Monat: Januar 2021

TV- und Mediatheken-Tipps vom 28. Januar bis 3. Februar 2021

Zusammengestellt von Rainer Mesch (Casa-Akademie) und mit Zitaten aus den Kurzkritiken von filmdienst.de!


Cobain

von Nanouk Leopold, Niederlande/Belgien/Deutschland 2017
Donnerstag, 28. Januar 2021, 23:30 Uhr, WDR – bis 4.2. in der Arte-Mediathek

Bedrückende Coming-of-Age-Story der eigenwilligen niederländischen Regisseurin.

„Ein 15-jähriger Junge versucht seine knapp doppelt so alte Mutter aus ihrer Heroin-Abhängigkeit zu befreien und zum Entzug zu bewegen. Doch die erneut schwangere Frau will weder für sich noch für ihn Verantwortung übernehmen. Das im Rotlichtviertel von Rotterdam angesiedelte Jugenddrama fokussiert großteils in Naheinstellungen auf den Heranwachsenden, der sich zwischen kindlicher Sehnsucht und jugendlicher Entschlossenheit selbst überfordert. Der herausragend gespielte Film meidet alle Klischees und skizziert die wortlose Distanzlosigkeit einer außergewöhnlichen Mutter-Kind-Beziehung so komplex wie bisweilen auch recht schmerzhaft.“


El Clan

von Pablo Trapero, Argentinien/Spanien 2015
Samstag, 30. Januar 2021, 23:10 Uhr, 3Sat

Eine politische Geschichte im Gewand eines Mafia-Thrillers. Argentiniens Oscar-Nominierung für den besten fremdsprachigen Film.

„Eine Großfamilie aus einem wohlhabenden Viertel von Buenos Aires führt Anfang der 1980er-Jahre nach außen hin ein unaufgeregtes Leben, während im Keller ihres Hauses reiche Entführungsopfer bangen, ob ihre Familien Lösegeld bezahlen. Als der Patriarch auch vor Mord nicht zurückschreckt, will sein ältester Sohn nicht mehr mitmachen. Das dichte Drama nach einem realen Fall entwirft ein bedrückendes Sittenbild der argentinischen Gesellschaft im Übergang von der Diktatur zur Demokratie. Inszenatorisch verwebt der doppelbödige Film Thriller-Elemente mit einer Vater-Sohn-Tragödie und formuliert einen facettenreichen Kommentar zum wirtschaftlichen wie moralischen Niedergang des argentinischen Bürgertums.“


Weit

von Patrick Allgaier und Gwendolin Weisser, Deutschland 2017
Montag, 1. Februar 2021, 22:35 Uhr, 3Sat – bis 28.2. in der Arte-Mediathek

Sympathischer Überraschungserfolg und Vorreiter der Reisefilm-Welle.

„Die Freiburger Globetrotter Patrick Allgaier und Gwendolin Weisser brechen im Frühjahr 2013 auf, um zu Fuß oder per Anhalter die Welt zu umrunden und diese mit allen Sinnen aufzunehmen. Ihre Erlebnisse und Erfahrungen füllen abwechslungsreich den dokumentarischen Film, der in der Überfülle an Impressionen mitunter zwar wie eine Diashow in Bewegtbildern anmutet, zugleich aber ein ansteckend positives, Mut machendes Bild der Erde und ihrer Bewohner entwirft. Zur Weltoffenheit und Neugier der Reisenden gehört auch, dass sie eigene Vorurteile revidieren und verdeutlichen, dass man selbst nach 100.000 Kilometern immer noch sehr wenig von der Welt gesehen hat.“


In My Room

von Ulrich Köhler, Deutschland 2018
Montag, 1. Februar 2021, 22:00 Uhr, Arte – bis 7.2. in der Arte-Mediathek

Pures Arthouse-Kino der Berliner Schule.

„Ein wenig erfolgreicher Kameramann kehrt von Berlin in die ostwestfälische Provinz zurück, als seine Großmutter im Sterben liegt. Als er dort eines Morgens erwacht, ist die Menschheit verschwunden. Mit Anleihen bei und Varianten von einschlägigen Genre-Vorbildern und psychologischen Tiefenbohrungen entwirft die schillernde Robinsonade eine visuell bestechende postapokalyptische Fantasie, die mit großer filmischer Souveränität eine Studie von Männlichkeit zwischen Depression, Neubeginn, Selbstentwurf und Scheitern entwickelt.“


Girl

von Lukas Dhont, Belgien 2018
Mittwoch, 3. Februar 2021, 20:15 Uhr, Arte – bis 9.2. in der Arte-Mediathek

Für Fans unserer Queer-Film-Reihe. In Cannes als bester Spielfilm mit der Camera d`Or und der Queer Palm ausgezeichnet.

„Ein 15-jähriges Transgender-Mädchen träumt davon, Ballerina zu werden und auch körperlich ganz eine Frau zu sein. Die langwierige Geschlechtsumwandlung, das harte Training an einer renommierten Tanzakademie und die normalen Wirren der Pubertät drohen seine Psyche jedoch immer mehr kollabieren zu lassen. In warmen Farben und weichen Texturen erzählt das hochenergetische Spielfilmdebüt ein berührendes, von der Arbeit und dem Leiden am (falschen) Körper begleitetes Innerlichkeitsdrama.

TV- und Mediatheken-Tipps vom 21. bis 27. Januar 2021

Zusammengestellt von Rainer Mesch (Casa-Akademie) und mit Zitaten aus den Kurzkritiken von filmdienst.de!


Contagion

von Steven Soderbergh, USA/Vereinigte Arabische Emirate 2011
Sonntag, 24. Januar 2021, 23:15 Uhr, Sat 1

Unbedingt ansehen ! Dieser 10 Jahre alte Film nimmt unsere Pandemie in derart detaillierter Vorausschauung vorweg, dass man sich sehnlichst ein anderes Filmende wünscht….

„Eine Virus-Epidemie breitet sich mit rasender Geschwindigkeit über den Globus aus. Der Film beschreibt den Verlauf der Seuche, deren gesellschaftlichen und menschlichen Folgen sowie die Bemühungen von Wissenschaftlern, das Virus unter Kontrolle zu bringen. Attraktiv mit einem Star-Ensemble besetzt, dabei aber kühl und distanziert erzählt, setzt der Thriller nicht auf die Mechanismen eines Katastrophenspektakels oder auf drastischen Körperhorror, sondern schockiert durch die Glaubwürdigkeit und wissenschaftliche Akkuratesse des geschilderten Szenarios.“


Sicario

von Denis Villeneuve, USA 2015
Montag, 25. Januar 2021, 22:15 Uhr, ZDF

Nervenzehrender Spitzenthriller des vielseitigen kanadischen Regisseurs Denis Villeneuve.

„Eine junge FBI-Agentin schließt sich einer undurchsichtigen Task-Force an, die für die US-Regierung als Teil des sogenannten Drogenkriegs verdeckte Operationen in Mexiko durchführt. Sie will die Drahtzieher des Sonora-Kartells dingfest machen, doch gleich ihr erster Einsatz in der Grenzstadt Juárez mündet in einer mörderischen Schießerei. Angesichts des ethisch wie juristisch mehr als fragwürdigen Umfelds gerät sie in immer größere Verwirrung. Komplexes, visuell großartiges Thriller-Drama, das sich bravourös der Erkundung moralischer Grauzonen in der Verbrechensbekämpfung stellt.“


The Euphoria of Being

von Réka Szabó, Ungarn 2019
Montag, 25. Januar 2021, 22:25 Uhr, 3Sat

Ein vielgelobter Höhepunkt des diesjährigen DokFilmFestes München.

„Doku über die Entstehung einer Tanzperformance, in der die 90-jährige Tänzerin Éva Fahidi im getanzten Dialog mit einer Modern-Dance-Tänzerin über ihr Leben erzählt, das zutiefst davon geprägt ist, dass sie als einzige ihrer Familie das KZ Auschwitz überlebte. In der einzustudierenden Performance soll sich all das spiegeln: Erinnerung und Schmerz, das Trauma und der Versuch einer tänzerischen Trauma-Bearbeitung. Ein schwieriger, schmerzhafter Prozess, der aber auch wunderbare Momente bereithält, in denen Fahidi ihre Euphorie da zu sein aufstrahlen lässt.“


Die Lügen der Sieger

von Christoph Hochhäusler, Deutschland/Frankreich 2014
Montag, 25. Januar 2021, 20:15 Uhr, One – bis 25.4. in der ARD-Mediathek

Ein deutscher Politthriller – inszeniert von einem Regisseur der „Berliner Schule“.

„Der Star-Reporter eines politischen Nachrichtenmagazins, der bei Recherchen über Unregelmäßigkeiten bei der Bundeswehr feststeckt, kommt gemeinsam mit einer Praktikantin einem Giftmüll-Skandal auf die Spur. Ambitionierter investigativer Paranoia-Thriller, der die vertrauten Erzählmuster des Genres durch die Dramaturgie einer „musikalischen Montage“ bis an ihre Grenzen führt. Damit artikuliert der Film das Unbehagen an einer perfiden Verschränkung von Politik, Medien und Öffentlichkeit im digitalen Zeitalter, was zu einer nachhaltigen Verunsicherung führt.“


Styx

von Wolfgang Fischer, Deutschland/Österreich 2018
Mittwoch, 27. Januar 2021, 20:15 Uhr, Arte – bis 5.2. in der Arte-Mediathek

Bei unserer CasaAkademie-Veranstaltung „Rückblick deutscher Film 2018“ als überzeugendster Film jenes Jahres ausführlich gewürdigt.

„Auf einem Segeltörn von Gibraltar Richtung Südatlantik trifft eine deutsche Ärztin mit ihrer Yacht auf ein havariertes Flüchtlingsschiff. Die alarmierte Seenothilfe fühlt sich jedoch so wenig verantwortlich wie ein Containerschiff. Das sich in der Folge abspielende menschliche Drama entspinnt sich als Thriller, der vor dem Hintergrund des offenen Meeres auf den europäischen Diskurs um die Seenotrettung afrikanischer Flüchtlinge zielt.“


Whale Rider

von Niki Caro, Neuseeland/Deutschland 2015
Mittwoch, 27. Januar 2021, 21:50 Uhr, Arte – bis 25.2. in der Arte-Mediathek

Einfach ein wunderschöner Film…

„Der traditionsbewusste Führer eines Maori-Stammes auf Neuseeland kann nicht akzeptieren, dass ihm seine Tochter nur eine Enkelin statt eines Nachfolgers schenkte. Das inzwischen zwölfjährige Mädchen versucht alles, ihn von seiner Haltung abzubringen. Als Wale, die heiligen Tiere der Maori, an den Strand gespült werden, sieht der Stamm großes Unheil kommen, das Mädchen aber seine Chance. Eine betörend schöne, in traumhaften Bildern eingefangene Geschichte, die sowohl die Lebendigkeit von Traditionen und Legenden als auch die zunehmend prägende aktuelle Lebenswirklichkeit sowie die emanzipatorischen Bestrebungen der nachwachsenden Maori- Generationen überzeugend darstellt.“

TV- und Mediatheken-Tipps vom 14. bis 20. Januar 2021

Zusammengestellt von Rainer Mesch (Casa-Akademie) und mit Zitaten aus den Kurzkritiken von filmdienst.de!


Thelma

von Joachim Trier, Norwegen/Frankreich/Dänemark/Schweden 2017
Donnerstag, 14. Januar 2021, 23:30 Uhr, WDR

Ein romantischer Fantasy-Thriller mit Horrorelementen des in Insiderkreisen hochgehandelten norwegischen Regisseurs Joachim Trier.

„Eine junge, schüchterne Frau nimmt in Oslo ein Biologiestudium auf, wo sie von ihren streng religiösen, ihr aber sehr zugewandten Eltern ständig angerufen wird. Als sie sich der elterlichen Kontrolle entzieht, studentische Freiheiten genießt und in eine Kommilitonin verliebt, erleidet sie einen epileptischen Anfall, dessen Ursachen sich medizinisch nicht aufklären lassen. Das durchgängig aus der Perspektive der überforderten Protagonistin erzählte Drama spielt mit filmgeschichtlichen Anleihen und Elementen aus dem Horrorgenre, handelt mit großer Ernsthaftigkeit aber auch von Einsamkeit und unbestimmten Ängsten.“


Arrival

von Denis Villeneuve, USA 2016
Samstag, 16. Januar 2021, 20:15 Uhr, Vox

Oscar-nominierter science-fiction des vielseitigen kanadischen Regisseurs Denis Villeneuve.

„Nach der Landung von zwölf ellipsenförmigen Alien-Raumschiffen an unterschiedlichen Orten der Erde scheitern erste Versuche, die Signale der fremden Wesen zu entschlüsseln. Die US-Regierung schickt ein Team um eine Sprachwissenschaftlerin und einen Physiker nach Montana, um Kontakt zu den Außerirdischen herzustellen und deren Absichten in Erfahrung zu bringen. Der mit großer Behutsamkeit inszenierte Science-Fiction-Film konzentriert sich ganz auf die Figurenpsychologie und erkundet stilistisch elegant erkenntnistheoretische Fragen. Inszeniert nah an der Figur der Linguistin, lösen sich Handlung und Psychologie zuweilen in der Entschleunigung auf, und doch bleibt stets genügend Raum, um das zentrale Geheimnis um Sprache, Zeit und Weltwahrnehmung zu wahren.“


Lost Highway

von David Lynch, Frankreich/USA 1996
Samstag, 16. Januar 2021, 22:10 Uhr, 3Sat

Man muss nicht alle David-Lynch-Filme verstehen, urteilte Siegfried König in einem Regie-Portrait in der CasaAkademie, aber man sollte sie gesehen haben…

„Ein von Eifersucht zerfressener Jazzsaxophonist soll seine Frau grausam ermordet haben. Er wird verurteilt und ins Gefängnis gesteckt, wo ihn unerträgliche Kopfschmerzen plagen. Eines Morgens sitzt an seiner Stelle ein junger Mechaniker in der Zelle. Auf freien Fuß gesetzt, beginnt dieser eine Affäre mit der Geliebten eines Kunden, die der Frau des Musikers aufs Haar gleicht. Verstörende, äußerst komplexe Reise ins Unheimliche, die mit den Mitteln der Verrätselung und des Horrorfilms den Zuschauer in Bann schlägt. Ein filmisches Meisterwerk, das über viele Fragen der Gegenwart zur Auseinandersetzung zwingt.“


Victoria

von Sebastian Schipper, Deutschland 2015
Montag, 18. Januar 2021, 20:15 Uhr, One – bis 25.1. in der ARD-Mediathek

Famos in einer einzigen Einstellung gedreht, gab es für diesen Film mehrere deutsche Filmpreise (für Regie, die beiden Hauptdarsteller, beste Kamera und Filmmusik) sowie einen Berliner Bären für den norwegischen Kameramann Sturla Brandth Grøvlen.

„Eine junge Spanierin lernt in einem Berliner Club vier proletarische Kleingangster kennen, die in dieser Nacht eine Schuld begleichen wollen. Als einer von ihnen ausfällt, springt sie für ihn ein. Ein radikales auratisches Drama auf Augenhöhe mit Jean-Luc Godards „Außer Atem“, in dem sich die innerlich zerrissene Protagonistin neu entdeckt. Dabei lebt der in einer einzigen Einstellung gedrehte Film von seiner enormen Konzentration sowie von der Intensität der Darsteller. Der Taumel des Geschehens, in dem jederzeit alles möglich ist, überträgt sich auf den Zuschauer, der mit den Protagonisten planlos und doch zugleich hellwach durch die Nacht driftet.“


Soy Nero

von Rafi Pitts, Deutschland/Frankreich/Mexiko/USA 2016
Dienstag, 19. Januar 2021, 0:10 Uhr (d.h. Mittwoch), Arte – bis 25.1. in der Arte-Mediathek

Rafi Pitts zählt zu den renommiertesten Vertretern des aktuellen iranischen Kinos, seine Filme wurden mit einer Vielzahl an internationalen Festivalpreisen bedacht.

„Einem mexikanischen Jugendlichen gelingt nach etlichen gescheiterten Versuchen die Flucht in die USA. In Los Angeles hofft er auf die Hilfe seines Bruders, der in einer protzigen Villa wohnt, doch sein Traum von besseren Leben zerplatzt. Um eine Greencard zu erhalten, meldet er sich für zwei Jahre zum Militärdienst und findet sich unversehens im Afghanistan-Krieg wieder. Die episodenhafte Mischung aus Drama, Satire und Kriegsfilm rückt das Glücksbegehren eines Migranten ins Zentrum. Die thematische und stilistische Unterschiedlichkeit der drei Episoden macht den besonderen Reiz des ebenso humorvollen wie brisanten Films aus.“


Children of Men

von Alfonso Cuaron, USA/Großbritannien 2016
Mittwoch, 20. Januar 2021, 23:15 Uhr, ZDF neo

Dystopischer Science-Fiction-Thriller des mexikanischen Regisseurs und späteren Oscar-Preisträgers Alfonso Cuaron („Gravitiy“, „Roma“).

„In nicht allzu ferner Zukunft ist die Menschheit unfruchtbar geworden. Ein Angestellter wird von seiner Ex-Frau in die Aktionen einer Untergrundorganisation verwickelt und soll die letzte schwangere Frau, eine farbige Immigrantin, sowohl vor Terroristen als auch vor Polizei und Militär schützen. Das eindrucksvolle pessimistische Zukunftsgemälde entwirft mit vielschichtigen Figuren eine düstere Version der Weihnachtsgeschichte und verbindet sie mit den Eigenschaften eines packenden, geradlinig erzählten Genrethrillers.“

TV- und Mediatheken-Tipps vom 7. bis 13. Januar 2021

Zusammengestellt von Rainer Mesch (Casa-Akademie) und mit Zitaten aus den Kurzkritiken von filmdienst.de!


The Killing of a Sacred Deer

von Giorgos Lanthimos, Irland/Großbritannien 2017
Donnerstag, 7. Januar 2021, 23:45 Uhr, RBB

Starbesetztes Drama (Colin Farrell, Nicole Kidman und Jungstar Barry Koeghan) vom Meister des abgründigen Humors und Wegbereiter des neuen griechischen Kinos.

„Der perfekte Familienentwurf eines erfolgreichen Herzchirurgen gerät aus dem Gleichgewicht, als sich ein 16-jähriger Junge als Relikt der Vergangenheit in sein Leben drängt. Als er sich zu entziehen versucht, ereignen sich übernatürliche Heimsuchungen, und der Teenager stellt dem Arzt ein perfides Ultimatum. Eine unheimliche, zutiefst verstörende und bizarre Allegorie voller Anspielungen auf die griechische Mythen- und die Filmgeschichte. Die mit viel Stilwillen umgesetzte Thriller-Variation reflektiert zudem die moralische Rolle des Familienoberhaupts in einer Situation der Machtlosigkeit.“


Das Geheimnis Georges Méliès

Samstag, 9. Januar 2021, 23:50 Uhr, Arte – bis 9.3. in der Arte-Mediathek

Eine französische Doku über Georg Méliès, der als Regisseur, Schauspieler und Filmpionier als Erfinder des narrativen Films gilt. Im Laufe seines Lebens dreht Méliès 520 Filme, die alle als zerstört galten, nachdem Méliès sie 1923 verbrannt hatte. Ein Fund in der Library of Congress hat fast 80 Negativfilme des Filmpioniers ans Licht gebracht. Mehr über Georges Méliès und seine Filme erfahren Sie demnächst in einer CasaAkademie-Veranstaltung zum Thema „Frühe Filme“.


Als wir träumten

von Andreas Dresen, Deutschland/Frankreich 2015
Montag, 11. Januar 2021, 20:15 Uhr, One – bis 18.1. in der ARD-Mediathek

Wir träumen seit „Gundermann“ von einem neuen Andreas-Dresen-Film, hier sein vorletzter.

„Eine Clique um drei Leipziger Jugendliche lebt in der unmittelbaren Nachwendezeit ziellos in den Tag. Zwischen Bolzen, Saufen und Prügeleien mit Neo-Nazis kristallisiert sich die Idee eines Technoclubs heraus, der für eine Weile zum Kompass wird, aber auch zur Radikalisierung und zum Absturz in Drogen, zu Eifersucht und Verrat beiträgt. Verfilmung des Romans von Clemens Meyer als intensives Jugenddrama, das mit schmutzig-braunen Bildern und hitzigem Erzähltempo ein soziales Vakuum skizziert.“


Gleißendes Glück

von Sven Taddicken, Deutschland 2016
Mittwoch, 13. Januar 2021, 23:10 Uhr, 3Sat

Deutsches Schauspielkino vom Feinsten mit Martina Gedeck und Ulrich Tukur.

„Einer sanftmütigen Hausfrau entgleitet angesichts der gewalttätigen Ader ihres Ehemanns ihr Gottvertrauen. Unter Schlafstörungen leidend, stößt sie auf die Ratgeber eines Selbsthilfe-Professors, den sie auf einem Kongress zu einem persönlichen Gespräch überredet und mit dem sie den Abend verbringt. Als der zunächst freundliche Mann offenbart, dass er an extremen Sexualfantasien leidet, reagiert sie verstört, fühlt sich dann aber berufen, ihn von seinen Obsessionen zu befreien. Von langen, ausgezeichneten Dialogszenen lebende Romanverfilmung über eine gefährliche Liebschaft, die ihre Protagonisten durchweg mit Sympathie zeichnet. Die ruhige Inszenierung vermeidet dramatische Beschleunigungen und konzentriert sich ganz auf die glänzenden Hauptdarsteller.“


Dunkirk

von Christopher Nolan, USA/Frankreich/Großbritannien/Niederlande/Deutschland 2017
Mittwoch, 13. Januar, 0:15 Uhr (d.h. Donnerstag), ZDF

Herausragender Kriegsfilm des britisch-US-amerikanischen Ausnahme-Regisseurs, der ebenfalls im Mittelpunkt einer unserer nächsten CasaAkademie-Veranstaltungen steht.

„Von historischen Begebenheiten inspiriertes Kriegsdrama, das auf drei miteinander verschränkten Zeitebenen von der Rettung britischer Soldaten aus der von der Wehrmacht eingekesselten nordfranzösischen Hafenstadt Dünkirchen im Mai 1940 erzählt. Zu Lande, zu Wasser und in der Luft entsteht eindrucksvoll eine Chronologie der Evakuierung, bei der die autarken Erzählstränge immer wieder virtuos gegenübergestellt und zu atemberaubenden Spannungsbögen verbunden werden. Eine höchst kunstvolle Reflexion filmischer Erzählmuster, bei der in den vermeintlich nebengeordneten Seitensträngen auch singuläre menschliche Großtaten im Schatten mörderischer Kriegsstrategien angesprochen werden.“


Der Gott des Gemetzels

von Roman Polanski, Frankreich/Deutschland/Polen/Spanien 2011
Mittwoch, 13. Januar 2021, 0:40 Uhr (d.h. Donnerstag), MDR

In Nürnberg und bundesweit war das zugrundeliegende Theaterstück von Yasmina Reza vor einigen Jahren der große Renner. Polanski adaptiert es stilvoll und starbesetzt mit Jodie Foster, J.C. Reilly, Kate Winslet und Christoph Waltz.

„Die Rauferei zweier Elfjähriger, bei der einer zwei Zähne verliert, führt zwei New Yorker Elternpaare zusammen. Nach einem klärenden Gespräch scheint die Sache erledigt, doch als die Mutter des geschädigten Jungen eine Entschuldigung verlangt, läuft die Sache aus dem Ruder. Man redet sich in Rage und beruhigt sich wieder, doch reichlich genossener Whisky befeuert die Situation erneut. Äußerst klug inszeniertes, mit der Kamera kongenial die sich verschiebende und allmählich eskalierende Gruppendynamik einfangendes Kammerspiel über die Dünnhäutigkeit guter Umgangsformen und kultivierten Verhaltens angesichts einer Stresssituation, die die Wertvorstellung der Protagonisten herausfordert. Von wunderbaren Darstellern getragen, entfaltet sich eine komisch-entlarvende Ehe- und Gesellschaftsfarce.“


Wild

von Nicolette Krebitz, Deutschland 2016
Mittwoch, 13. Januar 2021, 1:40 Uhr (d.h. Donnerstag), Arte – bis 11.2. in der Arte-Mediathek

Mutiges junges deutsches Kino – ein Höhepunkt unserer CasaAkademie-Veranstaltung „Frauen auf dem Regiestuhl“.

„Als eine apathisch vor sich hinlebende junge Frau in einem Park in Halle-Neustadt einem Wolf begegnet, verändert sich ihre Existenz radikal. Sie verliebt sich, fängt das Tier ein und nimmt es mit in ihre Wohnung. Bald bröckeln die Grenzen zwischen Jägerin und Beute, Mensch und Tier. Überzeugend erzählt der Film von der Tierwerdung als Befreiung aus zivilisatorischen Zwängen, wobei die Verwilderung nicht als Kontrollverlust, sondern als Emanzipationsgewinn ausbuchstabiert wird. Dabei verlässt der utopische Entwurf nie den Boden der Realität, skizziert vielmehr ein ebenso offenes wie anspielungsreiches Szenario, das in der beeindruckend furchtlosen Hauptdarstellerin (Lilith Stangenberg) und der kongenialen Kameraarbeit (Reinhold Vorschneider) seine Basis findet.“