Monat: Februar 2021

Kino leuchtet. Für Dich.

Grafik Das Casablanca ist bei der bundesweiten Aktion dabei!
Am Sonntag, 28. Februar beleuchten wir ab 19 Uhr unsere Fassade. Kommt in die Südstadt (natürlich immer schön mit Abstand) und macht Fotos, die Ihr dann in den sozialen Medien teilt: Unter dem Hashtag #kinoliebe wollen wir ein Zeichen setzen, damit die Kulturorte nicht vergessen werden.

Für die Kinos sind es harte Zeiten. Im vergangenen Jahr durften sie nur in 7 Monaten öffnen, teilweise mit deutlichen Einschränkungen. Die Besucherzahlen brachen um bis zu 70 Prozent ein.
Auch wenn diverse Hilfsprogramme dafür sorgen, dass die meisten der Filmtheater überleben werden, wandelt sich gleichzeitig der Markt: Streaming-Anbieter gewinnen an Bedeutung, andere Teile der Branche wie Produktionsfirmen, Verleiher und Dienstleister geraten durch die Krise massiv unter Druck.

Die aktuellen Corona-Inzidenzzahlen geben wenig Anlass für Hoffnung auf eine baldige Normalisierung.
Daher veranstalten am kommenden Sonntag, 28. Februar Kinos in ganz Deutschland einen Aktionstag, um auf ihre Situation aufmerksam zu machen und strahlen ihre Gebäude an: „Kino leuchtet. Für Dich.“
Die Idee: Die Kinos sollen sichtbar sein – und auch wenn ihre Fans aktuell nicht in die Säle dürfen, können sie doch Bilder der Gebäude machen und mit dem Hashtag #kinoliebe in den sozialen Medien teilen.

Ab 19 Uhr wird die Fassade des Casablanca hell erleuchtet. Mitarbeiter/innen und Ehrenamtliche des Vereins werden vor Ort sein, natürlich unter Einhaltung der Abstandsregeln.
Auch andere Kinos in Nürnberg und der Region beteiligen sich, so das Mobile Kino Nürnberg und die Kinos der Familie Weber.

Am Vorabend der für die Fachwelt virtuell stattfindenen Berlinale lenken die Kinos damit den Blick auf die immer noch geschlossenen Kulturorte und appellieren an die Politik nach vier Monaten eine transparente, evidenzbasierte und verlässliche Wiedereröffnungsperspektive zu erhalten. Bei der nächsten Bund-Länder-Konferenz am kommenden Mittwoch muss es darum gehen, dass Kinos als Kultureinrichtungen einen vernünftigen Platz in einem Stufenplan bekommen. Aktuelle Studien wie z.B. der TU Berlin zeigen, dass Kinos mit erprobten Hygienekonzepten sehr sichere Orte sind.

Und die Rückmeldungen der Kinogäste zeigen täglich, dass Kino mehr ist als ein Freizeitvergnügen: Für viele Menschen ist das gemeinsame Sehen von Filmen an einem öffentlichen Ort weit mehr als das – eine Passion, ein Ort zum Abschalten, für viele sogar ein Lebensinhalt.

„Die Filmtheater wollen ihren Beitrag zur Bewältigung der Pandemie leisten”, erklärt der Vorsitzende der AG Kino/Gilde Christian Bräuer. “Gemeinsam Kultur zu erleben, ohne sich zu nahe zu kommen, ist ein solcher Beitrag. Wir sind bereit unsere Türen zu öffnen und das kulturelle Leben in der Nachbarschaft mit tollen Filmen und vielfältigen Programmen wieder zu bereichern. Die Politik hat es jetzt in der Hand, gemeinsam mit den Kulturorten mit einer weitsichtigen Öffnungsstrategie ein Zeichen der Hoffnung zu setzen.”

Beim Aktionstag geht es auch darum, den zahllosen Unterstützerinnen und Unterstützern zu danken, die dafür sorgen, dass das Casablanca aktuell nicht ums Überleben kämpfen muss.
Der Verein Casa e.V., der das Kino betreibt, hat in den Krisenmonaten mehr neue Mitglieder gewonnen als jemals zuvor – ihre Zahl ist auf fast 1400 angewachsen.
Zahlreiche Spenden und Gutscheinverkäufe sichern neben den erheblichen staatlichen Hilfen und großzügigen Mietreduzierungen das Bestehen des Kinos.
Der Vorsitzende des Vereins, Gerhard „Black“ Schwarz, stellt fest: „Die Solidarität unserer Freunde und Mitglieder ist unglaublich. Das Kino ist 125 Jahre geworden, das Casablanca wird im Herbst 45, unser Kino mit Courage wird 12 Jahre alt – und ich bin zuversichtlich, dass noch viele folgen werden.“

Hinter den Kulissen nutzt das Team des Casablanca die Schließungszeit für Renovierungen und Verbesserungen.
„Sobald es wieder möglich ist, sind wir zurück – auch wenn die Kino-Welt sich bis dahin ändern wird. Noch mehr als früher wird es notwendig sein, nicht nur Filme zu zeigen, sondern ein kleines Haus wie das Casablanca zu einem besonderen Ort mit einzigartiger Atmosphäre zu machen“, so Theaterleiter Matthias Damm.

Um das sicherzustellen, wurden und werden aktuell zahlreiche kleine und größere Verbesserungen durchgeführt.
So wurden in allen Sälen Klimaanlagen eingebaut, um auch im Sommer einen angenehmen Filmgenuss zu ermöglichen.
Alle Türen zu den Sälen werden durch Schallschutztüren ausgetauscht und auch ein Teil der Kinotechnik wird erneuert.
Eine mobile Bühne erweitert das Spektrum an Veranstaltungen, neue Mikrofontechnik verbessert die Qualität bei Filmgesprächen und Diskussionen.

Dazu kommen zahlreiche Verbesserungen im Foyer und Außenbereich: Der alte Kassentresen wurde restauriert. Im Außenbereich lädt ein eleganter Bar-Tresen auf ein Getränk nach dem Film ein, dazu kommen neue Tische und Stühle – alles in warmer Holz-Optik. Zahlreiche Details wurden verschönert, oft mit tatkräftiger Hilfe der Minijobber/innen des Casablanca, die damit die Möglichkeit haben, die teilweise Weiterbezahlung aufzustocken, die der Verein ihnen freiwillig anbietet.

Ermöglicht werden diese Investitionen durch das „Zukunftsprogramm Kino“ der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien (BKM), das allen Kinos offen steht, die mit Programmpreisen auf Bundes- oder Landesebene ausgezeichnet wurden. Die Förderquote wurde während der Corona-Pandemie von 40 auf 80 Prozent der Investitionen angehoben. Insgesamt investiert das Casablanca 2020 und 2021 einen sechsstelligen Betrag, wobei der Eigenanteil aufgebracht werden konnte, ohne aktuelle Unterstützungen oder Spenden verwenden zu müssen.

„Wir haben lange für eine Unterstützung der Bundesregierung zur Verbesserung der kleinen Kinos gekämpft, die mit ihrem aufwändig kuratierten Programm Vielfalt bieten“, so Theaterleiter Matthias Damm. „Auch wenn es ein schwacher Trost ist: Immerhin können wir die Schließung des Casablanca dafür nutzen, es so schön und komfortabel zu machen wie noch nie. Ich bin mir sicher, dass wir nach dem Ende der Pandemie an das Jahr 2019 anschließen können, das bisher unser Rekordjahr war.“

Und so sah unsere Fassade aus – vielen Dank an die Kolleg/innen vom Mobilen Kino für die Lichttechnik!

TV- und Mediatheken-Tipps vom 25. Februar bis 3. März 2021

Zusammengestellt von Rainer Mesch (Casa-Akademie) und mit Zitaten aus den Kurzkritiken von filmdienst.de!

Weitere Film-Highlights für diese Woche: Berlinale-Filmreihe auf ARTE (17. bis 25. Februar)


Nocturnal Animals

von Tom Ford, USA 2016
Freitag, 26. Februar 2021, 22:25 Uhr, 3Sat

Ein komplexer Thriller, ausgezeichnet mit dem „Großen Preis“ beim Filmfestival in Venedig.

„Eine Galeriebesitzerin, die sich in der aseptischen High Society von Los Angeles etabliert hat, erhält ein Romanmanuskript ihres Ex-Manns, das von einem Menschen erzählt, der in die Fänge eines mörderischen Trios gerät und Frau und Tochter verliert. Die Leserin versteht das Szenario voller Gewalt bald als Rachefantasie, kann sich deren Sog aber dennoch nicht entziehen. Der kunstvoll inszenierte, exzellent gespielte Thriller wechselt zwischen filmischer Wirklichkeit und der Erzählung des Romans und hält durch eingestreute Rückblicke die Interpretation reizvoll in der Schwebe. Eindrücklich warnt der Film dabei vor dem Verlust von Empfindungen.“


System Error

von Florian Opitz, Deutschland 2018
Samstag, 27. Februar 2021, 21:45 Uhr, Phoenix – bis 10.3. in der ARD-Mediathek

Höchst informative Doku, die wir kurz vor der zweiten Schließung noch in unserer #FilmsForFuture-Reihe gezeigt haben.

„Der Glaube, dass die Weltwirtschaft ohne Wachstum nicht funktionieren könne, gilt vielen als eine Art Naturgesetz. Weltweit werden Wissenschaftler, Manager, Rinderzüchter und Berater nicht müde, die Verbindung von Kapitalismus, Globalisierung und Wirtschaftswachstum als Basis von Fortschritt und Humanität zu erklären. Doch Umweltzerstörung, Finanzkrisen und die wachsende soziale Kluft sprechen eine andere Sprache. Das mit prägnanten Zitaten von Karl Marx flankierte dokumentarische Essay legt die mentalen Fundamente des Glaubens an die Selbstheilungskräfte des Marktes frei und stellt dem alternative Überlegungen einer politischen Ökonomie entgegen. Eine bemerkenswert analytische Bestandsaufnahme der Grundlagen der gegenwärtigen Wirtschaftsphilosophie.“


Den Menschen so fern

von David Oelhoffen, Frankreich 2014
Samstag, 27. Februar 2021, 23:00 Uhr, 3Sat – bis 6.3. in der 3Sat-Mediathek

Dramatischer „Western“ frei nach Albert Camus mit Viggo Mortensen und Reda Kateb.

„Ein französischer Lehrer im Atlas-Gebirge gerät 1954 bei Ausbruch des Algerien-Kriegs zwischen die Fronten. Widerwillig übernimmt er den Auftrag, einen Algerier, der einen Verwandten getötet hat, in die nächste Stadt zu bringen. Der gefährliche Weg bringt die Männer einander jedoch näher und lässt sie allmählich Verständnis füreinander entwickeln. Das ruhig erzählte, eindrucksvoll gespielte Drama entwickelt eine Erzählung von Albert Camus schlüssig zur exemplarischen Geschichte einer Verständigung über nationale und religiöse Grenzen hinweg. Die versöhnliche Botschaft wird konsequent aus den Charakteren entwickelt und in visuell teilweise überwältigende Bilder eingebunden.“


Eine Familie

von Pernille Fischer Christensen, Dänemark 2010
Sonntag, 28. Februar 2021, 2:00 Uhr (d.h. Montag), ARD

Ein Paradebeispiel für authentisches skandinavisches Kino.

„Eine Galeristin aus wohlhabender Familie plant, mit ihrem Freund nach New York zu ziehen. Als bei ihrem Vater ein Hirntumor diagnostiziert wird und klar ist, dass er bald sterben wird, entscheidet sie sich zu bleiben. Auf Wunsch des Patriarchen soll sie die traditionsreiche Bäckerei der Familie übernehmen, doch dafür müsste sie ihre eigenen Ambitionen opfern. Die Trauer um den geliebten Vater, der Druck, ihn nicht zu enttäuschen, und der Wunsch nach einem selbstbestimmten Leben stürzen sie in eine Krise. Sensibles Familiendrama, das durch eine präzise Kameraarbeit eine große Nähe zu seinen gut besetzten Figuren herstellt und vielstimmig die Sonnen- und Schattenseiten des sozialen Modells Familie abtastet.“


Kriegerin

von David Wendt, Deutschland 2011
Montag, 1. März 2021, 0:30 Uhr (d.h. Dienstag), ZDF – bis 31.3. in der ZDF-Mediathek

Mutiges politisches deutsches Kino über die „rechte Szene“.

„Eine junge Frau aus Mecklenburg schlägt und tritt sich als Neo-Nazi durch ihr tristes Dasein, bis ein Mädchen aus „besseren“ Kreisen in ihre Kameradschaft drängt und ein jugendlicher Flüchtling aus Afghanistan ihre Wege kreuzt. Der spannend und intensiv erzählte, gut recherchierte Debütfilm zeichnet abseits von Klischees ein authentisches Bild des braunen Milieus in Ostdeutschland und lässt sich mutig auf die Binnensicht seiner Figuren ein.“


Wir Monster

von Sebastian Ko, Deutschland 2014
Mittwoch, 3. März 2021, 23:15 Uhr, 3Sat – bis 2.4. in der 3Sat-Mediathek

Junges deutsches Kino über familiäre Abgründe.

„Als sich ein Ehepaar trennt und beide Ex-Partner neue Beziehungen eingehen, trifft das ihre Tochter besonders hart. Das pubertierende Mädchen lässt sich in einem Streit mit seiner Freundin zu einer Gewalttat hinreißen, die es seinen Eltern eingesteht. Diese bemühen sich, die Tat zu vertuschen, um ihre Tochter zu schützen, und schrecken dabei nicht von der Bezichtigung Unschuldiger zurück. Ein nahegehendes, klug dramatisiertes Familiendrama, in dem die suggestive Bildgestaltung sowie ein überzeugend aufspielendes Darsteller-Ensemble ein bigottes Familien-Konstrukt dekonstruieren.“


Perfect Sense

von David Mackenzie, Deutschland/Großbritannien/Schweden/Dänemark/Irland 2011
Mittwoch, 3. März 2021, 20:15 Uhr, Arte – bis 16.3. in der Arte-Mediathek

Ein weiterer sehenswerter „Virus-Film“ – nicht ganz so pessimistisch wie ‚Contagion‘.

„Eine unbekannte Seuche raubt den Menschen auf der ganzen Erde nach und nach ihre Sinneswahrnehmungen. Während sich die Katastrophe anbahnt, finden in Glasgow eine Epidemiologin und ein Gourmet-Koch zueinander, die mit den chaotischen Begleiterscheinungen der Krankheit umzugehen versuchen. Ein elegisch temperiertes Drama, das durch sinnlich-melancholische Bilder in warmen Sepia-Tönen in Bann schlägt und mit einer Fülle an Einsichten und Reflexionen aufwartet, die eine große Spannweite menschlicher Empfindungen und Verhaltensweisen ausloten. Die souveräne Inszenierung und die beiden Hauptdarsteller halten die stilvoll überkonstruierte Parabel im Lot.“

TV- und Mediatheken-Tipps vom 18. bis 24. Februar 2021

Zusammengestellt von Rainer Mesch (Casa-Akademie) und mit Zitaten aus den Kurzkritiken von filmdienst.de!

Weitere Film-Highlights für diese Woche: Berlinale-Filmreihe auf ARTE (17. bis 25. Februar)


Helle Nächte

von Thomas Arslan, Deutschland/Norwegen 2017
Donnerstag, 18. Februar 2021, 23:55 Uhr, RBB – bis 26.2. in der ARD-Mediathek

Deutsches Kino der „Berliner Schule“ – Silberner Bär für Georg Friedrich bei der Berlinale.

„Ein verschlossener Eigenbrötler gerät in eine Krise, als er erkennen muss, dass er nicht jedes Geschehen steuern kann. Um sich seinem 14-jährigen Sohn, der bei der Ex-Frau aufwächst, anzunähern, reist er mit ihm zur Beerdigung seines eigenen Vaters nach Norwegen. Eine beklemmende Vater-Sohn-Geschichte, mittels prägnanter, kontrastreicher Ellipsen als existenzialistisches Road Movie gestaltet. Hinter der zurückhaltend eingesetzten Symbolik offenbaren sich subtil die Gefühlswelten der beiden glänzend gespielten Protagonisten, deren Bereitschaft zum gegenseitigen Kontakt mehr und mehr von destruktiven Gefühlen aufgezehrt wird.“


Nico, 1988

von Susanna Nicchiarelli, Italien/Belgien 2017
Freitag, 19. Februar 2021, 22:45 Uhr, Arte – bis 20.3. in der Arte-Mediathek

Schwermütiges Musikerinnen-Biopic mit einer famosen Darstellung von Trine Dyrholm.

„Ambitionierter Versuch einer Rekonstruktion der letzten Karrierestationen der deutschen Sängerin Christa Päffgen (1938-1988), die in den späten 1950er-Jahren als Fotomodell, Warhol-Muse und unter dem Künstlernamen Nico auch als Sängerin der Kultband The Velvet Underground international reüssierte. Der Glamour ihrer Anfänge überlagerte spätere Versuche mit einer anspruchsvolleren Musik. Schwer drogenabhängig und von allerlei Mythen umgeben, verwandelte sich die Künstlerin in eine kultisch verehrte, aber unnahbare Priesterin der Dunkelheit. Der in der Hauptrolle kraftvoll und überzeugend gespielte Film interpretiert dies nicht als Niedergang, sondern als eine Art emanzipatorischer Selbstfindung.“


Hail, Caesar !

von Joel Coen, USA/Großbritannien 2016
Samstag, 20. Februar 2021, 20:15 Uhr, Arte

Starbesetzter Coen-Streich (u.a. mit George Clooney, Ralph Fiennes, Scarlett Johansson, Frances McDormand und Tilda Swinton), eine Hommage an das US-Kino der 50er Jahre.

„Ein leitender Hollywood-Manager ist Anfang der 1950er-Jahre vor allem als Troubleshooter tätig, um Unheil von seinem Studio abzuwenden. Als der Hauptdarsteller eines prestige-trächtigen Sandalenfilms mit religiösen Anklängen entführt wird, muss er das Problem lösen, bevor die Klatschreporter davon Wind bekommen. Ein mit virtuoser Eleganz und großer Leichtigkeit zwischen Persiflage und Hommage pendelnder Film über die Goldene Ära Hollywoods. Das vergnügliche Schwelgen in Studiokulissen, die kongeniale Besetzung sowie die perfekte Nachbildung klassischer Hollywood-Standards geben der mäandernden Geschichte einen betörenden Widerschein, hinter deren schillernder Oberfläche durchaus auch gesellschafts- und kulturpolitische Missstände aufleuchten.“


Cronofobia

von Francesco Rizzi, Schweiz 2018
Samstag, 20. Februar 2021, 21:50 Uhr, Arte

Gewinner des Max-Ophüls-Festivals für die beste Regie und das beste Drehbuch.

„Ein wurzelloser Einzelgänger beobachtet nachts eine Frau, die schwer unter einem kürzlichen Verlust leidet. Als sie eines Tages in das Auto ihres Verfolgers steigt und ihn sukzessive in ihr Leben einführt, entwickelt sich in schweigendem Einvernehmen eine Form von Vertrautheit zwischen den beiden vereinsamten Menschen. Eine fragmentarische, vielschichtig aufgebaute Studie tiefer Verlorenheit, in der sich aus sorgfältig komponierten Einstellungen und einer kongenialen Bildsprache eine bemerkenswerte Intensität entwickelt. Unter Verzicht auf übermäßige Erklärungen zeigt der Film über die allmähliche Annäherung einen schlüssigen Weg aus den beiderseitigen Traumata auf.“


Land des Honigs

von Ljubomir Stefanov, Nordmazedonien 2019
Mittwoch, 22. Februar 2021, 22.30 Uhr, 3Sat – bis 23.3. in der 3Sat-Mediathek

Oscarnominierte Doku, die wir gerne in unserer Agenda 21-Kinoreihe gezeigt hätten.

„Beobachtender Dokumentarfilm über das archaische Leben der letzten Wildimkerin Nordmazedoniens, die zusammen mit ihrer 86-jährigen Mutter alleine in einem verlassenen Bergdorf lebt. Der Zuzug einer türkischen Großfamilie mitsamt 150 Kühen stellt ihre naturverbundene Lebensweise dann auf eine harte Probe. Ein visuell atemberaubender Dokumentarfilm mit einer einprägsamen Protagonistin, der sanfte Kapitalismuskritik übt und zugleich an ein harmonisch-humanistisches Miteinander zwischen Mensch, Tier und Natur appelliert.“


Nach dem Urteil

von Xavier Legrand, Frankreich 2017
Mittwoch, 24. Februar 2021, 23.15 Uhr, 3Sat

Intensives Sorgerechtsdrama, mehrfach Cesar-prämiert und auf vielen Festivals gezeigt.

„Ein geschiedener Vater erstreitet vor dem Familiengericht das Recht, seinen elfjährigen Sohn jedes zweite Wochenende sehen zu dürfen. Doch aufgrund der Gewalttätigkeit des Mannes ist der Junge so sehr verschreckt, dass die Wochenenden für ihn zur Tortur werden. Noch schlimmer kommt es, weil der Vater seine geschiedene Frau noch immer liebt und sie zurückhaben will – notfalls mit Waffengewalt. Eine spannende und beklemmende Mischung aus Drama und Thriller, die zunächst fast dokumentarisch die Verhandlung vor dem Familiengericht zeigt, um dann die erschreckenden Folgen des Urteils zu beschreiben. Der beeindruckend gespielte Film ist schonungslos in seiner Darstellung psychischer wie physischer Gewalt, enthält aber durchaus Momente der Hoffnung.“

Berlinale-Filmreihe auf ARTE (17. bis 25. Februar)

Berlinale-Poster 2021 Die Berlinale ist ein fester Programmpunkt im Kinojahr und meist die einizige Zeit in der das Casa-Büro zwei Wochen lang komplett verwaist ist. Während das international renommierte Festival letztes Jahr gerade noch stattfinden konnte, kann sie dieses Jahr nicht in der gewohnten Form stattfinden. Trotzdem: Die Wettbewerbsfilme stehen fest und Fachbesucher*innen kommen Anfang März zumindest digital in den Genuss einiger vielversprechender Filme. Für Juni ist dann auch ein kleineres Publikumsfestival vor Ort geplant. Wer trotz allem im tristen Februar schon ein bisschen Berlinale-Luft schnuppern möchte, sollte diese spezielle Filmreihe wahrnehmen: Unter dem Motto „Best of Berlinale“ zeigt ARTE vom 17. bis 25. Februar sieben Highlight-Filme aus vergangenen Berlinale-Jahrgängen, von denen einige auch in der Arte-Mediathek verfügbar sein werden.

Trailer „Best of Berlinale“

Programm:

Mittwoch, 17. Februar 2021, 20:15 Uhr
Mit Siebzehn

Sensibles Coming-of-Age-Kino von einem Meister der französischen Erzählkunst.

Mittwoch, 17. Februar 2021, 23:00 Uhr
Die Erbinnen

Mehrfach ausgezeichnetes Melodram (u.a. Silberner Bär für die Hauptdarstellerin Ana Brun) aus einem uns weitgehend unbekannten südamerikanischen Filmland.

Donnerstag, 18. Februar 2021, 02:20 Uhr
Remainder

Sonntag, 21. Februar 2021, 20:15 Uhr
There Will Be Blood (bis 27. Februar in der Mediathek)

Kraftvolles und oscarprämiertes US-Kino (bester Hauptdarsteller, bester Kamera) mit einem herausragenden Daniel Day-Lewis.

Mittwoch, 24. Februar 2021, 20:15 Uhr
Alles was kommt (bis 2. März in der Mediathek)

Mittwoch, 24. Februar 2021, 21:50 Uhr
Ein Leben für den Film – Lotte Eisner (Doku, bis 25. März in der Mediathek)

Mittwoch, 24. Februar 2021, 22:50 Uhr
O Beautiful Night (bis 25. März in der Mediathek)

Berlinale-gefeierter Debutfilm, den wir in Anwesenheit des Regisseurs gezeigt haben.

Donnerstag, 25. Februar 2021, 23:55 Uhr
Mein Bruder heißt Robert und ist ein Idiot (bis 3. März in der Mediathek)

FFMOP 2021: Unsere Favoriten aus Saarbrücken

Das Filmfestival Max Ophüls Preis in Saarbrücken steht zu Unrecht im Schatten der bekannteren deutschen Festivals in Berlin, Hof und München. Aus Pandemie-Gründen konnte das diesjährige Festival nur online stattfinden, was aber den Vorteil hatte, dass gleich drei Mitarbeiter*innen des Casablancas die dortigen Filme sichten konnten. Sie stellen hier ihre Festivalfavoriten vor.


Das Filmfestival Max Ophüls Preis (kurz FFMOP) wurde 1980 gegründet und versteht sich als Forum für den gesamten deutschsprachigen Nachwuchsfilm, d.h. hier werden auch Filme aus Österreich und der Schweiz (ggf. mit Untertiteln) gezeigt. Es findet jährlich Ende Januar statt.
In den Sparten Spielfilm, Dokumentarfilm, mittellanger Film und Kurzfilm werden zahlreiche Preise vergeben. Ebenso gibt es einen Publikumspreis, Darstellerpreise und einen Ehrenpreis, der dieses Jahr an Wim Wenders ging. Zahlreiche Regisseur*innen und Schauspieler*innen wurden in Saarbrücken „entdeckt“ und sind mit ihren dort prämierten Debutfilmen einem größeren Publikum bekannt geworden.
Saarbrücken ist wie Hof ein Festival „zum Anfassen“. Die Besucherzahlen sind in den letzten Jahren, insbesondere durch die Beliebtheit bei der Saarbrücker Bevölkerung, enorm angewachsen. Selbst an Wochentagen sind in vielen Nachmittagsvorstellungen die großen Kinosäle voll belegt. Die junge Filmemacher*innen brennen darauf, mit dem Publikum ins Gespräch zu kommen – was normalerweise durch die räumliche Nähe auch problemlos möglich ist. Dieses Jahr gab es zu jedem Wettbewerbsfilm ein aufgezeichnetes Filmgespräch und vereinzelt auch interaktive Diskussionen mit dem Publikum.

Die Favoriten unseres CasaAkademie-Leiters Rainer Mesch

Borga
Von York-Fabian Raabe
‚Borga’ war neben ‚Fuchs im Bau’ der Hauptgewinner des diesjährigen Festivals und wurde in den Kategorien Bester Spielfilm, Publikumspreis, Preis für den gesellschaftlich relevanten Film und Preis der ökumenischen Jury ausgezeichnet. Sein charismatischer Hauptdarsteller Eugene Boateng erhielt einen Sonderpreis. Borga sind Ghanaer, die es im Ausland zu vermeintlichen Wohlstand gebracht haben und wieder in ihr Heimatdorf zurückkehren. Der Film erzählt erstmals eine Geschichte aus afrikanischer Perspektive und handelt von zwei Brüdern, die einen unterschiedlichen Lebensweg gehen. Er ist erzählerisch dicht, schreckt nicht vor unschönen Wahrheiten zurück, bleibt jedoch hoffnungsvoll. Ein Film für die große Leinwand. Infolge des Preisregens können wir uns sicher auf einen Kinostart freuen, sobald dies wieder möglich ist.

Die Vergesslichkeit der Eichhörnchen
Von Nadine Heinze und Marc Dietschreit
Das Thema „osteuropäische Pflegekraft betreut rund um die Uhr dementen deutschen Senior“ in einen unterhaltsamen, aber nicht oberflächlichen Publikumsfilm zu verwandeln, ist keine leichte Aufgabe. Noch dazu, wenn der alte Herr die Pflegerin für seine verstorbene Ehefrau hält und diese das Spiel mitspielt. Dieser Film schlägt nicht nur von der Handlung her unerwartete Kapriolen, sondern besticht in seiner Mischung aus Tragikomödie, Familiendrama, Sozialrealismus und – ja auch einem Schuss filmischen Märchens. Günther Maria Halmer und Emilia Schüle nehmen mit ihren Figuren für sich ein und auch die Nebenrollen sind gut besetzt. Ein Kinoverleih steht bereits fest.

Wir Alle. Das Dorf.
Von Antonia Traulsen und Claire Roggan
Diese sehr sehenswerte Langzeit-Doku ist eigentlich eine Fernsehproduktion des NDR, würde aber hervorragend in unsere Agenda-Filmreihe passen. Mitten im Wendland will eine Gruppe gesellschaftlich engagierter Menschen ein eigenes Dorf gründen, in dem junge Familien, Senioren, aber auch Geflüchtete leben sollen. Der Film portraitiert einige von ihnen auf Augenhöhe, erzählt von Rückschlägen und Fortschritten, vom Widerstand der Anwohner und von Reflektionsprozessen der Dorfgründer. Ein sympathisches Sozialexperiment, von dem man gerne wüsste, wie es grundsätzlich und mit den gezeigten Protagonist*innen weitergeht. Er bietet wichtige gesellschaftliche und persönliche Denkanstösse, die über das gezeigte Projekt hinausgehen. Ihm wäre ein mutiger Kino-Verleih zu wünschen, wir wären dabei.

Die Favoriten unserer Programmkoordinatorin Laura Oehme

Der österreichische Film ‚Fuchs im Bau’ basiert auf den tatsächlichen Erfahrungen eines Gefängnislehrers mit unkonventionellen Unterrichtsmethoden. Im Film, für den Arman T. Riahi u.a. mit dem Preis für Beste Regie und dem Fritz-Raff-Drehbuchpreis ausgezeichnet wurde, soll Hannes Fuchs (Aleksandar Petrović) die eigenwillige Pädagogin Elisabeth Berger (Maria Hofstätter) in einer Wiener Gefängnisschule ablösen. Doch diese hat andere Pläne und die Ereignisse um einer der Schülerinnen überschlagen sich. Das Klassenzimmer ist zu einem Raum in dem die straffällig gewordenen Jugendlichen „frei“ sein können und ebenso soziale Tabuthemen verhandelt werden – und das „ohne angestrengte Suspense, aber voller gefährlicher Stillen“ (aus der Begründung der Jury).

‚Dear Future Children’ von Franz Böhm ist ein absolut sehenswerter Dokumentarfilm, der drei junge Aktivistinnen aus drei Kontinenten und mit drei unterschiedlichen Anliegen vorstellt: Rayen aus Chile (soziale Gerechtigkeit), Hilda aus Uganda (Klimawandel) und “Pepper” aus Hongkong (Demokratiebewegung). Der Film ergründet eindrucksvoll warum die jungen Frauen entgegen aller Hoffnungslosigkeit bereit sind weitreichende persönliche Risiken in Kauf zu nehmen und gewann dafür in Saarbrücken den Publikumspreis in der Kategorie Dokumentarfilm.

Bei ‚The Case You’ handelt es sich um das eindrückliche Langfilmdebüt von Alison Kuhn, welches den wahren Fall eines groben Machtmissbrauchs in der Film- und Fernsehbranche aus Sicht der Betroffenen beleuchtet. Fünf Frauen berichten von einer traumatisierenden Casting-Erfahrung; die reduzierten filmischen Mittel (Theatersaal als Drehort; minimalistischer Soundtrack; kleines Film-Team) unterstreichen die individuelle aber auch universelle Tragweite derartiger Übergriffe im Kontext der aktuellen MeToo-Debatte. Der Film wurde in Saarbrücken mit dem Preis für Beste Musik in einem Dokumentarfilm ausgezeichnet.

Die Favoriten unseres Theaterleiters Matthias Damm

Der Eröffnungsfilm ‚A Black Jesus‘ ist ein Glücksfall von einem Dokumentarfilm. Eine gute Idee, gute Protagonisten und gute Umsetzung – da nimmt man dem Film auch nicht krumm, dass sicher im Detail einiges mehr inszeniert ist als behauptet wird. Die Idee: Im Dorf Siculiana auf Sizilien wird eine schwarze Jesus-Statue verehrt – die Prozession zu Ostern, bei der die Statue von Männern aus dem Dorf durch die Straßen getragen wird, ist der Höhepunkt des Jahres. Regisseur Lucas Lucchesi stammt aus Siculiana – und hat auch miterlebt, wie die beschauliche Welt seines Dorfes zum Schauplatz der Weltpolitik wird, seit an den Stränden Flüchtlinge aus Nordafrika ankommen und das Dorf zum Opfer der italienischen Flüchtlingspolitik wird, die offenkundig nicht helfen will, sondern die Unterbringung der Flüchtlinge im damit völlig überforderten Dorf nutzt, um die Lage zuzuspitzen. Lucchesi erzählt die Geschichte des schwarzen (also: aus schwarzem Holz geschnitzten) Jesus und gleichzeitig die der schwarzen (und streng gläubigen) Flüchtlinge, deren Traum es wird, zum Teil des Rituals zu werden und den schwarzen Jesus tragen zu dürfen. Der Traum wird wahr – und es kommt zu Begegnungen zwischen Flüchtlingen, Wohlwollenden im Dorf (wie dem engagierten Italienisch-Lehrer und dem für die Prozession verantwortlichen Priester) und den weniger wohlwollenden Überforderten. Der schwarze Jesus löst keines der Probleme – aber Lucchesis Film zeigt meisterhaft ihre Komplexität, heruntergebrochen auf die einfachen Mechanismen eines, seines Dorfes.

Filmemachen ist Experimentieren, Ausprobieren, Visualisieren von Ideen. Man merkt einem Film an, wenn er von Tatendrang und Schaffenswillen getrieben ist und nicht von den Vorgaben der Förderer und Fernseh-Redaktionen. Wie großartig das gelingen kann, hat für mich schon lange kein Film mehr so gut gezeigt wie ‚Die Sonne brennt‘ von Joséphine Demerliac, die damit ihr Spielfilmdebüt vorlegt. Ihre Protagonistin ist Zou (die im Abspann nur so heißt, tatsächlich aber die Regisseurin selbst ist), eine junge Frau aus Frankreich, die sich durch einen heißen Sommer in Berlin treiben lässt, in komplizierten Gefühlen zwei Männern gegenüber steht und den Unbillen der Generation Praktikum ausgesetzt ist. Viel Handlung gibt es nicht in diesem nur 75 Minuten kurzen Film, aber eine Abfolge aus Szenen, die alle echt wirken, mit großartigen Dialogen und toller Musik. Ein Film, der das Gefühl erzeugt, dass man seiner Protagonistin ganz nah gekommen ist.

Wer hätte das gedacht – Väter erkennt man offenbar vor allem an ihrem Niesen. Das ist nicht die wichtigste Erkenntnis aus ‚Väter Unser‘ von Sophie Linnenbaum, aber sie illustriert, was dieser Film kann: Sechs sehr unterschiedliche Menschen (offenbar aus einer großen Zahl von Personen ausgewählt, die in umfangreichen Vorrecherchen befragt wurden) erzählen Geschichten über ihre Väter. Formell denkbar unspektakulär umgesetzt sitzen sie vor schwarzen Hintergründen und erzählen ihre bewegenden, bedrückenden, witzigen oder traurigen Geschichten. Sophie Linnenbaum (die übrigens aus Nürnberg stammt) schafft es, ohne es jemals in Worte fassen zu müssen ein Bild dessen zu entwerfen, was Väter sein können, sollten und müssen. Ein Film, der Gedanken in Gang bringt – dem eigenen Vater gegenüber und auch über die eigene Rolle als Vater.

TV- und Mediatheken-Tipps vom 11. bis 17. Februar 2021

Zusammengestellt von Rainer Mesch (Casa-Akademie) und mit Zitaten aus den Kurzkritiken von filmdienst.de!


Casting

von Nicolas Wackerbarth, Deutschland 2017
Donnerstag, 11. Februar 2021, 23:40 Uhr, RBB – bis 11.5. in der ARD-Mediathek

Zwischen Realität und Groteske – alles was Sie schon immer über Castings wissen wollten.

„Kurz vor Drehbeginn einer Neuverfilmung von Rainer Werner Fassbinders „Die bitteren Tränen der Petra von Kant“ fürs Fernsehen sucht die Regisseurin noch nach der idealen Besetzung. Während sich im Team langsam Nervosität ausbreitet und die sich vorstellenden Schauspielerinnen mit Versagensängsten und Eitelkeiten kämpfen, findet der Anspielpartner im Casting immer mehr Gefallen an seiner Aufgabe. Improvisationskomödie, die durch Spielfreude und ein virtuoses Schauspielerinnen-Ensemble begeistert. Mittels der Fassbinder-Vorlage macht sie die Abhängigkeiten und Macht-Asymmetrien in der Fernsehwelt deutlich, wobei sie geschickt den Unschärfebereich zwischen Fiktion und Leben, Person und Rolle nutzt.“


Making Waves: The Art of Cinematic Sound

von Midge Costin, USA 2019
Freitag, 12. Februar 2021, 21:55 Uhr, Arte – bis 13.3. in der Arte-Mediathek

Doku: Was Cineasten schon immer über das Sounddesign von Filmen wissen wollten.

„In Form einer umfassenden chronologischen Darstellung der Entwicklung des Tons im Film würdigt der Dokumentarfilm einen hochkomplexen und unverzichtbaren, aber selten hervorgehobenen Aspekt der Filmkunst. Neben der informativen und kurzweilig präsentierten Historie kommen zahlreiche Filmschaffende zu Wort, zudem werden einige Meister des Ton-Designs wie Walter Murch, Ben Burtt und Gary Rydstrom vorgestellt. Die versierte und für Laien wie Cinephile gleichermaßen reizvolle Dokumentation ist in ihrem Informationsgehalt vorbildlich und weist nur in der Beschränkung auf US-Beispiele Leerstellen auf.“


Aufschrei der Jugend

von Kathrin Pitterling, Deutschland 2019
Dienstag, 16. Februar 2021, 23:30 Uhr, NDR – bis 7.1.22 in der ARD-Mediathek

Empfehlung einer TV-Doku, die thematisch auch gut in unsere #FilmsForFuture-Reihe gepasst hätte.

„Die Filmemacherin Kathrin Pitterling begleitet seit Anfang 2019 junge Protagonist*innen der Fridays for Future-Bewegung bei Protesten und im Privatleben. Ihre Reportage zeigt, wie vielfältig, schöpferisch, aber auch kräftezehrend das Engagement für den Erhalt des Planeten sein kann. Die Jugendlichen erzählen von ihren Ängsten, Träumen, Erfolgen und Niederlagen. Aus den vielen einzelnen Geschichten ergibt sich so etwas wie ein Porträt einer Generation, die sich mit der soften Ratlosigkeit ihrer abgeklärten Eltern nicht mehr zufrieden geben will.“


Mit Siebzehn

von André Téchiné, Frankreich 2016
Mittwoch, 17. Februar, 20:15 Uhr, Arte

Sensibles Coming-of-Age-Kino von einem Meister der französischen Erzählkunst. Um 0:35 Uhr schließt sich die Doku ‚André Téchiné – Filmregisseur mit Leidenschaft‘ an.

„Eine Landärztin lädt den 17-jährigen Sohn einer schwangeren Bäuerin ein, bei ihr zu wohnen, solange die Mutter im Krankenhaus ist. Das passt ihrem eigenen Sohn anfangs überhaupt nicht, da die Jugendlichen schon in der Schule ständig aneinander geraten. Fortan tragen sie ihren Streit noch heftiger aus, bis sie auf unerwartete Weise entdecken, dass sie sich zueinander hingezogen fühlen. Außergewöhnlich feinfühliges Jugenddrama, nur scheinbar mit leichter Hand, in Wahrheit hochpräzise inszeniert. Mit beeindruckenden Schauspielern entstand ein lebensnahes Abbild jugendlicher Befindlichkeiten und Empfindungen, das in ein ebenso intensives Porträt ihrer Umwelt eingebettet ist.“


Die Geheimnisse des schönen Leo

von Benedikt Schwarzer, Deutschland 2018
Mittwoch, 17. Februar, 23:00 Uhr, WDR

Eine familiäre Politdoku, die der Regisseur bei uns im Kino persönlich vorgestellt hat.

„Der Filmemacher Benedikt Schwarzer will herausfinden, was an den Vorwürfen gegen seinen Großvater Leo Wagner (1919-2006) dran ist, der als CSU-Bundestagsabgeordneter angeblich für die Stasi gearbeitet haben soll. Seine kurzweilige Spurensuche mit der Kamera enthüllt nicht nur eine hochkomplizierte Familiengeschichte, sondern fördert überraschende Details einer höchst ambivalenten Karriere zu Tage, in der sich der Politiker sein ausschweifendes Leben von der DDR finanzieren ließ. Ein brillanter, wenngleich formal eher konventioneller Film über Gier, menschliche Abgründe und die Geister der Bonner Republik.“


Die Erbinnen

von Marcelo Martinessi, Paraguay/Deutschland/Brasilien/etc. 2018
Mittwoch, 17. Februar, 23:00 Uhr, Arte – bis 23.2. in der Arte-Mediathek

Mehrfach ausgezeichnetes Melodram (u.a. Silberner Bär für die Hauptdarstellerin Ana Brun) aus einem uns weitgehend unbekannten südamerikanischen Filmland.

„Die Beziehung zweier seit vielen Jahren als lesbisches Paar in der paraguayischen Hauptstadt Asunción lebender Frauen verändert sich, als die Dominantere der beiden für ein paar Monate ins Gefängnis muss. Ihre stille Partnerin rutscht in dieser Zeit in die Rolle einer Chauffeurin hinein, mit der sie Geld verdient, herumkommt und andere Frauen kennenlernt. Das stille Melodram wirft einen liebevollen Blick auf den Alltag der beiden unterschiedlichen Frauen und beobachtet mit großer Sensibilität und Aufmerksamkeit, welche Veränderungen ein bisschen Emanzipation hervorrufen kann.“