Monat: April 2021

TV- und Mediatheken-Tipps vom 29. April bis 5. Mai 2021

Zusammengestellt von Rainer Mesch (Casa-Akademie) und mit Zitaten aus den Kurzkritiken von filmdienst.de!


No!

von Pablo Larain, Chile/Frankreich/USA 2012
Donnerstag, 29. April 2021, 23:30 Uhr, WDR

Kluges oscarnominiertes Politkino aus Lateinamerika nach Vorlage von Antonio Skarmeta.

„Vor der Volksabstimmung im Sommer 1988 in Chile streitet die Opposition über die richtige PR-Strategie. Ein junger Marketing-Mann in Santiago de Chile schlägt vor, den Menschen die Angst zu nehmen und Optimismus zu verbreiten. Mit dieser Überzeugung stößt er auf den Widerstand vieler Pinochet-Gegner, die es frivol finden, mit buntem Optimismus in den Kampf gegen die Diktatur zu ziehen. Ein dynamisches Drama mit vielschichtigen Figuren und einer ambitionierten Ästhetik, das umsichtig und klug die jüngere Zeitgeschichte rekonstruiert und davon erzählt, wie die demokratischen Kräfte über ein medial bestens ausgerüstetes Regime triumphieren. Fern eines vorschnell triumphierenden Bürgerrechtsepos à la Hollywood, bleibt hinter allem Humor und aller Situationskomik die Brutalität der Diktatur stets bewusst.“


Die letzten Tage der Emma Blank

von Alex van Warmerdam, Niederlande 2009
Freitag, 30. April 2021, 21:00 Uhr, One – bis 7.5. in der ARD-Mediathek

Alex van Warmerdam – ein Geheimtipp für alle, die schräg-abgründiges Kino mögen.

„In einer abgeschiedenen Villa am Meer lässt sich die Dienerschaft von der schwer kranken Hausherrin schikanieren und erniedrigen. Der Grund für ihre Unterwürfigkeit liegt im Testament begründet: Die Angestellten sind die Erbengemeinschaft der Sterbenden und wollen sich ihren Anteil nicht verscherzen. Eine sarkastische, klug inszenierte Gesellschaftssatire, die mit viel schwarzem Humor die Grenzen der Selbsterniedrigung auslotet und in einen tiefen menschlichen Abgrund blicken lässt. Dabei leitet der Film geschickt die Zuschauersympathien, die zunächst auf Seiten der Ausgebeuteten liegen, später aber auch in die entgegengesetzte Richtung tendieren.“


Rückkehr nach Montauk

von Volker Schlöndorff, Deutschland/Frankreich/Irland 2017
Sonntag, 2. Mai 2021, 23:35 Uhr, ARD – bis 9.5. in der ARD-Mediathek

Volker Schlöndorffs Beziehungs-Alterswerk mit Nina Hoss und Stellan Skarsgard.

„Ein Schriftsteller kommt für ein Wochenende nach New York, um seinen neuen, autobiografisch gefärbten Roman vorzustellen, in dem es um eine vor Jahren gescheiterte Liebe geht. Er besucht seine einstige Geliebte, um seinen Gefühlen für sie nachzuspüren, wobei er während einer Reise mit ihr ans Meer bei Montauk mit unerwarteten Einsichten konfrontiert wird. Eine melancholische, vorzüglich gespielte und inszenierte Annäherung an existenzielle Probleme von Alter und Tod, Selbstzweifel und die Befangenheit in gelebten Rollen. Volker Schlöndorffs sehr persönliche Verbeugung vor Max Frisch bewegt sich souverän auf der unscharfen Grenze von Fiktion und Realität und setzt subtil Leben und Kunst miteinander ins Verhältnis.“


Die schönen Tage

von Marion Vernoux, Frankreich 2013
Mittwoch, 5. Mai 2021, 20:15 Uhr, Arte – bis 18.5. in der Arte-Mediathek

Französisches Gefühlskino mit Fanny Ardant.

„Seit ihre beste Freundin an Krebs starb und sie ihren Beruf als Zahnärztin an den Nagel gehängt hat, steckt eine verheiratete, attraktive und selbstbewusste Frau um die 60 in einer Lebenskrise. Sie lernt den Leiter eines Computerkurses kennen, einen temperamentvollen jungen Mann, der ihr Sohn sein könnte. Aus einem unverfänglichen Seitensprung entwickelt sich eine Affäre auf ungewisse Zeit. Eine charmant-humorvolle Liebesgeschichte, trotz mancher Klischees und einem nicht immer überzeugenden Zusammenspiel weitgehend feinfühlig und liebenswert inszeniert, getragen von oft wunderbar komischen und subtilen Dialogen.“


Beuys

von Andreas Veiel, Deutschland 2017
Mittwoch, 5. Mai 2021, 23:00 Uhr, WDR – bis 13.5. in der ARD-Mediathek

Formal ungewöhnlich gestaltete Künstler-Doku.

„Porträt des Künstlers Joseph Beuys (1921-1986), der mit seinen häufig aus Fett und Filz gestalteten Installationen nicht nur die kulturelle Öffentlichkeit aufwühlte, sondern auch mit seinen politischen Interventionen für Aufsehen sorgte. Beuys’ ikonische Erscheinung und seine Streitbarkeit machten ihn zum begehrten Objekt der Medien, was der materialreiche, in einem langen Konzentrationsprozess entstandene Dokumentarfilm nutzt, um den „ganzen“ Beuys vorzustellen. Die collagenartige Gestaltung erzeugt eine große Unmittelbarkeit, die den historischen Abstand aufhebt und Beuys’ Werk ebenso wie seine Botschaft für die Gegenwart erschließt.“


Einmal bitte alles

von Helena Hufnagel, Deutschland 2017
Mittwoch, 5. Mai 2021, 2:20 Uhr (d.h. Donnerstag), BR

Frisches deutsches Gegenwarts-Kino mit der famosen Luise Heyer.

„Eine 27-jährige Illustratorin hat sich damit arrangiert, dass sie den Sprung ins Erwachsenendasein noch nicht so recht geschafft hat, wird aber von ihrer Umwelt so lange mit Sorgen und Ängsten vor dem dritten Lebensjahrzehnt drangsaliert, bis sie selbst in eine seelische Krise gerät. Dem erfrischenden Spielfilmdebüt gelingen höchst selbstironische Einblicke in die Freuden und Nöte einer „späten“ Generation. Die Inszenierung nimmt dabei ebenso für sich ein wie die glänzende Hauptdarstellerin, die ihrer zwischen kindlichem Trotz und Weltekel schwankenden Figur viele Facetten abgewinnt.“

Dokumentarfilme in der bpb-Mediathek

Die wenig bekannte Mediathek der Bundeszentrale für politische Bildung bietet eine große Auswahl an Dokumentarfilmen zu einer Vielzahl von Themen, die kostenlos angeschaut werden können. Wir haben für die Zeit der Kinoschließung einige Highlights ausgesucht, die in der Vergangenheit bereits einen wichtigen Platz in unserem Programm eingenommen haben und die wir weiterhin empfehlen – gerne auch im Rahmen von zukünftigen Schulkino-Vorstellungen.


Schwerpunkt UMWELT & NACHHALTIGKEIT:

  • Dark Eden – Der Albtraum vom Erdöl (D 2018 | R: Jasmin Herold + Michael Beamish | 80 Min. | ab 6 | teilw. dt. UT) – Ein sehr persönlicher Dokumentarfilm über Segen und Fluch der Erdölgewinnung in einem der größten und letzten Ölvorkommen unseres Planeten, den Athabasca-Ölsanden in Alberta, Kanada. Regisseurin Jasmin Herold war im November 2019 in der #FilmsForFuture-Reihe zu Gast.
  • Plastic Planet (AT/D 2010 | R: Werner Boote | 99 Min. | ab 0 | teilw. dt. UT) – Werner Boote erkundet die Risiken des allgegenwärtigen Materials. Lief zuletzt im November 2010 im Agenda 21-Kino, ist aber leider immernoch aktuell.
  • Zeit für Utopien – Wir machen es anders (AT 2018 | R: Kurt Langbein | 98 Min. | ab 0 | empfohlen ab 14 | dt. Fassung) – Ein Dokumentarfilm auf der Suche nach Lösungen für die Welt von morgen. Im April 2018 hatten wir den Regisseur im Agenda 21-Kino zu Gast.

Schwerpunkt BLACK LIVES IN AMERICA:

  • I Am Not Your Negro – Preisgekrönter Dokumentarfilm, basierend auf einem Manuskript von James Baldwin. Außerdem eine unserer Empfehlungen für Schulkino-Vorstellungen im Rahmen des Englisch- und/oder Geschichtsunterrichts – und das nicht nur im Black History Month Februar!

Schwerpunkt ZUKUNFTSTECHNOLOGIEN:

  • Hi, A.I. – Liebesgeschichten aus der Zukunft (D 2018 | R: Isa Willinger | 87 Min. | ab 12 | teilw. dt. UT) – Wie werden wir mit humanoiden Robotern zusammenleben? Ein amüsanter Blick in die Zukunft. Auch hier war die Regisseurin zum Filmstart im Casablanca zu Gast.
  • The Cleaners – Im Schatten der Netzwelt (D 2018 | R: Hans Block + Moritz Riesewieck | 92 Min. | ab 16 | dt. Fassung) – Ein Film über die Content-Manager*innen von Facebook, Youtube, Twitter & Co. Einer der best besuchtesten Dokumentarfilme des Jahres 2018 im Casablanca.

 

TV- und Mediatheken-Tipps vom 22. bis 28. April 2021

Zusammengestellt von Rainer Mesch (Casa-Akademie) und mit Zitaten aus den Kurzkritiken von filmdienst.de!


Der glücklichste Tag im Leben des Olli Mäki

von Juho Kuosmanen, Finnland/Schweden/Deutschland 2016
Donnerstag, 22. April 2021, 0:05 Uhr (d.h. Freitag), RBB – bis 30.4. in der ARD-Mediathek

Warmherziges Boxer-Biopic im schönsten Schwarz-Weiß, das für den Fremdsprachen-Oscar nominiert war und als bester Erstlingsfilm den europäischen Filmpreis 2016 bekam.

„Ein talentierter finnischer Boxer soll 1962 zum nationalen Shooting-Star aufgebaut werden und gegen den amtierenden Weltmeister antreten. Dazu verordnet ihm sein Manager eine Rosskur, bestehend aus intensivem Training, Gewichtsverlust und PR-Auftritten, doch der gelernte Bäcker ist frisch verliebt und in Gedanken meist bei seiner Freundin. Ein vorzüglich fotografiertes, zudem umwerfend lebensnah gespieltes Boxerdrama, das die üblichen maskulinen Gewaltexzesse der Sportart zugunsten seines wortkargen Anti-Helden vernachlässigt. Zugleich entwirft die märchenhafte filmische Kostbarkeit mit viel Jazz und lakonischem Humor ein optimistisches Stimmungsbild der Epoche.“


Zana

von Antneta Kastrati, Kosovo/Albanien 2019
Samstag, 24. April 2021, 23:30 Uhr, 3Sat – bis 23.5. in der 3Sat-Mediathek

Publikumspreis beim Go-East-Filmfestival des mittel- und osteuropäischen Films 2020.

„Eine junge Frau aus einem Dorf im Kosovo, die im Krieg ihre kleine Tochter verloren hat, wird nicht wieder schwanger, weshalb ihre Familie die Dienste von Hexen und Wunderheilern in Anspruch nimmt. Als sie sich dieser Behandlung widersetzt, droht ihr Mann, sich eine jüngere Frau zu nehmen. Als sie einlenkt, wird sie zusehends von Albträumen heimgesucht, in denen sich ihre traumatischen Erfahrungen spiegeln. Ein auf autobiografischen Erfahrungen beruhendes Psychodrama über eine Gesellschaft, die zwar ihre gefallenen Märtyrer verehrt, aber keinen Platz für die lebenden Opfer findet. Der Hang zu einer gewissen Symbolik wird dabei durch Einfühlsamkeit und wirkmächtige Bilder aufgefangen.“


Oscar 2021 – Die Academy Awards

Sonntag, 25. April 2021, 2:00 Uhr (d.h Montag), Pro7 – in der Pro7-Mediathek

And the winner is…. ??? – Also ganz ehrlich: Dieses Jahr haben selbst die Casa-Macher*innen keinen klaren Favoriten.


Ummah – Unter Freunden

von Cünet Kaya, Deutschland 2013
Montag, 26. April 2021, 20.15 Uhr, One – bis 26.5. in der ARD-Mediathek

Sympathisches deutsch-türkisches Milieukino mit Frederick Lau und Kida Khodre Ramadan.

„Ein junger, im Einsatz schwer verletzter V-Mann des Verfassungsschutzes wird nach seiner Genesung in einer Wohnung in Berlin-Neukölln einquartiert. Misstrauisch beäugt er seine islamisch geprägte Umgebung, findet aber bald Anschluss. Als sein zynischer, um die eigene Position fürchtender Kontaktmann verlangt, dass er seine neuen Freunde verrät, um von einem Korruptionsskandal abzulenken, schaltet er auf Widerstand. Ein zwischen sympathischer Milieuschilderung und großspuriger „Räuberpistole“ changierendes Drama mit didaktischem Unterton. Außergewöhnlich ist der Film nicht nur in inszenatorischer, sondern auch darstellerischer Hinsicht.


The Cleaners – Im Schatten der Netzwelt

von Hans Block, Deutschland/Brasilien/Niederlande/Italien/USA 2018
Dienstag, 27. April 2021, 21:45 Uhr, Arte – bis 3.5. in der Arte-Mediathek

Einer unserer best besuchtesten Dokumentarfilme des Jahres 2018.

„Investigativer Dokumentarfilm über die Aufgaben der „Content Manager“ in sozialen Netzwerken wie Facebook, die überwiegend von Arbeitern auf den Philippinen ausgeführt werden: In Sekundenschnelle manuell zu entscheiden, welche Inhalte auf Internetplattformen veröffentlicht werden dürfen oder gegen die Richtlinien verstoßen. Ein bemerkenswerter Film, der aus vielfältigen Perspektiven Fragen nach der Kontextualisierung von Bildern, ihrer sozialen Eingebundenheit und den politischen und kommerziellen Interessen der Unternehmen stellt, denen wir unsere Daten anvertrauen. Dabei zeigt er zugleich die Problematik von Institutionen auf, die durch ihre oft willkürliche Zensur Auseinandersetzungen verhindern und Affekte wie Empörung und Hass verstärken.“


The Guilty

von Gustav Möller, Dänemark 2018
Mittwoch, 28. April 2021, 20:15 Uhr, Arte – bis 4.5. in der Arte-Mediathek

Clever konstruiertes Spannungskino aus dem hohen Norden.

„Ein Polizist in der Notrufzentrale von Kopenhagen nimmt den Anruf einer verängstigten Frau entgegen, die offenbar von ihrem Ex-Mann im Auto entführt wurde. Eigenmächtig versucht er, von seinem Telefonplatz aus den Wagen zu finden. Doch je tiefer er sich in diese Angelegenheit verwickeln lässt, desto mehr geraten seine moralischen Gewissheiten ins Wanken. Der auf engstem Raum spielende, höchst konzentrierte Thriller entwickelt seine enorme Spannung allein aus den dramatischen Entwicklungen am Telefon und dem fulminanten Spiel des Hauptdarstellers heraus. Vielschichtig nähert sich der Film dem Thema der Schuld, das auch dem Zuschauer den scheinbar sicheren Boden entzieht.“


„Mir ist es egal, wenn wir als Barbaren in die Geschichte eingehen“

von Radu Jude, Rumänien/Bulgarien/Deutschland/Frankreich/Tschechien 2018
Mittwoch, 28. April 2021, 22:35 Uhr, Arte – bis 4.5. in der Arte-Mediathek

Der vorletzte Geniestreich des eigenwilligen diesjährigen Berlinale-Gewinners.

„Eine resolute Theaterregisseurin will mit einer Volkstheater-Aufführung eine Debatte über Rumäniens Beteiligung am Holocaust unter General Ion Antonescu anstoßen. In Form eines Reenactments soll das Massaker von Odessa im Jahr 1941 in das kollektive Bewusstsein zurückgeholt werden. Reaktionär gesinnte Komparsen und der Widerstand von Entscheidungsträgern machen ihr jedoch die Arbeit schwer. Komplexer, hochdiskursiv aufgebauter Geschichtsaufarbeitungsfilm über den marginalisierten oder schlicht geleugneten Antisemitismus Rumäniens. Die selektive Erinnerungspolitik ist in dem brillanten, vor Materialfülle nur so berstenden Film ebenso Thema wie das Scheitern von politischer Kunst.“


Bayerischer Filmpreis 2020

Mittwoch, 28. April 2021, 22:00 Uhr, BR – bis 28.4.22 in der BR-Mediathek

Im Gegensatz zu den Oscars weiß man beim zweitbedeutendsten deutschen Filmpreis nicht einmal, welche Filme nominiert sind. Ein klassischer Fall von Hinterzimmer-Filmpolitik! Immerhin soll Martina Gedeck den Ehrenpreis bekommen. Das geht schon mal okay.

TV- und Mediatheken-Tipps vom 15. bis 21. April 2021

Zusammengestellt von Rainer Mesch (Casa-Akademie) und mit Zitaten aus den Kurzkritiken von filmdienst.de!


Border

von Ali Abbasi, Schweden/Dänemark 2018
Donnerstag, 15. April 2021, 23:30 Uhr, WDR – bis 15.5. in der ARD-Mediathek

Ein Unikat aus dem hohen Norden: surreal, verstörend, menschlich…

„Eine durch einen angeblichen Chromosomenfehler als Außenseiterin stigmatisierte schwedische Grenzbeamtin kann Scham, Angst und Wut riechen. Auf diese Weise macht sie Schmuggler ausfindig und bringt die Polizei auf die Spur eines Pädophilen-Rings. An der Grenze begegnet sie aber auch einem wesensverwandten Mann, der ihr ihre gemeinsame Herkunft enthüllt. Das grandiose Drama verwebt sozialen Realismus, Fantasy und skandinavische Mythologie zu einem zwitterhaften Werk, in dem aktuelle gesellschaftliche Debatten um Identität, Ausgrenzung und Rassismus anklingen. Ein im wahrsten Sinne des Wortes grenzüberschreitender Ausnahmefilm.“


Herbert

von Thomas Stuber, Deutschland 2015
Donnerstag, 15. April 2021, 23:50 Uhr RBB – bis 23.4. in der ARD-Mediathek

Großartiges deutsches Schauspielerkino mit Peter Kurth in der Titelrolle.

„Ein ehemaliger Boxer, der sich als Türsteher und Geldeintreiber durchs Leben bringt, erkrankt an einem unheilbaren Nervenleiden. Angesichts seines rapiden Verfalls verspürt der hartgesottene Egomane den Wunsch, sich mit seiner Tochter auszusöhnen und einen Kontakt zu seiner Enkelin zu finden. In beinahe dokumentarischer Manier zeichnet das mutige Drama den Niedergang eines ezdf mediatheinsamen Kolosses nach, der auf dem Weg in den Tod seine Emotionen nicht mehr verdrängen kann. Ein erschütternder Film mit einem überragenden Hauptdarsteller, der in seiner erzählerischen Konsequenz an R.W. Fassbinders Berlin Alexanderplatz heranreicht.“


Die wilden Boys

von Bertrand Mandico, Frankreich 2017
Donnerstag, 15. April 2021, 0:10 Uhr (d.h. Freitag), Arte – bis 13.7. in der Arte-Mediathek

Unser Geheim-Tipp für diese Woche: Halluzinatorisches experimentelles Kino.

„Fünf verwöhnte reiche Sprösslinge werden zu Beginn des 20. Jahrhunderts nach einer Untat von einem mysteriösen Kapitän auf eine seltsame tropische Insel transportiert. Dort erwarten die Delinquenten eine sexualisierte Natur mit bizarrer Vegetation und der zur Frau gewordene Herr der Insel, der die feminine Verwandlung der Jungen vorweggenommen hat. Eine mit großem Einfallsreichtum und Bildgewalt inszenierte erotische Phantasie, die Elemente der Avantgardefilme von Maya Deren und Kenneth Anger mit klassischem Erzählkino zu einem queeren und surrealen Abenteuer mischt.“


Lucky

von John Carroll Lynch, USA 2017
Samstag, 17. April 2021, 0:05 Uhr (d.h. Sonntag), 3Sat

Harry Dean Stantons autobiografisch geprägter letzter Film.

„Vignetten aus dem Leben eines alten Mannes in der Wüste von Arizona, die sich zu einem bewegenden Porträt eines Menschen verdichten, der gelernt hat, mit der Einsamkeit und dem Bewusstsein der Sterblichkeit umzugehen. Ein gänzlich unpathetischer, zu den Wurzeln der Existenz vordringender, wortkarger Film, in dem die Furcht vor dem Tod der gelassenen Akzeptanz täglicher Rituale weicht.“


Die letzten Gigolos

von Stephan Bergmann, Deutschland 2014
Montag, 19. April 2021, 0:20 Uhr (d.h. Dienstag), ZDF – bis 17.5. in der ZDF-Mediathek

Aus heutiger Sicht schon unwirklich wirkende Kreuzfahrt-Flirt-Doku.

„An Bord des Kreuzfahrtschiffs MS Deutschland porträtiert der Dokumentarfilm formal spielerisch und humorvoll zwei etwa 70-jährige Gentleman Hosts, die allein reisenden Frauen als Tänzer, Begleiter und Unterhalter den Aufenthalt an Bord verschönern. Das in attraktiven Kinobildern gedrehte Porträt einer betuchten Generation, die fern vom Alltag mit entspannter Offenheit über das Altern, die Liebe, Sex und Sehnsüchte plaudern. Dabei zeigt der beschwingte Einblick in den Mikrokosmos Kreuzfahrt nebenbei immer wieder auch die riesige Maschinerie, die den Luxus am Laufen hält.“


Erde

von Nikolaus Geyrhalter, Österreich 2019
Montag, 19. April 2021, 22:25 Uhr, 3Sat – bis 18.5. in der 3Sat-Mediathek

Bei der Berlinale mit dem Preis der ökumenischen Jury ausgezeichnetes neues Werk des renommierten österreichischen Dokumentarfilmers.

„Im Vergleich zu Wind, Wetter und Gezeiten werden Jahr für Jahr fast dreimal mehr Sand, Steine und Felsen durch die Maschinen der Menschen bewegt, die mit rabiater Gewalt den Planeten umgraben, ausbeuten, roden oder versiegeln. Mit schneidend scharfen Bildern protokolliert der Dokumentarfilm die Zerstörung der Erde, die rational kaum mehr gerechtfertigt werden kann. Auch die Interviews mit Arbeitern, Ingenieuren und Wissenschaftlern fördern eine fatale Resignation zu Tage, da weder der Einzelne noch die Gesellschaften dieser Dynamik einer sich verselbständigten Ausbeutung Einhalt gebieten können.“


Burn After Reading

von Joel & Ethan Coen, USA 2008
Dienstag, 20. April 2021, 20:15 Uhr, Servus TV

TV- und Mediatheken-Tipps vom 8. bis 14. April 2021

Zusammengestellt von Rainer Mesch (Casa-Akademie) und mit Zitaten aus den Kurzkritiken von filmdienst.de!


Ayka

von Sergej Dwortsewoi, Russland/Deutschland/Polen/Kasachstan/China 2018
Donnerstag, 8. April 2021, 23:30 Uhr, Arte – bis 14.4. in der Arte-Mediathek

Raues russisches Mutter-Kind-Drama – Samal Yeslyamova bekommt in Cannes 2018 den Preis für die beste Hauptdarstellerin.

„Eine illegal unter erbärmlichen Umständen in Moskau lebende kirgisische Immigrantin lässt ihren Sohn nach der Geburt im Krankenhaus zurück. Auf der verzweifelten Suche nach einer Arbeit irrt sie durch die winterliche Stadt, erlebt aber immer nur weitere Ausbeutung und Kälte. Das bedrückende Porträt einer Gesellschaft, die von der Indifferenz der Wohlhabenden und der Verzweiflung der Hungrigen geprägt ist, kreiert eine beklemmend klaustrophobische Atmosphäre. Das beeindruckende Sozialdrama vermittelt hautnah und ohne Rührseligkeit das Schicksal seiner Protagonistin, deren Kraft und Leiden die Hauptdarstellerin eindringlich verkörpert.“


12 Years a Slave

von Steve McQueen, USA/Großbritannien 2013
Samstag, 10. April 2021, 20:15 Uhr, Pro7

Dieses historische Filmdrama gewann den Oscar für den besten Film 2014, das beste adaptierte Drehbuch und die Auszeichnung für die beste Nebendarstellerin.

„Beruhend auf den Memoiren von Solomon Northup, erzählt der Film die Geschichte eines Afroamerikaners, der in den USA des 19. Jahrhunderts als freier Mann in den Nordstaaten lebt, bis er entführt und als Sklave in die Südstaaten verkauft wird. Dort droht er unter der Unterdrückung und Entmenschlichung zu zerbrechen, bis es ihm gelingt, eine Nachricht an seine Familie zu übermitteln, die für seine Befreiung sorgt. Regisseur Steve McQueen fokussiert darauf, was Sklaverei mit Menschen anrichtet. Der emotionalen Wucht des Stoffs steuert er durch vielschichtige Figuren und eine kluge Inszenierung entgegen, die Raum zum Nachdenken jenseits unmittelbarer emotionaler Reaktionen schafft.“


Leb wohl, meine Königin

von Benoit Jacquot, Frankreich/Spanien 2012
Sonntag, 11. April 2021, 0:05 Uhr (d.h. Montag), ARD – bis 19.4. in der ARD-Mediathek

Die Geschichte der französischen Revolution aus der Sicht zweier Frauen.

„Versailles, kurz nach dem Sturm auf die Bastille 1789: Eine junge Frau, Vorleserin der Königin Marie Antoinette, beobachtet die zwischen Ignoranz, Angst und Unverständnis wechselnden Reaktionen der Hofgesellschaft auf die anbrechende Revolution. Da sie der Königin in inniger Liebe zugetan ist, lässt sie sich auf eine gefährliche Maskerade ein, um deren beste Freundin vor dem Volkszorn zu retten. Präzise schildert der Film aus der Perspektive einer Figur, die sich zwischen der Sphäre der Dienstboten und der Pracht der königlichen Gemächer bewegt, den Zerfall eines Herrschaftssystems, wobei er die Verdrängung und Realitätsferne der Mächtigen deutlich macht.“


The Cut

von Fatih Akin, Deutschland/Frankreich/Polen/Türkei/Kanada/Russland/Italien 2014
Montag, 12. April 2021, 23:15 Uhr, NDR – bis 19.4. in der ARD-Mediathek

Unter Kritikern nicht unumstrittenes großes zeitgeschichtliches Gefühlskino.

„Leidensodyssee eines armenischen Schmieds, der 1915 von den Osmanen ermordet werden soll, durch glückliche Umstände überlebt und sich jahrzehntelang und über Kontinente hinweg auf die Suche nach den Überresten seiner Familie macht. Ein fürs breitere Publikum inszeniertes episches Road Movie über den Völkermord an den Armeniern. Bildstark und politisch differenziert greift der Film ein türkisches Tabu-Thema auf und aktualisiert es in Gestalt eines Flüchtlings- und Migrantenschicksals.“


Mein Leben mit Amanda

von Mikhaël Hers, Frankreich 2018
Mittwoch, 14. April 2021, 20:15 Uhr, Arte – bis 20.4. in der Arte-Mediathek

Aktuelles sensibles französisches Gefühls-Kino.

„Ein Mittzwanziger aus Paris führt ein Dasein ohne viele Bindungen und Verpflichtungen, bis seine Schwester bei einem brutalen Gewaltakt getötet wird. Als nächster Angehöriger kümmert er sich fortan um seine siebenjährige Nichte, zögert aus Unsicherheit und Hilflosigkeit aber die Entscheidung heraus, ob er ihr gesetzlicher Vormund werden will. Mit gelassener Detailgenauigkeit entwickelt das Drama sich überlagernde Trauer- und Neufindungsprozesse und gewinnt durch ruhige Beobachtungen und das konzentrierte Spiel der Darsteller eine hohe Authentizität. Der gefühlvolle Film versagt sich jede Überdramatisierung und entfaltet behutsam seine anrührende Wirkung.“


Danke für den Regen

von Julia Dahr, Großbritannien 2016
Mittwoch, 14. April 2021, 0:20 Uhr (d.h. Donnerstag), Arte – bis 13.5. in der Arte-Mediathek

Ungewöhnliche Klimadoku, die gut in unsere „Films-for-future“-Reihe gepasst hätte.

„Ein kenianischer Bauer hält über fünf Jahre hinweg mit der Kamera fest, wie Wetterextreme in Folge des Klimawandels die Existenz seines Dorfs bedrohen. Was vormals ein Dürregebiet war, wird nun immer wieder von verheerenden Regengüssen heimgesucht. Eine ungewöhnliche dokumentarische Annäherung an die Klimaveränderungen, die von ihrem eigensinnigen Protagonisten lebt, der sich mit seinem Ausgeliefertsein nicht abfinden möchte. Abgerundet wird der Film durch Reisen in die norwegische Heimat der Co-Regisseurin sowie zur Pariser Weltklimakonferenz, die ernüchternde Ergebnisse, aber auch neue Perspektiven eröffnet.“