Filme zum Thema Zeitgeschichte

Das schweigende Klassenzimmer

Der neue Spielfilm von Lars Kraume ("Der Staat gegen Fritz Bauer") macht DDR-Geschichte erfahrbar.

1956: Bei einem Kinobesuch in Westberlin sehen die Abiturienten Theo (Leonard Scheicher) und Kurt (Tom Gramenz) in der Wochenschau dramatische Bilder vom Aufstand der Ungarn in Budapest. Zurück in Stalinstadt entsteht spontan die Idee im Unterricht eine solidarische Schweigeminute für die Opfer des Aufstands abzuhalten. Doch die Geste zieht viel weitere Kreise als erwartet: Während ihr Rektor (Florian Lukas) zwar zunächst versucht, das Ganze als Jugendlaune abzutun, geraten die Schüler in die politischen Mühlen der noch jungen DDR. Der Volksbildungsminister (Burghart Klaußner) verurteilt die Aktion als eindeutig konterrevolutionären Akt und verlangt von den Schülern innerhalb einer Woche den Rädelsführer zu benennen. Doch die Schüler halten zusammen und werden damit vor eine Entscheidung gestellt, die ihr Leben für immer verändert…

Deutschland 2017 | R: Lars Kraume | 111 Min. | ab 12 | deutsche Originalfassung

Themen: Geschichte / DDR / Meinungsbildung / Gruppendynamik / Opposition


Der Hauptmann

Der "Hauptmann von Köpenick" in den letzten Tagen des NS-Regimes. Ein Spielfilm nach wahren Begebenheiten über Untertanentum und willkürliche Gewalt.

April 1945. Das Ende des zweiten Weltkriegs ist abzusehen, die soziale Ordnung in Deutschland liegt in Trümmern. Mit der Moral der Wehrmacht geht’s bergab, die Truppe zerfällt. Die Anzahl der Fahnenflüchtigen steigt derart dramatisch, dass versprengte Soldaten automatisch als Deserteure erschossen werden. Statt Recht regieren Gesetzlosigkeit und willkürliche Tötungen.

Eine Gruppe betrunkener Hauptmänner macht erbarmungslos Jagd auf einen 19-jährigen Gefreiten – mehr aus mörderischem Spass, denn aus Pflicht. Der Gefreite heißt Willi Herold und wie durch ein Wunder entgeht er seinen Jägern. Auf seiner Flucht macht Herold einen folgenschweren Fund: Eine mit Orden behangene Hauptmanns-Uniform der Luftwaffe. Er zögert nicht lange und tauscht seine einfache, völlig zerschlissene Uniform gegen die nagelneue eines Hauptmanns. Die Verkleidung verschafft ihm umgehend Befehlsgewalt. Versprengte Soldaten schließen sich ihm an, die „Kampftruppe Herold“ für „Sonderaufgaben“ formiert sich rasend schnell. Marodierend ziehen sie von nun an durch das sich auflösende Nazideutschland und nehmen sich, was sie wollen...

D/FR/PL 2017 | R: Robert Schwentke | 119 Min. | ab 16 | deutsche Originalfassung

Themen: Nationalsozialismus / Zweiter Weltkrieg / Soldaten / Autoritätsgläubigkeit / Führerkult


Wer war Hitler?

Eine außergewöhnliche Doku mit vorher nie gesehenem Bildmaterial - über drei Stunden lang.

Während Hitler und die Zeit des Nationalsozialismus im deutschen Fernsehen regelmäßig in allen erdenklichen Facetten dokumentarisch abgehandelt werden, bietet ein Kinodokumentarfilm ganz neue Möglichkeiten, sich dem Phänomen anzunähern. WER WAR HITLER unterscheidet sich von bisherigen Produktionen durch zwei besondere Merkmale: die Auswahl der Quellen und die Erzählweise.
Grundlage des Films von Hermann Pölking war eine der umfangreichsten Archivrecherchen, die jemals für eine TV- oder Kino-Dokumentation betrieben wurden. Mehr als 120 Archive in 14 Ländern wurden ausgewertet, 850 Stunden Film gesichtet, mehr 100 Stunden Material neu abgetastet, restauriert und technisch bearbeitet. Die meist tonlosen Filmquellen wurden originalgetreu nachvertont, um eine historisch adäquate Atmosphäre herzustellen. 125 Sprecherinnen und Sprecher geben die Zeugnisse wieder.

WER WAR HITLER verzichtet gänzlich auf Interviews mit Experten oder Zeitzeugen und setzt den erklärenden Kommentar nur sehr sparsam ein, um maßgebliche Hintergrundinformationen zu liefern. Ansonsten beschränkt sich der Film auf Originalzitate, Reden und Schriften von Hitler und seinen Zeitgenossen. So ergibt sich das unkommentierte Panorama einer Ära, das die Zuschauer sich selbst erarbeiten können.

Gleichwohl wird deutlich, was Hitler, seine Anhänger und Wähler, aber auch seine Gegner prägte und bewegte. Einfache Leute aus aller Welt kommen ebenso zu Wort wie Staatsmänner und Schlachtenlenker; Nationalsozialisten, Konservative, Christdemokraten, Liberale, Sozialdemokraten und Kommunisten sind zu hören. Ein Kaleidoskop entsteht aus Meinungen und Ansichten von Mitläufern, von Profiteuren und Mittätern, von Opfern und Gegnern.

D 2017 | 196 Min | FSK 12 Jahre | empfohlen ab 15 Jahren | deutsche Fassung


Der junge Karl Marx

Biografischer Spielfilm über Karl Marx und Friedrich Engels, der viele Einblicke in das Zeitalter der Industrialisierung bietet

Paris, 1844, am Vorabend der industriellen Revolution: der 26-jährige Karl Marx (August Diehl) lebt mit seiner Frau Jenny (Vicky Krieps) im französischen Exil. Als Marx dort dem jungen Friedrich Engels (Stefan Konarske) vorgestellt wird, hat der notorisch bankrotte Familienvater für den gestriegelten Bourgeois und Sohn eines Fabrikbesitzers nur Verachtung übrig.

Doch der Dandy Engels hat gerade über die Verelendung des englischen Proletariats geschrieben, er liebt Mary Burns, eine Baumwollspinnerin und Rebellin der englischen Arbeiterbewegung. Engels weiß, wovon er spricht. Er ist das letzte Puzzlestück, das Marx zu einer rückhaltlosen Beschreibung der Krise noch fehlt. Marx und Engels haben denselben Humor und ein gemeinsames Ziel, sie können sich hervorragend miteinander betrinken, und sie respektieren und inspirieren sich als Kampfgefährten. Zusammen mit Jenny Marx erarbeiten sie Schriften, die die Revolution entzünden sollen.

FR/DE/BE | R: Raoul Peck | 118 Min. | FSK 6 | empfohlen ab 14 Jahre | deutsche Fassung


Das Tagebuch der Anne Frank

Neuverfilmung eines der wohl berühmtesten und erschütternsten Dokumente über die Gräuel der Naziverbrechen.

Nachdem sie bereits von Frankfurt nach Amsterdam emigrierte, wird die jüdischen Familie Frank nach der Besetzung der Niederlande durch die Deutschen auch in ihrer neuen Heimat von den Nazis verfolgt. Um einer Deportation zu entgehen, versteckt sich die Familie gemeinsam mit vier Leidensgenossen im Hinterhaus von Vater Franks Firma. Über zwei Jahre harrt Anne, die kurz vor dem Einzug ihren 13. Geburtstag feiert, dort aus und hält den Alltag, ihre Gedanken und Sehnsüchte in ihrem Tagebuch fest.Während die acht Menschen in ständiger Angst vor ihrer Entdeckung durch die Nazis leben, versuchen sie aber auch, einen halbwegs normalen Alltag aufrechtzuerhalten.

D 2016 | R: H. Steinbichler | 130 Min| FSK 12 | empf ab 14 Jahren


NS-Propagandafilme: Das verdrängte Erbe der Nazizeit im Kino

Das Casablanca bietet in Kooperation mit dem Verein "Geschichte Für Alle e.V." für interessierte Schulen moderierte Filmvorstellungen zu drei ausgewählten Vorbehaltsfilmen an: "Hitlerjunge Quex" (1933), "Jud Süß" (1940) und "Kolberg" (1945).

Zu jeder Schulvortstellung stehen Ihnen ein Referent von "Geschichte Für Alle e.V." für eine kurze Einführung und ein anschließendes Filmgespräch zur Verfügung. Für Gruppen á 25 SchülerInnen fällt ein Unkostenbeitrag von 6,- € pro Schüler/in an, für begleitende Lehrkräfte ist der Eintritt frei. Bitte beachten Sie dass sich die Dauer der Veranstaltung auf ca. 2 bis max. 2,5 Stunden beläuft.


Ein Sack voll Murmeln

Zwei jüdische Jungs auf der Flucht vor den Nazis: Verfilmung des Jugendbuch-Klassikers von Joseph Joffo.

Schulmaterial zum Film als Download hier.

Paris, 1941. Weil es in der besetzten Hauptstadt zu gefährlich geworden ist, plant die jüdische Familie Joffo die Flucht nach Südfrankreich, das noch nicht in deutscher Hand ist. Eine gemeinsame Reise wäre zu auffällig, daher schicken die Eltern den zehnjährigen Joseph und seinen älteren Bruder Maurice allein auf den Weg. Ein gefährliches Abenteuer erwartet die Jungen, denn niemand darf erfahren, dass sie Juden sind. Doch dank ihres Mutes und Einfallsreichtums schaffen sie es immer wieder, den Besatzern zu entkommen. Wird es ihnen gelingen, ihre Familie in Freiheit wiederzusehen?

Die berührende Verfilmung des auf der Lebensgeschichte von Joseph Joffo basierenden Bestsellers erzählt in großen Bildern von zwei Brüdern, die auf ihrem Weg in die Freiheit allen Widerständen trotzen. Der Film besticht vor allem durch die herausragende Leistung der Schauspieler, allen voran der beiden jungen Hauptdarsteller Dorian Le Clech und Batyste Fleurial Palmieri, die sich neben renommierten Kollegen wie Patrick Bruel (DER VORNAME) und Christian Clavier (MONSIEUR CLAUDE UND SEINE TÖCHTER) nicht verstecken brauchen.

FR/CAN/CZ 2016 | R: Christian Duguay | 110 Min. | FSK ab 12 | empfohlen ab 14 Jahre | deutsche Fassung und franz. OmU-Fassung

Themen: Geschichte / Antisemitismus / Judenverfolgung / Flucht / Familie / Zweiter Weltkrieg / Solidarität


Der Staat gegen Fritz Bauer

Deutschland 1957. Während die junge Bundesrepublik die NS-Zeit hinter sich lassen will, kämpft ein Mann unermüdlich dafür, die Täter im eigenen Land vor Gericht zu stellen: Zwölf Jahre nach Kriegsende erhält der kompromisslose Generalstaatsanwalt Fritz Bauer den entscheidenden Hinweis darauf, wo sich der frühere SS-Obersturmbannführer Adolf Eichmann versteckt halten soll. Doch es formiert sich Widerstand bis in die höchsten Kreise: In seiner eigenen Behörde verschwinden immer wieder Akten und auch Oberstaatsanwalt Ulrich Kreidler  und BKA-Mitarbeiter Paul Gebhardt  behindern den unliebsamen Bauer in seinen Ermittlungen.

D 2015 | R: Lars Kraume | 105 Min. | ab 12 | empfohlen ab der 9. Jahrgangsstufe   | dt. Originalfassung

http://www.derstaatgegenfritzbauer.de


Neuland

Sie sind weit gereist – per Flugzeug, Zug, Bus oder Boot. Jetzt finden sie sich in der Integrationsklasse von Lehrer Christian Zingg in Basel wieder, wo Jugendliche aus aller Welt innerhalb von zwei Jahren Sprache und Kultur des Landes kennenlernen. Sie hoffen, ihre Vergangenheit hinter sich zu lassen und in der Schweiz ihre Träume leben zu können. Der Lehrer macht sich und ihnen keine Illusionen darüber, dass es schwierig ist, in einem fremden Land einen beruflichen Einstieg zu finden. Gleichwohl wird Herr Zingg nicht müde, den Glauben seiner Schülerinnen und Schüler an sich selbst und an eine bessere Zukunft zu stärken.

Dokumentation | H 2015 | R: Anna Thommen | 93 Min. | ab 0 |  empfohlen ab der 9. Jahrgangsstufe |z.T. OmU
http://neuland-film.de


Verbotene Filme

Das verdrängte Erbe des Nazi-Kinos                                                     

Zwischen 1933 und 1945 wurden in Deutschland 1.200 Spielfilme hergestellt. 300 Filme wurden nach dem Krieg von den Alliierten verboten. Über 40 NS-Filme sind bis heute nur unter Auflagen zugänglich – sie werden als "Vorbehaltsfilme" bezeichnet. Der Umgang mit ihnen ist schwierig: Bewahren oder entsorgen, freigeben oder verbieten? VERBOTENE FILME stellt die "Nazifilme aus dem Giftschrank" (Die Welt) vor und macht sich auf die Suche nach ihrem Mythos, ihrem Publikum und ihrer Wirkung heute – in Deutschland wie im Ausland. Eine visuelle Reise zur dunklen Seite des Kinos.

Die sehenswerte Dokumentation nähert sich dem kontroversen Thema mit einem überzeugenden multiperspektivischen Ansatz an. In seinem neuen Film beschreibt Felix Moeller, um welche Filme es sich dabei dreht und stellt die Frage, ob ein Verbot dieser Filme nicht fragwürdige Zensur ist. Er zeigt aber auch, wie die "Vorbehaltsfilme" auf ein heutiges Publikum treffen und wie sie diskutiert werden.

D 2012 | R: Dr. F. Moeller | 98 Min. | FSK ab 6 | dt. Originalfassung

Empfohlen ab 9. Klasse | ab 14 Jahren

Mehr Informationen zum Film unter:

www.salzgeber.de