Monat: März 2020

Corona-Tagebuch (3)

Ein kleines Highlight jedes Kinojahres im Casablanca: Die Blüten des Magnolienstocks im Innenhof.

Leider dieses Jahr nur für Hausbewohner, unsere Rest-Belegschaft und die Müllabfuhr zu sehen – aber nicht weniger schön.

Magnolienblüten

 

Kino zum Lesen – Drehbücher online

Eine wunderbare Idee des Deutschen Filmpreis:
Aus dem aktuellen Jahrgang und auch aus den letzten Jahren stehen die Original-Drehbücher vieler Filme online.

Wer es nicht erwarten kann, was in Burhan Qurbanis Neuverfilmung von „Berlin Alexanderplatz“ passiert, kann schon mal reinlesen – drei Stunden Film auf 144 Seiten.

Und auch Systemsprenger lässt sich noch mal nachlesen:

Viele weitere Drehbücher finden sich hier!

TV-Tipps für die Zeit vom 28.3. bis 3.4.2020

Kino gibts nur im Kino – aber auch im Fernsehen und in den Mediatheken laufen gute Filme.
Unsere Fernseh-Tipps für die nächste Woche von Casa-Programmgruppen-Mitglied Rainer.
Und, damit es sich ein bisschen mehr wie Kino anfühlt (und um das Casablanca zu unterstützen): Einfach eine echte Kinokarte für eine virtuelle Kinovorstellung kaufen – Casa@Home!

 

Aktuell in der arte-Mediathek
Wild
von Nicolette Krebitz

Eine Frau trifft auf dem Weg nach Hause auf einen Wolf.

Nicolette Krebitz‘ Film stellt Sehgewohnheiten auf die Probe – selten gab es einen Film, der so radikal, so ästhetisch und so überraschend die Geschichte einer Emanzipation erzählt. arte warnt, der Film sei nichts für „empfindsame Zuschauer“. Das ist richtig – aber alle, die nicht empfindsam sind, finden hier einen der besten deutschen Kinofilme der letzten Jahre. „Wild“ war auch Thema im der Veranstaltung der CasaAkademie zu „Frauen auf dem Regiestuhl“.

 

Bis 28.4. in der ARD-Mediathek
Wildes Herz von Charly Hübner, Deutschland 2018

Die Doku portraitiert die Band Feine Sahne Fischfilet, die sich in ihren Texten gegen Rassismus, Sexismus und Homomoo Homophobie wendet. Ihr Frontmann Jan „Monchi“ Gorkow war bei uns im Kino zu Gast, unser Saal war proppenvoll.

„Wildes Herz“ war 2018 einer der erfolgreichsten Dokufilme (ca. 500.000 Besucher) und erhielt in seiner Kategorie den Gilde-Filmpreis.

 

Bis 6.4. in der ARD-Mediathek
Härte
von Rosa von Praunheim, Deutschland 2015

Rosa von Praunheim, der Wegbereiter und die Ikone der filmischen Schwulenbewegung war kürzlich mit seinem neuen Film „Darkroom – Tödliche Tropfen“ per Skype bei uns zu Gast, und sein Protagonist Andreas Marquardt stellt „Härte“ 2015 im Rahmen des Symposions ‚Psychoanalyse und Film‘ vor.

„Härte“ basiert auf der Biographie des ehemaligen Kampfsportlers und Zuhälters Andreas Marquardt (der selbst im Film auftritt) und kreist um das Thema sexuelle Gewalt. Der in den nachgestellten Rückblenden in Schwarz-Weiß gedrehte Film tut weh. Mit Hanno Kofler und Luise Heyer agieren Schauspieler, die in zwischen mit Filmpreisen ausgezeichnet wurden.

 

Montag, 30.3.2020 HR 23:55 Uhr
Drive von Nicolas Winding Refn, USA 2011

Dieser coole Thriller ist das US-Debut des dänischen Ausnahme-Talents Nicolas Winding Refn, der in unserer CasaAkademie portraitiert werden sollte. Er wurde in Cannes gezeigt und hatte großen internationalen Erfolg sowohl beim Publikum als auch bei der Kritik. Ryan Gosling ist spätestens mit diesem Film in die Riege der Hollywood-Megastars aufgestiegen.

 

Bis 29.6. in der arte-Mediathek
Das Mädchen Wadjda
von Haifaa Al-Mansour, Saudi-Arabien/Deutschland 2012

Gäbe es Corona nicht, hätten wir Ihnen im März „Die Kandidatin“ zeigen können, den bereits in den Medien mit großem positiven Echo angekündigten neuen Film der saudiarabischen Regisseurin, der leider nach wenigen Tagen zum Opfer des Virus wurde. Ihr mit mehreren internationalen Preisen ausgezeichneter Erstlingsfilm erzählt von einem 11jährigen Mädchen, das gerne ein Fahrrad besitzen und fahren möchte – und natürlich viel über die traditionellen Gesellschaftsverhältnisse und Geschlechterbeziehungen in diesem (uns mittelalterlich anmutenden) Staat. Was auf den ersten Blick ein Kinderfilm zu sein scheint, ist tatsächlich ein wichtiges Plädoyer für die Rechte von Kindern und Frauen.

 

Mittwoch 1.4.2020 SWR 22:00 Uhr
Tatort – Stau
von Dietrich Brüggemann Deutschland 2017

Warum empfehlen wir einen reinen TV-Film und noch dazu einen „Tatort“? Weil er von Dietrich Brüggemann ist, einem der begabten Regisseure, die wir in unserer CasaAkademie-Reihe „Junges deutsches Kino der Gegenwart“ portraitiert haben. Und weil Brüggemann sowohl mit seinem Bären-Gewinner „Kreuzweg“ als auch mit seiner Neonazi-Satire „Heil“ vor einigen Jahren bei uns im Kino zu Besuch war. Und weil er den deutschen Fernsehkrimipreis 2018 bekommen hat – und weil er einfach gut ist. „Stau“ ist kein üblicher wir-suchen-den-Mörder-Tatort, sondern ein berührendes menschliches Drama.

Brüggemanns neuer (und großartiger) Film „Nö“ soll im Herbst ins Kino kommen – er wird im Casablanca zu sehen sein und hoffentlich ist der Regisseur auch wieder persönlich zu Gast!

 

Freitag, 3.4.2020 RBB 0:20 Uhr
Tiger Girl
von Jakob Lass, Deutschland 2017

Auch Jakob Lass gehört zu den Regie-Hoffnungen des innovativen neuen deutschen Films und auch er war schon mal im Casa (mit seinem jüngsten Film „So was von da“) zu Gast. Mit seinem weitgehend improvisiert und mit wenig Geld gedrehten Erstling „Love Steaks“ hatte er 2013 einem sensationellen Arthouse- und Kritiker-Erfolg und gilt seither als wegweisend für das deutsche Impro-Kino. Sein zweiter Film erzählt von der Beziehung zweier junger Frauen und deren Umgang mit Gewalt. Er ist voller Energie und in seiner Darstellung weiblicher Gewalt nicht unumstritten, aber auf jeden Fall diskussionswürdig.

 

Die Kultfilme der Woche
(über die man keine Worte zu verlieren braucht)

Bis 5.4. in der arte-Mediathek
Down by law
von Jim Jarmusch, USA 1986

 

Mittwoch, 1.4.2020 Nitro 20:15 Uhr
Spiel mir das Lied vom Tod
von Sergio Leone Italien/USA 1968

Corona-Tagebuch (2)

Was bedeutet die Corona-Krise für die Kinos (und die ganze Filmwirtschaft)?

Ein kleiner Pressespiegel:

Der Tagesspiegel befragt Berliner Kinobetreiber und Verleiher.

Die Zeit beschäftigt sich mit den Auswirkungen der Krise auf Hollywood.

Die Erlanger Nachrichten interviewen unter anderem Peter Zwingmann von den Lamm-Lichtspielen.

Rüdiger Suchsland philosophiert darüber, dass es erstmals seit 125 Jahren kein Kino mehr gibt: Und hinter tausend Pixeln keine Welt.

Die Verleger von Blickpunkt:Film und anderen Branchen-Bättern veröffentlichen einen Appell zur Rettung der Branche.

 

Gutscheine mit Corona-Bonus

Die Schließung des Kinos durch die Corona-Krise stellt das Casablanca finanziell vor große Herausforderungen.
Als gemeinnütziges Projekt dürfen wir keine großen Rücklagen haben und haben in der Vergangenheit alle Überschüsse immer ins Kino gesteckt. Die bescheidenen Rücklagen, die wir für Notfälle haben, müssen wir jetzt zur Überbrückung der Krise nutzen.

Das Kino ist nicht akut bedroht – aber dennoch hilft jeder Euro, der eingenommen wird. Daher unsere Bitte: Es hilft uns enorm, wenn Sie die Kino- und Kneipenbesuche, auf die Sie sich jetzt schon freuen, vorab bezahlen, indem Sie Gutscheine kaufen. Ein Kinobesuch in der Zeit nach Corona ist übrigens auch ein tolles Geschenk!

Unsere Guthabenkarten bieten wir im Postversand daher bis auf Weiteres mit 10% Bonus an – für eine Karte mit einem Wert von 33 € zahlen Sie nur 30 €, statt 55 € nur 50 und statt 99 nur 90 €. Das gilt auch für unsere Kneipen-Gutscheine, die wir ebenfalls mit 10% Bonus ausstellen.
Wir liefern versandkostenfrei per Post gegen Rechnung! Bitte bestellen Sie per Mail an info@casablanca-nuernberg.de.

Natürlich sind auch unsere Online-Gutscheine weiter erhältlich.

Alle Infos zu Gutscheinen finden Sie hier.

Corona-Tagebuch (1)

Es ist gespenstisch im Casablanca – normalerweise würden gleich Kneipendienst, Vorführer und die Ehrenamtlichen für die Kasse kommen, aber heute bleibt der Laden zu, und das wird die nächsten Wochen so bleiben.

Im Gang hängen noch die Ankündigungen der aktuellen und kommenden Filme. Es wird sich erst mal nicht lohnen, sie mit neuen Terminen zu versehen.

Und die ganzen vertrauten Geräusche sind weg, die Bierkühlung, die Lüfter der Kinoserver und PCs, das Knacken der Heizung. Wir haben alles eingemottet und runtergefahren, die Bierleitungen abgeklemmt und die Kaffeemaschine ausgeschaltet – aber sobald wir dürfen (und es verantworten können) ist alles wieder da. Freut Euch drauf!

#alleswirdgut

 

Mitgliederversammlung des Casa e.V. wird verschoben!

Liebe Mitglieder des Casa e.V.,

nach intensiven Diskussionen im Vorstand haben wir beschlossen, die für kommenden Montag angesetzte Mitgliederversammlung des Casa e.V. zu verschieben.

Einen neuen Termin können wir noch nicht nennen – wir bitten um Ihr Verständnis, dass es in der aktuellen Situation nicht möglich ist, weiter zu planen.

Bitte behalten Sie unsere Webseite im Blick – wir werden regelmäßig über die neuen Entwicklungen informieren!

Ihr
Gerhard „Black“ Schwarz
1. Vorsitzender

Corona

(Letztes Update: 16. März, 15 Uhr)

Liebe Freundinnen und Freunde des Casablanca,

ab Dienstag, 17. März ist der Betrieb von Kinos in Bayern untersagt.
Das Casablanca stellt ab sofort den Spielbetrieb ein – zum ersten Mal seit der Neueröffnung am 18. September 2009.
Auch die Kinokneipe ist bis auf Weiteres geschlossen.

Ein Wort vorab:
Womöglich wird die Corona-Krise die Film- und Kinowirtschaft in eine tiefe Krise stürzen. Wir (und alle anderen Beteiligten) werden alles dran setzen, sie zu meistern. Was aktuell auf dem Spiel steht, ist aber weit wertvoller als ausgefallene Kino-Veranstaltungen: Es geht um Gesundheit, es geht aber auch um die Regeln des Zusammenlebens. Wenn diese Krise dazu führt, dass Fake News geglaubt wird, dass der Egoismus die Vorherrschaft gewinnt, dass autoritäre Bewegungen erstarken, dass die Solidarität in der Gesellschaft abhanden kommt, dann kann ein Schaden entstehen, der nicht mehr gutzumachen ist. Wir verneigen uns vor denen, die diese Krise nicht überstehen können, indem sie für Wochen oder Monate ihre Türen schließen – die Menschen, die Tag für Tag für viel zu wenig Geld und Anerkennung im Gesundheitssystem arbeiten, die, die sich jetzt um Schwache, Alte, Gefährdete kümmern, die, die Kinder betreuen und alles geben, um ihnen weiter Bildung zuteil werden zu lassen, die, die in Supermärkten und Logistik-Unternehmen die Versorgung aufrecht erhalten – und nicht zuletzt alle im Kulturbetrieb, die Tag für Tag mit wenig Einkommen und schlechter Absicherung daran arbeiten, dass unsere Gesellschaft geschmückt, informiert, hinterfragt, herausgefordert und unterhalten wird.
Der (aus Italien stammende) Hashtag #alleswirdgut (dort: #andratuttobene) ist keine Verharmlosung der Lage – er ist die trotzige Aussage, dass wir uns von dieser Krise unsere freie Gesellschaft nicht nehmen lassen. Dafür steht das Casablanca als Kino mit Courage – wir werden in den nächsten Wochen intensiv darüber nachdenken, wie wir unseren Teil für die freie Gesellschaft leisten können. Es wird notwendig sein.

Alle Veranstaltungen (wie z.B. das Nürnberger Fahrrad-Film-Festival, das für Mitte April geplant war) werden abgesagt oder verschoben.
Welche davon wir nachholen und welche ausfallen, werden wir sobald wie möglich kommunizieren.
Für April wird es keinen gedruckten Monats-Flyer geben, da alle Verleiher ihre Anzeigenbuchungen zurückgezogen haben und wir ohnehin damit rechnen, dass es zu weiteren Ausfällen, Verschiebungen und Absagen kommen wird – die Kommunikation muss hier online laufen. Wir halten Sie über unsere Webseite auf dem Laufenden.

Die Mitgliederversammlung des Casa e.V. am 16. März wurde verschoben – ein neuer Termin wird bekanntgegeben.

Alle im Vorverkauf erworbene Karten für abgesagte Vorstellungen werden selbstverständlich erstattet.
Online-Tickets werden automatisch storniert. Wir bitten ggf. um einige Tage Geduld, bis wir die technisch beste Lösung finden – auch für die Firmen, die unser Online-Ticketing abwickeln, ist das eine absolute Ausnahmesituation.
An der Kasse gekaufte Karten können nachträglich an der Kasse zurückgegeben werden, sobald wir wieder geöffnet haben.

Für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bemühen wir uns um kreative Lösungen, um die Einkommens-Ausfälle abzufedern.

Unser Büro bleibt geöffnet. Für Rückfragen sind wir unter info@casablanca-nuernberg.de oder telefonisch unter 0911-2179246 zu erreichen.
Wir bemühen uns darum, ansprechbar zu sein – allerdings werden wir unsere Arbeit teilweise ins Home Office verlegen müssen, da auch unsere Hauptamtlichen für die Betreuung ihrer Kinder sorgen müssen.

Wie sich alles weiter entwickeln wird, wissen wir leider nicht.
Wir versuchen jedoch, weiterhin positiv zu denken.

Das Kino (und auch das Casablanca) wird die Krise überleben.
Wer praktischen Optimismus zeigen will, verschenkt Kinogutscheine für bessere Zeiten – gerne auch mit der Motivation, dem Casablanca über die möglicherweise eintretenden Liquiditäts-Engpässe zu helfen!

Passt auf euch auf, bis bald,
#alleswirdgut

(Vorstand und Leitungsteam des Casablanca)