Monat: November 2020

TV- und Mediatheken-Tipps für die Zeit vom 26. November bis 2. Dezember 2020

Zusammengestellt von Rainer Mesch (Casa-Akademie) und mit Zitaten aus den Kurzkritiken von filmdienst.de!


Nur eine Frau

von Sherry Hormann, Deutschland 2019
Donnerstag, 26. November 2020, 0:15 Uhr (d.h. Freitag), SWR

Engagiertes deutsches Kino. Bayerischer Filmpreis 2020 für die beste Regie.

„Am 7. Februar 2005 wurde in Berlin die Deutschtürkin Hatun Sürücu auf offener Straße von einem ihrer Brüder erschossen, weil sie sich nicht an die engen Regeln ihrer Herkunftswelt hielt. Der in seiner akribischen Recherche fast dokumentarisch anmutende Spielfilm rekonstruiert die Hintergründe des „Ehrenmordes“ und porträtiert eine lebenslustige, enorm starke junge Frau und Mutter, die „wie eine Deutsche“ lebte, was ihre patriarchalische Familie nicht hinnehmen wollte. Das in der Hauptrolle und bis in kleinste Nebenrollen vorzüglich gespielte Drama strahlt eine rohe, kämpferisch-kreative Kraft aus und findet für die wechselnden Emotionen der jungen Frau überzeugende Bilder sowie eine stimmige musikalische Untermalung. Ein gelungener, seinem Thema ebenso engagiert wie sensibel begegnender Film.“


Carol

von Todd Haynes, USA/Großbritannien/Frankreich 2015
Sonntag, 29. November 2020, 23:35 Uhr, ARD

Mehrfach oscarnominiertes klassisches Melodram mit Cate Blanchett und Rooney Mara.

„Eine Liebesgeschichte über Geschlechter- und Klassengrenzen hinweg: Im New York der frühen 1950er-Jahre begegnet eine Kaufhausangestellte einer eleganten älteren Frau aus gehobenen Verhältnissen, die mitten in ihrem Scheidungsprozess steht. Als der gekränkte Ehemann die Liaison seiner Frau benutzt, um vor Gericht das alleinige Sorgerecht zu erwirken, wird die Beziehung der beiden Frauen auf eine harte Probe gestellt. Das künstlerisch herausragende, ebenso elegant wie präzis inszenierte Drama erzählt von einer lesbischen Liebe in einer restriktiven Gesellschaft, wobei sich das Begehren im subtilen Zusammenspiel von Kostüm, Ausstattung, Raum, Objekten, von Blicken und Gesten artikuliert.“


Wilde Maus

von Josef Hader, Österreich 2017
Sonntag, 29. November 2020, 0:35 Uhr (d.h. Montag), SWR

Die erste Hader-Regiearbeit, österreichisch bis in Mark.

„Ein für seine zugespitzten Musikkritiken berüchtigter Redakteur einer Wiener Tageszeitung wird im Zuge von Sparmaßnahmen entlassen und stürzt in eine Midlife-Crisis. Während seine Frau ihn mit dem Wunsch nach einem Kind zusätzlich unter Druck setzt, versucht der geschasste Kritiker seine ohnmächtige Wut mit der Reparatur einer maroden Achterbahn und Racheaktionen gegen seinen früheren Chef zu betäuben. Pointierte Tragikomödie als Regiedebüt des Schauspielers und Kabarettisten Josef Hader, der lustvoll zwischen unterschiedlichen Tonlagen wechselt.“


Gabriel und der Berg

von Fellipe Barbosa, Brasilien/Frankreich 2017
Mittwoch, 2. Dezember 2020, 22:30 Uhr, Arte

Packendes Arthouse-Kino für alle, die in Corona-Zeiten das Reisen vermissen.

„Ein weltbegeisterter junger Brasilianer unternimmt vor seinem Studium eine Reise nach Afrika, wo er sich mit der einheimischen Kultur in Kenia, Tansania, Sansibar und Sambia anfreundet und Abenteuer erlebt. Vor seiner Weiterreise steht zuletzt die Besteigung eines mythischen Bergs in Malawi an. Ein nach einer unglücklich endenden wahren Begebenheit inszeniertes Road Movie, in dem stets die Frage im Raum steht, was das Reisen mit einem macht.“


Kopfplatzen

von Savas Ceviz, Deutschland 2019
Mittwoch, 2. Dezember 2020, 23:00 Uhr, SWR – bis 14.2. in der Mediathek

Über diesen Film diskutierte das Casablanca-Publikum mit Fachexperten.

„Ein pädosexuell veranlagter Mann, der sich von Jungen sexuell angezogen fühlt, kämpft darum, seine Neigung nicht in explizite Handlungen umschlagen zu lassen. Sein Ringen spitzt sich zu, als sich eine alleinerziehende Nachbarin mit einem achtjährigen Sohn in ihn verliebt. Der Film findet für die quälende Situation des Protagonisten eindringliche Bilder, in denen nichts verharmlost, aber auch nicht dämonisiert wird. Das in der Hauptrolle glänzend gespielte Drama skizziert die Tragik des Protagonisten zwischen Verzweiflung und Ohnmacht.“


Ich liebe alles, was ich an Dir hasse

von Nadine Keil, Deutschland 2018
Mittwoch, 2. Dezember 2020, 0:40 Uhr (d.h. Donnerstag), BR – bis 3.3. in der Mediathek

Eine der Entdeckungen der Hofer Filmtage 2018, war leider nie im Kino zu sehen.

„Bei einem Urlaub im sommerlichen Italien entwickelt sich zwischen Zwillingsschwestern und ihren Schwärmen ein Liebeschaos, als sich zwei Wissenschaftler mit einem aphrodisierenden Pulver einschalten. Dieses sorgt bei bloßer Berührung dafür, dass die vier jungen Menschen sich untereinander in die jeweils falschen vergucken. Bewusst märchenhaft angehauchte Liebeskomödie mit Anleihen bei Shakespeares Sommernachtstraum.“

TV- und Mediatheken-Tipps für die Zeit vom 19. bis 25. November 2020

Zusammengestellt von Rainer Mesch (Casa-Akademie) und mit Zitaten aus den Kurzkritiken von filmdienst.de!


Winter’s Bone

von Debra Granik, USA 2010
Sonntag, 22. November 2020, 0.35 Uhr (d.h. Montag), SWR

Mit diesem oscarnominierten Indie-Film startete Jennifer Lawrence ihre Karriere.

„Ein Mädchen lebt mit seinen Geschwistern und seiner psychisch kranken Mutter in sozial desolaten Verhältnissen im Hinterland Missouris. Als der Vater ihr Anwesen verpfändet und verschwindet, steht die Existenz der Familie auf dem Spiel. Die Tochter macht sich deshalb auf, den Vater zu suchen. Der Film zeichnet dank dokumentarisch anmutender Exkurse, authentischer Schauplätze und eines um viele Laiendarsteller ergänzten Ensembles ein glaubwürdiges Bild des White Trash-Milieus, wobei er die Protagonisten nicht vorführt, sondern sich auf ihre Lebenswelt einlässt. Der ungeschönte Blick wird von leisem Humor und einer Tier- und Dingsymbolik aufgefangen und von einer kraftvoll-melancholischen Filmmusik illustriert.“


Philomena

von Stephen Frears, USA/Großbritannien/Frankreich 2013
Sonntag, 22. November 2020, 0.50 Uhr (d.h. Montag), ARD – bis 30.11. in der Mediathek

Mehrfach oscarnominiert und in Venedig ausgezeichnet, mit einer Paraderolle für Judi Dench.

„Eine alte Frau sucht ein halbes Jahrhundert, nachdem ihr in einem irischen Kloster ihr uneheliches Baby weggenommen wurde, gemeinsam mit einem zynischen Journalisten ihren Sohn. Das nach einer historischen Begebenheit inszenierte Drama ist eine ergreifende Mischung aus komischem Road Movie, detektivischer Recherche und wütender Anklage. Geschickt balanciert die Inszenierung die unterschiedlichen Töne aus, wobei die Komik des Films aus der Gegensätzlichkeit der Hauptfiguren resultiert, die sich mit lakonischen Dialogen bekämpfen.“


GOTT von Ferdinand von Schirach

von Lars Kraume, Deutschland 2020
Montag, 23. November 2020, 20.15 Uhr, ARD – in der Mediathek

Oh je, schon wieder eine Empfehlung für einen Fernsehfilm. Aber der vielfach ausgezeichnete Lars Kraume gehört nun mal zu den führenden deutschen Spielfilm- und TV-Regisseuren und arbeitet hier mit einer erstklassigen Schauspieler*innenriege (u.a. Barbara Auer, Lars Eidinger, Matthias Habich, Ulrich Matthes, Anna Maria Mühe, Christiane Paul)

„In der Sitzung eines fiktiven Ethikrats wird über den Fall eines gesunden alten Mannes verhandelt, der sich einen ärztlich assistierten Suizid wünscht. Rechtliche, medizinische und theologische Sachverständige versuchen dabei, den Ethikrat von ihren Haltungen zu überzeugen, die Entscheidung gibt der Film wie das zugrundeliegende Theaterstück aber ans Publikum weiter. Thesenhaft aufgebautes Drama von Ferdinand von Schirach, das dem umstrittenen Stil seines Bühnenstücks/Fernsehfilms „Terror – Ihr Urteil“ folgt.“


Die letzte Sau

von Aron Lehmann, Deutschland 2016
Dienstag, 24. November 2020, 0.35 Uhr (d.h. Mittwoch), Arte – bis 30.11. in der Mediathek

Ein schräges kleines Road-Movie made in Germany.

„Ein schwäbischer Bauer begibt sich nach einer Reihe schwerer Schicksalsschläge mit dem letzten ihm verbliebenen Schwein per Moped auf eine Reise in den Osten Deutschlands, was ihm turbulente Begegnungen mit Leidensgenossen beschert, die ebenfalls unter die Räder der Globalisierung geraten sind. Wider Willen mutiert er zum Rebellen gegen die Übermacht der Agrarkonzerne, wobei die Provinzsatire mit den Mitteln der märchenhaften Komödie, grobem Humor und jeder Menge absurd ins Leere laufender Situationskomik nicht geizt. Eine unterhaltsame Posse zwischen Heimatfilm und Road Movie, in der meist der Zufall die nächste subversive Sabotage-Aktion diktiert.“


4 Könige

von Theresa von Eltz, Deutschland 2015
Mittwoch, 25. November 2020, 20.15 Uhr, Arte – bis 1.12. in der Mediathek

Deutscher Filmpreis in Bronze 2016 und Visitenkarte talentierter Jungschauspieler wie
Jella Haase, Jannis Niewöhner und Paula Beer.

„Vier Jugendliche verbringen Weihnachten in der Psychiatrie. Ihre Zwangsgemeinschaft beruht auf Freiwilligkeit, da sie jederzeit gehen können, da aber niemand auf sie wartet, reiben sie sich unter Anleitung eines schroffen Psychiaters aneinander. Die emotionsgeladenen Feiertage entwickeln eine höchst eigenwillige Dynamik. In dem ganz aus Sicht der Jugendlichen geschilderten Drama kommen Eltern als seelisch verkrüppelte Erwachsene nicht gut weg, während die Inszenierung den kantigen Protagonisten viel Raum und Zeit widmet und zum genauen Hinschauen und Hinhören einlädt. Getragen wird der fein austarierte, mit kleinen humoristischen Anwandlungen und einem dezenten Hoffnungsschimmer versehene Film von den talentierten jungen Darstellern.“


Schwimmen

von Luzie Loose, Deutschland 2018
Mittwoch, 25. November 2020, 22 Uhr, SWR – bis 14.2. in der Mediathek

Der Gewinner des 2018 erstmals vergebenen Heinz-Badewitz-Preises der Hofer Filmtage.

„Nach der Trennung ihrer Eltern zieht eine 15-Jährige mit ihrer Mutter nach Berlin-Neukölln, wo sie sich mit einem erheblich ruppigeren Umfeld arrangieren muss. Als sie nach dem Schwimmunterricht in sexistischer Absicht fotografiert wird, steht ihr eine selbstbewusste Außenseiterin bei. Zusammen zahlen sie es den Klassenkameraden bald zurück. Der Debütfilm packt mit Pubertät, Mobbing, Drogen, Social Media und zerrütteten Familien ziemlich viele Themen an… Formal überzeugt der Film durch den versierten Einsatz unterschiedlicher Bildmedien.“

Kampf um die Tonspur

Unser November-Flyer war fertig geplant, gelayoutet und auch schon gedruckt. Das darin enthaltene Programm ist nun leider hinfällig, aber unser Publikum soll doch wenigstens in den Genuss des redaktionellen Beitrags über verschiedene Sprachfassungen im Kino kommen. Viel Spaß!


BildDer berühmteste Übersetzungsfehler der Filmgeschichte ist vermutlich der legendäre Satz aus ‚Casablanca‘: Humphrey Bogarts lockerer Trinkspruch ‚Here‘s looking at you, kid‘ wurde zum anzüglichen ‚Ich schau Dir in die Augen, Kleines!‘. Die Fassung des Films, die bis in die 70er Jahre in Deutschland zu sehen war, war gar komplett entstellt – weil man den Nachkriegs-Deutschen den politischen Gehalt des
Films nicht zumuten wollte, wurde aus dem Widerstandskämpfer Victor László der Atomphysiker Victor Larsen und der politische Plot zu einer Agenten-Scharade.

Natürlich kann man den Synchronfassungen aktueller Filme so etwas nicht vorwerfen – aber dennoch: Jede Synchronisation verändert einen Film. Die originalen Stimmen der Schauspielerinnen und Schauspieler fehlen, oft geht auch viel Atmosphärisches verloren, Anspielungen und Witze funktionieren nicht mehr und vielen kleinen Verleihern fehlt schlicht das Geld, hochwertige Synchronfassungen zu finanzieren.

Für Cineasten gibts daher keine Alternative zu Originalfassungen, sie hören Dialoge in fremden Sprachen und lesen Untertitel – und die Zahl derer, die dem Original den Vorzug geben steigt in dem Maße, in dem die jüngeren Kinogänger*innen mit Medien wie BluRays und Streaming-Diensten aufwachsen, die immer die bequeme Wahl der Sprachfassung ermöglichen. Andere fühlen sich von den Untertiteln abgelenkt
und ziehen die ‚bequemere‘ Synchronfassung vor.

Für die Kinos macht die Digitalisierung die Sache heute denkbar einfach: Fast immer gibt es die freie Auswahl der verschiedenen Fassungen. Daher gilt im Casablanca immer die Devise: Alle Filme kommen auch im Original (ggf. mit Untertiteln) auf die Leinwand. Manchmal nur in einzelnen Vorstellungen, manchmal auch täglich – viele kleinere Produktionen werden auch überhaupt nicht synchronisiert. Oft
ist es so auch viel leichter, Filme großer Verleiher zeigen zu dürfen. Und manchmal entscheiden wir uns auch für das Original ohne Untertitel – zumindest wenn die Originalsprache Englisch ist.

Dass wir mit jeder dieser Entscheidungen einen Teil des Publikums enttäuschen, einem anderen aber eine Freude bereiten, ist uns klar – wir bitten um Verständnis für die jeweils andere Position. Und Angst muss man vor dem „OmU“-Kennzeichen im Programm nicht haben!

TV- und Mediatheken-Tipps für die Zeit vom 12. bis 18. November 2020

Zusammengestellt von Rainer Mesch (Casa-Akademie) und mit Zitaten aus den Kurzkritiken von filmdienst.de!


In den Gängen

von Thomas Stuber, Deutschland 2018
Freitag, 13. November, 20:15 Uhr, Arte – bis 10.2. in der Mediathek

Der hoch gelobte deutsche Berlinalebeitrag 2018 mit Franz Rogowski, Sandra Hüller und Peter Kurth war auch in unserem Kino sehr erfolgreich. Franz Rogowski erhielt hierfür den deutschen Filmpreis für die beste männliche Hauptrolle.

„Ein junger Mann fängt nach seiner Entlassung aus dem Knast als Mitarbeiter in einem Großmarkt an, wo er sich schnell eingewöhnt, weil ihn ein älterer Kollege unter die Fittiche nimmt und er sich überdies in eine Angestellte verliebt. Der leise, feinsinnige Film entfaltet eine subtile Liebesgeschichte mit großem atmosphärischem Zauber, ausgefeilten Alltagsdialogen und einem großen Augenmerk auf die scheinbar banale Arbeitswelt.“


High Life

von Claire Denis, Frankreich/Deutschland/Großbritannien/Polen/USA 2018
Sonntag, 15. November 2020, 21:55 Uhr, Arte

Claire Denis‘ Vorstecher ins Science-Fiction-Genre ist kein Genrefilm im klassischen Sinn:

„In einem Raumschiff auf dem Weg zu einem Schwarzen Loch in den Tiefen des Weltalls nimmt die Wissenschaftlerin Dr. Dibs (Juliette Binoche) unheimliche Experimente an den Besatzungsmitgliedern vor, die als Schwerverbrecher zu der Mission gezwungen wurden. In dem jungen Monte (Robert Pattinson) erwächst ihr jedoch ein Opponent, der sich ihren Methoden nicht beugen will. Philosophisch unterfüttert, verhandelt der Film über die Reise ins Ungewisse die Angst-/Lust-Dialektik angesichts der Auflösung von Körpergrenzen und der Überwindung kultureller Tabus. Dabei verwebt er artifizielle Momente mit körperlichen und setzt dem eher männlich konnotierten Genre eine reizvolle weibliche Perspektive entgegen.“


Cold War – Der Breitengrad der Liebe

von Pawel Pawlikoski, Polen/Großbritannien/Frankreich 2018
Montag, 16. November 2020, 20:15 Uhr, Arte

Dieser mehrfach ausgezeichnete Film begann seinen Siegeszug in Cannes (Beste Regie), war mehrfach oscarnominiert und räumte neben vielen anderen 2018 gleich fünf europäische Filmpreise (für den besten europäischen Film, die beste Regie, das beste Drehbuch, die beste Darstellerin und den besten Schnitt) als auch den Publikumspreis ab.

„In der Nachkriegszeit werden ein polnischer Komponist und eine junge Elevin des „Mazowsze“-Ensembles ein Paar, dessen wechselvolle Geschichte durch die Wirren des Kalten Kriegs hindurch bis weit in die 1960er-Jahre in visuell außergewöhnlich stilisierten Schwarz-weiß-Bildern entfaltet wird. Die melancholische Elegie verwebt Blicke, Gesten und die magische Präsenz der Darsteller mit kulturhistorischen Zitaten zu einem exquisit kadrierten Netz aus Auslassungen und Leerstellen. Ein Melodrama zwischen Existenzialismus, Cool Jazz und Nouvelle Vague, in dem der rigide Staatsapparat und die politische Großwetterlage alle Hoffnungen zunichtemachen.“


Jupiter’s Moon

von Kornell Mundruczo, Ungarn/Deutschland/Frankreich 2017
Montag, 16. November 2020, 21:40 Uhr, Arte

Ein atemberaubender Bilderrausch, den man eigentlich im Kino sehen muss, es sei denn, man hat einen XXX-L Fernseher.

„Beim Grenzübertritt von Serbien nach Ungarn wird ein syrischer Flüchtling von einem Polizisten erschossen. Doch anstatt zu sterben, entwickelt der junge Mann übersinnliche Fähigkeiten und beginnt zu schweben. Als ein zwielichtiger Arzt die Levitationen für seine selbstsüchtigen Zwecke instrumentalisiert und sich in der U-Bahn in Budapest überdies ein Anschlag ereignet, entwickelt sich eine rasante Jagd durch die dystopisch gezeichnete Stadt. Der Film umkreist mit fantastischen und religiösen Motiven sowie vielen Anleihen aus dem Science-Fiction-, Superhelden- und Actionkino die aktuelle politische Gegenwart in Ungarn und Europa.“


Der Staat gegen Fritz Bauer

von Lars Kraume, Deutschland 2015
Dienstag, 17. November 2020, 13:45 Uhr, Arte

Bei der Verleihung des Deutschen Filmpreises 2016 ging dieser Film mit sechs Preisen (bester Spielfilm, bestes Drehbuch, beste Regie, beste männliche Nebenrolle, bestesMaskenbild und beste Filmmusik) als großer Gewinner hervor. Wir haben Lars Kraume in unserer CasaAkademie-Veranstaltung „Junges deutsches Kino“ portraitiert.

„Mitte der 1950er-Jahre erhält der hessische Generalstaatsanwalt Fritz Bauer (1903-1968) einen Hinweis auf den Aufenthalt von Adolf Eichmann. Um den früheren SS-Obersturmbannführer vor Gericht zu stellen, braucht er die Hilfe des israelischen Geheimdiensts, weil seine Bemühungen, die Verantwortlichen des NS-Staats juristisch zu belangen, von allen Seiten hintertrieben werden. Der kammerspielartige Film setzt dem mutigen Juristen glaubwürdig ein Denkmal.“


Ökozid

von Andreas Veiel, Deutschland 2020
Mittwoch, 18. November 2020, 20:15 Uhr, ARD – bis 22.12. in der Mediathek

Der leider ausschließlich fürs Fernsehen gedrehte Spielfilm des vielfach ausgezeichneten Dokumentarfilmers könnte einer der TV-Highlights des Jahres werden.

„Im Jahr 2034 reichen 31 Staaten eine Klage gegen die Bundesrepublik Deutschland ein, um Schadenersatz für die Folgen des Klimawandels zu erstreiten. Der Internationale Gerichtshof muss aufgrund der Plädoyers und Befragungen von Klägern und den Vertretern Deutschlands über die Zuständigkeit dieser Klage entscheiden. Visionäres Gedankenspiel von Andres Veiel als Gerichtsdrama mit ausgezeichneten Darstellern.“


Mein Ein, Mein Alles

von Maiwenn, Frankreich 2015
Mittwoch, 18. November 2020, 20:15 Uhr, Arte

Im Casablanca war dieses aufwühlende Beziehungsdrama u.a. 2017 im Symposion „Psychoanalye und Film“ zu sehen.

„In Rückblenden erzählte amour fou zwischen einer warmherzigen Anwältin und einem charismatischen Restaurant-Besitzer. Mit brillanten sprühenden Dialogen und einer vorwärtsdrängenden, zugleich aber feinfühligen Inszenierung vermögen die herausragenden Hauptdarsteller dem bekannten Sujet einer zunehmend (selbst-)zerstörerischen Liebesgeschichte Momente von großer emotionaler Wucht zu entlocken.“

TV- und Mediatheken-Tipps für die Zeit vom 5. bis 11. November 2020

Der Lockdown ist zurück – und damit auch unsere Tipps für besondere Filme im TV und in den Mediatheken.

Zusammengestellt von Rainer Mesch (Casa-Akademie)


Gegen den Strom

von Benedikt Erlingsson, Island/Frankreich/Ukraine 2018
Samstag, 7. November, 21:45 Uhr, NDR – bis 6.12. in der Mediathek

Einer der Lieblingsfilme unseres Publikums zu Jahresbeginn 2019.

„Eine naturverbundene, eher unscheinbare Isländerin ist inkognito als knallharte Öko-Aktivistin unterwegs und sabotiert die expandierende Aluminiumindustrie durch gezielte Anschläge. Als ihr Antrag auf Adoption eines Kindes bewilligt wird, stellt sie ihre Guerilla-Aktionen in Frage. Die eigenwillige Tragikomödie porträtiert eine dickköpfige Protagonistin, die nicht länger tatenlos der Zerstörung des isländischen Hochlands zusehen will. Mit viel Witz und skurrilem Humor knüpft die Inszenierung an mythologische und filmhistorische Motive an und wandelt durch absurde Verfremdungen, einen gewagten Genre-Mix und die betörenden Bilder einer rauen Landschaft jenseits herkömmlicher Öko-Thriller-Routinen.“ (Lexikon des internationalen Films)


El Bar – Frühstück mit Leiche

von Alex de la Iglesia, Spanien/Argentinien 2017
Samstag, 7. November 2020, 0:50 Uhr, Tele 5

Diese abgedrehte Gewaltfarce ist hierzulande nur DVD-Käufern bekannt,  war aber einer der Highlights der spanischen Filmtage 2018 auf AEG.

„Vor einer Bar im Herzen Madrids mit sozial bunt durchmischter Kundschaft werden zwei Gäste von einem Scharfschützen erschossen. Unter den restlichen acht Besuchern, die sich in der Bar verschanzen, macht sich Panik breit. Bald bilden sich innerhalb der Gruppe klare Fronten, zwischen denen sich ungehemmt die Aggressivität entlädt. Was als Gesellschaftssatire beginnt, entwickelt sich zügig zum wendungsreichen, heftigen Horrorfilm.“ (Lexikon des internationalen Films)


Get Out

von Jordan Peele, USA 2017
Montag, 9. November 2020, 22:55 Uhr, ZDF – in der Mediathek

Ein viel gelobter und kommerziell erfolgreicher Überraschungshit, der als Debutfilm mit dem Oscar für das beste Original-Drehbuch ausgezeichnet wurde.

„Ein junger Afroamerikaner absolviert seinen Antrittsbesuch bei den Eltern seiner weißen Freundin. Diese begegnen ihm zunächst freundlich und aufgeschlossen, doch allmählich eröffnen seltsame Verhaltensweisen hinter der Fassade den Blick auf ein grauenhaftes Geheimnis. Ambitionierter Thriller, der kritische Aussagen zum Alltagsrassismus in den USA mit dem Repertoire des Horrorfilms vermitteln will.“ (Lexikon des internationalen Films)


Auferstehen

von Cedric Kahn, Frankreich 2018
Mittwoch, 11. November 2020, 20.15 Uhr, Arte – bis 17.11. in der arte-Mediathek

Ein leider nicht in deutschen Kinos zu sehendes Drogendrama vor grandioser Alpenkulisse – silberner Bär bei der Berlinale 2018 für den Hauptdarsteller Anthony Bajon.

„Ein drogensüchtiger Mann Anfang 20 wird in eine katholische Gemeinschaft in den Bergen geschickt, wo er mit Arbeit und Gebet von seiner Abhängigkeit geheilt werden soll. Zuerst rebelliert er, zieht aber allmählich positive Effekte aus dem spartanischen Dasein und den christlichen Riten. Sorgfältig und unaufgeregt inszeniertes Drama, das von einem Neuanfang erzählt und das abgeschiedene Gemeinschaftsleben mit Neugier und Offenheit, aber auch mit Ambivalenzen zeichnet. Erzählung und Bildsprache beschreiten mit hoher formaler Geschlossenheit den Grat zwischen Glauben und Zweifel.“ (Lexikon des internationalen Films)


Glücklich wie Lazzaro

von Alice Rohrwacher, Italien/Deutschland/Frankreich/Schweiz 2018
Mittwoch, 11. November 2020, 22:00 Uhr, Arte – vom 10. bis 17.11. in der arte-Mediathek

In Cannes 2018 für das beste Drehbuch ausgezeichnet, knüpft dieser Film an die Tradition des italienischen Neorealismus an und findet dennoch seine ganz eigene Sprache.

„Auf einem abgeschiedenen Stückchen Land schuften ein paar Dutzend Bauern und Landarbeiter in sklavenähnlichen Verhältnissen unter der Herrschaft einer Marquesa. Einer von ihnen ist der junge Lazzaro, der nicht ganz von dieser Welt zu sein scheint; mit seiner bedingungslosen Hingabe, die keine Gegenleistung verlangt, durchbricht er die Ausbeutungskette. Mit einer berückenden Verbindung aus Sozialdrama, magischem Realismus, Märchen, Arbeiterfilm und Heiligengeschichte erzählt der Film eine Parabel über die Möglichkeit des Guten in einem zeitlosen, aber keineswegs wirklichkeitsfernen Italien, das sich von der Agrargesellschaft bis in die urbane Gegenwart spannt.“ (Lexikon des internationalen Films)