Roma – jetzt doch im Casa

Über keinen Film wurde in den letzten Wochen so viel diskutiert wie über „Roma“ von Alfonso Cuarón.

Der Film gewann den Goldenen Löwen in Venedig und danach viele weitere Preise. Er wird als Meisterwerk des Regisseurs beschrieben, der vorher schon mit herausragenden Filmen wie Children of Men, Pans Labyrinth oder Gravity auffiel.

SzenenfotoAber: Schon vor dem Löwen-Gewinn war klar, dass ein Streaming-Dienst die Rechte an Roma erworben hat und der Film nicht regulär ins Kino kommen würde. „Regulär ins Kino bringen“, das bedeutet unter anderem, dass die traditionelle Verwertungskette eingehalten wird, mit einem Auswertungsfenster, in dem die Kinos den Film exklusiv zeigen dürfen – ein Geschäftsmodell, das zunehmend unter Druck steht.

Lange sah es so aus, als würde Roma in Deutschland gar nicht im Kino zu sehen sein – und dann kam die Möglichkeit auf, den Film nur eine Woche vor dem Streaming-Start im Kino zeigen zu können. Würde das Schule machen, wäre das Kino, wie wir es kennen, irgendwann in seiner Existenz bedroht. Die AG Kino/Gilde (in dem auch das Casablanca organisiert ist) empfahl ihren Mitgliedern daher eine harte Linie – kein Eingehen auf diese Bedingungen und keine Vorführungen von Roma, um nicht zum Teil der Werbestrategie eines Streaming-Dienstes zu werden, der seinerseits nicht signalisiert, dass er Interesse an einer konstruktiven Zusammenarbeit mit den Kinos hat.

Nun kündigen wir an, dass wir Roma doch zeigen werden – zunächst an zwei Terminen, am 30. Dezember im Weihnachtsprogramm und am 24. Februar als Matinée, am Tag vor der Verleihung der Oscars, bei der sich der Film beste Chancen auf Trophäen machen dar. Warum das? Wir haben zwei Punkte abgewogen – die Gepflogenheiten unserer Branche einerseits – und andererseits der absolut verständliche Wunsch des Publikums, den Film eben nicht nur zu Hause auf dem Fernseher sehen zu können, sondern auch auf der Kinoleinwand.

Entscheidungen wie diese gab es schon häufiger – schon in der Vergangenheit gab es immer wieder Filme, die als „Event“ kurz vor einer Fernsehausstrahlung oder der Veröffentlichung auf DVD oder VOD ins Kino kamen. Die Regel, die wir hierbei stets befolgt haben ist, solche Filme nie wie einen normalen Kinostart täglich ins Programm zu nehmen, sondern nur als Sondervorstellung – und dabei wird es auch im Fall Roma nun bleiben!

Ist Roma der Beginn des Endes der Kinos? Sicherlich nicht. Kino wird es geben, so lange Menschen ins Kino gehen. Wir gehen nicht davon aus, dass das Kino am Ende ist – auch nach den Erfahrungen des Jahres 2018, der für viele Kinos ein Katastrophen-Jahr war, in dem das Casablanca aber stabile Zuschauerzahlen hatte.

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