filmpionier als Erfinder des narrativen Films gilt. Im Laufe seines Lebens dreht Méliès 520 Filme, die alle als zerstört galten, nachdem Méliès sie 1923 verbrannt hatte. Ein Fund in der Library of Congress hat fast 80 Negativfilme des Filmpioniers ans Licht gebracht. Mehr über Georges Méliès und seine Filme erfahren Sie demnächst in einer CasaAkademie-Veranstaltung zum Thema „Frühe Filme“.


Als wir träumten

von Andreas Dresen, Deutschland/Frankreich 2015
Montag, 11. Januar 2021, 20:15 Uhr, One – bis 18.1. in der ARD-Mediathek

Wir träumen seit „Gundermann“ von einem neuen Andreas-Dresen-Film, hier sein vorletzter.

„Eine Clique um drei Leipziger Jugendliche lebt in der unmittelbaren Nachwendezeit ziellos in den Tag. Zwischen Bolzen, Saufen und Prügeleien mit Neo-Nazis kristallisiert sich die Idee eines Technoclubs heraus, der für eine Weile zum Kompass wird, aber auch zur Radikalisierung und zum Absturz in Drogen, zu Eifersucht und Verrat beiträgt. Verfilmung des Romans von Clemens Meyer als intensives Jugenddrama, das mit schmutzig-braunen Bildern und hitzigem Erzähltempo ein soziales Vakuum skizziert.“


Gleißendes Glück

von Sven Taddicken, Deutschland 2016
Mittwoch, 13. Januar 2021, 23:10 Uhr, 3Sat

Deutsches Schauspielkino vom Feinsten mit Martina Gedeck und Ulrich Tukur.

„Einer sanftmütigen Hausfrau entgleitet angesichts der gewalttätigen Ader ihres Ehemanns ihr Gottvertrauen. Unter Schlafstörungen leidend, stößt sie auf die Ratgeber eines Selbsthilfe-Professors, den sie auf einem Kongress zu einem persönlichen Gespräch überredet und mit dem sie den Abend verbringt. Als der zunächst freundliche Mann offenbart, dass er an extremen Sexualfantasien leidet, reagiert sie verstört, fühlt sich dann aber berufen, ihn von seinen Obsessionen zu befreien. Von langen, ausgezeichneten Dialogszenen lebende Romanverfilmung über eine gefährliche Liebschaft, die ihre Protagonisten durchweg mit Sympathie zeichnet. Die ruhige Inszenierung vermeidet dramatische Beschleunigungen und konzentriert sich ganz auf die glänzenden Hauptdarsteller.“


Dunkirk

von Christopher Nolan, USA/Frankreich/Großbritannien/Niederlande/Deutschland 2017
Mittwoch, 13. Januar, 0:15 Uhr (d.h. Donnerstag), ZDF

Herausragender Kriegsfilm des britisch-US-amerikanischen Ausnahme-Regisseurs, der ebenfalls im Mittelpunkt einer unserer nächsten CasaAkademie-Veranstaltungen steht.

„Von historischen Begebenheiten inspiriertes Kriegsdrama, das auf drei miteinander verschränkten Zeitebenen von der Rettung britischer Soldaten aus der von der Wehrmacht eingekesselten nordfranzösischen Hafenstadt Dünkirchen im Mai 1940 erzählt. Zu Lande, zu Wasser und in der Luft entsteht eindrucksvoll eine Chronologie der Evakuierung, bei der die autarken Erzählstränge immer wieder virtuos gegenübergestellt und zu atemberaubenden Spannungsbögen verbunden werden. Eine höchst kunstvolle Reflexion filmischer Erzählmuster, bei der in den vermeintlich nebengeordneten Seitensträngen auch singuläre menschliche Großtaten im Schatten mörderischer Kriegsstrategien angesprochen werden.“


Der Gott des Gemetzels

von Roman Polanski, Frankreich/Deutschland/Polen/Spanien 2011
Mittwoch, 13. Januar 2021, 0:40 Uhr (d.h. Donnerstag), MDR

In Nürnberg und bundesweit war das zugrundeliegende Theaterstück von Yasmina Reza vor einigen Jahren der große Renner. Polanski adaptiert es stilvoll und starbesetzt mit Jodie Foster, J.C. Reilly, Kate Winslet und Christoph Waltz.

„Die Rauferei zweier Elfjähriger, bei der einer zwei Zähne verliert, führt zwei New Yorker Elternpaare zusammen. Nach einem klärenden Gespräch scheint die Sache erledigt, doch als die Mutter des geschädigten Jungen eine Entschuldigung verlangt, läuft die Sache aus dem Ruder. Man redet sich in Rage und beruhigt sich wieder, doch reichlich genossener Whisky befeuert die Situation erneut. Äußerst klug inszeniertes, mit der Kamera kongenial die sich verschiebende und allmählich eskalierende Gruppendynamik einfangendes Kammerspiel über die Dünnhäutigkeit guter Umgangsformen und kultivierten Verhaltens angesichts einer Stresssituation, die die Wertvorstellung der Protagonisten herausfordert. Von wunderbaren Darstellern getragen, entfaltet sich eine komisch-entlarvende Ehe- und Gesellschaftsfarce.“


Wild

von Nicolette Krebitz, Deutschland 2016
Mittwoch, 13. Januar 2021, 1:40 Uhr (d.h. Donnerstag), Arte – bis 11.2. in der Arte-Mediathek

Mutiges junges deutsches Kino – ein Höhepunkt unserer CasaAkademie-Veranstaltung „Frauen auf dem Regiestuhl“.

„Als eine apathisch vor sich hinlebende junge Frau in einem Park in Halle-Neustadt einem Wolf begegnet, verändert sich ihre Existenz radikal. Sie verliebt sich, fängt das Tier ein und nimmt es mit in ihre Wohnung. Bald bröckeln die Grenzen zwischen Jägerin und Beute, Mensch und Tier. Überzeugend erzählt der Film von der Tierwerdung als Befreiung aus zivilisatorischen Zwängen, wobei die Verwilderung nicht als Kontrollverlust, sondern als Emanzipationsgewinn ausbuchstabiert wird. Dabei verlässt der utopische Entwurf nie den Boden der Realität, skizziert vielmehr ein ebenso offenes wie anspielungsreiches Szenario, das in der beeindruckend furchtlosen Hauptdarstellerin (Lilith Stangenberg) und der kongenialen Kameraarbeit (Reinhold Vorschneider) seine Basis findet.“

TV- und Mediatheken-Tipps vom 31. Dezember 2020 bis 6. Januar 2021

Zusammengestellt von Rainer Mesch (Casa-Akademie) und mit Zitaten aus den Kurzkritiken von filmdienst.de!


Wir sind die Neuen

von Ralf Westhoff, Deutschland 2014
Freitag, 1. Januar 2021, 18:30 Uhr, ARD

Ein Glücksfall für den deutschen Film: eine Unterhaltungskomödie mit ernsten Untertönen, die bei Publikum und Kritik sehr viel Zuspruch fand.

„Eine Frau und zwei Männer, alle um die 60, ziehen 35 Jahre nach ihrer Zeit in einer Wohngemeinschaft erneut zusammen. Ihre kleine Zweckgemeinschaft kollidiert mit drei Studenten in der Wohnung über ihnen, die vom ständigen Leistungsdruck gestresst sind und zunächst aggressiv und ablehnend reagieren, dann aber ihre Schwächen und Empfindlichkeiten zu erkennen geben. Vorzüglich gespielte Komödie mit brillanten Dialogen, die auf dem schmalen Grat von subtiler Charakterbeschreibung und unterhaltsamem Genrefilm liebevoll von den Chancen und Grenzen eines Generationen übergreifenden Miteinanders erzählt.“


Die Insel der besonderen Kinder

von Tim Burton, USA/Großbritannien 2016
Samstag, 2. Januar 2021, 20:15 Uhr, Sat 1

Tim Burtons bizarre Bilderwelt in der Verfilmung eines Fantasy-Romans von Ransom Riggs.

„Ein US-amerikanischer Teenager erfährt unter tragischen Umständen, dass die Erzählungen seines Großvaters über besondere Kinder und Monster real sind. Bei einer Reise nach Wales lernt er die Menschen aus den Geschichten kennen und spielt selbst eine Schlüsselrolle im Kampf gegen deren Feinde. Das bildgewaltige Fantasy-Abenteuer bleibt als Außenseiter-Mär zwar an der Oberfläche, entfaltet durch seine fantasievollen Figuren und seine Ausstattung atmosphärisch jedoch einen liebenswert-grotesken Kosmos.“


Die Taschendiebin

von Park Chan-wook, Südkorea 2016
Samstag, 2. Januar 2021, 23:30 Uhr, 3Sat

Park Chan-wook gehört zu den führenden Regisseuren des in den letzten Jahren international beachteten südkoreanischen Films.

„Während der japanischen Besatzung Koreas in den 1930er-Jahren soll eine zur Taschendiebin ausgebildete junge Frau einer reichen, unverheirateten Erbin in einem abgelegenen Anwesen zu Diensten sein. Die junge Frau ist Teil eines raffinierten Eheschwindelplans, verliebt sich dann aber in die Erbin, was nur eine von mehreren überraschenden Wendungen ist. Die in drei Kapiteln virtuos entfaltete Liebesgeschichte ist mit einem romantischen Kriminalthriller verknüpft und entfaltet als kunstvolles Vexierspiel eine illustre Dynamik voller Perspektivwechsel und optischer Täuschungen. Ein kluger, facettenreicher Film voller Eleganz und Tempo, geprägt von intensiver Musik und großer Inszenierungskunst.“


Capote

von Bennett Miller, USA 2005
Sonntag, 3. Januar 2021, 23:05 Uhr, Tele 5

Brillanter Debutfilm eines US-Independent-Regisseurs, mit Philip Seymour Hoffman grandios besetzt und Oscar-prämiert.

„Leben und Karriere des US-amerikanischen Erfolgsautors Truman Capote, fokussiert auf die sechsjährige Arbeit an seinem dokumentarischen Roman „Kaltblütig“. Die in der Titelrolle brillant gespielte Filmbiografie beleuchtet auch die Schattenseiten ihrer Hauptperson, ohne sich von ihr abzuwenden. Dabei porträtiert die elegante Inszenierung mit Hang zur Melodramatik ihre Hauptperson als gesellschaftlichen Außenseiter, der das scheinbare Stigma der Auserwähltheit durch sein affektiertes Auftreten zu überdecken versucht.“


Shame

von Steve McQueen, Großbritannien 2011
Mittwoch, 6. Januar 2021, 22:05 Uhr, 3Sat – bis 13.1. in der 3Sat-Mediathek

Aufsehen erregender zweiter Film des späteren Oscar-Preisträgers (für „12 Years A Slave“) mit einer herausragenden Schauspielleistung von Michael Fassbender.

„Ein sexsüchtiger New Yorker Yuppie bekommt Besuch von seiner labilen jüngeren Schwester, die sich bei ihm einquartiert. Der Kontakt mit ihr ruft verdrängte Erinnerungen aus der gemeinsamen Kindheit wach, gefährdet aber die ganz auf die Sucht ausgerichtete Existenz des Mannes, die menschliche Bindungen ausschließt, und wird für ihn zur Zerreißprobe. Ein beklemmendes, vielschichtiges Drama, das dank des hervorragenden Hauptdarstellers und der vorzüglichen Inszenierung voller poetischer wie auch verstörender Bilder in den von unterdrücktem Schmerz geprägten Kosmos der Hauptfigur hineinführt. Dabei geht es auch um die Kritik eines westlichen Lebensstils, mehr aber um das Ergründen existenzieller Zustände.“


Endzeit

von Carolina Hellsgard, Deutschland 2018
Mittwoch, 6. Januar 2021, 23:15 Uhr, Arte – bis 4.2. in der Arte-Mediathek

Horror-Filme muss man mögen, aber diese deutsche Produktion wird dem Genre auf ungewohnte Weise gerecht.

„Nach einer Zombie-Apokalypse ist die Menschheit mit Ausnahme der thüringischen Geisteszentren Weimar und Jena ausgerottet. Als zwei junge Frauen in einem Versorgungszug auf dem gefährlichen Weg zwischen den Städten liegen bleiben, müssen sie sich zu Fuß weiter durchschlagen. Dabei stoßen sie in der vermeintlichen Todeszone auf ein überraschendes Anzeichen von Leben. Die Adaption einer Graphic Novel von Olivia Vieweg liefert eine ungewöhnliche deutsche Variation dystopischer Genrefilme in grandiosen Bildern, die der üblichen Effekthascherei der Zombieangriffe feminine und philosophische Ideen entgegenstellt.“

Online-Tipp: Bad Seed Teevee

Ein besonderer Online-Tipp für alle, die mal keine Filme oder Serien sehen wollen:

Der Musiker Nick Cave betreibt seit einigen Wochen einen 24-Stunden-Stream, „Bad Seed Teevee“, mit Konzertmitschnitten und Interviews aus dem Universum seines Schaffens.

Ein großartiges Angebot von einem herausragenden Künstler. Übrigens war im Casa war vor einigen Jahren der 3D-Film „One More Time With Feeling“ zu sehen.

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Dokumentarfilme in der Mediathek der Bundeszentrale für Politische Bildung

Ein kleiner Geheimtipp für alle, die gern großartige Dokumentarfilme sehen – kostenlos und werbefrei:

Die Bundeszentrale für Politische Bildung hat aktuell eine ganze Reihe von Dokus online gestellt, die wir in den letzten Jahren im Casa gezeigt haben. Hier eine Auswahl – in der Mediathek sind noch weitere Filme zu finden!

Plastic Planet
von Werner Boote
Ein Klassiker aus dem Bereich Nachhaltigkeit – leider noch nicht überholt.

The Cleaners
von Hans Block und Moritz Riesewieck
Einer der bedrückendsten Dokumentarfilme, die wir in den letzten Jahren im Programm hatten. Wie geht es den Leuten, die für Facebook & Co Online-Kommentare und Inhalte sichten müssen und gewaltverherrlichende, brutale oder politisch extreme Inhalte löschen?
Viele von ihnen sitzen in den Philippinen. Dieser herausragende Film (dessen Autor wir damals zu Gast hatten) blickt hinter die Kulissen.

I am Not Your Negro
von Raoul Peck
Aus unserer Reihe „Black Lives in America“: Das oscar-nominierte Porträt des amerikanischen Schriftstellers James Baldwin ist gleichzeitig eine Geschichte der Bürgerrechtsbewegung bis in die Jetztzeit.

Im Strahl der Sonne
von Vitaly Mansky
Ein Einblick in eine fremde Welt: Der Filmemacher Vitaly Mansky durfte in Nordkorea drehen, immer streng bewacht von Mitarbeitern des Staates. Er hält sich genau an die Vorgaben des Regimes – und macht die Inszenierung dennoch nicht mit. In Drehpausen läuft seine Kamera weiter und lässt Blicke hinter die sorgsam inszenierte Realität zu.

Waldheims Walzer
von Ruth Beckermann
Ein Film, der leider nicht im Casa lief – auch wenn wir ihn gern im Programm gehabt hätten. Ein Dokumentarfilm, der einem als Nachgeborenem den Mund offen stehen lässt: Ist das, was der ehemalige UN-Generalsekretär Kurt Waldheim im Umgang mit seinem Nazi-Lebenslauf geleistet hat, wirklich so passiert?

Mediatheken-Tipp: Drinnen

Hier noch ein Spezial-Tipp für ein Format, das nichts mit Kino zu tun hat – aber dennoch viel mit dem, was wir im Casa machen, ein kleines, günstig hergestelltes, wahnsinnig schnell produziertes Format bei ZDF neu: Die Mini-Serie „Drinnen“.

Lavinia Wilson spielt Charlotte, die in einer Werbeagentur arbeitet und ihre Tage wie viele von uns gerade zu Hause vor dem Rechner verbringt, in Videokonferenzen, Chats und Telefonaten mit ihrer Agentur, ihren Eltern, ihrem Noch-Mann und ihrer durchgeknallten Schwester. Was diese Serie so toll macht: Man sieht ihr an, dass sie nicht teuer war – aber das macht überhaupt nichts. Sie ist immer auf den Punkt, wirklich witzig, und sie soll bitte für alle Zeiten als Vorbild dafür dienen, wie man digitales Geschehen, wie man das, was sich auf einem Monitor abspielt, passend und nicht-peinlich in eine Spielhandlung einbaut. Hier gibts Skype-Fenster, die aussehen wie Skype-Fenster, hier gibts keine peinlichen nachgebauten Dialoge mit Monster-Schrift, hier hat man das Gefühl, dass jemand einfach weiß, wie digitale Kommunikation funktioniert.

15 kurze Folgen mit je 10 Minuten – wunderbare Quickies für zwischendurch!

Mitschnitte aus dem Jazz Studio online

Auch das Jazz Studio Nürnberg ist aktuell geschlossen – bis auf Weiteres finden keine Konzerte im Keller unterhalb der Burg statt.

Wir hoffen, im Herbst unsere gemeinsame Jazz-Filmreihe Blue Note Cinema fortsetzen zu können – bis dahin gibts auf der Webseite des Jazz Studio zur Überbrückung der Wartezeit Sendungen von Radio JazzTime Nürnberg und Mitschnitte von Konzerten zum Nachhören. Viel Spaß damit!

Mediatheken-Tipps für Kids

Auch für Kids gibts viele Angebote in den Mediatheken – aktuell als Stream kostenlos verfügbar!

Wer gleichzeitig seinem Lieblings-Kino etwas Gute tun will, kann natürlich gern eines unserer virtuellen Spenden-Tickets kaufen – das ist kein Muss, hilft uns in der aktuellen Situation aber sehr!

 

Ernest & Celestine – In der ZDF-Mediathek

Der brummige Bär Ernest und die süße Maus Celestine leben in einem wunderschönen alten Haus mit Garten. Die beiden sind unzertrennliche Freunde.
Ein wunderschöner, handgemachter Animationsfilm aus Frankreich

 

Tschick – In der ARD-Mediathek

Natürlich kein reiner Jugendfilm – aber seit Jahren immer wieder im Casablanca für Schulklassen im Programm.
Achtung: Nur noch bis 17.4. verfügbar!

 

Astrid Lindgren-Filme – In der ZDF-Mediathek

Aktuell sind beim ZDF auch zahlreiche Filme nach Astrid Lindgren verfügbar:

Pippi im Taka-Tuka-Land
Pippi außer Rand und Band
Pippi Langstrumpf
Pippi geht von Bord
Pippi und die Seeräuber (1)
Pippi und die Seeräuber (2)
Pippi und die Seeräuber (3)
Pippi und die Seeräuber (4)
Pippis Abschiedsfest
Pippi geht an Bord der Hoppetosse
Pippi und die Flaschenpost

 

Die Maus

Vermutlich allseits bekannt – aber aktuell sendet die Maus täglich …